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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVII (1982 / Heft 180 und 181)

Der Abtenauer Altar. Andreas Lackner, vollendet 1518. 
ireinfiguren: Thronender St Blasius mit den Salzburger 
idespatronen Hupen und Virgil. Lindenholz, Rückseiten 
:h, Hohe 154, 138 und 132 cm, Wien, Österreichische 
lerie, Museum mittelalterlicher österreichischer Kunst 
ntelschließe des hl. Blasius: i-Cfiristus in der Rastit 
sschnitt aus Abb. 1) 
sschnitt aus der Mitra des hl. Rupert (Abb. 1): iiAnna 
bdrittit 
lschnitt aus der Mitra des hl. Virgil (Abb. i): wHeimsu- 
ing Mariensil 
kungen 1-13 
znholz, Rückseiten der scnreintiguren flach. Hohe 154, 138 und 
cni, teilweise alte Fassung, Kurven der Krurnmstaoe 1934 er- 
1; Flugetreliels 92 x 90 bzw 90,5 cm, Rahmen neu. Huckseiten in 
rei, Fragment mit Ptingstlest 90 X 4a cm, alte Fassung, Rucksei- 
aierei; Predellenflügel 75.5 X 29 crn (mit Rahmen). neuere Fas- 
,Hi)ckselten in Malerei v Zustandsangaben der einzelnen Figu- 
ind Ftelieis verzeichnet der unter Anm 7 zitierte Aufsatz von 
z Fuhrmann. - ubersichten des schritttums zum Abtenauer Al- 
nd zu Andreas Lackner liefern Eitriede Beurri, Katalog des Mu- 
is mittelalterlicher osterreicnischer Kunst, Österreichische Ga- 
Wien, Wien und München 1971, S. 134i, sowie die unter 
3 und 4 genannten Ausstellungskataicge 7 Am Anfang der 
(naht-Forschung steht der gehaltvolle und grundlegende Aufsatz 
ldoll Feulner, Der Bildhauer Andreas Lackner von Hallein Jahr- 
der Preußischen Kunstsammlungen 50, 1929, S 1861i 
inholz, St. Florian 104 cm, St. Georg 12l cm, Federbusche und 
iute nicht ursorunglicri, Piintrien und Fassungen neu 
(unsl der Donauschuie 1490-1540, still st. Florian und Schieß- 
ium 1_inz, 14. Mai bis 17 Oktober 1965, Ausstellungskaialdg Linz 
, S 2651. 
lellung sbatgotik in Salzburg, Skulptur und Kunsigewerbe 1400- 
.1a. Juni bis 17 Oktober 1975 im Neuen Haus und im Gotischen 
Ausstellungskalalog Salzburg 1976, s 14411 
teiiungskatalog Salzburg 1976, s 149 
teiiungskatalog Salzburg 1976, S 152 
r Fuhrmann. Studien zur gotischen Plastik in Salzburg. ll Das 
stfest-Relieffragment im Salzburger Museum Carolino Augu- 
n: Jahresschritt 195a, 4. Salzburg 1959, s 621i 
isbericht des Städl Museums Carelino Augusleum in Salzburg 
277, S 14, vl Bildende Kunste 
g Lill, l-tans Leinberger, Munohen 1942, 5. 102. 
(Oflßgfiphle des Guten Hirten insbesondere im Spatrnittelalter 
Barock: Anton Legner, Der Gute Hirte, Düsseldorf 1959, 
aus dem 1563 angenommenen Eilderdekret der Session XXV 
"ridenliniscrien Konzils. Von der Anrufung, Verehrung und den 
uien der Heiligen und den Heiligenbildern - Hubert Jedin, Ent- 
ing und Tragweite des Trienter Dekrels uber die Blldervereh- 
Theologische Quartalschriit 115, 1935, s 134 li,. 4041i 
ierbert Beck, Mittelalterliche Skulpturen in eareckaltaren. Mit- 
gen der Gesellschaft lur Salzburger Landeskunds toa, rosa 
riit Ausnahme der Skulpturen weitgehend im letzten Krieg zer- 
E Hochaltar von st. Peter ist 1954 in alter Form wledelentslari- 
Leiber der Heiligen, nicht mehr aus Gründen der 
Frömmigkeit, sondern aus der neuen Wertschätzung 
von Kunst. Interessant ware, einmal die Geschichte 
der zerteilten und der aufgeteilten Ensembles zu 
schreiben, der Abtenauer Altar fehlte dabei nicht. 
Die ungefähre Rekonstruktion hat Franz Fuhrmannf 
geliefert. Ihm war die Zuordnung des Relieffragments 
eines Pfingstfestes im Salzburger Museum Carolino 
Augusteum zum Abtenauer Altar auf Grund des bis 
dahin von der Forschung übersehenen Jahresberichts 
von 1877 gelungen". In diesem heißt es: riDer rechte 
Flügel eines Altares, auf dessen Rückseite als Verfei- 
tiger desselben - alten Akten zu Folge - Andre Sa- 
cher (sic!) aus Hallein als Bildschnitzer und Bocksber- 
ger als Maler nebst der Jahreszahl 1518 bezeichnet 
gewesen sein sollemi Aufschlußreich auch die Her- 
kunft des Reliefs: es war ein Geschenk iivom hochlöbl. 
Benediktiner-Stifte St. Peterri, in dem sich heute noch 
die Flügelreliefs der Anbetung der HI. Drei Könige und 
der Auferstehung Christi sowie zwei Predellenreliefs 
mit der hl. Elisabeth und der hl. Anna Selbdritt befin- 
den, während zwei weitere Predellentafeln - Engel 
und Maria der Verkündigung -, früher ebenfalls in 
St. Peter, in Aufnahmen noch überliefert, als iiunbe- 
kannt verzogenri. Fuhrmann hat das Interesse nicht 
zuletzt auf die Rückseiten der Reliefs gelenkt und die 
dort befindlichen Malereien als Szenen aus der Bla- 
siusvita verifiziert. Auf den drei erhaltenen Tafeln blie- 
ben, teils recht gut, teils nur in Resten, die Darstellun- 
gen des Heiligen im Kerker, sein wunderbares Wan- 
deln über das Wasser und das Martyrium der Ent- 
hauptung erhalten. Die Predella zeigte im geschlosse- 
nen Zustand nach Ausweis der Gregorsdarstellung 
auf der Rückseite des Elisabethreliefs die Gemälde 
der vier Kirchenvater in Dreiviertelfigur. 
Öffnete sich der Schrein, dann erschien der heilige 
Blasius in großer Präsentation, thronend, im vollen Or- 
nat, mit Kerze, Bischofsstab und Buch. Die liturgische 
Gewandung könnte prachtvoller nicht sein, die Borten 
des Rauchmantels imitieren in Holzschnitzerei und 
Bemalung Reliefstickerei realer Paramente mit Petrus 
und Paulus, auch die Mitra tragt geschnitzte Relief- 
stickerei, den Kreuzfall Christi, und auf der Mantel- 
schließe sitzt Christus in der Rast - dieses berühren- 
de Bild der Passionsfrommlgkeit - im Zielpunkt der 
festlichen Erscheinung des goldenen Gewandes. Die 
Gesichter des sitzenden Heiligen und seiner stehen- 
den Begleiter im Schrein, der salzburgischen Patrone 
Rupert und Virgil, zeigen lleischlarbene Bemalung 
und jenen spatgotischen Realismus, der nicht nur das 
Abbild in der Figur. sondern die lebendige Präsenz 
suggeriert, als seien die Patrone in den kostbaren Ge- 
wandern wirklich und leibhaftig im Altarschrein zuge- 
 
