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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVII (1982 / Heft 180 und 181)

a und zugleich im Zeichen der Renaissance die 
nste Figur zu der Zeit in Salzburg, nicht ohne 
ick geblieben". Doch vielleicht waren es nicht 
e verheißungsvollen Aufträge, sondern mehr 
lie neuen um sich greifenden Krisen jener Jah- 
den in der Altarwerkslatt des lrrsdorfer Reliefs 
nateten Monogrammisten IP zur Übersiedlung 
Böhmen bewogenß. 
var der Hintergrund von Zeit und Geschichte, 
andwerk und Kunst, als im Jahre 1518 Andreas 
er den Abtenauer Altar vollendete. Der Name 
eisters wird uns im Lichtpfennigbuch der Kirche 
atenau überliefert, der Eintrag aus den Jahren 
00 lautet: Nota bene vom Hochaltar was daran 
ieschrieben oder gemahlet an der Thür. Als man 
.t 1518 Jahr ist vollendet dies Werkh durch Mei- 
ndre Lackhner vom Hellein als geregiert der 
echtige Kaiser Maximilian. Hoc opus pinxit 
us Pocksperger Lunelacensisß. Das Lichtpfen- 
:h von Abtenau bewahrt also fünf Nachrichten: 
i Namen des verantwortlichen Hochaltarmei- 
Andreas Lackner, 2. die Ansässigkeit des Mei- 
n Hallein in der Zeit der Erstellung des Werks, 
Vollendungsjahr 1518, 4. den Malernamen Ul- 
icksberger und 5. die Herkunft des Malers aus 
ee. Mehr als dies ist uns aber über Lackner 
überliefert, keines der ihm zugeschriebenen 
trägt seine Signatur. 
imen fand Beachtung, ein neuer Künstler war 
tkt, und bis dahin anonyme Werke fanden scha- 
se Zuordnung um einen Namen. Allerdings, es 
der Pionierzeit der Kunstgeschichte zur deut- 
Plastik, als erst einmal das erhalten gebliebene 
al landauf, landab zu sichten und zu gruppieren 
ie erstellten fiktiven Oeuvres schrumpften dann 
zusammen, nachdem die Stilkritik sich immer 
verfeinert hatte. Musterbeispiel ist eine be- 
e Kunstrichtung im Salzburgisch-Altbairischen, 
einer Person und Werkstatt personalisiert wur- 
er tote Name Kreniss der Archive ist uns zu ei- 
iifbaren Persönlichkeit geworden, die sich in ih- 
istlerischen Individualität aus dem Barock der 
naissance Altbayerns gleich Hans Leinberger 
!fTI gemäßigteren Stephan Rottaler scharf und 
h heraushebtßY Den ivtoten Namen Krenissu 
man in diesem Satz von Philipp Maria Halm, 
einer der ersten die Plastik des Bereichs unter 
instwissenschattlichen Aspekten untersuchte. 
en Teil des Materials ebensogut durch iiLack- 
"setzen, es würde an der Fiktion nichts ändern. 
zlas zusammengestellte Oeuvre des iwKrenissit 
Erunde die charakteristische Stilart eines gan- 
andstrichs zwischen lnn, Rott und Salzach, 
art einerseits nach Salzburg hin, andererseits 
andshut. Heute stehen für uns Namen wie die- 
r als Überschriften für bestimmte Stilgruppen, 
ijektural errichteten Meisteroeuvres aber zer- 
ln wieder. So erging es auch dem vermeint- 
Lebenswerk von Andreas Lackner. 
lest man beispielsweise in der vor vierzig Jah- 
ichienenen nMittelalterlichen Plastik in Steier- 
', so mag man sich wundern, welch Phantom- 
ischließlich eines ziemlich genauen Lebenslau- 
ir einen Meister entstehen konnte, von dem wir 
einer zufällig überlieferten Namensnennung im 
ennigbuch überhaupt nichts wissen. Geboren 
)0, Lehr- und Gesellenzeit bei Veit Stoß in Nürn- 
:a. 151211515 bei Anton Pilgram in Wien, seit 
15117 selbständig tätig; zuerst wohl in Wien, 
in Hallein ansässig und nachweisbar, 1518121 
e Göß bei Leoben als Meister des Hochaltars 
ftskirche anzunehmen, ca. 1523130 anschei- 
l Wien tätig. 1541145 nach Steiermark zurück- 
t (Protestant?) und als Inhaber einer vielbe- 
gten Grabmalwerkstatte in oder bei Leoben an- 
Gestorben 1545. Hauptwerke: die hl. Anna 
tt in St. Anna in Wien, der Altar von Mauer. das 
i des Abtes Johannes Lindenlaub in Stift Rein 
der Blasiusaltar von Abtenau, der Kruzifixus 
7 Fragment des dritten 
Schreinflügelreliefs: 
ivPfingstem. Lindenholz, 
90 x 4B cm. Alte Fassung. 
