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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVII (1982 / Heft 183)

eines Sohnes registriert. stirbt erdort 1804 als Stadtma- 
ler ohne Gehalt. 
Erwähnenswert ist auch Johann lgnaz Heß, Sohn des in 
der Fuldaer Fayencefabrik als vielseitiger Künstler be- 
kannten Georg Friedrich Heß (1697 - 1782). Johann 
lgnaz absolvierte seine Lehre von 1745 - 50 an der Por- 
zellanmanutaktur Höchst.391758 - 59 wirderin Ellwan- 
gen als Maler genannt, kehrt jedoch das folgende Jahr 
wieder zurück. Ende 1761 bis 1764 in Kelsterbach regi- 
striert, arbeitet er ab 1765 in Fulda, wo er zum zweiten- 
mal heiratet und bis 1773 blieb. Nach einem erneuten 
Zwischenspiel von 1774 - 80 in Höchst starb er 1784 in 
seiner Heimatstadt Fulda. Füreine kurze Beschreibung 
seiner Arbeiten können wir nur die signierten Höchster 
Werke heranziehen, da seine FuldaerArbeiten bis heute 
noch kaum identifiziert wurden. Eine Ausnahme bildet 
die FigurvEineGruppe mitAptelbaum und Leitermit drei 
Kindernw im Landesmuseum Kassel. Er malte mitVorlie- 
be indianische Blumen, Passionsszenen. Landschaf- 
Frau in große Not. die nurdurch die Spenden seinerehe- 
maligen Kunden gemildert werden konnte. 
Seine Arbeiten können nur anhand der Ähnlichkeiten 
mit Frankenthaler Werken eingegrenzt werden. da er 
keinerlei Malersignatur verwendete. Doch dürften die 
zwischen 1780 und 1789 entstandenen Blumen- und 
Kauttahneiszenen von ihm stammen. Das Österreichi- 
sche Museum lür angewandte Kunst in Wien besitzt 
zum Beispiel eine Tasse aus Fulda. deren nins grün ge- 
malteuStattagedem Dekoreinerihmsicherzugeschrie- 
benen wTheekanne mit Landschaften ins grün gemalt: 
im Kasseler Museum gleicht." 
Zurgleichen Zeit wie Handschuh kam PeterJoseph An- 
gelä nach Fulda. Als Sohn des Figuren- und Land- 
schaltsmalersJoseph Angele wurcleeram 5. November 
1758 in Höchst geboren und wird dort im Juni 1774 als 
Malerjunge genannt." 1780 kam er dann als Buntmaler 
nach Fuldaund blieb nochdeutlicher als sein Zeitgenos- 
se Handschuh dem Vorbild seines Vaters eng verbun- 
12 "Tasse m1! dem Bild 
Hemrlch von 
Bobrasu, bemalt von 
Peter Joseph 
Angele, au! der 
Unlenasse das Mo- 
nogrammw H(enn- 
cus) Phinceps) 
Hpiscopus) A(bbas) 
F(uldensis).Sch1oß- 
museum Fulda, Alter 
Bestand 
 
