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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVII (1982 / Heft 180 und 181)

lohann Apfelthaler 
Die Margarethenkapelle im 
Iriedhof von St. Peter 
Der Versuch, den Bau und die Architektur der Marga- 
ethenkapelle zu erfassen, muß nach unserer Mei- 
iung notwendig die Tatsache berücksichtigen. daß 
;ie Werk einer klösterlichen Gemeinschaft war, wenn 
auch aus besonderer Initiative des betreffenden Ab- 
es, und diese Gemeinschaft im 15. Jh. - die Kapelle 
vurde 1485-91 errichtet - einer gewissen Konsi- 
stenz ideeller Strömungen untergeordnet war. Da eine 
Eeistesgeschichte des Klosters St. Peter in Salzburg 
'ur das fragliche Jahrhundert noch nicht geschrieben 
worden ist, muß unsere Überlegung auf einer Schluß- 
olge aus der dichten Abfolge von Ereignissen zu einer 
fahinter kausal dazu stehenden ideellen Substanz be- 
uhen. Der hypothetische Charakter sei also deutlich 
tervorgehoben. 
Das Novissimum Chronicon der Abtei1 berichtet von 
einer 1431 offiziell erfolgten Visitation durch den Abt 
_e0nhard von Melk im Rahmen der Bemühungen der 
sogenannten Melker Reform; Abt von St. Peter war 
Seorg I. (1428-35). Der Zustand des Konvents ist nicht 
sehr zufriedenstellend. die Mitglieder stehen der Re- 
orm zögernd gegenüber. Die Ausgabenbelege sind 
spärlich und deuten solche Arbeiten an, die kaum 
zwingend auf eine großzügig bewegende Idee schlie- 
Sen lassen. Morgenröte einer gestaltenden Idee. die 
tarin bestand, Reform der Mönchsgemeinde nach 
Miederbelebten Grundsätzen des Ordens zu bewirken; 
eine Frage der inneren Disziplin r wofür auch viele 
sehr kleinteilig wirkende Vorschläge erarbeitet wur- 
jen. Teilweise direkt. vielfach indirekt sollte aber die 
lteform im baulichen Habitus des Klosters transpa- 
"ent werden. (Für unsere Betrachtung ausschließlich 
n der Kirche.) Die begleitenden kulturellen Aktivitäten 
aeruhen auf Faktoren. die uns zum großen Teil unbe- 
(ahnt sind. sie liegen aber auch in der Aufbruchsstim- 
nung einer Art "Gründerzeit", ein Gegenimpuls zur öf- 
ers variierten Feststellung: quoniam senescente hoc 
"uinoso mundo et malis temporibus cottidie succres- 
zentibus? 
Nesentlich besser ist die Situation bei Abt Petrus 
(lueghamer (1436-66)? schon die lange Regierungs- 
zeit läßt ihm genügend Ausbreitungsmöglichkeit. 
Klach dem Chronicon setzt er die Reform fort. ja es er- 
olgt ein Impuls in dieser Richtung durch eine neuerli- 
she Visitation im Jahr 1451. Dichte Kontinuität für wei- 
ere Zeit und ottenbare Konsonanz im Konvent bewir- 
(en, daß Abt Petrus wegen der Vorbildlichkeit des ei- 
genen Klosters die Abtei Millstatt zu visitieren hat; hier 
st der spätere Abt Keutzl, wie aus der Bestellungsur- 
runde des Erzbischofs Sigismund hervorgeht, mit ak- 
iv; für kurze Zeit wird er sogar als Prior in Millstatt ein- 
gesetzt (1455). 
Die Zahl der Rechnungsbelege aus der Zeit KIuegha- 
ners ist groß, was ein Überlieferungszufall sein mag. 
Iloch ist sicher ein Konzept anzunehmen, wenn das 
Dormitorium mit zehn Zellen errichtet wird und das 
St. Peter zugeordnete Frauenkloster von Grund auf 
weu erbaut wird mit verbundener Neuorganisation der 
(irche. 
Nir wissen, teilweise vom erhaltenen Bestand (Gött- 
rveig), teilweise aus einer barocken Planaufnahme der 
nicht mehr erhaltenen Stiftskirche (Melk), daß jeweils 
in diesen von der Reformbewegung ausgelösten Neu- 
bauten der Chorbereich divisionistisch in eine durch 
Liturgie und Kult offenbar zusammengefügte überge- 
ordnete räumliche Einheit gestaltet wurde, d.h. daß 
die große, umfassende Raumgrenze eines Langchors 
gegeben war, in ihm aber verschiedene Raumkompar- 
timente aus (hypothetischen) Notwendigkeiten des 
nun aufwendigeren Kultes heraus Platz fanden. Ge- 
genüber dem relativ "durchsichtigem Langhaus eine 
oft nur aus innerer Gesetzmäßigkeit des Konvents 
verstehbare Bedeutungskumulierung, wobei wir diese 
Kumulierung sowohl horizontal als auch vertikal fest- 
stellen können. Die verbale Artikulation im Rahmen 
der Reform fehlt uns noch. In Göttweig war etwa für 
die Krypta die Verehrung des Gründerbischofs, des 
hl. Altmann. verantwortlich. In Melk ist die Situation in- 
sofern schwieriger zu beurteilen, als die horizontal ge- 
legenen Raumteile in ihrem Zweck völlig unsicher 
sind, die Krypta riur aus den Treppenanlagen er- 
schließbar ist. Das Grab des hl. Koloman befand sich 
außerdem im Langhaus der Kirche. eine barocke Ver- 
anderung wäre aber denkbar. Es geht nun weiter in 
dieser Überlegungsrichtung - so möchten wir anneh- 
men -. wenn die Nonnberger Stiftskirche in ihrem 
östlichen Chorbereich räumliche und damit folgende 
Bedeutungskumulierung zeigt und speziell die Ha 
krypta dem Kult der hl. Erentrudis geweiht ist. 
kann nun unsere Erwägung für St. Peter einset 
Finden sich vergleichbare Züge, so darf man wohl 
dieser Parallelität auf glerchgeltende Verankerun 
auf Reform zielenden Gedankengut schließen. 
Die Arbeiten im Chor wurden als so entscheiden: 
gesehen, daß nach ihrem Abschluß von einem nne 
Chorir gesprochen wurde (1441. 1445)! (Arbeite 
der Kirche laufen dazu parallel.) Zweigeschossig 
laßt sich annehmen: 1441 und 1443 ist die Rede 
der iigrüfft des chorsri, 1442 von rialtaria cripteii; 
und drei 1443 bezahlte Altarsteine i-in dy grufftii 
ten an, daß der neugeschaltene Bereich liturg 
aufwendig gestaltet und verwertet wurde, ein 
gisch-kultisches Konzept also dahinterstand. Mit e 
gewissen Vorsicht wird man vermuten dürfen. dal 
"Kryptar durch einen Gang erschlossen wurde - 
leicht eine Art Umgang sich in ihr barg. So werdei 
geführt: iichorgang in der ChlfChefW (1441) und 
gelbelb unter dem gang in den chor hinten und 
(1442), Eine gangartige Verbindung mit der Kai 
des Abtes wurde dabei auch geschaffen: iiumb 
ganck hinten in den chor ab des abbtes cape 
(1441). Der iifrownamptaltarii wurde in diesem 
iierhobenii (1442), d. h. wahrscheinlich zusammer
	        

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