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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVII (1982 / Heft 180 und 181)

Anmerkungen 20-25 
1' Vermutlich war Guidobald nicht einmal unfrch über des Anliegen des 
Abtes. weil das Uniemehmen wegen eines Baufehlers mittlerweile 
ruhte. Das begonnene Gebäude hatte eine Hohe von 10-12 Fuß. wal- 
che dann von den Mönchen auf S Fuß abgetragen wurde. ndamit vvlr 
nach unseren Vorstellungen weitermachen konnten. Mehr ist uns 
nicht geschenkt worden. und alles andere ist auf unsera Kosten ge- 
baut und vollendet worden-r (Rationale Gap. V. Nota 36; 1 Salmurger 
Fuß : 29,56 cm). Vgl. auch zur Baugeschichte ÖKT Bd. 12, S. LXXIV 
ff.. die Rechnungen für das Holzrnodell S. LXXIX. 
" Aus dem Wortlaut des in Abschrift dem Rationale beigelegten Vertra- 
ges. der die Begründungen des Abtes vor der Nachwelt enthalt. wie 
sie auch das Rationale und das Diarium darlegen. 
" S. dazu auch Franz Martin. Saimurgs Fürsten in der Barockzelt. Salz- 
burg "B66. S. 112. Anfang Juni 1659. als während des Umbaus in't- 
mer noch Ungelegenheiten von erzbischbflicher Seite her drohen. 
seufzt Pachler (auf lateinisch) in seinem Diarium: 1.. . denn der Nach- 
bar ist starker .. . dcch ich lege den Finger auf den Mund. damit ich 
vorn Nachbarn nicht gehört werden Eine bitter rasignierende Eintra- 
gung von 1660 (S. 179) resumiert dann gar auf deutsch: nwann man 
halt dise sachen bey dem ilcht wiii beseohen. so erkhent man. daß 
St. Peter überall zuruckh mueß stehen. ich auch noch khein Jahr nit 
reglrt hab. in derne nit ein prluiieglum vom Closter ware weggenom- 
men worden. Will man sich aber widarsezen. hat alner nichts anderß 
aiß die ungnadt zu vertieften; 
" Eine Ansicht um 1682 zur l tüü-Jehr-Feier (J. F. Pereih und G. A WDif- 
gang) zeigt die Aufteilung des Gartens in Blumenrabatten mit Zier- 
hecken und einem Lusthrunnen (: Abtgarten der nördlichen Haitte); 
auf der südlichen Halfte einen Baumgarten mit Zwlebeltürmchenbau. 
darin WDiii ein Sommersaietti für die Kegeibahn (Abb. 4 bei Hahni - 
Anm. B). Fl.lr später vgl. Klebeband 305 (29 im Stlitsarchiv St. Peter: 
Sltuatlonspian des Konventsgartens. 49.7 x 34.8 cm. in der Art des 
Wolfgang Hagenauer. Ende 1B. Jh. Dieser zeigt in der kirchenseitigen 
Südhälfte des Gartens eine klaine Kagelstaii und einen russischen 
Kegelgalgen sowie die gleiche Anordnung in größerer Ausiilhrungain 
zweites Mal. Dlaser Anordnung entspricht auch der Gebaudegrundriß 
Hs A 320152 das Klosters von 1797. signiert: Wolfgang Hagenauer. 
4792 war im Konventsgarien ein neues Sommerhaus aus Holz xsami 
Wandkogelstadt-i von W. Hegenauer errichtet worden (vgl. Adolf 
Hahni. Studien zu Wolfgang Hagehauer. Diss. Salzburg 1969. 
S. 129 i.. 216. 289). Damals unter Abi Dorninicus errichtet. wurde 
das Ganze zwischen den beiden Weltkriegen demoliert. in der OKT 
Bd. 12. S. 2. Flg. 11. ist ein Sommerhaus mit Kegelbehn noch abgebil- 
det und ebenso auf dem Situetionsplan Flg. tü verzeichnet. 
