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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVII (1982 / Heft 180 und 181)

}{ Für den Kunstsammler 
Ein neues Material wird zur Schmuckerzeugung 
in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts eingesetzt. 
Die im Österreichischen Museum für angewandte 
Kunst vorhandenen Eisengußschmucksfücke sind hin- 
sichtlich ihrer Herkunft nicht genügend erfaßt. Ein Teil 
wurde aus dem k.k. Technologischen Gewerbemu- 
seum Wien im Jahre 1914 übernommen; Qs sind 
Stücke aus der Hütte Horowitz in Böhmen, die von 
Graf Wrbna geleitet wurde. 
Ein anderer Teil stammt aus der Sammlung Bertha 
Papoenheim, Neu-lsenburg bei Frankfurt am Main. 
Ebenso wie die Lokalisierung ist die Datierung der 
Elsengußschmuckstücke schwierig. Historisierende 
Tendenzen setzen hier sehr früh ein, die Stilvielfalt ist 
fast unmöglich aufzulösen. Gleichzeitig sind verschie- 
denste Ornamente, seien es gotische wie antikisieren- 
de, mitverwendet worden. 
Sind noch die Objekte aus der Gußhütte Horowitz ein- 
facher zu erkennen, da bei ihnen gröbere Ausformung 
sowie antihistorisierende Motivik, Ornamentik und 
Formgebung überwiegen (Abb. G, 7, 8), so ist die Pro- 
duktion der Hütte Gleiwitz und ihr Einfluß auf andere 
Produktionsstätten kaum überschaubar. So ist auch 
eine Trennung von Gleiwitzer und Berliner Objekten 
nicht durchzuführen. Weiß man, daß Gleiwitz dem 
nach ihm entstandenen Berliner Gußwerk Modelle der 
eigenen Produktion zur Verfügung stellte. so wird 
auch der Einfluß auf andere Hütten glaubhaft. 
Eine Produktionsliste mit Zeichnungen ist aus Gleiwitz 
vom Jahr 1847 erhalten (Anm. 1) (Abb. 2, 4. 10 und 
12). Sie gibt ein eindrucksvolles Bild von der Vielfalt 
der Erzeugnisse. Hier soll nur der Schmuck gezeigt 
werden, aber man muß darauf hinweisen, daß beson- 
ders die Skulptur in den anderen Hütten reiche Nach- 
ahmung fand. So ist wenigstens die Herkunft der Ent- 
würfe bestimmbar, wenn auch die Ausführung zu- 
gleich in mehreren Hütten möglich war, 
Der Eisenguß war ein entsprechendes Mittel. das Er- 
starken des deutschen Nationalbewußtseins in den 
Befreiungskriegen optisch zu dokumentieren. Dazu ist 
der Aufruf iiGold gab ich für Eisern belegt (Anm. 2). 
In Berlin wurden insgesamt 160.000 Goldringe ge- 
spendet, die durch eiserne ersetzt wurden und innen 
die Jahreszahl 1813, außen die Inschrift iiGold gab ich 
für EiSeTW trugen. Der Zweck des Einschmelzens des 
gespendeten Goldes war, Geldmittel für den Kampf 
Preußens gegen Frankreich zu gewinnen. Eisen in Me- 
daillenform wurde auch als Anerkennung für die Ver- 
dienste um das Vaterland gefertigt. 
Wie jedoch die Produktionsaufzeichnungen zeigen, 
wurde der Eisengußsohmuck auch schon vor den Be- 
freiungskriegen erzeugt. Die Produktion wurde jedoch 
erst nach diesem Aufruf, besonders die Schmuckher- 
stellung betreffend, verstärkt aufgenommen. Das na- 
tional betonte Interesse an dem für Schmuck eigent- 
lich uralten, aber für jenes Zeitalter neu entdeckten 
Material war nur ein Teilaspekt der zunehmenden Ei- 
senverwendung in der Kunst. 
Die allenthalben entstehenden Baukonstruktionen 
sind ohne das Material Eisen nicht mehr denkbar. 
Aber selbst funktionsmaßig nicht aus Eisen erforderli- 
che Bauteile werden in Eisengußtechnik gebaut: Gar- 
tenpavillons, die genauso wie bislang aus Holz gefer- 
tigt sein könnten, werden nun durch gußeisernes Git- 
terwerk ersetzt. 
Die Schmuckherstellung betreffend, wurde das Erz - 
eigentlich materialfremd - in höchst artifizielien For- 
men gegossen, was an den GieBer höchste Anforde- 
rungen stellte. Die Verfeinerung der Ornamente wird 
bis zur Absurdität des Metallcharakters betrieben. Da- 
bei kann die riur wenig durchbrocherie Oberfläche ei- 
ne scherenschnittartige Wirkung erzielen. oder es 
können auch die Öffnungen selbst erst das Muster, 
das Ornament bilden (Abb. 8). 
Gleich wie um 1600 die Goldschmiedekunst in ihrer 
Technik nahezu völlig vollendet war und man daran 
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Ursula Mayerhofer Bemerkungen zum Eisengußschmuck
	        

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