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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 177)

 
10 David schont Saul. Stickereibezug auf einem Hocker, 
Wien, 1730- 40. Wien, Schottenstift 
11 David schont Saul Caspar LuykenIChr. Weigei, Histo- 
riae veteris testamenti iconibus rappresentatae, Nürn- 
berg, 1708 
12 Rücklehne des Thronsesseis, Wien 1730-40. Wien. 
Schottenstift 
13 Abraham bewirtet die drei Engel. Melchior Füßli I I.G. 
Pinz, Kupferbibel historischer Vorstellungen, Augs- 
burg, o.J. 
14 Auffindung des Mosesknaben, Stickereibezug auf ei- 
nem Hocker, 1730- 40. Wien, Schottenstift 
15 Auffindung des Mosesknaben, J.U. Kraus, Historische 
Bilderbibel, Augsburg, 1702 
Anmerkungen 4 -13 (Anm. 4 -5 s. Text S. 24, 25) 
' Oeterr. Kunsttophographie XXIII St. Stephan, S. 507; Meisterwer- 
ke barocker Texlilkunst, wien 1972, Nr. a. 
- Katalog der Ausstellung Kunstschiitze aus dem Kloster der 
Heimsuchung Marine, wlen 11267, Nr. a, Österr. Kunsttopogra- 
phie XLI, Wien, lll. Bezirk, Kirchen, S. 266. 
I Österr. Kunsttopogrephie xxlll, s. 507. 
' Schottenarchiv Scrin. 46 Nr. Zi-Zd. lCh danke P. Dr. Cölestln 
Roman Flapf ganz besonders dafür, daß er mir diese wichtigen 
historischen Belege zugänglich gemacht hat. 
' Meisterwerke barocker Textilkunst, a. a.O., Nr. 41. 
' Osterr. Kunsilopographie lll. Stift Melk, S. 193, Meisterwerke ba- 
rocker Textilkunst, a.a.0., Nr. 22. r 
" Meisterwerke barocker Textiikunet, a 
iopographle xu. s. zsa n. 
" P. Friedrich Fiedler, Admonter Kunststickereien und der Sticker 
Johann Siegmund Köck, Festbellege Zum GrazerVolksblatt,1.1. 
1927, s. m. 
" Für die Bedeutung von Bibellllustratiorlen als Stickerelvorlagen 
vgl. vor allem Georg Garde, Danske Silkehroderede Laerredsdu- 
ge fra 15 Og 17 Arkunderede, Kopenhagen 1961. 
" Alessandro Paganirlo, ii Burato, Llbro prirno de Rechami etc. 
1527; Betty Kurth, Die europäische Biidstickerei im Mittelalter, 
CIBA-Rundschau 1941, s. 177a; Garde, a.a.0., kau. XVIII. Die 
zahlreichen dort behandelten Stickereien nach Bibellliustralio- 
nen und graphischen Serien sind gegenüber den Vorlagen nicht 
aeitenverkehrt. 
 
Nr. 34, Österr. Kunst- 
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Feinde die Oberhand. Da schoben Aaron und Nur 
Moses einen Stein unter, damit er sitzen könne, 
und stützten seine Arme, bis die Sonne unterging 
und Josua einen vollständigen Sieg errungen hat- 
te. 
Besonders stark mußte das Bild mit Moses und 
der ehernen Schlange umgeändert werden. Die 
Hauptfigur wurde viel weiter nach vorne gerückt, 
dafür die im Schatten liegende Gruppe vorne bis 
auf eine Figur weggelassen. Der von einer Schlan- 
ge umwundene Jüngling steht damit für das gan- 
ze Volk, das durch den Anblick der ehernen 
Schlange von den Bissen der feurigen Schlangen 
geheilt wird. Die Vorlage ist zwar in der Stickerei 
eindeutig wiederzuerkennen, doch ist durch die 
Verschiebung der Figuren die räumliche Disposi- 
tion unklarer geworden. Ähnlich ist durch die sei- 
tenverkehrte Wiedergabe in der Szene mit Joseph 
und seinen Brüdern der Knabe Joseph, statt 
rechts vorne wie im Stich, nun links im Hinter- 
l grund zu sehen, obwohl er natürlich die Hauptper- 
son der Szene Ist. 
Für das Bild des Hohenpriesters könnte ebenfalls 
ein Stich der Biblia Ectypa das Vorbild gewesen 
sein, und zwar die Illustration zu Exodus XL r-Ap- 
paret gioria Domini super tabernaculumu, doch 
müßte hier die Veränderung tiefer greifend als bei 
den anderen angenommen werden. Vor allem ist 
statt des inneren der Stiftshütte eine Landschaft 
als Ambiente gegeben. Das wäre denkbar, um das 
Bild den anderen, die alle einen Landschaftshin- 
tergrund haben, anzugleichen. Tatsächlich wirkt 
die Darstellung des Priesters mit dem Weihrauch- 
gefäß und dem Tisch mit den Schaubroten in einer 
freien Landschaft mit dem Ausblick auf eine ent- 
fernt liegende Stadt etwas unorganisch. 
Die letzte Szene der Folge, der Prophet Jonas, ist 
dem entsprechenden Bild aus den Bibeiiiiustratio- 
nen von Matthäus Merian vlcones Biblicaerr, die 
1630 in Straßburg erschienen, entnommen, greift 
also auf eine wesentlich ältere Vorlage zurück. 
Abgesehen davon, daß Jonas in der Stickerei voll 
bekleidet erscheint, stimmt die Hauptgruppe in al- 
len wesentlichen Motiven überein, wie den Mu- 
schein im Vordergrund, der Haltung des Wales, in 
dessen Flachen eine große Zunge sichtbar wird, 
und den an gefiederte Blätter erinnernden Meeres- 
wogen im Vordergrund. Was den Charakter der 
Stickerei gegenüber der Erfindung Merians we- 
sentlich verändert, ist nicht so sehr der verein- 
fachte Hintergrund als die Umzeichnung des Wa- 
les, dessen Schwanzflosse wie ein Blattbüschel 
 
