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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 176)

l Aktuelles KunstgeschehenlÖsterreich 
 
Wien 
Museum des 20. Jahrhunderts 
Dubuffet 
Es war eine außerordentlich informative und den Künstler 
gut präsentierende Schau, die von Berlin kam und nach 
Wien in Köln gezeigt wurde. Dieser Einzelgänger, immer 
wieder nach neuen Wege suchende alte und doch un- 
glaubiich jung gebliebene Franzose hatte eine Kraft in 
seiner Aussage, wie wir sie nur bei sehr wenigen jungen, 
heute die Szene beherrschenden Nachfahren feststellen 
können. Für den Künstler gibt es kein Schon und Häßiich, 
und wer durch diese umfassende Ausstellung ging, wird 
ihm schließlich zustimmen müssen. Die Strichmännchen, 
die dem Tachismus venrvandten Gerinne, die bemalten 
und gleich Totems fratzenhaften Plastiken, die architek- 
tonischen Gebilde und Tanzmasken, sie alle haben etwas 
sehr Ursprüngliches, an frühe Kulte Erinnerndes und doch 
nicht Einzuordnendes. Sind in den frühen Bildern die line- 
aren Elemente noch sehr zeichenhaft und von den Kritzei- 
männchen bestimmt, wobei wir oft wunderschöne Farb- 
gründe finden, so wird ab der -Grotesken Landschaftw et- 
wa ersichtlich, daß Dubuffet immer mehr zu einem ver- 
schlungenen System tendiert, das er auch in seinen archi- 
tektonischen Gebilden immer wieder anwendet. In den 
fünfziger Jahren, die für den Künstler sehr fruchtbar wa- 
ren, entstehen Biider, die bereits als dreidimensional an- 
zusprechen sind. So ist etwa der nStein aus der Dordo- 
gne-x, 1952, ein Höhepunkt dieser Arbeiten. Verschiedene 
Plastiken entstanden in diesem Zusammenhang. Kopfe, 
zerknittert, zerbröselt, deformiert, beängstigend. Ganz an- 
ders jene späten Figuren und Tanzmasken, die eine eher 
heitere Note haben. Die Blätter der späten siebziger Jahre 
zeigten eine gewisse Summa. Hier finden wir die ver- 
schiedensten Arbeitsweisen. Bei den Acrylmalereien auf 
Papier hSpaziergang in der Umgebung von Toursu oder 
nDorfiiches Fest-i oder noch mehr bei wVeraiigemeinerte 
Aktivität: sind die Strichmännchen, die tachistischen Ge- 
rinne, die vereinfachenden Zeichen und die Flächen- 
schichtungen auf einem Blatt vereint. Der 427 Seiten star- 
ke Katalog mit sehr vielen Schwarzweißabbiidungen und 
Farbtafeln sowie zahlreichen guten und verständlich ge- 
schriebenen Abhandlungen über den Künstler, mit ver- 
schiedenen Stellungnahmen von Dubuffet selbst, einer 
umfangreichen Biographie und einer Bibliographie ist 
nicht nur eine Ergänzung zu dieser Exposition sondern 
ein informatives Werk, das man jedem, auch wenn er die 
Ausstellung nicht gesehen hat, sich aber für die moderne 
Kunst interessiert, empfehlen kann. (20. 11. e 18.1.1981) 
- (Abb. 1) 
Faszination des Objekts 
Diese etliche Monate währende Schau hat vor allem einen 
didaktischen, ja erzieherischen Charakter. Gut in der Ein- 
führung durch Hinweise auf allen Menschen vertraute Ob- 
jekte, die eine Faszination ausüben, auf die Fetische des 
Alltags und des Normalbürgers, Hinweise auf die Objekte 
in der Völker- und Volkskunde, zu den Objekten der Kunst. 
