MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 177)

Österreichisches Museum für angewandte Kunst 
 
Museumssommer 1981 steht im Zeichen der laufen- 
Ausstellungen, aber auch im Bereich der Sammlun- 
voiizieht sich kontinuierlich der Prozeß der Reformie- 
r bzw. Neuformierung, dem Konzepte w. Hofrat Univ.- 
. DDr. Gerhart Eggers, des amtierenden Direktors, fol- 
l. Diesem ist auch dieses Ehrenheft aus Aniaß seines 
Eeburtstages, den er in diesen Tagen feiert, gewid- 
Die Mitarbeiter des Hauses wie auch dessen Freun- 
regiückwünschen den Jubilar damit auch zu dessen 
vierzigjährigen Tätigkeit am Haus. Eine seiner 
ptaufgaben war es, die Bestände der Bibliothek mit 
lanna Egger durch Ausstellungen zu öffnen. Wertvol- 
reitrag hiezu die aufgelegte "Schriftenreihe der Biblio- 
und Kunstblättersammlungu. Als bleibender, vorzüg- 
erarbeiteter Niederschlag nach den Ausstellungen 
malte sich so wertvolles wissenschaftliches Mate- 
das wichtige Objektgruppen und Rarissima oft buch- 
lich aus dem Dunkel des Bibiiothekkörpers hervorhcl- 
tls eine eminente Basisarbeit und profunde wissen- 
rftliche Leistung kann die weitere Erforschung der Or- 
entstichsammlung durch den Geehrten gelten. Der 
über V4 Million angewachsenen Vorbiidersammiung 
nete er ebenfalls besonderes Augenmerk. Über die Bi- 
hek und Kunstbiattersammiung hinaus stand er den 
miungen der Goid- und Siiberschmiedearbeiten, den 
eren Metaiiarbeiten vor, und als weiteres bevorzugtes 
iensgebiet betrieb er die Forschung frühchristiicher 
kcptischer Textilien. Als sichtbaren publizistischen 
erschiag über den Fortgang seiner Forschung in Fra- 
des Ornaments kann Hofrat Egger als Verfasser in 
e ein neues Gesamtwerk vorlegen. l. n. 
lntalisierendes Glas von J. 8. L. Lobmeyr 
resamtprogramm der Firma Lobmeyr waren die orien- 
lerenden Gläser in Qualität und Quantität hervorra- 
I vertreten. Wesentlichen Anteil an der Entstehung 
er Art von Gläsern hatte Ludwig Lobmeyr (von 1864 
1902 Aileininhaber der Firma), der dem Österreichi- 
tn Museum für Kunst und Industrie sowie dem Orien- 
chen Museum eng verbunden war. Er gab die Anre- 
j für die meisten Serien, manches (vor allem Forment- 
e) schuf er selbst. Durch die Zusammenarbeit der Fir- 
.obmeyr mit bedeutenden Künstlern des 19. Jahrhun- 
s war die Qualität des künstlerischen Entwurfs gesi- 
t; ausgeführt wurden die Glaser in Böhmen, einer Re- 
, die in der Giaserzeugung eine lange Tradition hatte. 
iutiich entstand das Fiohglas in einer der sieben 
hütten, die Lobmeyrs Schwager Wilhelm Kralik be- 
die Veredlung des Glases (Schliff, Schnitt, Bema- 
) wurde entweder in Lobmeyrs Raffinerie in Biotten- 
bei Haida, in Kraiiks Hütten oder in anderen Vered- 
sbetrieben, vielleicht auch in Heimarbeit durchge- 
irientalisierenden Gläser Lobmeyrs greifen in Farbig- 
Ornament und Technik tmeist Dekor in Gold und 
ilfarbenl auf orientalische Vorbilder zurück, die ent- 
ar als Objekte in Museen oder in Form gedruckter Vor- 
nwerke zur Verfügung standen (z. B. die Zeitschriften 
Gewerbehalle-t, uL'Art pour tousrr. "Blätter für Kunst- 
erben oder die Bücher irL'Art arabei von Prisse 
ennes bzw. uL'Ornement poiychromerr von M. A. Recl- 
um nur einige zu nennen). 
neyrs Entwerfer (Josef Storck, Josef Saib, Otto Gi- 
Georg Ftehlender, Johann Machytka, Franz und Gu- 
Schmoranz, Valentin Teirich, Moritz Knab) verwende- 
ror allem die orientalische Ornameniik, weniger die 
itaiischen Formen selbst. Erst gegen Ende des 
Jahrhunderts kam es - vermutlich durch Gustav 
noranz - zu einer Reihe von Kopien, die sich eng an 
iestimmtes Vorbild aniehnten. 
orientalische Glas der Firma Lobmeyr war keines- 
: eine auf kurze Zeit beschränkte Modeerscheinung, 
1 man bedenkt, daß die ältesten dieser Gläser 1873 
tanden und Vermerke auf den Werkvoriagen darauf 
"eisen, daB manche noch 1919 erzeugt wurden. 
