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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 177)

 
' Staatlichen Graphischen Sammlung in Mün- 
an, lnv. Nr. 30163 (H. 35,6 x Br. 19,9 cm), aus 
' Sammlung Halm-Maffei III. 51, ergibt sich 
enfalls keine Klärung, da dieses Blatt sicher 
ht von Wolffs eigener Hand, sondern hoch- 
ns Atelierarbeit ist. Die Federzeichnung dersel- 
1 Sammlung Nr. 30170 (Halm-Maffei lll. 56; 
33,8 x Br. 18,8 cm) ist zwar Wolffs eigene 
nd, doch gehört sie zusammen mit der lnv. Nr. 
29 (Halm-Maffei lll) für das Hochaltarblatt 
ilffs in Kloster lndersdorf. Es zeigt denselben 
iwie Blatt Nr. 30175 (Halm-Maffei lll. 60; H. 41,2 
I Br. 32,1 cm) derselben Sammlung mit der Ver- 
rlichung des hl. Apostels Judas Thaddäus für 
I Seitenaltar der lnnsbrucker Jesuitenkirche 
1685. Die ebenfalls in der Sammlung Halm- 
ffei verwahrten Zeichnungen Nr. 30133, In Rotel 
izipiert, und Nr. 30161, als Federzeichnung an- 
egt, scheiden, weil Werkstatt- oder Atelierar- 
ten, gleichfalls als Belegstücke aus. 
wiit bleiben heute für einen Vergleich mit dem 
chaltarbild in Göttweig lediglich die Kolner und 
nchner Handzeichnungen. Hinzu kommt ietzt, 
5 das Göttweiger Klosterarchiv" 3 Dokumente 
Zusammenhang mit dem Hochaltarbild ver- 
hrt, die bisher unberücksichtigt geblieben 
d." Da ist erstens eine eigenhändige Quittung 
a "Johan Andreas Wolf, Churfl. Hof Malleni, 
nchen, den 6. Juli 1688, 2. die Endquittung vom 
August ao 1694, ebenfalls von persönlicher 
1d Wolffs, und 3. vorn 15. September 1689 ein 
treiben von selten Göttweigs unter dem neuen 
: Berthold Mayer aus Nalb (1689-1713). Diese 
:hivalien lassen sich durchaus für eine Klärung 
tzend heranziehen. 
Kölner Handzeichnung Wolfts zeigt gegen- 
ir dem ausgeführten Hochaltarbild Göttweigs 
die obere Bildhälfte, die Gruppe um Maria mit 
l Chören der Engel und dem entgegenschwe- 
iden Sohn. Maria ist nahezu identisch wieder- 
leben: die ausgebreiteten Arme, die stützenden 
Jelgestalten zu ihrer Flechten, die Engelgruppe 
die Mondsichel in der Fußgegend. Der ThurI- 
engel über Maria auf der Zeichnung rückt an 
linke Seite Mariens, die Engelgruppe mit der 
Christus, der Maria die Strahlenkrone überreicht, 
fehlt in Göttweig der eschatologische Kreuz- 
stamm, statt der Engel am Erdball findet sich nur 
ein Stützengel, die HL-Geist-Taube im Zenit ist 
weggelassen. Auch das Engelskonzert mit David 
und den Vätern rechts von Maria im Himmelsfond 
fehlen in Göttweig. Dort zeigt die Ausführung im 
Himmelsgeschehen deutlich eine konzentrierende 
Reduzierung, die auch den blütenstreuenden En- 
gel als Verbindungsglied zur irdischen Apostel- 
gruppe opfert. 
Die Münchner Handzeichnung bleibt gegenüber 
der Kölner und dem Hochaltarblld auf weniger Fi- 
guren um Maria beschränkt. Maria in der Mittel- 
achse wird von der Engelgruppe deutlich in den 
Himmel gehoben. Gott Sohn ist rechts von Maria 
plaziert und reicht auch hier das Strahlendiadem. 
Der Thuriferengel ist ebenfalls rechts von Maria 
unter den Erdball gedrängt. Ihm korrespondiert 
ein Engel mit Notenblatt auf der linken Seite. Die 
Engelgruppe ragt als gleichschenkeliges Dreieck 
trichterförmig in die Apostelgruppe und erfüllt so 
den gesamten Himmelsraum, was die Aufwärtsbe- 
wegung beeinträchtigt, die Maria durch ihre Kör- 
pertorsion unterstreicht, während die Münchner 
Zeichnung noch statisch aufgefaßt ist. Die 
HL-Geist-Taube schwebt im Vierpaßfeld unter 
Gott Vater als eigenes Bild über dem Hauptaltar- 
blatt. Dieses "Auszugbildii hätte bei dieser Aus- 
führung sicherlich die Altararchitektur in Gött- 
weig beeinträchtigt, denn im Zusammenhang mit 
den Wechselbildern im Auszug des Hochaitars 
wären drei Bilder übereinandergekommen. Die 
Giebelzone des Hochaltars von Hermann 
Schmidt, 1639, aus Essen bei Antwerpen ist näm- 
lich prunkvoller Wechselrahmen für eine 
7blättrige Gemaldefolge (H. 280 x Br. 190 cm) ei- 
nes heortologischen Festzyklus verschiedener 
Maler, die um 1640 bis 1643 nach Vorlagen von Fe- 
derico Barocci, Cornelis Galle d.Ä. (1576- 1640) 
und Peter Paul Rubens ihre Blätter ausführten. 
Vergleicht man die aus den Maßangaben der 
Münchner Zeichnung errechnete Hohe von 292 crn 
: 10 Münchner Schuh, dann fällt auf, daß Wolffs 
ursprüngliche Konzeption die Auszugbilder nur 
um 12 cm an Hohe übertroffen hätte. Vom Vorgän- 
gerhochaltarbild sind keinerlei Maße überliefert, 
die Archivalien" beleen lediglich den Zwettler 
Maler Jörg Khurz, der 1636-38 am Göttweiger 
Hochaltarblld malte. Nimmt man die Maße des al- 
ten, in der Sommersakristei noch erhaltenen Ta- 
bernakelaufbaues mit einer Höhe von annähernd 
3,45 m und einer Breite von 2,25 m auf einem ge- 
 
