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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVII (1982 / Heft 180 und 181)

 
t Exlibris von 1636 für Abt Albert III. Keuslin 
Anmerkungen 14-19 
" Vgl Johann Stainhauser. Das Leben. Regierung und Wandel des . 
Herrn Woltf Dielricnen. Hrsg. v. P Willibald Hauthaler in Mitt. d. Ge- 
sellschail l. Salzburger Landeskunde (MGSL) 1573. Dürr heißt es (Sei- 
le 551.) Zum Jahre 1598 zum Zustand und der Nutzung des Frauen- 
ganerrs. daß er -arn herlich schener und dem CIdSfer hantsamb geleg- 
ner Grunt ware-r. auf dem es verstaltet war. irrt Frühling bis Georg: 
spazieren zu gehen und dort Kurzweil zu treiben. Der Frauengarlen 
war großteils ein ansehnlicher Baumgarten. den die Mönchsschwe- 
storn v0r1 St. Peter (gegründet 1125l35. aufgehoben 1583. deren 
Nachfolge die Franziskaner antraten) am Aderlaßtag einmal Irn Monat 
zum Spaziergang aufsuchen durften. Dazu Maurus Schellhorn. Die 
Petersfrauen. in: MGSL 1925. S 162. 
" Lorenz Hubner. Beschreibung der... Haupt- und Resldenzstadi Salz- 
burg. Bd. 1. Salzburg 1792. S 651 Hübner führt als Gewahrsrnann 
Stainhauser an. 
" Brief des Abtes Andreas an Felrcian. Bischof von Scala. in MGSL 
1863. S. 284i. 
'7 Stalnhauser berichtet (vgl Anm 14. S. 96). der Abt habe den Konvent 
Ivon Neuen erpaut  und etwas schbnner und lustiger machen las- 
sen- Übrigens Scheint die Aufmerksamkeit. die Wolf Dietrich den von 
ihm berufenen Augustinern in der Mulln vor allem hinsichtlich eines 
großen Gartens angedeihen ließ. auch auf die ungünstigen Erfahrun- 
gen mit der ungesunden Enge im Kloster von st. Peter zurückzuf" 
ren zu sein. Die Ansicht des Mullner Klosters um 1740 (Joh. Mann. 
Steudlin. vgl. Franz Fuhrmann. Salzburg in alten Ansichten. Salzburg 
1963. Abb. 29)zeigt in der Disposition des Gartens eine gewisse Ah 
llchkeil mildem Garten von St Peter. Die eine Hallfe wird durch Zier- 
und Nutztzeele gegliedert. In deren Mitte ein Brunnen steht. die ande- 
re Hällle lSl ein Baumgarten. darin zwei Kegelbahnen zu erkennen 
sind. W011 Dietrich schenkte auch den beengten Franziskanern 1606 
einen weiteren urrirnauerten Garten: schon 1605 hatte er innen nein 
schönnen Garten im Frauengarten zuerichien lassen. so zuvor des 
Prellaten Gärll bei S. Peter gewesen lSi und am Prellai sein Lust und 
Kurzweil daririnen genaer- Siainnauser s es). __ 
"Vgl. die Abbildungen in' sterreichische Kunsttopographie (OKT) 
Bd. 12. Die Denkrnale des Benediktinerstifts St Peter in Salzburg. 
Wien 1913. Figg 1. 3 und 4. 
" Im rRaliunale-r [Stiftsarchiv St. Peter. HS A 49) hat Pachler als Abt mit 
ausgeprägtem (Beschichlshewußtsein nicht nur die Umstände. son- 
dem auch. anhand Zweier Lagepiane der eiien und neuen klosterge- 
haude. die veranderungen kommentiert. Sein dreibäridigss Diarium 
(H5 A a3) und das Rationale stehen in engem Wechselbezug Das 
r-Ndvissimum CTIVOHICORI1ÄIIVTI. 1t)stLilzt sich bei der Schilderung der 
Geschehnisse auf beides Da Abt Amandus seine Aufzeichnungen 
vornehmlich In Latein abfaßte. sind diese in Ubersetzung wiedergege- 
ben. 
 
 
die Lilie darin fehlen möge. auf daß die mönchische 
Zucht blühe und wir nicht nur deine Reinheit pflegen 
und bewundern. sondern sie auch nachahmen; gieße 
die Gartenbeete unserer Herzen, auf daß deine Spröß- 
linge deiner Lilie gleich hervortreiben und ewig blühen 
vor dem Herrnß ln diesem Sinne möge der Heilige 
das Buch als "Symbolumr annehmen - das aber be- 
deutet hier nichts anderes als die Verpflichtung Abt 
Amands gegenüber dem hl. Vitalis. mit seiner Hilfe als 
Abt Sorge zu tragen für das Gedeihen des geistlichen 
Blumengartens von St. Peter. 