gen. Selbst der Duft von Weihrauch und von fri 
stärkten Meßgewändern, die Festesstimmun 
Pontifikalamt stellen sich dem einstigen Minis 
beim Anblick dieser lebendigen Figuren ein. Di 
ge Rupert mit Salzfaß und Pastorale tragt auf 
tra das Bild der hl. Anna Selbdrilt, das ein an 
schon auf einem der Predellenflügelreliefs er: 
aber dort in der attributiven Version (die sti 
Mutter Anna mit Maria und dem Jesuskind je 
nern Arm). Auf der Mitra dagegen ist der neue, 
zu Zeiten von Leinbergers Gnadenthaler Ann 
dritt beliebt gewordene Bildtypusß dargestellt. 
Virgil tragt auf der Mitra die Heimsuchung M 
und auf den Mantelschließen weist der eine der 
tor, der andere den Guten Hirten auf. Die dri 
stusbilder der Mantelschließe - Salvator, Chr 
der Rast, der Pastor bonus - sind Christus-Et 
deren Verbildlichung und Verehrung zur Eigei 
ner spezifischen Volksfrömmigkeit nicht nur ir 
burgischen, aber insbesondere im Österreicr 
und Bayerischen bis in die Barockzeit, ja im Ve 
nis bis in die Gegenwart hinein gehören". Und 
Mitren- und Mantelschließen einerseits Realwie 
ben der Paramentik bieten, so sind andererse 
Darstellungen auf dem liturgischen Ornat integ 
der Bestandteil der ikonologischen Aussagi 
feierlichste Augenblick, die Gegenwart der h 
Patrone, ist festgehalten in Permanenz, in irr 
Gestalt erscheinen sie als gute Mittler, bringe 
ihre Gebete für die Menschen dar. Deshalb ist i 
und nützlich, sie anzurufen und  zu ihren Füi 
Hilfe und Beistand Zuflucht zu nehmenii". 
Sie sitzen und stehen im vertieften Schrein. 
risch der einzelne, in renaissancehafter Körp 
keit. Namentlich das Gewand der Blasius 
strömt in mächtiger Fülle der Stoffbahnen, ma 
fließt die bewegte Faltenmasse auf die Nachb 
ren über und rauscht auf die Hauptgestalt zurü 
mächtiges Wogen. durchsetzt vorn seltsam ne 
Geknitter und Geschlicker dünner Faltenstege 
dungen und Mulden zwischen kreisenden Roh 
ten - ein Gesamtbild in Gold gefaßter bewegt 
terie. Es ist für das Erscheinungsbild dieser S 
bezeichnend, daß sie mit dem Vokabular aus de 
der Spätgotik ebenso beschrieben werden könn 
mit demjenigen der Renaissance oder des S 
rocks, wobei sie - projiziert in die Apotheose 
barocken Altars" - in vollkommener Homot 
wirkten, noch stilgemeinschaftlicher etwa als 
Asams Kirchenvater mit Grassers Papstfigur 
Münchner Peterskirchelß. 
In der Statuarik und renaissancehaften Körperl 
stellt sich zumeist die Erinnerung an die gemalt 
wandfiguren ein, wie sie vom Salzburger Meist
	        

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