Hier wieder jene der frühen Erscheinungen, schon im Ba- 
rock und im 19. Jahrhundert sehen wir verschiedentlich 
Objektkunst, mit der beginnenden Moderne wird sie im- 
mer vielfältiger und auch oft, etwa mit Dada, gedanklich 
schwerer zu erfassen. Die Objektkunst nach 1945 war 
dann in verschiedenen Zusammenhängen gesehen, so et- 
wa IDas Objekt als ästhetisches Eriebnisu, nDSS Objekt 
als Werkstoff-r, nDas Objekt im Dialog mit der Malerei-e 
nDas Objekt zur Erhöhung des Reaiitätsgradesw, Das 0b 
jekt als Realität-i, i-Das Objekt wird verfremdetv, nDas Ob 
jekt als Impuls oder Fetischl, i-Das Objekt in einer Ak- 
tionu, i-Das Objekt als Gedankenmateriaiu. Schon aus die 
sen vielen Gruppierungen ist zu ersehen, wie vielfältig die 
Objektkunst angewandt werden kann, wobei natürlich ein 
Objekt viele dieser Sinngebungen beinhalten kann. Die 
verschiedenen Arbeiten sind aus den Beständen des Mo- 
dernen Museums zusammengestellt worden. Es werden 
schone und grausliche Dinge unserer Zeit gezeigt, wobei 
das Grausiiche gar nicht so sehr übergewichtig ist, eher 
vielleicht der Abfall, Beispiele des Verschleißes. Das En- 
de war ein Piastikzauberiaden, wobei mit Plastik hier na- 
türlich die Werkstoffbezeichnung gemeint ist. Ein guter 
Katalog ergänzt die Schau. (28. 11. 1980 - 28. B. 1981) - 
(Abb. 2) 
Historisches Museum der Stadt Wien 
Der Kreis - Dokumentation einer Wiener 
Künstiervereinigung 1946 - 1980 
Die Wiener Künstiervereinigung "Der Krelsn, die sich vori- 
ges Jahr aufioste, wurde 1946 von zehn Künstlern gegrün- 
det, die im Schaffen und Propagieren zeitgenössischer 
Kunst eine vordringliche Aufgabe sahen. Nun gehörten 
dieser Vereinigung allezeit Künstler an, die man eher un- 
ter der Bezeichnung gemaßigte Moderne zusammenfas- 
sen könnte. Nur in den ersten Jahren des Bestehens des 
nKreisesx waren mit Gottfried Goebel, Gustav Hessing, 
Vevean Oviette und Karl Prantl Künstler am Werk, die den 
meisten ihrer Zeitgenossen in Österreich um ein beträcht- 
liches voraus waren. Doch das war für diese Künstierver- 
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einigung nie ein Maßstab. Maßstab war ihr die Qualität, 
und bei der schwierigen Beurteilung von Qualität bei neu 
auftauchenden Richtungen hielt man sich eben lieber an 
das bewährte Alte. Dabei waren neben den schon genann- 
ten so namhafte Künstler wie Ferdinand Stransky, Maxi- 
milian Florian oder Reben Schmitt lange Mitglieder des 
i-Krelsesu, ebenso die leider zu früh verstorbenen Maler 
Gertle Schmltt-Kropik und Wilhelm Flippel. 
Davon und von den verschiedenen Ausstellungen berich- 
tete diese Schau. Ein leider recht kleiner Teil brachte De 
kumentationen: Beispiele von Plakaten, Fotos von Sitzun- 
gen und Ausstellungen, die heute schon Kunstgeschicht- 
ilchen Wert haben, eine Auswahl von Rezensionen, natür- 
lich nur die positivenl, die weniger guten wurden ausse- 
iektiert, was sicher nicht ganz richtig war, weiters gab es 
Einladungskarten, Kataloge, Faltblätter und wieder Kriti- 
ken, Kritiken... Etwas eintönig. Keine einzigen Live-Auf- 
nahmen von Ausstellungen. Als waren sie nicht besucht 
worden. Wenig Ateiierfotos. Den größeren Teil der Aus- 
stellung bestritten dann die Werke der Mitglieder. Es wa- 
ren 109 Exponate. Sehr eindrucksvoll waren die kleinen 
quaiitätsvollen Monotypien von Theobaid Schmogner 
gleich beim Eingang. Gut waren die Bildhauer mit Rudolf 
Kedl, Peter Perz, Karl Prantl und Josef Schagerl vertreten. 
Letzterer hatte mit der Chromnlckelstahlarbeit i-Das Pro- 
blem E: den größten Beitrag gestellt. Die Biiderauswahl 
war nicht immer sehr glücklich. Von vielen Künstlern hat 
man bei den alljährlichen Ausstellungen weit bessere 
Werke gesehen. (22. 1. - 15. 3. 1981) - (Abb. 3) 
Wiener Secession 
gruppe 77, graz, mit gästen 
im Untertitel steht i-nicht realisierte projekte - realisatio- 
nen-i. Dabei sind die nicht realisierten Projekte, wie die 
der Emma Fabian, manchmal recht interessant. Die 
ngruppe 77.-, so schreibt der steirische Kuiturlandesrat 
Prof. Jungwirth, gehört zu den profilierten Kunstvereinen 
des Landes. Es gehören ihr auch wirklich eine Menge sehr 
bekannter Künstler an, so etwa Bischoffshausen, Fabian, 
Fruhmann, Klffmann, Lackner, Kriesche, Panzer, Torn- 
quist, um nur einige zu nennen. in der Wiener Secession 
fallen vor allern die in einer Ecke stehenden Werkzeuge 
und Pressen auf. Arbeitsgeräte, allerdings reale, ein Envi- 
ronment des Schmuckmachers. Na schon. Dann gibt es 
noch einiges unterentwickeltes und ungeordnetes Grün- 
land und ein ständig laufendes Tonband, dem niemand 
zuhört, und mitten im Saal ein Rednerpult, in dessen Nä- 
he elns schöne Vogelscheuche von Christa Hauer steht. 