In Anbetracht der sinnigen Koinzidenz der Feisensym- 
bolik im Namen der Kirchengründer und der topogra- 
phischen Lage ihrer Gründung an der Mönchsberg- 
wand erscheint der hl. Vitalis als zweiter Bischof Salz- 
burgs geradezu wie eine nachfolgende allegorische 
Komplementärfigur zum hl. Rupert. wie der Ausdruck 
einer Sehnsucht. die in aller felsigen Gegründetheit 
unter dem Zeichen von vsal St solrr (Salz und Sonne). 
den traditionellen Elementarmetaphern der rupertini- 
schon Kirchengründung, auch vom Blühenden und 
Milden, eben der schönen Eröffnung des Herzens, wie 
es das Lilienattribut des Vitalis zeigt. belebt sein woll- 
te." Allerdings konnte man diese Sinnfalligkeiten in 
scharfsinnigen Programmen bei triumphalen Solemni- 
täten pflegen, doch der alltägliche Gang der Welten- 
dinge im Lauf der Zeit sollte sich für St. Peter durch- 
aus nicht so blühend erweisen. Die alte Pllanzstatte 
der salzburgischen Kirchenkultur drohte nämlich 
im Schatten der feuchten. steinschlaggefahrdeten 
Mönchsbergwand einzugehen. Unter dem strengen 
Abt Martin Hättinger (1584-1615) stand die Kloster- 
zucht zwar in hoher Blüte. doch die Zahl der Religio- 
sen war auf 13 gesunken. Weil ernstliche Schritte zur 
Wiederbelebung des Klosters unternommen werden 
mußten. wies Erzbischof Wolf Dietrich 1603 den Abt 
an. daß man Fleisch als Speise zulassen. den Aus- 
gang des Konvents auf außerhalb des Klosters liegen- 
de Felder gestatten und das Kloster geräumiger aus- 
bauen solle." Der Abt sperrte sich mit allen nur mögli- 
chen Einwendungen und Pochen auf die Tradition ge- 
gen die Einführung der Fleischnahrung. so daß ihm 
der Raitenauer schließlich ungnädig Bescheid gab. 
ohne nachfolgende Mönche hatte die Tradition ohne- 
dies keinen Sinn. Ähnlich wie das Machtwort Wolf 
Dietrichs hier fruchtete, mag es auch bezüglich des 
Ausgangs gewirkt haben. Denn außer der Ernährung 
fand der Fürst auch die Klostergebaude höchst unge- 
sund. weil, zu nahe an Berg und Friedhof gelegen. 
dort zu viel Feuchtigkeit und eingeschlossene Fäule in 
der Luft herrsche. vEr sah uns derart eingeengt. weil 
wir innerhalb der Klausur keinen Garten hatten. wo wir 
uns mit tätiger Hand oder im Auf- und Abgehen auch 
gesund halten konntemr" Daher wünschte er auch. 
daß es dem Konvent erlaubt sei. rwzu den Feldern und 
Gärten zu spazieren. welche zum Kloster hin 
blicktenir. Im Grunde wurde damit den Mönchen von 
St. Peter all das verordnet, womit man seit jeher den 
Stechen in Klostergemeinschaffen aufzuhelfen trach- 
tete." 
Bei aller Fürsorge und Gewogenheit hatte Wolf Diet- 
rich sich jedoch von den Mönchen einige Jahre vor- 
her. 1598. ihren eigentlichen Garten innerhalb der 
Mauern. den sogenannten Frauengarten (oder Fron- 
garten) zwischen Franziskanerkirche und Bürgerspital 
als Baugrund für seinen Marstall abtreten lassen. Ge- 
wiß. er gab dem Kloster dafür eine größere Wiese. die 
Stockauwiese zwischen Hellbrunn und Glanegg. aber 
man kann sich vorstellen. daß die Mönche nicht gera- 
de auf diesen Tausch gedrängt hatten und ihnen wohl 
nichts anderes übriggeblieben war." Freilich war das 
nur das Ende eines Gartens. dessen St. Peter zuse- 
hends immer weniger froh wurde. Bereits Burkart von 
Weißpriach (1461 -66) hatte auf den Garten ein Auge 
geworfen, um die Stadt zu vergrößern, und schlug sei- 
ne Abtretung durch Tausch so nachdrücklich vor. daß 
ihm die Mönche nicht widerstehen wollten. Doch 
mochte mirakulöserweise angeblich niemand auf die- 
sem abgepreßten geistlichen Boden bauen. so daß ihn 
der Fürst 1462 reumütig zurückgabli Im Jahre 1579 
klagt dann Abt Andreas in einem Brief, daß man ohne 
sein Einvernehmen im Frauengarten. irden unsere 
Vorgänger zum Nutzen und zur Zierde des Klosters 
immer gepflegt haben und bis jetzt mit Hilfe der Erz- 
bischöfe vor Übergriffen der Anwohner wachsam 
schütztenu. einen Steinbruch angelegt habe. Auch der 
Langenhof wird erwähnt. durch den im angrenzenden 
Obstgarten Schaden entstehen könnte." Angesichts 
dessen. was sich dann 1656 unmittelbar am Kloster 
ereignen sollte. erscheinen solche Querelen wie Vor- 
zeichen im Garten-Worfeldu. Schließlich mußten ir- 
gendwann der Klostergrund und die Stadtentwicklung 
durch die geographisch bedingte Beengtheit miteinan- 
der in Konflikt kommen. Seit Wolf Dietrich hatten die 
Fürsten durch Platzgliederungen Raum für eine Resi- 
denzstadt schaffen wollen. aber weder er noch seine 
Nachfolger gingen so rigoros vor wie Erzbischof Gui- 
dobald. Abt Martin Hattinger ließ 1606-10 das Kloster. 
