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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVII (1982 / Heft 180 und 181)

inalen Grundriß beinahe überspielt, als Teile die- 
tut anzusprechen sind, keinesfalls in den Block 
chnitten. Gerade im Vergleich mit diesem Bau. 
er auch als Kirche sein iiChorhauptii in monu- 
ler unübersehbarer Attitude der Westfront des 
gegenüber erhebt, wird das ganz andere der 
rethenkapelle bewußt. Dem Kreis, aus dem die 
skanerkirche entstammt. verdankt sie auch die 
iische Formung der Fenstermaßwerke: sowohl 
anziskanerkirche (1408ff.) als auch die Stadt- 
rche in Braunau (1439ff) oder St. Martin in 
iut ('- 1400 ff.) deformieren einzelne Elemente 
unlosbares Gesamt. Der Eindruck plastischer 
ialtung wurde aber in St. Peter wesentlich ver- 
Die spröde Linearität der genannten Beispiele 
in St. Peter überwunden durch die Beherr- 
g einer schwer biegsamen und doch eingreilend 
ziigten Materie. Auch hier dürfte St. Peter ziem- 
n Beginn einer Entwicklung stehen. Genetisch 
der Stilsituation paßt hierher sowohl das Portal- 
10H wie auch das Lichthäuschen, die beide Ele- 
der Plastik und Räumlichkeit in sich vereinen. 
tan am ehesten mit den Portalvorbauten von 
rtin in Verbindung bringen darf. Das heißt also 
trt der entdeckerischen Gewinnung des Frei- 
, die nur insofern für St. Peter vorbildlich gelten 
als der gewonnene Raum den Gesetzen des Ge- 
ocks unterworfen bleibt, also kein Freiraum er- 
wurde. Auch hier ist die Diskrepanz zum sprö- 
ngenieurhaftenii Raumüberbrücken gegenüber 
walttätigen Art an der Margarethenkapelle sehr 
isant. Die hier festgestellte, erwartungsgemaße 
erung der Kapelle nach Westen findet noch in 
iinutiösen Zügen Erhärtung: der polygonale Por- 
zei konvex nach innen ist sehr schön an den 
irgewänden am Südquerhaus des Passauer 
(1462) ebenso wie an den Fenstern der Eferdin- 
arrkirche (N 1470) festzustellen. Was bei die- 
iuten ja auch plastische Belebung innerhalb ei- 
oßen Fassadenfläche mit sich brachte. Das 
ianz mit dem Vokabel itdeformierter Birnstabit 
timmende Antangselement am Westportal. das 
sehr geeignet ist, weiche Modalität auszu- 
n, findet sich an Bauten Jörg Aberiins oder Pe- 
in Koblenz und vielfach auch am Berner Mün- 
Alies in allem innerhalb groß dimensionierter 
i sehr ireinfühisameit Teilelemente. Janusartig 
Stellung des Portals. Figuren im Tympanon sind 
Seltenheit (Grazer Lechkirche), doch geht die 
mmatische Haltung in St. Peter weiter. Wie wir 
ei der Decke sehen werden, kann Kenntnis von 
ren aus dem Wiener Raum - man denke an die 
elder Pfarrkirche - angenommen werden. Pe- 
icka setzte über dem Südportai der ehemaligen 
St. Peter an der Sperr (nach 1450) in Wiener 
idt ein weit überhdhtes Tympanon mit zwei Re- 
für je sieben Figuren, die sicher nicht wahllos 
rdnet waren. Das zeigt schon ein Blick auf die 
;lügelte Thematik der Wappenwand in der Wie- 
ustädter Burg. deren Westportal übrigens eine 
achte Version des überhöhten Tympanons bie- 
ise Verbindung von Programm und Architektur 
rchitekturl) dürfte den Verwendungsappell für 
er gebracht haben. (Man müßte hier fragen, 
i die im österreichischen Raum relativ häufigen 
mit Gewändefiguren - z. B. Graz. Dom: Salz- 
Iranziskaner; Nonnberg, Südportal; Salzburg, 
ehemaliges Westportal. aber auch St. Martin. 
iut - eine programmatische, aber auch histori- 
ie Bedeutung und Aussage haben sollten.) Es 
schon hingewiesen, wie sehr das Westportal 
ien überaus modernen Weg in der räumlichen 
nung der dargestellten Schichten einschlug, 
uns wieder am modernsten schien, daß ein 
ekturbildtt in die Wand gesetzt wurde und der 
s auf Michael Pacher - dahinter steht Rogier 
-r Weyden - damit durchaus gerechtfertigt 
irfte. 
winnung der Deckenflache durch einen Fächer 
aufsteigender gleichmäßiger Rauten kennt man natür- 
lich im bayrischen Raum, und St. Peter geht mit. Die 
Decke wird primär vom Pfeiler großzügig gewonnen. 
im Grundriß ist ein weitgespanntes. beherrschendes 
Achteck erkennbar. das durch innere Rhythmisierung 
im Verlauf der Decke überspielt wurde. Pate dafür 
sind späte Losungen aus dem Umraum Wiens, so in 
der Stadtpfarrkirche von Steyr (2. Hälfte 15. Jh.) oder 
im Chor der Pfarrkirche in Kilb (M 1470) (der ange- 
schnittene Gurt fehlt aber). Ursprung dafür sind die 
Seitenschiffe des Wiener Doms. 