wirkt. Gegenüber der kontrastreichen Zeichnung 
des Vorbildes sind in der Stickerei der Mantel des 
Propheten und die Zunge des Wales nicht gut zu 
unterscheiden und vor allem durch die eigenartig 
streitige Behandlung des Tierkopfes die räumli- 
che Disposition des Wales, dessen Rücken vom 
Meer überspült wird, während Kopf und Schwanz 
auftauchen, unklarlgeworden. 
Für die beiden letzten Szenen der Daimatiken, 
Isaak tragt das Holz für das Brandopfer und den 
gefesselten Samson, sind die Vorlagen z. Z. nicht 
zu nennen. Nur so viel kann gesagt werden, daß 
sie in den beliebten und sehr verbreiteten Bibeiii- 
lustrationen des 17. und frühen 18. Jh.s nicht ent- 
halten sind. Die Darstellung des gefangenen Sam- 
son kommt in diesen überhaupt nicht vor, da sie 
nicht zu den mehr oder minder feststehenden illu- 
strationen, die alle die außerordentliche Kraft des 
Helden zum Thema haben, gehört. Daß diese un- 
gewöhnliche Szene hier gewählt wurde, erklärt 
sich daraus, daß Samson in mehrfacher Hinsicht 
als Vorbild Christi gilt, hier für die Bildabfolge 
aber die Gefangennahme, nicht eine der üblichen 
Szenen, notwendig war. Der Autor des ikonogra- 
phischen Programms, das keine chronologische 
Erzählung, sondern typologische Bilder zur Pas- 
sion umfaßt, stellte daher Vorlagen verschiedener 
Herkunft zusammen. 
Eine Auswahl verschiedener Stichvorlagen liegt 
auch einem zweiten Ensemble von Bildstickereien 
zugrunde, das sich ebenfalls im Besitz der Wiener 
Schottenklrche befindet. Ein Thronsessel und 8 
Hocker tragen Stickereibezüge, die wiederum Sze- 
nen aus dem Alten Testament zur Darstellung 
bringen. Geschweifte und gebrochene Bänder, 
von denen Blätter abzweigen, umrahmen die Bil- 
der. lhrer Verwendung für Sitzmöbei entsprechend 
sind hier keine Metailfaden verwendet, sondern ist 
alles in Seide gearbeitet, die Mlttelstücke in sehr 
feiner Petitpointstickerei, die Umrahmungen mit 
etwas stärkeren Fäden und doppelt großen Sti- 
chen. Über Entstehungszeit und Herkunft dieser 
Stücke sind leider keine historischen Belege vor- 
handen. Die einzige Nachricht, die sich auf sie be- 
zieht, ist ein Nachtrag im Sakristeiinventar von 
1738 1110 Stück genähte Stocksessel welche  
von Pi. Tlt. Flno. Dno. Benone Abbate ao. 1771 ein- 
geschaffet wordenrr. Ihrem Stil nach gehören sie 
aber keinesfalls in die Zeit um 1770, sondern sind 
wesentlich früher anzusetzen. Sprache der Erwer- 
bungsvermerk nicht dagegen, so könnte man sie 
als unmittelbar zum Benedictusornat gehörend 
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