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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVII (1982 / Heft 180 und 181)

7 Enkolpron (Brustkreuz mit eingeschlossenen Rehquren). 
Gold, Rubine, Smaragde, Penen, Halbedersteine. H 14,5 cm, 
B 13 cm. Au! der Rückserte gravierles Wappen der Abler 
St. Perer. Sarzburg, rrühes 15. Jahrhundert Florenz, Sarnm- 
lungen des Palazzo Pini 
 
an den Festen der Märtyrer nicht von Diakonen aufei- 
nem Sessel in die Kirche tragen lassen sollen, ltso als 
wären sie selbst Reliquienschreinell, Eines der sankt- 
petrischen Enkolpien. das einzige noch erhaltene und 
im Inventar von 1509 beschrieben. ist (möglicherwei- 
se im Zusammenhang mit der Gründung der Universi- 
tat) als Geschenk in den Besitz von Erzbischof Paris 
Graf Lodron gekommen und wird heute in der Silber- 
kammer der Sammlungen des Palazzo Pitti in Florenz 
verwahrt. 
Mit der Verleihung der Pontitikalien ist auch das Recht 
verbunden, vutatur sella sive cathedrarl, den (tragba- 
ren) Faltstuhl und die (steinerne oder hölzerne) Cathe- 
dra zu verwenden bzw. anfertigen zu lassen. Leider 
hat sich in St. Peter kein Beispiel dieser wichtigen In- 
signie erhalten, das Prunkstück im Benediktinerinnen- 
kloster am Nonnberg ist aber weitum bekannt. Zu be- 
achten ist, daß die "Majestasll des Thronenden in ihrer 
streng symbolischen Ausbildung zum einzig gültigen 
Herrschaftsbild für das mittelalterliche deutsch- 
römische Imperium geworden war, während etwa in 
Byzanz noch auf Jahrhunderte hinaus formale Rudi- 
mente der Antike bewahrt wurden und infolgedessen 
dort das Stehen wie auch das Fteiten für den Basileus 
üblich blieb. Als Symbol der Regierungsgewalt und der 
Autorität behauptete sich der Faltstuhl bei den offiziel- 
len Funktionen der Könige. ihrer Beamten, der Bischö- 
fe, der Äbte und als Sitz des Lehrers im höheren Un- 
terricht. vDas Sitzen auf einem Sessel von bestimmter 
Form und Aufstellung galt als das äußere Zeichen ei- 
ner bestimmten Würde und Gewaltß (Theodor Klau- 
ser.) Daß diese Form des Ehrensitzes geistlichen wie 
weltlichen Würdenträgern während des ganzen Mittel- 
alters gemeinsam war. beweisen unter anderem die 
französischen Thronsiegel, die von Philipp l. (1060 bis 
1108) bis Karl V. (1337-1380) den französischen König 
stets auf dem Faldistorium zeigen. An den Falts 
selbst besteht dabei kein Unterschied, ja oft 
mag es vorgekommen sein, daß ein zu Besuch e 
fender weltlicher Herrscher auf dem Faldistori 
nes Bischofs oder Abtes Platz genommen hatte. 
merken ist noch. daß das Faldistorium in der N: 
ge der ttsella curulisll, des Amtssitzes hoher röm 
Beamter, dem Amtsinhaber nachgetragen vl 
konnte; immer aber war es, wie auch auf Throne 
der Salzburger Erzbischofe zu sehen ist, erhöht 
rlem vsuggestusrr, auf einem tltribunaltl (einem P 
also, einer vTribüneu) aufgestellt, was die Verwe 
des Faltstuhles auch im richterlichen Bereich 
erklären vermag. 
Es ist selbstverständlich, daß bei solcher Wich 
der mittellalterlichen lnsignien und Ehrenzeichl 
ren Gestaltung und Ausführung bis in das kleins 
tail ganz besondere Beachtung geschenkt word 
Gewiß ist nicht alles, was Goldschmiedekunst. v 
fenbeinarbeit und Email ist. im 12. und 13. Jal 
dert immer als bedeutende Schöpfung zu werter 
denke nur an die vielen in Sizilien und in dem vc 
Normannenkönigen beherrschten Unteritaliel 
schaflenen Elfenbeinarbeiten oder an die mit 
geschmückten Metallgerate aus Limoges in l 
reich. Aber gerade aus solchem Vergleich e 
sich die hohe und höchste künstlerische Qualitä 
ger Kunstwerke, die für die Schatzkammer von t 
ter in Salzburg im Auftrag ihrer Äbte geschaffel 
den sind, 
D81 aus redaktionellen Grurtden kurzfristig eingeschobene BSItV 
einen teilweisen Vurabdruck BIAS Texten des Verfassers im Katl 
Sällbllfgel Landesausstellung 1982 dar. (Dort auch eile Llteratu 
se.)
	        

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