Madern Gerthner verwendete Maßwerkfcrmen im Ge- 
wölbe der der N-Vorhalle der Frankfurter Bartholo- 
mäuskirche (nach 1415), ganz sicher wurde damit die- 
se kostbarer. schreinhafter. in der zweiten Jahrhun- 
derthälfte, speziell im letzten Viertel, bekommt diese 
Gewöibevariante, die immer rar bleibt, besondere Ak- 
tualität am Mittelrhein, z. B. in der Schloßkirche in Mei- 
senheim, deren Poiygonalchor und Grabkapeiie somit 
ausgezeichnet wurden. Neben der Verdinglichung der 
 
5 
5 Margarethenkapelle, innenansicht (historische Aufnahme) 
6 Nonnberg, Stiftskirche, Außenansicht des 1499 geweihten 
Chores 
Anmerkungen 23-28 (Anm. 18-22 S. 9) 
1' Auch hier wieder durchwegs itaite i-teiiigek bevorzugt. Beider hi. Offi- 
iie handelt es sich wahrscheinlich um die hi Odilta aus dem tO Jh . 
die gerne im Bßnedlktinerhabit abgebildet wurde. 
Beim hi. Florian ist wieder ein Heiiiger aus dem irneirnischün Be- 
stand-i gewählt, einer der für die Verbreitung des Christentums in den 
Alpengegenden als besonders prominent angesehen werden kann. 
Bei all dieser htsturisierenden Grundierung erinnert man sich an das 
hochgeiehrte. ebenfalls nistgrisiarends Siatuenprogramm am MaXi- 
miliansgrabrviai in Innsbruck blw. an andere Geschichtsprogramme 
dieses Kaisers, Friedrich iii. lag aber auch in dieser Strömung. 
1' Interessant ist, daß der Abtstab, den sich Rupert Keutzl machen ließ 
(Inschrift: iniciurri sapiencie timor domini Ecci. in Drimd. Rudberil eb- 
batis DQrStO 890 lussu SUD Anno 1485), die Beziigltchkeit lortsetzt und 
damit in dia Hand iriras Trägers gibt. Wieder aisb eine Erweiterung 
urid eine brieribar durchaus gewollte i-iypertrdpitie. Arn eaginit des 
Knautes befinden sich s Engel mit den Passionswerkzeugen, das 
Wappen VDn si Peter und des Abtes und die Inschrift. Darüber chri- 
stus ais Schmerlensmann im gleichen Gestus seine Wunden zeigend 
wie am Portal. Paulus. Petrus, Rupertus, Viialis. die hi. Jungfrau, in 
der Krumme diß hi Katharina - s. d, Katharinenkapelle! - und der- 
unter auf ausspringender kdnsdie der varsrireride Abt selbst 
Man dari die Beziehung der drei Haupttiguren -_ Christus, Johannes, 
Maria _ nicht Zu einfach nehmen; neben dem Passionsgedanken - 
vielleicht ließe sich dies im St. Peterischan Schrifttum der Zeit veran- 
kern - und der ecciestologischen Aussage kann noch an apokalypti- 
sche Tendenz gedacht werden. Speziell durch den hi. Michael war 8t- 
ne Verbindung zur Wiedererweckung der Toten am Jüngsten Tag ge- 
geben - sowie durch den hi Petrus als Oftner und Führer zur HIITV 
meisptorte, Aictiin hat diesen Gedankengang mit direkter Blickrictit 
tung auf den Petersfrisdhoi um 800 in seinem Carmen 228 sehr gut 
ausgedrückt. Zlt, Chronicon S, 47. 
1' Ebner tzit. Anm. B), S. 115, zählt als aiien Bestand hl. Sebastian, 
hl. Georg. hl. Petrus, hl Paulus. Maria mit dem Kinds, hl. Katharina 
S. dazu auch Ö. K,T , . 176. 
1' Chronicon S 413 fl 
" Für Jörg Abertin: Siuttganer Stiftskirche; für Peter von Koblenz" Eltin- 
gen, Heutingsheim. Alle Bauten im letzten Viertel des Jhs. Für Bern 
das nördliche Westpcrtal von um 1470. Der EinliuB aus dem Berner 
Bereich kbnnta saiii grdit gewesen sein bezüglich ittreier Modellie- 
rungti eines Gewandes oder der Profile (Enstnger). 
