MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVII (1982 / Heft 182)

 
ichen Maskenball zwischen den beiden Polen Sirk- 
e, als Korsoplatz der eleganten Welt, und Börsen- 
z, als Arena des kapitalistischen Wettbewerbs, lie- 
Die größten Vorwürfe waren ihm gerade gut genug, 
DER EINZUG KARLS V. IN ANTWERPEN. 1877, 
nburg. Kunsthalle(Abb. 2ioderVENEDlG HULDiGT 
"ERINA CORNARO. 1872i73, Wien, Österreichische 
erie des 19. Jahrhunderts (Abb. 3). 
wissen, daß der Festzug in historischer Kostümie- 
;, der sich ausAnlaß der silbernen Hochzeit des Kai- 
iaares im April 1879 über die Ringstraße bewegte, 
Hans Makart arrangiert wurde. Makart hatte die Re- 
rsance der Renaissance zum malerischen Signet 
Ringstraßenzeit gemacht und ist so zutiefst restau- 
r geblieben. 
edig als Kristall der Verfalls-Ästhetik wird auch in 
Literatur der Zeit in immer neuen Varianten gespie- 
. bei Hugo von Hofmannsthal z. B. im Versdrama 
Tod des Tizian(1892), als Schönheitsglanz und Ge- 
formuliert: 
ist du die Stadt. wie sie jetzt drunten ruhte 
ihonheit lockend. feuchtverklarter Reinheit? 
t In diesem Duft. dem ahnungsvolien, 
rohnt die Haßiiohkeit und die Gemeinheit; 
bei den Tieren wohnen dort die Tollen . . .1 
müden Herren der spätromantischen Dekadenz 
"en sehr hellsichtig das Knistern im Gebälk, sehen 
VerblassenihrerLebens-undTheaterkuiissemaber 
(raftfürden befreienden Schrei derExpressionisten 
einer neugezimmerten Weitbühne bringen sie nicht 
Da verstummen sie lieber wie Hofmannsthals fin- 
ter Held im iiBrief des Lord Cnandasw: 
n Fall ist, in Kürze. dieser: Es ist mlr völlig die Fähigkeit ab- 
len gekommen, über irgendetwas zusammenhängend zu 
en oder zu sprechen... und dies nicht etwa aus Rücksich- 
gendweicherArt. denn siekennen meinen biszur Leichtfer- 
it gehenden Freimut: sondern die abstrakten Worte, deren 
doch die Zunge naturgemäß bedienen muß. um irgendwel- 
Urteil an den Tag zu geben, zerfielen mir im Munde wie 
'ige Pilze. . Allmählich aber breitete sich dieseAntechtung 
vle ein um sich fressender Rost...r3 
ser berühmten Beschreibung einer Depression des 
ltiven. als Formuiierungsstau und Schreibkrampf 
zum völligen verstummen körperlich erkennbar, 
ite man auch als Verwesung der Sprache bezeich- 
ins Sinnliche durch das Bild der vermodernden Pil- 
bersetzt. Es ist aber im Gegensatz zur expressioni- 
:hen Untergangsdramatik passives Erieidert, kunst- 
1 Panorama derwiener Ringstraße. Blick vom Burggarten zu 
Parlament, Rathaus und Burgtheater. Aufnahme von Lud- 
wig Förster, Wien 
2 Hans Makart. bEinZug Karls V. in Antwerpenn, 1877. Wien, 
Österreichische Galerie des 19. Jahrhunderts 
3 Hans Makart, wVenedig huldigt Caterina Cornaro-r, 1872173. 
Wien. Österreichische Galerie des 19. Jahrhunderts 
4 Anton Romako. nHerr und Dame in einem Salonx, 1897. 
Wien. Historisches Museum der Stadt Wien 
Anmerkungen 1- 4 
' Oskar Kckoschka, "Aus der Jugendbiographie-r, in Hans M Wrngier: 
O K. gesammelte Schriften 1907-1955, Munchen 1956. S. 40-41, 
1 W G FrscttennWohriungenmDTV19728 5 
' Hugo von Holmannstnai. itElfl Brielk.1901i02,in Gesammelte Werke, 
Frankfurt. 1951. Prosa ll, S 7 N. 
' Hugo von Hoirriartrtstrtal, Prolog zu dem Buch NAÜalQlK, i892, lrrI Ge- 
sammeitewerke. Frankfurt. 1952, Gedichte - Lyrlsche Dramen, S 43, 
l. in.Gesammeite Wer- 
4 a Hugovon Holmannsthal,nMancheireiiich . 
ke. Frankturt, 1952. Band. Gedichte. Lyrische Dramen. S 19, 
 
gewerbliche Melancholie, die alles ebenso seism 
phisch wie Kokoschka, Schiele, wie Kraus und i 
spürt, aber wie Hofmannsthal zuvor den Ausweg 
in der Restauration und das Heil am Ende des barc 
österreichischen Heidenzeitaiters zu Füßen des 
kenbesiegers Prinz Eugen im Wien Maria Theresia 
Canalettos gesucht hatte: 
WM" verschlafenen Kaskaden 
Und verschlafenen Tritonen, 
Rokoko, verstaubt und lieblich, 
Seht. , . das Wien des Canaietto 
Wien von siebzehnhundertsechzig . . .144 
Ein Hofmannsthalscher Gedichtanfang von 1896 
alsAntwortdes Resignierenden aufjede Form real 
voluticnärer Ansprüche beim Wort genommen we 
wManche freilich müssen drunten sterben. 
Wo die schweren Ruder der Schiffe streifen. 
Andre wohnen bei dem Steuer droben. _ 4x41 
Auf jene, die sich eine konkrete neue Welt entw 
wollten - sei es mit Hilfe von Theodor Herzl 
Neuland oder als Bannerträger des kommunistis 
Manifests -. muß der Geist Hofmannsthals wie 
schone gedrechseite ironisierung der Revolutio 
wirkt haben. Man könnte dafür in Abwandlung desi 
schen Apercus Grillparzers von der Humaniiarüb. 
Nationalität zur Besrialiiäf einen neuen Aphori 
schöpfen: 1: Von der Resignation über die Fiesiaur 
zur lmmunisafionrr (gegen das beunruhigend Nei 
politischen. sozialen und ästhetischen Bereich). E 
aber auch Zwischentone im Muster der Weltt 
gangstapisserie. die in der Malerei am qualitätvo 
von Anton Romako und Gustav Klimt angeschlager 
den. AufAnton Romakos HERR UND DAME IN Ei 
SALON, 1897, Wien. Historisches Museum der 
Wien (Abb. 4), ist das interieurdes Makartsaionsbi 
durch Gestikder Figuren und durch das lächerliche 
gerporträt im Hintergrund ironisiert. Dievertrockn 
gelben Palmwedel über dem Kamin schlagen eii 
slerndes Leitmotiv an. das im Rascheln der roter 
menrobe wiederholt wird. Das alles wirkt wir 
gespenstisch-romantisches Bühnenbild zu Hofm: 
thals Der Schwierige oder zu lbsens Bürgerrragä 
in Gustav Klimts PorträtADELE BLOCH-BAUER l,' 
Wien,ÖsterreichischeGalerie,GaIeriedesZOJah 
derts (Abb. 5). erreicht die rein ästhetische orname 
Flächenkunst ihren Höhepunkt. Hier sind die byza
	        

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