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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVII (1982 / Heft 183)

 
u mm- 
simu- 
ruscriezeicririung. 1967 
Raptusgruppe, 1963, Federzeichnung 
Der große Speerwerfer, l9G9, Feder- 
zeicnnung 
Nach PersepolislAusschnitt, 1974. 
Radierung und Aquatinta 
i-Barock Dewensivii, Mrscrilechnik 
Herwig Zens 
Naturhislorischas Museum. Wien. 
Radierung. 1975 - 1977 
 
Herwig Zens 
 
Er ist eine zarte Erscheinung. Schmales Gesicht, mit einer un- 
auffälligen. dünnumrandeten Brille. Person und Werk dieses 
1943 im niederösterreichischen Himberg Geborenen sind ei- 
nes, ja er, der Mensch Zens, ist immer mehr in den Maler und 
noch mehr in den Graphiker Zens eingekehrt. Seine Schrift, 
Unter-Schriltwirdimmerleinenwird zur haardünnenJedochfe- 
sten und temperamentvollen graphischen Linie, 
Damit ist auch bereits sehr Wesentliches der Entwicklung die- 
ses Künstlers angedeutet. 1961 bis1966studierte er an der Wie- 
ner Akademie am Schillerplatz. In den frühen 70er Jahren be- 
kommt er zwei Förderungspreise, 1977 ist er lange zu einem 
Studienaufenthalt in Griechenland, 1980 leitet er ein Seminar 
für graphische Arbeiten ih Jugoslawien. Daneben macht er 
noch viele Reisen und sehr viele Ausstellungen. 
Doch das sind Äußerlichkeiten Schon bei einer seiner ersten 
Präsentationen in der Galerie der Ersten österreichischen Spar- 
Casse, 1968, zeigten sich zwei wichtige Merkmale seines Ge- 
staltens: der harte, zupackende Strich und ein Zug zu einer Hin- 
tergründigkeit in der Darstellung. 
Ist auch in jenen frühen Graphiken noch viel Unbestimmtes, ist 
das Blatt noch angeräumt, oft mit willkürlichen Gesichtern und 
Gesichten erfüllt, mit phantastischen Erscheinungen unterlüt- 
tert, so können wir doch schon in den haarleinen Strichfolgen 
einzelner Gestaltungen Zukünftiges ahnen. Bereits 1971. bei 
den Blättern in derGalerie Romanum oder bei jenen im Haus der 
Jugend, Wien, ist eine Konzentrierung auf den einfachen Strich 
festzustellen und auch dort, wo noch, wie bei den Blättern der 
späten sechziger Jahre, geschlossene dunkle Flächen auftre- 
ten. sind es jetzt verdichtete Strichsetzungen, 
Ein weiterer, Zens kennzeichnender Schritt ist die expressive 
Spannung seiner Zeichnungen Oft werden nun die Darstellun- 
gen verzerrt wie in einem Hohlspiegel, alles umfassend oder 
verwackelt, gleichsam in einer Erregung, wiedergegeben. Oft 
sind es auch Ausschnitte, dann wieder Folgen, wie wir sie von 
den Comics kennen Besonders Zens Stadtansichten, die Ar- 
chitekturzeichnungen. vereinen sehr deutlich die oben ange- 
sprochenen Merkmale Was anderes ist es als Hintergründig- 
keit, wenn er das Burgtheater an den oberen Blattrand vor das 
Denkmal der Kaiserin Elisabeth und einen weiten Leerraum im 
Vordergrund setzt? Sicher, auch ein Zug zu klaren und tragen- 
den Spannungsgetiigen wird da sichtbar, aber auch jene sinn- 
bezogene Bildsprache, die sehr weit über alles nursichtbarAb- 
bildbare hinausgehend, in Er-griffenes und Gedeutetes mündet. 
Und bestimmt ist es kein Zufall. daß Zens in so vielen seiner Gra- 
phiken mit der durch keine Linie gestörten Flache arbeitet, daß 
er uns, die Betrachter, hier mitgestalten läßt, daö er Freiräume 
schafft, auch den Menschen in so einen Freiraum stellt. 
Es ist klar, daß ein so ungemein fleißiger Mensch wie Zens es 
nicht allein bei der Zeichnung mit dem Stift, der Feder oder der 
Kohle bewenden läßt, daß er sich auch in allen druckgraphi- 
schen Techniken mit Erlolg auszudrücken imstande ist. 
Besonders hier, in der Radierung, wird in den späten siebziger 
Jahren nun die Flache des Blattes wieder geschlossener, oft 
von einem heftigen Liniengewirr überwältigt. Die mit Aquatinta 
bearbeiteten Radierungen bekommen eine klassische Dichte. 
Schon früh sehen wir auch, daß sich Zens zu literarischen Aus- 
sagen auBerl. Seine Graphiken zu Texten sind immer mehr als 
einfache Illustrationen, sind Umsetzungen des Geschriebenen, 
Gedachten in die Sprache des Zeichners. Es gibt eine ganze An- 
zahl von von Zens bebilderten Büchern und auch sehraussage- 
kräftige Mappenwerke in verschiedenen Techniken. 
Zens ist ein fleißiger Arbeiter, wir sagten es schon, er ist aber 
auch ein behutsamer und durchaus nicht überstürzter und auf 
vorschnellen Erfolg hinarbeitender Künstler. Es hat fast ein 
Jahrzehntgebraucht, und Zens hat sich als Graphiker bereits ei- 
nen Namen gemacht, ehe erals Maler in der bekannten Galerie 
Würthle in Wien ausstellle. Wirwerden daher auch ein anderes 
Mal über den Maler Zens berichten. Alois Vogel 
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