ältesten orientalisierenden Gläser Lobmeyrs kennen 
on der Wiener Weltausstellung 1873 (die Serien uCe- 
n C-r und "Flosakristallu von Josef Saib; die Serie 
rkelgrün mit Goidr- unter Verwendung indischer Moti- 
ich Ftacinet von Josef Storck; Giasentwürfe mit persi- 
in und indischen Motiven, die von Valentin Teirich, 
Girard und Georg Flehiender aufgegriffen wurden). 
je Glaser der Serie "Aquamarinu mit maurischen Mo- 
l waren ebenfalls bereits in Wien 1873 zu sehen; er- 
t wurde diese Serie von Girard St Rehlender bis 1880. 
Architekten Franz Schmoranz und Josef Machytka 
an 1873 die Baugruppe des Vizekönigs von Ägypten 
rorfen; dieselben Künstler zeichneten für den Großteil 
tarabischenrr Glaser Lobmeyrs verantwortlich. An der 
sischen Serien war die Arbeitsgemeinschaft Machyt- 
Schmoranz ebenso beteiligt wie jene von Girard 8. 
ender; die Motive dazu entnahmen sie den damals so 
ichneten upersisch-rhodischen Fayencen-r, die heute 
znlk-Keramiken bekannt sind. 
1isch-maurische Lüsterfayencen waren Vorbild und 
 
 
namengebend für die uspanisch-maurische Serie-r, die 
Moritz Knab nach Entwürfen von Franz Schmoranz zeich- 
nete. Ludwig Lobmeyr selbst entwarf die "türkische Se- 
rien, deren Vorbilder wir noch nicht kennen; tauschierte 
Bidri-Ware gab die Anregung zu einer "indischen Seriell 
von Moritz Knab; das Tierpaar der irAlhambra-Vaseu wart 
Ausgangspunkt für eine nAlhambra-Serieu, die Moritz 
Knab nach Entwürfen von Franz Schmoranz zeichnete; 
Fenstermotive aus -tL'Art arabe-r von Prisse d'Avennes 
übernahm Knab für eine "Serie Arabische. 
Die Ausstellung zeigt den Gesamtbestand orientalisieren- 
der Glaser aus dem Österreichischen Museum für ange- 
wandte Kunst sowie aus dem Firmenmuseum Lobmeyr. 
Die im Archiv der Firma Lobmeyr erhaltenen Werkvorla- 
gen werden den entsprechenden Gläsern gegenüberge- 
stellt und gestatten dadurch Vergleichsmöglichkeiten, 
die bei Ausstellungen normalerweise nicht gegeben sind. 
Als Geschenk Ludwig Lobmeyrs gelangten 1883 bzw. 
1892 achtzehn Bände "Werkzeichnungen ausgeführter 
Giasgegenständeir an das Österreichische Museum für 
Kunst und Industrie (heute Österreichisches Museum für 
angewandte Kunst); zwei Bande davon sind ausschließ- 
lich orientalisierenden Gläsern gewidmet, in zwei weite- 
ren Banden finden sich vereinzelt Giaserdieser Art. Auch 
diese vier Bände wurden in die Ausstellung aufgenom- 
men, ebenso orientaiisierende Gläser anderer Provenienz 
(Emile Galle, Ph.J. Brocard usw.). Moscheeampein syri- 
scher Herkunft werden den Ampeln von Brocard und Lob- 
meyr gegenübergestellt; eine Alhambra-Vase von Th. 
Deck dokumentiert - stellvertretend für viele andere Ar- 
beiten - den Einfiuß, den die spanisch-maurische 
Alhambra-Vase auf das Kunsthandwerk des 19. Jahrhun- 
derts ausLlbte. 
Die Ausstellung uOrientalisierende Glaser-x ist als erster 
Schritt in der wissenschaftlichen Aufarbeitung des rei- 
chen Bestandes an Historismus-Glas im Österreichi- 
schen Museum für angewandte Kunst gedacht. 