Sicher kein Zufall. Ein Metaliobjekt von Richard Hirsch- 
back und die Holziiguren von Franz Motschnig bleiben bei 
dieser sinnigen ('?) Anordnung gerade noch in der Erinne- 
rung haften. (15. 1. - 8. 2. 1981) - (Abb. 4) 
Christine Ströher 
Die Bilder wollen Meditatlonsobjekte sein. Am stärksten 
erfüllen dies die kleinen Blätter mit ihrem gleichförmi- 
gen Formenvokabuiar. Mit sehr kräftigen, signalhaften 
Flächen auf den emotional und kleinteiiig gestalteten 
Hintergründen springen uns aber die Ölbilder recht kräf- 
tig an und lassen uns mit ihren harten Farben wenig 
Raum für eigene Versenkung. (15. 1. - a. 2. 1951) - 
(Abb. 5) 
Reinhard Arzberger - Maimaschlne 
Der junge Tiroler Maler geht einen Schritt weiter als die 
Tachisten. Nicht mehr die vom Zufall gesteuerte Hand 
soll das Bild malen, denn wieviei und was ist dabei Zu- 
fall?, nein, eine Maschine, die einen Farbstoff mit sich 
führt, fahrt auf der zu bemaienden Fläche herum und zieht 
ihre Linien. wir werden an Tlnguelys nMeta-Matic-Ma- 
schine- erinnert, die er 1959 auf der Pariser Biennaie zeig- 
te. Arzberg laßt nun freilich sein Farbfahrzeug mehrere 
Gänge antreten, und jedesmal kommt ein anderes graphi- 
sches Resultat zustande. Unpräzision der Maschine. im 
Grunde wird hier ein spielerisches Element frei, das Arz- 
berger dann zu verschiedenen Schlüssen verleitet. (27. 1. 
bis 12. 2. 198i) 
Wiener Künstlerhaus 
Jürgen Vogdt 
Unter dem Titel -nina und franzi- fertigte Vogdt 1297 
Zeichnungen zu Konrad Bayers wder sechste sinni- an. 
Auch wurde die nRestaufiagen des kleinen Romans, 1297 
Exemplare (i), von Vogdt angekauft. An den Wänden wa- 
ren wie ein fortlaufender Film 400 ausgewählte Zeichnun- 
gen (alle DIN A 4) und in der Saalmltte, zu einem Haufen 
gestapelt, die 1200 Bücherzu sehen. Objekte mit ihren Be- 
ziehungen. Diese Zeichnungen, emotlonell hingesetzte 
Kritzeieien eines Autodidakten mit zittrigen Beschriftun- 
gen, beschäftigen sich natürlich ununterbrochen mit Nina 
und Franz des Romans. sie sind aber auch ein Psycho- 
gramm des Zeichners und erinnern mehr als einmal an die 
Zeichnungen des Schweizers Adolf Wolfli. Die Zeichnun- 
gen beflnden sich in der Sammlung Ludwig. (16. 12. 1980 
bis 18. 1. 1981) - (Abb. 6) 
Leopold Metzenbauer 
Unter dem Titel a5 Aspekte seines Schaffensu waren im 
großen Saal sehr unterschiedliche Arbeiten zu sehi 
Hauptanteil tragen freilich die medizinischen Dar: 
gen. Schnitte durch Körperteile und Organe. Eine 
gezeichnete und saubere Arbeitsweise. Aus Metz 
ers Fiimarbeit, 1949 e 1975, waren einige intere 
Entwürfe und Fotos von Filmbauien zu sehen. Aus 
Designer-Zeit gab es Stoffmuster. Aus der Zeit de: 
schen Widerstandes nur mehr vereinzelt gerettete 
jedoch eine Menge Landschaftsaquarelle und imn 
der eindrucksvolle Bieistiftzeichnungen von Mer 
auch einige gute Akte sind zu erwähnen. (17. 1. - 
1981) - (Abb. 7) 
Distanzen 
Eigentlich sind es drei verschiedene Expositionen, 
ter einem nicht für alle geeigneten Titel zusam 
führt wurden. Am ehesten trifft diese Bezeichnun 
für die Installationen der Waitraut Cooper zu. Die 
spannt Schnüre in regelmäßigen Abständen dur 
Raum und iäßt uns damit diesen bewußt werden. i 
lockung zum Abschreiten der frei gelassenen Sr 
konnte sich auch fast keiner der Besucher entziel 
Vcn Osamu Nakajima waren Sfeinskulpfuren auf; 
Schichtungen in feinpoiiertem Granit. in einigen 
ten bringt der Bildhauer auch Kombinationen vo 
und Glas, Stein und Stahl, ja Stein und Pappe. Disl 
Die dritte Schau war Marga Persson gewidmet. F 
es Texfilproiekfe. Es waren meist großflächige W 
piche mit symmetrischen Elementen und verschi 
Einsprengungen oder Durchstreichungen, Asymr 
Dieser Teil war noch der konventioneilste. (24. 1. 