ten, Chinesenszenen, Felswerk und deutsche Blumen- 
strauße. 
Der Staffiermaler Friedrich Beverin scheint an Bartho- 
lomes Werken nicht mitgearbeitetzu haben. da er nach- 
weislich Fulda am 15. September 1775 verließ." ln Kiel 
als Sohn eines Schreiners geboren, wird er 1765 an der 
HöchsterManufakturgenannt. 1771 in Kasselspaterin 
FuldaAm 15. Juli 1776 heiratete er in Höchst. Zuschrei- 
bungen von ihm sind nicht in der Fuldaer Sammlung 
bekannt. 
Als eigenständigster Maler während dieser Zeit wirkte 
Johann Franz Handschuh, Er wurde am 30. September 
1761 in Frankenthal getauft." Nach einer sechsjähri- 
gen Lehre in seiner Heimatstadt ging er 1780 nach Ful- 
da, wo er am 25. Juni 1781 Maria Juliana heiratete, die 
TochterAbraham Ripps. Seine Werke sind im Stil seines 
Vaters Andreas Handschuh gehalten, welcher der be- 
deutendste Blumenmaler der Frankenthaler Manufak- 
tur war. Er erreichte bei seinen Werken eine geradezu 
miniaturhafte Feinheit. Durch Schattierungen und ge- 
konnte Abstufung seiner Farben vermied er weitgehend 
harte Kontraste." Handschuh arbeitete bis Ende der 
Produktion in Fulda. und obwohl damals schon klassizi- 
stische Formen überwogen, waren seine Blumenmale- 
relen dennoch begehrt. Auch im letzten Brand der Ma- 
nufaktur sieht man noch seine Dekorationen. Nach 
der Schließung der Fabrik als Archivpedell angestellt, 
geriet er jedoch wegen der Trunksucht seiner zweiten 
20 
den. Er fertigte Medaillons mit antikisierenden Köpfen 
und Volksszenen im rechteckigen Rahmen an. Zu sei- 
nen bekanntesten Werken gehört eine nTasse mit dem 
Bild Heinrich von Bibras" (Abb, 12) nach einem Kupfer- 
stich des Mannheimers Anton Karcher. Sie wurde 1787 
bemalt. Als die Manufaktur zwei Jahre später schloß. 
ging er wohl bald nach Berlin, denn am 5. August 1789 
heiratete erals königlicher Porzellanmaler Marie Frede- 
rike Dannhauser in der Berliner Sankt-Hedwigs-Kirche. 
Ungeklärt ist bis heute noch eine mögliche Anstellung 
etwa um 1796 in Frankenthal. Nachgewiesen ist jedoch 
sein Tod am 19. Mai 1814 in Berlin. 
Von seinen Werken für Fulda sind noch zu erwähnen: 
weine große Chokoladentasse mit Deckel, Antikfacon 
mit Figurenmalereir nach Höchster Vorbild dekoriert, 
ein wDejeuner, ganz groß, Antiklacon. gemalt mit 
schwarzen Medaillons und Köpfen, vergoldetit und iwEi- 
ne Tabatiere, innen und außen mit Figuren bemalte, 
ebenfalls aus der Kasseler Kunstsammlung. Die nKan- b 
ne zum Waschservicet mit dem Wappen Heinrich von 
Bibras laßt den Übergang der Arbeiten von der Ftokoko- 
zeit (obere Kannenhalfte) zum Klassizismus (Fuß) deut- 
lich werdenfs 
Die anderen an der Manufaktur noch tätigen Porzella- 
ner, wie Philipp Heß, Balthasar Belchard und Heck, rei- 
chen nicht an die Bedeutung der auch in der Sammlung 
Dr. von Waldthausen repräsentierten Porzellankünstler 
heran. 
Anmerkungen 39 - 45 
1' vgl. nieiziistegrrled Ducrel, Der Porzellanmaler usirigar in l-tderist 1774 
DIS 17e4, in Kerarnos. 3411965, s. 4a 
"- vgl hlEVlLI Ernst krsrriei, 197a, s 19 
H vgt. nähere Angaben bei Anna Maus, Die POYZSHBHSY der MBVHHBKHH 
Frankenthal. in Mitteilungen des riistdiisetien Vereins der Pfalz, ad. et. 
Speyer rasa, s 4a 
41 F. Reienetzwai stgrtrerle Frankenthalsr Forzellarlstilcke. IN Keramos, 
issrteees 39 
4' vgl. das bei Ernst Krarner, 197a, Anti 20, angegebene Frarikerittialer 
Milchkannchen mit den gleichen Motiven 
4' Naheres bei Michael Oppenheimer, Joseph Angele und seine lrgilrll- 
chen und signierten Malereien, in: Keramos, iOIIQSO. S. 142. 
" abgebildet bei ErnslKrarner. 1978, Abb 17
	        

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