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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVII (1982 / Heft 182)

azember 1978 wurde in Wien das Ephesos- 
im' eröffnet: ein thematisch und gestaltungsmä- 
:ichgeschl0ssenerTellderAntikensammlungdes 
wrstorischen Museums. örtlich von diesem ge- 
.aberverbundenmitderSammlungalterMusikin- 
anteundderWaftensammlungdieebenfallsdem 
wistorischen Museum angehören. 
Sälen des Hemizykelbaues der ehemaligen kai- 
ien Hofburg am Heldenplatz sind nuniene Kunst- 
in moderner Präsentation ausgestellt (Abb. 1, 2), 
l 1900 aus Ephesosi-ienerßökmsüdöstlichvon 
iahederturkischen Ägäiskuste gelegenen gewal- 
iuinenstätte - nach Wien gelangten, aus einer 
deren Geschichtesich überzweieinhalbJahrtau- 
spannt. Gegründet um 1000 v. Chr. von dem my- 
an athenischen KönigssohnAndroklos,derrnitei- 
har lonischer Griechen über die Ägäis setzte und 
äuchtvon Ephesos Fußfaßteentwickeltesich die 
ng zu einer der bedeutendsten Städte der Antike 
eutend in kultureller.politischer, wirtschaftlicher 
igionsgeschichtlicher Hinsicht. Es istjeneStadt, 
zher der Riesentempel der Natur- und Muttetgot- 
smis zum religiösen Anziehungspunkt wurde, in 
rakllt,derPhilosoph.genanntderDunkledenim- 
ihrenden Fluß aller Dinge lehrte. im Laut seiner 
ichte gehörte Ephesos dem Flelch des Lyderko- 
roisos an. war persische Satraple und Teil des 
iches Alexanders des Großen. Unter seinem 
ulger Lysiniachos wuchs sie zu Beginn des 
hunderts v. Chr. erstmals zur Großstadt empor. 
er Regierungszeit wurden das erste Theater und 
ste Stadion errichtet. die Stadt mit einem 12 km 
Mauerring umgeben. Kaiser Augustus ernannte 
Hauptstadt der römischen ProvinzAsia Den Ze- 
es Fluhmes. ihres Wohlstandes, ihrer Ausdeh- 
ihrer Einwohnerzahl (sie wird auf 300.000 ge- 
t)undihrerstädtebaulichen Gestaltung erreichte 
)S im 2. Jh. n. Chr. Die Stadt wurde zum rilurnen 
.zur LeuchteAsiens. In dieserEpochewurdedas 
usforumagebaut und dasTheater(Abb. 3) erwei- 
richtete man riesige offentllche Badeanlagen, 
l, Wohnhäuser und die Celsusblbliothek. Die Ur- 
i dieses beispiellosen wirtschattlichen Auf- 
wges liegen in der mit Augustus beginnenden 
ndertjährigen Friedenszeit, verbunden mit der 
s günstigen Lage derStadt. Von einervon schut- 
l Bergen umschlossenen BuchtderÄgäis aus un- 
sie Handelsbeziehungenzusamtllchen Ländern 
telmeeres. EphesoswarderAnfangspunkteines 
von Fernstraßen, vondenendie berühmtestedie 
'sische Königsstraße war, die über3000 km zum 
:hen Golf führte und von der aus Handel bis tief 
sien hinein möglich war; und schließlich war die 
Sitz eines der größten Bankinstitute der Antike, 
tnk von ASlQFiii 
esos wirkte zwei Jahre lang der Apostel Paulus. 
'einechristlicheZelleschuf, die sich zu einerder 
endsten Gemeinden des fruhen Christentums 
zelte. Ephesos wurde Bischofssitz und Erzbis- 
derMarlenkirchetagtedas Sbkumenische Kon- 
tr dem Grab des Johannes, des Verfassers der 
vpse, errichtete KaiserJustinian l. im 6.Jahrhun- 
Chr eine gewaltige Kuppelkirche. Eine kurze 
lte war der Stadt unter den türkischen Selcuken 
eden. Im Sturm der Osmanen ging Ephesos im 
26 zugrunde. 
häologledes19. und 20.Jahrhunderts erweckte 
dt zu neuem Leben. Der Engländer J. T. Wood 
69 nach siebeniährigem Suchen die kärglichen 
ste des Artemlslons, lenes monumentalen io- 
i Tempels. der sich einst - so der römische Ar- 
Vitruv - iiselbst vor dem Thron der Götter einer 
jerungerfreuteii. 1895 begannendieGrabungen 
terreichischen Archäologischen Institutes, die 
Jnterbrechung durch die zwei Weltkriege - bis 
üngste Gegenwart andauern und deren Ende 
Jzusehen ist. 