(Rückseite in Malerei 
ist. Blasius im Kerkere) 
Salzburger Museum Caro- 
lino Augusteum 
des Fraters Vicentius von Reichenhaus in Stift Ad- 
mont (1518). das Ölbergrelief in St. Peter, die Figuren 
der Katharina und Barbara, der Schmerzensmutter 
und der lmmaculata in den Museen von Leoben, Wien 
und Graz", schließlich die Büste eines hohen Geistli- 
chen und zahlreiche figurale und Wappengrabplatten 
um 1518121 und insbesondere um 1541145, 
Mit wachsender Kritik gegenüber einer Methode, die 
vorwiegend auf subjektiver Zuschreibung beruht, mit 
der Einbringung weiterer Fragen an das Kunstwerk, 
beispielsweise nach der Spannweite der Ausdrucks- 
formen desselben Bildschnitzers, durch Auftrag und 
Bestellung, Raum und Zeit, Vorlage und Bestimmung 
und viele weitere Komponenten bedingt, andererseits 
mit der Erkenntnis oftmaliger Stilkongruenz im Er- 
scheinungsbild von Werken erwiesenermaßen ver- 
schiedener Persönlichkeiten wird man immer vorsich- 
tiger, Arbeitshypothesen mit Fakten gleichzusetzen, 
Konjektionen zwischen überlieferten Meisternamen 
und überkommenen anonymen Bildwerken zu schaf- 
fen. Zudem ist der Kunsthistoriker von heute immer 
der Tatsache eingedenk, daß nicht nur zahlreiche Mei- 
sternamen ohne ein zugehöriges Oeuvre, nicht nur un- 
gezählte Werke ohne Namen, sondern daß überhaupt 
kaum mehr als nur wenige Prozent des einstigen Be- 
standes die Zeiten überdauerten. 
So möchten wir uns damit zufriedengeben. von Mei- 
ster Andreas Lackner nicht mehr zu wissen, als daß er 
im Jahre 1518 den Abtenauer Altar vollendete. Andere 
Lebensstationen, andere Werke seiner Hand kennen 
wir nicht. Möglich, daß manches ihm Zugeschriebene 
von seiner Hand, aus seiner Werkstatt stammt, mög- 
lich, daß er auch der Urheber von manchem ist, wofür 
andere namhaft gemacht werden. Wir wissen es 
nicht, und es scheint nach dem Gesagten auch müßig, 
hier präzise Postulate zu erstellen. 
Offenbar aber ist das salzburgische Milieu, sind die 
Verwandtschaftlichkeiten mit dem Werkkreis der Alt- 
öttinger Türen und dem mit diesem sich durchdringen- 
den der Bildschnitzer von der Art der lrrsdorfer Re- 
liefs, der Straßwalchner Beweinung oder des lrrsdor- 
fer Pfingstfestes". Es ist der Bereich der Plastik, zu 
dessen Charakterisierung man sich trotz oft auch 
ideologischer Begriffsbekampfung bis zur Findung ei- 
nes besseren des Verabredungsbegriffs "Donaustilu 
bedient", weil damit eine besondere Komponente die- 
ser von graphischen und malerischen lnventionen der 
Donauschulmaler inspirierten Plastik angesprochen 
ist. Wie gerade auch der Abtenauer Altar beweist, ist 
diese nicht ohne die Errungenschaften der Skulptur 
Hans Leinbergers oder der Malerei Albrecht Altdor- 
fers und Wolf Hubers und der übrigen zahlreichen 
Kleinmeister der HDOnaUSChUleK erwachsen. Auf Zu- 
sammenhänge mit Leinberger verweisen insbesonde-
	        

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