Waltraud Neuwirth 
1800 - moderne Vergangenheit - 1900 
Diese Ausstellung im Wiener Künstlerhaus dient dem Be- 
wußtmachen eines Phänomens beziehungsweise Aspek- 
tes, der sich jeweils im Wien der beiden Jahrhundertwen- 
den neben anderen formalen und stilistischen Erschei- 
nungen behauptete. Ein Phänomen, daß sich in einer im 
Gegensatz zur übrigen zeitgenössischen Produktion an 
Gebrauchsgegenständen und Kunstgewerbe betont 
schlichten und sachlichen Gestaltung zeigt. Dabei soll 
keine kunsthistorische Entwicklung des Gebrauchsge- 
genstandes im 19. Jahrhundert aufgezeigt werden, son- 
dern eine Gegenüberstellung zweier äußerlich ähnlicher 
formaler Erscheinungen, wobei jedoch auch insofern eine 
Kontinuität festzustellen ist, als um 1900 ein bewubtes 
Rückgreifen und Aufarbeiten der Zeit um 1800 vor sich 
ging. Die Motivation, aus der man zu einer sachlicheren, 
das repräsentative zeitgenössische Ornament verneinen- 
den Formensprache gelangte, war in beiden Fallen von 
einander unterschiedlichen Faktoren bestimmt. Allein die 
zur lllustration des Aussteilungsgedankens gewählten 
Zeiträume um 1800 und um 1900 lassen dies erkennen. 
War es thematisch gerechtfertigt erschienen, für ersteren 
die Grenzen zwischen 1780 und 1830 anzusetzen, so wur- 
de der zweite bewußt auf die Jahre zwischen 1897 und 
1914 beschrankt. Der große Unterschied, weicher in der 
zeitlichen Ausdehnung der beiden liegt, iaßt bereits den 
Schiuß zu, daß es sich in dem einen Fall um eine allge- 
meine geistige Einstellung und in dem anderen um eine 
kurzfristige, jedoch zukunftweisende, nur von einer Min- 
derheit akzeptierten formalen Erscheinung handelte. 
Die Aussteilungsobjekte wurden aus den Bereichen Mo- 
bei, Mode, Textil, Silber, Keramik und Glas ausgewählt 
und geben somit einen Überblick über die unmittelbare 
Alltagsumgebung des Menschen. Zur Verwirklichung der 
Ausstellung war es möglich, Lelhgaben aus Privaibesitz 
sowie den öffentlichen Wiener Sammlungen - zu denen 
entscheidend das Österreichische Museum beitrug - zu 
diesem Überblick zusammenzustellen. Ch. Witt-Dörring 
1 Becher, 1578, rtAISDiSGhB Serien lWerknr. 3871. Entwurf: Machyt- 
ka E Schmoranz. Dekor in Gold und Emaiifarben. Lobmeyr-Mond 
gramm; H 18,7 und 23,2 cm. J. St L.Lot:imeyr, Wien - Österreichi- 
sches Museum für angewandte Kunst, Wien 
2 Bierglas, 1833. nfndiSChG Serie-r I Werknr. Ä7B1. Entwurf: 
M. Knab. Dekor: Schnitt mit Gold und Aluminium. Lobmeyr- 
Monogramm; H 16 cm. J. G L.L0brnt3Yr. Wien 
3 Moscheeampel, Ende 19. Jahrhundert. Kopie von J. St L. Lobmeyr 
nach einem Original im -Musee National de I'Ar1 arabe- in Kairo; 
H 33,3 cm. J. A L.Lobmeyr, Wien 
4 Fluhebett Nr. 34. 215x263 cm. Entwurf aus der Danhauser- 
schert Möbelfabrik, Feder iaviert, ÜMAK, K. I. B971 XXIIIÄQZ 
5 Fluhebett Nr. 36. 21,5 X 27 cm (sonst wie oben). K. l. 8971 XXIÄM 
G Sessel, Wien, um 1830. Klrschbaumholz, massig und furniert, 
neuer Stoffbezug, 92x43x51,5 cm, Sh. 50 cm. OMAK. inv. Nr. 
H 2601 
7 Schreibsekreter rnlt ausiahrbarem Fauteurl. Wien, 1903, Entwurf 
Kolo Moser. Ausführung Wiener Werkstätte. Makassar-Eben- 
nbiz, Buchsbaumholz-Furnler, Belnelnlagen, vergoldete Mes- 
srngbescniage. Schutzmarke der Wiener Werkstätte auf den 
äcgärääsem eingestanzl. 14Ax izoxso cm. OMAK, inv. Nr.
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.