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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 176)

ahrhundert unter dem Einfluß der Fleforma- 
rerstärkt fort und erfaßt schließlich in inner- 
reich neben bürgerlichen Familien auch den 
weshalb aus der Zeit um 1600 eine größere 
von Kindergrabsteinen erhalten geblieben 
Die "Nachfragen veranlaßte Martin Pocabel- 
zh in Kärnten geradezu auf Kindergrabsteine" 
lezialisieren, während von seinem in der Stei- 
rk tätigen Bruder Philibert bis jetzt keine für 
er errichteten Grabmäler bekannt waren! 
qualitätsvoilste Grabmal ist hier das aus wel- 
Marmor gemeißelte Epitaph des Christoph 
rich Galier in Schwanberg, das zweifellos 
Philibert Pocabello persönlich angefertigt 
e. Dafür sprechen nicht nur die Ausführung, 
ern auch die für den Bildhauer typischen De- 
ionselemente. Hier ist das bereits früher er- 
ite, im Hintergrund des Bildfeldes angebrach- 
ch zu nennen, das seitlich geknotet und mit 
in besetzt ist. Der im Alter von einem Jahr 
I8 Wochen gestorbene, aber älter dargestell- 
lugling wendet sich frontal dem Betrachter 
rträgt ein Totenhemd mit einem breiten Kra- 
der Kopf - auch hier ist die hohe Stirn für 
)ert Pocabello charakteristisch - ruht auf ei- 
breiten Kissen mit Quasten, während die 
le über dem Körper gefaltet sind. Die anderen 
(indergrabsteine zeigen zwar ebenfalls in der 
erdarstellung die für Philibert Pocabello typi- 
Plastizität, reichen aber mit ihrer starken Sti- 
ung künstlerisch nicht an das Schwanberger 
lph heran und stammen daher wahrschein- 
iur aus der Werkstatt des Bildhauers. Sie wei- 
linen rechteckigen Rahmen mit einer umlau- 
an Legende auf. Das Bildfeld zeigt das frontal 
astellte Kind, das entweder betend die Hände 
: (Grabstein in Arnfels und Leibnitz) oder ei- 
Blumenstrauß (Grabstein in Klrchberg) in den 
len hält." Die beiden Mädchen in Kirchberg 
_eibnitz tragen bereits die mit einer Halskrau- 
lrsehene Kleidung von Erwachsenen und ein 
rohen, die Köpfe ruhen auf einem Kissen. Hin- 
 
10 Philibert Pocabello, Grabstein Christoph Friedrich 
Geiler (T1621). Detail. Pfarrklrche Schwanberg 
11 Philibert Pocabello, Grabmal Elisabeth Haller (11601). 
Pfarrkirche Gamlitz 
12 Philibert Pocabello, Grabmal eines unbekannten Mad- 
chens. Ptarrkirche Leibnitz 
gegen trägt das auf dem in Arnfels befindlichen 
Grabstein stehend dargestellte Kind ein Toten- 
hemdchen und einen Überwurf. Bei diesen Grab- 
steinen orientierte sich Philibert Pocabello bzw. 
seine Werkstatt offenbar am Vorbild des Martin 
Pocabello, von dem einige signierte Kindergrab- 
steine, darunter auch der für seine Tochter Kathe- 
rina Q1610)" an der Stadtpfarrkirche In Klagen- 
furt, bekannt sind. Auffallend sind auch die Paral- 
lelen, die zwischen dem Kindergrabstein in Leib- 
nitz und dem von Martin Pocabello geschaffenen 
Grabmal des Abraham Höhenkircher (t 1605) in 
der Pfarrkirche Flosegg in Kärnten bestehen." 
Beide Grabmäler werden oben durch einen Seg- 
mentboden mit einem liegenden und sich auf die 
rechte Hand stützenden Putto abgeschlossen. 
Zusammenfassend können wir feststellen, daß 
das Oeuvre der Bildhauerfamiiie Pocabello auf 
Grund unserer Forschungen wesentlich größer Ist, 
als bisher angenommen wurde. Dies gilt beson- 
ders für den in der Steiermark tätigen Philibert Po- 
cabello! Wir können ihm bzw. seiner Werkstatt zu- 
sätzlich zu den bereits bekannten und in der Lite- 
ratur angeführten Werken acht weitere Grabmäler 
zuschreiben. Sein Oeuvre umfaßt daher in der Stel- 
ermark insgesamt 14 Epitaphien! Da es sich hier 
zweifellos nur um einen Bruchteil seines Gesamt- 
werkes handelt, zählte Philibert Pocabello ebenso 
wie sein Bruder Martin in lnnerösterreich zu den 
am meisten beschäftigten Bildhauern seiner Zeit. 
Die Wertschätzung, der sich die Bildhauerfamiiie 
Pocabello erfreute, zeigt sich darin, daB zu ihren 
Auftraggebern nicht nur führende protestantische 
Adelsfamilien und reiche Bürger, sondern auch An- 
gehörige des katholischen Grazer Hofs zählten. 
Obwohl die Werke der bereits dem Frühbarock 
verhafteten Brüder Pocabello auf die Sepulkral- 
plastik der innerosterreichischen Länder keinen 
nachhaltigen Einfluß ausübten, nehmen sie hier 
schon allein in Hinblick auf ihre Zahl und Qualität 
eine gewichtige Stellung ein. 
wrkungen 26-30 " Die Derswllung von Kindern mit Blumen in den Händen kommt Barock und Klassizismus. S. 141.) 
in der Sepulkrelplasilk des 16. und 17. Jahrhunderts häufig vor. 1' G. H. Ngckheim, 3.10., S. 598, und S. Hanwagner. Klagenfurt- 
Vql. dazu die Kindergrahswlne des Victor Poßn (T1580) in der Siadi. Osterreichische Kunstmonoqraphle 10, Salzburg 1980. 
Warrkirßha ZU S1. Laonhard l. L und der Barbara Elisabeth von S. 179. 
Wlndlschgräiz (11591) in S1. Midln Im Granlllrhal (R. Miiesi, "' G.H. Neckheim, a.a.O., S. 512. 
e Untersuchung des Verfassers über srelrische Klndergrab- 
ine der (ruhen Neuzeit liegt bereits als Manuskrlpl vor. 
he das Werkverzeichnis des Martin Pocabello bei G. H. Nack- 
m. a.a.O., S. 615i. 11 
3' 
libert Pocabellq 
rbmal Andreas von 
benberg (T1598). 
rrkirche Frauenburg 
liben Pocabello, 
rbmal von Kainach. 
rrkirche Fiber 
libert Pocabello, 
rbmal Hans Friedrich 
Trautmannsdorff 
814). Pfarrkirche 
uimannsdori 
liberi Pocabello, 
rbmal Hans Friedrich 
Trauimannsdorfl 
514). Deiail Abb. B. 
rrkircne TrautmannsA 
f
	        

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