damit es wieder floriere. weitgehend umbauem" die 
damalige Anlage zeigt der Stich von 1619 in der vMo- 
nasterologiar Karl Stengels. Innerhalb des trapezför- 
migen Klostergevierts. das durch einen Querbau in 
zwei Höfe mit offenen Kreuzgängen aufgeteilt wird. ist 
nur ein Ziehbrunnen im westlichen Hof. aber keinerlei 
Gartenanlage zu erkennen. Immerhin sieht man dann 
auf zwei Aquarellansichten von 1657". daß zwischen 
einer Mauer. die die Südseite des Domplatzes ein- 
nimmt. und dem nördlichen Klostertrakt ein schmaler. 
bepflanzter Zwickel liegt. Zum Domplatz hin ist diese 
Gartenmauer durch flache. schlichte Doppelpilaster 
und quadratische Putzflächen gegliedert. Hart an die- 
ser Mauer begannen. nachdem der Dombau 1655 mit 
den Türmen abgeschlossen war. im darauffolgenden 
Jahr völlig überraschend Arbeiter mit dem Aushub für 
einen Bau von beträchtlichem Umfang. Das Ausmaß 
der Bestürzung in St. Peter entsprach denn auch dem 
der Fundamente: Es war unschwer abzusehen. daß 
Guidobald nunmehr zur symmetrisch-regulären Ein- 
fassung des Platzes vor dem Dom schreiten wollte 
und ein Gebäude plante. das dem bereits bestehen- 
den. unter Markus Sittikus entstandenen Trakt der Re- 
sidenz entsprechen sollte. Amand Pachler hat die 
ganze wSituationrr im weitesten Sinn des Wortes in sei- 
nem Tagebuch und einem als Rechenschaftsbericht 
für die Nachwelt gedachten nRationale Super Nouo 
Aedificio Ad S. Petrum Salisburgiu sehr detailliert auf- 
gezeichnet." Er schildert. wie sie fürchten mußten. 
durch diesen Bau auf das traurigste eingeschlossen 
zu werden, und daß ihnen "die Luft und beinahe der 
ganze Himmel genommen worden wären. Die Fenster 
des Gebäudes hätten in den stark in Mitleidenschaft 
gezogenen kleinen Garten (hortulus) und zu den 
Mönchszellen geblickt; das Schlimmste war aber ein 
an der Mitte der Gartenmauer zu errichtender Turm in 
nächster Nahe des Refektoriums. in dem eine Treppe 
und darunter eine Latrine eingerichtet werden sollten. 
Im Jänner 1657. als das Bauwerk fast bis zum zweiten 
Stock gewachsen war. starb Abt Albert Keuslin. dem 
dieser Kummer die Erdentage verkürzte. wie sein 
Nachfolger Amand Pachler versichert. Dessen Diari- 
um und iRationaleu sind in ihrer unpretentiösen Wi- 
derspiegelung von tiefer Betrübnis und späterer froh- 
gestimmter Dankbarkeit eindrucksvolle Zeugnisse 
dieser Bedrängnis. Der neue Abt Amandus fand keine 
Ruhe. der Schlaf habe seine Augen des Nachts geflo- 
hen (rrwas ich wahrhaft ohne Eitelkeit schreiben). Tag 
und Nacht habe er gegrübelt, wie dieses Bauwerk ent- 
weder zu verhindern oder zum Guten des Klosters zu 
wenden sei. Es sei ihm der Gedanke gekommen. daß 
vielleicht durch dieses Bauwerk Gottes Wille in Erfül- 
lung gehen solle. vsc wie der Herr oft die Schwachen 
erwählt. um die Starken zu verderbenr. So betet der 
Abt zu den hll. Petrus und Rupertus. den beiden (l) 
Gründern (nqui  fundäruntu) des alten Klosters. und 
zur Hi. Familie. sie mögen seine Gedanken leiten, bis 
er schließlich durch Vermittlung des Wohlgesinnten 
Hofkammerrats Baron v. Plaz in einer Audienz bei Gui- 
dobald erreicht. daß das Gebäude zum Nutzen des 
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