Jtzutage Ephesos besucht, sieht die gewaltigen 
1 Ephesos-Museurn in Wien, Parthersaal 
2 Ephesos-Museum. Skulpturensaal 
Ruinen der einstigen Weltstadt im Sattel zwischen den 
beiden Hausbergen Bülbüldag und Panayirdag, an de- 
ren Hängen und in der Ebene davor sich ausbreiten. Er 
betritt die Hafenthermen, riesige öffentliche, einst 
prunkvoll mit Marmor ausgestattete Bäder, und die an- 
schließenden Schul- und Trarningsanlagen derSportler, 
wandert über die Prunkstraße Arkadiane zum Theater 
(Abb. 3) - ehedem kultureller und gesellschaftlicher 
Mittelpunkt der Stadt mit einem Fassungsraum für 
24.000 Besucher; der Ephesosreisende läßt mit seiner 
Phantasie aufderAgora das bunte Treiben des Händler- 
marktes wiedererstehen. steht staunend vor der von 
Österreichern wiederaufgebauten Bibliothek, die zum 
Andenken an den römischen Statthalter Tl. Celsus Pole- 
maeanus errichtet worden war - und die zugleich sein 
Grabmal ist. Die Kuretenstraße führt bergwärts an 
Wohnhausanlagen vorbei (die größte Wohneinheit um- 
faßt 1500 m2)zum Augustustorum, an dessen Nordflan- 
ke das Bouleuterion. das Rathaus, und das Prytaneion, 
das religiöse Verwaltungszentrum von Ephesos, liegen. 
3 Ephesos, Arkadlane und Theater 
Aus dieserStaclt kamen in den Jahren 1896 bist 
mit Genehmigung der türkischen Behörden -. 
che Funde von hoher künstlerischer Qualitä 
Wien. Da der 1891 fertiggestellte Riesenbau des 
historischen Museums Neuzugänge dieser Gröf 
nung nicht aufnehmen konnte, waren die Objek 
verurteilt, verstreut oder unzugänglich aufges 
werden: ein geringer Teil wurde in öffentlichen i 
den präsentiert, die überwiegende Mehrzahl ied 
stete rund 80 Jahre lang in Kellerdepots ein dü 
lichtloses Dasein, wohl dem Fachgelehrten zur 
nicht aber dem Museumspublikum. 
Erst als sich 1972die Möglichkeit bot, im Hemizy 
der Neuen Hofburg die ephesischen Funde zu k 
trieren und das Bundesministerium tür Wisser 
und Forschung die Genehmigung erteilte und da 
nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung stellte. 
mit der Planung eines Ephesos-Museums beg 
Die Auswahl der Exponate (nur jene Bruchstüc 
für den Museumsbesucher ohne Aussagekraf 
Anmerkungen 1-3 
t W ouerieitirei und Miturtriritt-r Fundc aus Ephesos und Sarnolhlake, 
Kurlslrtlslullsches Museum W107i. Katalog der Antikertsarnrrtlurig ii 
(Wien isrei 
i Paulys Realerrcycldpadie der classlscheri Aiieriuniswlsserisclialt. 
Suppl Xll,Sp.2IlB lt 1555111 Lesslrtgww OberleltnenEphesoSi 
Weltstadt der Antrke (Wien 197a). 
1 W. Jobsl legte kurziicti dar, das es sich beim hstaatSrTtäfklv rr 
Wahrscheinlichkeit um das Augustustorum handle, da der Ter 
dem Platz dem Augustus geweiht und damit als das Seb 
Augusteum anzusprechen sei (lslanbuler Mitteilungen GC 
5.241 (i)
	        

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