 
mauerten Altarstipes von 275 cm Breite hinzu, 
zieht die beiden Engelkaryatiden, die heute als 
Leihgabe in Krems ausgelagert sind, hinzu, fällt 
auf, daß die heutige Hochaltararchitektur in Gött- 
weig nicht mehr die ursprüngliche, sondern eine 
abgeänderte ist. Errechnet man bei einer Höhe 
von 10 Münchner Schuh ein ungefähres heutiges 
Maß von 292 cm, dann ergeben sich bei 6 Schuh 3 
Zoll annähernd 184 cm als Breite. Das Vierpaßbild 
der Handzeichnung hätte demnach eine Breite 
von annähernd 100 cm bei einer Hohe von 75 cm. 
Diese Maße stehen in keinem Verhältnis zur Altar- 
architektur in Göttweig und zu den Auszugbildem. 
Freilich ließe sich die nach der Zeichnung errech- 
nete Gesamthöhe von ca. 365 crn wesentlich ver- 
längern, wenn zwischen beiden Tafelbildern ein 
Gebälkstück oder breiter Rahmen vorgesehen ge- 
wesen wäre. Doch auch dann würden die ange- 
führten Höhenmaße immer noch nicht die Breite 
des heutigen Altarbildes von 393 cm überschrei- 
ten. Für den 8. April 1686 ist ein Kontrakt des Ab- 
tes Johannes Dizent mit dem Steiner Maler Jo- 
hann Bernhard Grabenberger über eine Summe 
von 1700 Gulden erhalten, der neben der Ausma- 
lung der Georgskapelle auch die völlige Neufas- 
sung von Choraltar mit Tabernakel und Kanzel vor- 
sieht. Zwei Jahre später quittiert Johann Andreas 
Wolff mit dem 6. Juli 1688 handschriftlich und mit 
Petschaft die Anzahlung von 600 Gulden für ein 
wangesinndtes Altar Plat interem guet zu machen 
gelobtii. Dieses Altarbild konnte dann nur unter 
Schwierigkeiten München verlassen, da Max Ema- 
nuel hiefür die Ausfuhrgenehmigung nach Gott- 
weig verweigerte, um dieses Bild ob seiner außer- 
gewöhnlichen Komposition und seines Ranges in- 
nerhalb der zeitgenössischen Malerei in Bayern 
für sich zu erwerben. Die Signatur, heute hinter 
dem Flokokotabernakelauszug verborgen, ist mit 
1694 als Datum versehen. Für dasselbe Jahr hat 
sich mit 17. August die Endquittung Wolffs für 
"das vor 6 Jahren angesinndte und zwar auf Eilf- 
hundert Gulden pactierte Altarblattu erhalten. Mit 
selbigem Datum quittierte er die restlichen erhal- 
tenen 500 Gulden, verlangt aber gleichzeitig noch 
weitere 600 Gulden hinzu, die ihm schon verspro-
	        

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