I Vgl. die Handschrift Im Stiftsarchtv B XIV. 55 von Arnand Jung. in der 
die Klosterregein des Stifte St. Feier gesammelt sind. Monumenta Hi- 
storlca Disclplinam Reguiarem . . . Bd. 3 (1641-1818). in der Tagesord- 
nung von 1787 ist von einem rSnatziertrunkr die Rede. der vom Oster- 
dienstag an gegeben wird. rso lange die Spaziergänge dauern .. . . Er 
besteht In einem MBBl Wein oder Kendi Biere. Er vvlrd gewöhnlich irrt 
Fteiaktcrlum genommen. und es ist nicht erlaubt. ihn in den Zeilen zu 
trinken. doch nwan ihn die H. Patres im Garten oder beim Kageiechei- 
hen trinken wollen. so kan er ihnen dorthin getragen werdenc. In den 
Erklärungen zur Regel wird für das Jahr 1692 vermerkt. daß man, 
wenn es die Witterung zulaßt. nach dem Mittagessen außerhalb zu 
den Feldern gehen könne. 
" Sowohl im Diarium als auch im Rationale betont Pachler, daß die 
Übereinkunft mit dem Fürsten In Josephi. dem 19. März i557, ge- 
schah. Deswegen legt ar auch auf dieses Datum drai Jahre später die 
Weihe des neuen Kloetertraktes lest. dessen Kapelle und Patrozinium 
dem hi. Joseph geweiht ist. Denn es sei vverdienst und Hllte des hi. 
Joseph gewesen. ein solches Werk innerhalb von zwei Jahren und 
acht Monaten fartlgzusteiion- (Diariurn s. 1631.). Pachler verfügte 
auch eine tägliche Litanei zu Ehren des hi. Joseph. Die vlotzte Zelle. 
die er sich baute: (so die Grebsohrirt. die ihm sein Nachfolger Ed- 
niund Slnnhuber vridmate). wollte Arrraridus am Altar des hi. Joseph 
haben. Abt Pachiar ist somit einer der Protagonisten für die Josephs- 
verehrung. die dann im 1B. Jh. weitere Verbreitung fand. 
O11 
Klosters verwendet werde." Die Übereinkunft zwi- 
schen Abt und Landesherr zählt die triftigen Gründe 
dafür auf: Es sind immer noch die selben, wie sie zur 
Zeit Wolf Dietrichs das Kloster dahlnsiechen ließen. 
Vor allem sind die Zeilen derart naß und in ungesun- 
der Luft. daß der größte Teil der Mönche nnoch in der 
Blüte ihrer Jahre aus diesem Leben gingx." Aus wEr- 
barmen und Frömmigkeit-r überließ der Erzbischof das 
Gebäude dem Kloster; allerdings mit der Auflage. daß 
es. mit Kostenanteil des Erzbischofs, zum Dompiatz 
hin dem Flügel der Residenz zu gleichen habe. Wäh- 
rend bereits Johannes Haseneri nach Angaben des 
Abtes ein Holzmodeil baut, sorgt Guidobaid dafür. daß 
man aus der äußeren Gleichartigkeit des Kiosterfiü- 
geis mit dem Residenztrakt keine falschen Schlüsse 
auf die Ranghohe zieht. in unmittelbarer Verknüpfung 
des Baus mit dem alten strittigen Vortrittszeremonieli 
zwischen den Mönchen von St. Peter und dem Dom- 
kapitel wird die Präzedenz zu Gunsten des letzteren 
geregelt. Waren die Umstände recht bezeichnende 
Stiifragen der äußerlichen Ausrichtung und Subordi- 
nation." so waren wenigstens die inneren Folgen für 
St. Peter minder gramvoil und öffneten den Kloster- 
komplex der Sonne und guten Luft. 