1' Vergleicht man die innere Organisation einer Piarrkrrcrie (etwa 
Kuchi), so merkt man, daß allein der Chorbereich rnii einem vdiistandi- 
gen System von Diensten vdrn BOdSrt bis zur kampterzdns ausgestat 
tet wurde. Man wird iri der MK also eine bes. Auszeichnung erblicken 
durch Verwendung eines kompletten architektonischen Apparates. 
dies liegt in der Kapelientradition seitdem 13 Jh. 
 
Decke in St. Peter ist es dieses Moment, das g- 
wurde: Preziosität des inneren, ja vielleicht so 
mit ein Schrein angedeutet werden." Auc 
schwimmt die Margarethenkapeile wieder in ein 
dem gewordenen älteren Lösung. Die Pfarrkirc 
Ybbsitz ('- 1490) hat Maßwerkiormen sowi 
Langhaus wie an der Decke der Empore und 
Nordkapelie, Hier zieht aber St. Peter mit den üi 
schmiegsamen weichen Kurvengestaltungen, 
die Maßwerkformen Aniaß gaben, nicht mit. D) 
an der Decke. eine vom Boden des Raums auisi 
de. diesen erfassende Bewegung, das freie St: 
staltender Kräfte mit der Masse: das ist etwas, 
hier das reflektierend-aufnehmende Organ fehlt 
sem Stilempfinden ist entsprechend die Bäni 
der Masse wie am Chörlein der Leonhardskap 
der Festung Hohensaizburg. 
Der Kapeilenbau als solcher hatte schon von je 
ne besondere Funktion, mit ihm waren, ganz gli 
welcher Stilsituation, besondere Ausdrucksqua 
verbunden, in seiner relativ einfachen und unmi 
ren Überschaubarkeit und Durchschaubarkeit 
sich in hervorragendem Maß zum Träger von 
an, die hier ihren Schnittpunkt - denn sie wa 
disch und überirdisch zugleich - und ihren Aus 
fanden, Ansprüche des Menschen, die sich aus 
Ausrichtung auf Dinge, die seine Sphäre west 
überschritten. bezogen. Über dem Portal unser 
peiie standen einst der Salvator, Maria und Johi 
Das 1488 datierte Sakristeiportal der ehem 
Stiftskirche in Mondsee (es war einmal das Por 
Marienkapeile) reiht pyramidenfbrmig die Hi 
Wolfgang und Benedikt, darüber Petrus und P 
dann Maria und Johannes Ev. und schließlich z 
zeichnet mit einem besonders schönen Baidacn 
Salvator, der in verwandtem Gestus zu Salzburg 
Seitenwunde zeigt. Die hier in der Auswahl der 
ren anklingende Aussage und ihre Verwandtscl 
den Bezügen zu denen, die in der Margarethenk 
aufleuchteten. ist evident. Zum Mondseer Konve 
hörte ehemals die Walifahrtskirche St. Woi 
Über ihrem Sakristeiportal an der Südseite des 
als einfachere Wiederholung von Mondsee sin 
Konsolen mit Baldachinen für Heiligenfiguren - 
heute dort befindlichen sind in ihrem ursprüng 
Aufenthaltsort unsicher und deshalb nicht ver 
bar. Eine Ergänzung zu denen am Hochaltar Pa 
erscheint uns nicht ganz fern. Wo aber in M0 
der Saivator steht, befindet sich in St. Wolfgani 
originale Türöffnung. die in das Leere des Kii 
raums führt. Man könnte hier eine iiApparitic 
nungii als Verwendungssinn für einen Fieliquie 
genden Priester annehmen (eine vergleichbare 
tion finden wir in der Pfarrkirche St. Leonhai 
Forst). Demnach hätte der Priester nicht nur die 
tion und Stelle der Salvatorfigur eingenommen 
er befand sich in itostentativerii Haltung), er wär 
cherweise aus seiner realen Präsenz in die der ( 
stellten unteren Heiligenfiguren übergewechse 
ren Reliquien er präsentierte. Eine Handhabung 
der Kleinarchitektur im Augenblick ihrer tatsäch 
Benutzung. ein Vermischen der Raumschichtei 
es uns an der Westpforte der Margarethenkape 
gegnete. und (wir nehmen es an) für den Betre 
des Wailtahrtsaitares in St. Wolfgang. Daß t 
selbst eine überaus vieifache Raumillusion an 
wollte, ergibt sich daraus, daß seine Hinterfri 
Form eines Hailenchors ausgebildet ist, diese 
lichkeit aber wieder durch die eingestellten Kle 
me für Heiligenfiguren ausgehöhlt ist. Wir ili 
längst, daß der Mensch der Spätgotik nicht nur ir 
sten Europas eine überaus verfeinerte Sensibilit 
verschiedenartig gegründete Gebiete besaß, I 
gungen und Nuancen, die der Künstler des Bau 
Malerei und Plastik. aber nicht ohne enge Verbir 
mit seinen Auftraggebern - das Vokal scheir 
nahe zu grob zu sein - ausdrückte. So ist die N 
rethenkapelle eine dieser Facetten und wie so 
der Zeit, spiegelnd und nur ahnend zu begreifei
	        

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