1981) - (Abb. B) 
Kamii Roskot 
Eine Dokumentation des tschechischen Architekt 
kot, der 1886 in Vlasim geboren wurde, in der Zw 
kriegszeit sehr wesentliche Bauten in der CSR dUl 
te, 1927 die goldene Medaille für den Entwurf de: 
choslowakischen Pavillons der internationalen M 
Mailand erhielt, sich an der 5., 6. und 7. Triennaie 
iand beteiligte und 1945 starb. Die Ausstellung l 
Katalog sollen Zusammenhänge aufzeigen. nMoni 
iität mit dem klaren Bekenntnis zur Gegenwart 
auch Zusammenhänge mit Otto Wagner, wie A. St 
hofer schreibt. Weitere Höhepunkte des Schafft 
Roskot sind das Theater von Üsti nad Oriici und d 
der böhmischen Könige im St.-Veits-Dom in Prag 
grafien, Grundrisse und Zeichnungen gaben Ein 
das Schaffen eines Architekten unseres Nachbar 
der zwar monumental, aber nie pathetisch baute 
bis 22. 2. 198i) 7 (Abb. 9) 
Galerie auf der Stubenbastei 
Die Belebung der Sinne 
Unter diesem Titel schrieb die Römerqueiie G. rn. I 
Preisausschreiben für bildende Künstler aus. Un 
Vorsitz von Hofrat Dr. Koschatzky entschied ei 
über die rund 400 eingereichten Arbeiten. Die 
1. Meina Scheliander, 2. Ernst Zdrahal, 3. Christine 
Es folgten noch einige Ankäufe. Die ausgestellte 
ten zeugten von der Vielfalt und überdurchschni 
Qualität der eingereichten Arbeiten. (5. - 29. 1 
- (Abb. 10) 
Ernst Friedrich 
Unter dem Titel ivBriefe an meine Eieonoren zeigte 
ler eine Anzahl sehr monotoner Blätter mit schr 
chen Formungen, wie wir sie seinerzeit bei Prei 
schon kennengeiernt haben. Auch die Tönungen 
schon von diesem variiert. (8. - 31. 1. 1981) 
Galerie Peithner-Lichtenfeis 
Rudolf Klaudus 
Wieder einmal eine verdienstvolle Ausstellung Pi 
nach jener, die Andri u.a. Zeitgenossen brachte. i- 
den 111 Exponate gezeigt! Natürlich sind es hau 
iich Graphiken, dabei sehr gute Holzschnitte. Es sl 
auch 21 Ölbilder, darunter so schone wie die kra 
Landschaften mit ihren roten Hausdächern. Es si 
achen, Aquarelle und Kreidearbeiten. Besonde 
nVorstadtu und wBlumenstiIleben-r zu nennen, MIS 
niken, die mit ihren leuchtenden Farben von der 
Ausdruckskraft des leider 1979 verstorbenen burgl 
schen Meisters zeugen. (20. 1. - 21. 2. 1981) - (. 
Neue Galerie 
Wolfgang Herzig 
insgesamt waren es etwa 50, meist große Bilder. ii 
sah man die älteren, aggressiveren Arbeiten. Doci 
uns scheinen, daß die in den letzten 70er Jahren l 
denen nicht weniger hart zupacken. in einer sehr 
ten klaren Malweise stellt Herzig, an Andrea Mant 
innernd, seine Figuren nebeneinander. Er gibt ke 
ab. Er zeigt nur, wie es ist. Und es ist OYSCTTÜNEVW 
Mütter mit ihren debilen Kindern, diese Frauen lr 
oder schlaffem Fleisch, diese Ansammlung von I 
chen am Strand, letztlich das mit Tüchern verhän 
im Krankenhaus. Sind diese Bilder wirklich wen
	        

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