Der alles entscheidende Punkt ist der Abbruch des ai- 
ten Dormitoriums. eines von Norden nach Süden ge- 
henden Trakts, der das innere des Klosters in zwei 
kleine Hofe teilte. Der Neubau wurde auf dem Grund 
des einstigen engen Gartenzwickels errichtet, von 
dem fast ein Drittel wegen Sonnenmangeis unkulti- 
vierbar war. Die beiden Binnenhbfe (nur als vareau be- 
zeichnet) verschwanden. im westlichen Hof. wohin 
auch die Abtgemächer blickten. und der den Fratres 
als Kegelpiatz diente. blieb der Schnee aus Mangel an 
Sonne und Wind bis lange nach Ostern liegen. Der 
östliche Hof diente den Patres als Kegelplatz. Schon 
1657 überlegt Pachler in seinem Diarlum. daß sich 
aus beiden ein ngenügend schönes und geräumiges 
Areal für einen Gonventsgartenr ergäbe. Der also ver- 
größerte Garten hat dann seine Austeilung. wie sie 
die Pianskizze des nRationaiex überliefert. bis ins 
20. Jahrhundert beibehalten?! Die nördliche Hälfte 
i 
diente als Abtgarten, die südliche (durch ein Spalier 
abgeteilt) bot den Patres und Fratres an verschiede- 
nen Platzen Gelegenheit, sich beim Kegelspiel zu be- 
wegen." Die innere Haltung Pachlers. in der organi- 
saiorische Beharrlichkeit und Vorsicht in Weitdingen 
geradewegs einmündet in die Überzeugung vom deut- 
lichen Erweis himmlisch waitender Vorsehung. wird 
an zwei Punkten besonders deutlich: zum einen ist es 
sein Pochen auf das Wirken des Nährvaters Joseph 
zugunsten der Klosterfamilie." zum anderen aber die 
fast demonstrativ-ironische Umgestaltung ienes Tur- 
mes, mit dessen Aushub am Kiostergarten das Übel 
schlechthin in Form einer Latrine fundamentiert wer- 
den soilte. wHeute steht genau über diesen Funda- 
menten und unter dem Gewölbe unseres Umgangs 
das Eremitorium Sti. Benedicti, die Queilgrotte im 
Creuzgang. Und so ist das absurde Gebäude einer La- 
trine. das allergrößte Belästigungen in unseren 
nächstgelegenen Zeilen verursacht hätte. durch die 
wunderbare Vorsehung Gottes verhindert (Pachier 
spielt hier auch auf die Baufehier an) und zu unse- 
rem ehrenvoileren Gebrauch eingerichtet wordenxr" 
(Abb. 2) Wie dieses Grotteneremitorium im einzelnen 
ausgesehen hat, ist dem nRationaier nicht zu entneh- 
men, doch geht aus den Rechnungen hervor, daß 1661 
nfür die grotta in creizgangu ein Gießer entlohnt wurde 
und Giasscherben zu ihrer Dekoration verwendet wor- 
den waren." in mancher Hinsicht mag diese Benedik- 
tusgrotte (deren inneres an das kuriose Scheinportal 
des Baues am Domplatz stieß) auch einen demonstra- 
tiven Hinweis auf die Abkehr von den Handeln der 
Welt, hin zu dem alierwursprüngllchstenr vormonasii- 
schen ideal des Klostervaters Benedikt in der Einsam- 
keit von Subiaco darstellen. wodurch auch die Felsen- 
tradition des petrischen Klosters in neuer Variation 
betont wurde." Darüber hinaus stellt sie aber zweifel- 
los eine Interpretation des Gartens als Ort Kontempla- 
tiver Versenkung im Sinne des nstyie rustlquet dar. 
wenn man den wwildenx Prospekt von dieser Steile aus 
miteinbezleht und zu den steilen Höhen des Mönche- 
und Festungsberges emporbiickt. Einer Kontemplati- 
ven Intention entspricht die Tagebuchnotiz Pachlers
	        

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