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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 145)

Für den Kunstsammler 
 
Waltraud Neuwirth 
Oscar Dietrich- Ein Wiener 
Gold- und Silberschmied der 
Jahrhundertwende 
lm Jahre 1848 gründete Julius Dietrich (geb. 
15. 9. 1820, gest. September 1890) in Wien eine 
Firma, die alle einschlägigen Gold- und 
Silberarbeiten erzeugte. Anfangs dürfte es sich 
dabei vor allem um Ringe gehandelt haben; 
Ringe und Ringmodelle aus der Zeit von 1848 bis 
1868, angefertigt von Julius Wilhelm Dietrich, 
verzeichnet der Katalog der Ausstellung von 
„Arbeiten der österreichischen Kunstindustrie 
1850-1914", die 1914 im Österreichischen Museum für 
Kunst und Industrie stattfand. 
Der Kontakt mit diesem Museum, der ange- 
schlossenen Kunstgewerbeschule und den Wiener 
Künstlern war vor allem unter Oscar Dietrich 
(geb. 5. 10. 1853 Wien, gest. 28. 7. 1940 Oberwölz) 
sehr eng. Dieser hatte sich im Goldschmiede- 
handwerk bei seinem Vater und während eines 
einiährigen Studienaufenthaltes in Rom ausgebildet 
und war ab dem Jahre 1881 in der lnnung der 
Wiener Gald- und Silberschmiede als Mitglied und 
Galdschmiedemeister eingetragen. 
In diesem Jahr hatte Julius Dietrich die Firma 
seinen beiden Söhnen Oscar Dietrich und Julius 
Dietrich iun. übergeben; sie wurde fortan bis zum 
Tod van Julius Dietrich iun. (Ende der 1880ereJahre) 
unter „Julius Dietrichs Söhne", darauf unter 
„Oscar Dietrich" geführt. Im Jahre 1887 erwarb 
Dietrich das „Stockknopfe und Prägegeschäft" 
von Josef Schloßko in Wien Vll, Burggasse 33, und 
führte seit diesem Zeitpunkt auch Stackgriffe in 
seinem Programm. Zu den Besonderheiten der 
Produktion gehörten bereits seit 1878 „massive und 
hohle Gegenstände aus Niellometall", die auch 
unter der Bezeichnung „Tula" liefen; es handelte 
sich dabei um eine Sitberlegierung, deren großes 
Gewicht auffallend ist. Diese Erfindung wurde 
1878 patentiert. 
An der Niederösterreichischen Jubiläums-Gewerbe- 
Ausstellung 1888 nahm Dietrich bereits teil; 
„Oscar Dietrichs Gold-, Silber- und Stockwaaren- 
Fabrik, bestehend seit dem Jahre 1848, ist bekannt 
durch ihre massiven Niella-Schmuckgegenstände. 
Dieses Haus debutirt mit einem schönen Sortiment 
von Specialitäten in maurischem Genre und 
iapanischer Technik, ferner Filigranarbeiten nach 
eigenen Mustern. Die von derselben Firma 
ausgestellten Cigarettendosen, Flacons etc, theils 
getrieben, theils gelöthet, sind durchaus sehr 
sorgfältig gearbeitet, ebenso sind auch die 
ausgestellten Stockwaaren und Peitschen wegen 
ihrer sehr exacten Durchführung und stilgerechten 
Auffassung einer ganz besonderen Beachtung 
werth und begründen den guten Ruf dieser Firma 
sowohl im ln- als im Auslande" (Wochenschrift 
des Niederösterreichischen Gewerbevereines, S. 378). 
Wie viele andere Wiener Firmen hatte auch Oscar 
Dietrich die Bedeutung der Zusammenarbeit mit 
Wiener Künstlern erkannt. Er sicherte sich zahlreiche 
Entwürfe anerkannter Architekten, Maler und 
Kunsthandwerker, die - ganz selbstverständlich in 
iener Zeit w Entwürfe für die unterschiedlichsten 
Materialien schufen. Aus dem Abschnitt des aus- 
gehenden Historismus und des beginnenden 
Wiener Jugendstils ist ein Kaffeeservice erhalten, 
das nach einem Entwurf von Storck auf Kosten des 
Hoftiteltaxfonds ausgeführt und 1397 vom 
Üsterreichischen Museum erworben wurde (Abb. 4). 
Wenige Jahre später, auf der Pariser Welt- 
ausstellung 1900, zeigte Dietrich „Kunstgewerbliche 
Gegenstände in Gold und Silber, Pokale, Becher, 
montirte Glaswaren, Gürtelschnallen, Griffe für 
Stöcke, Schirme, Reitstöcke und Reitgerten etc., 
Silberbeschläge" (Katalog der österreichischen 
Abtheilung, Cl. 94, S. 194]. 
Zeitgenössische Quellen vom Beginn des 20. Jahr- 
hunderts (Österreichischer lndustrie-Compaß, 
Österreichischer Zentralkatoster) dokumentieren eine 
weitere Bereicherung des Fabrikationsprogramrns: 
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Aufsatz. Vergoldetes Silber, Elfenbeinfüße mit Chrysa- 
prasen. Entwurf; Hans Bolek. Signiert: H. BOLEK lNV., 
o. DIETRICH FEC. Punzierurtg: Didndkopf in Sechse 
eck, 0a, 9110. H 23 cm. lnv,-Nr. w. 1. 1011 (erwarben 
0m 10. 2. 1912 um 615 Kronen von Dietrich] 
Deckelpokal. Silber, getrieben, teilvergoldet (Fuß, Kup a 
und Deckel innenl, Malachitknopf. Entwurf: Franz Defb- 
vllla. Punzierung: OD, Windspiel (Fuß); Dianaka t in 
Flinfpaß (Deckel und Kuppe). H 21 cm, lnv.-Nr. w. .929 
(erworben am 21. 2. 1911 um 22a Kronen von Dietrich, 
1910111 auf der Winterausstellung des Üsterr. Museums, 
Kdtwr. 119i - 
Sllbermontlerte Steinschale. Sprudelstein (grauer Ara- 
gonit] mit vergoldeter Silbermontierung. Entwurf: Hans 
Bolek. Punzlerurlg: OD B00, Windspiel, A. 
12,2 cm, unten: 11,7 cm. lftVnNf, W. l. 1086 ( 
am 15. 7. 1912 um 117 Kronen von Dietrich) 
Kaffeeservice. Anbietplatte, Kaffee- und Mi 
Doppelherikelbecher, Silber, getrieben. Entwu 
Storck. Punzierung: o0, Dianakopf in Fün 
Tablett: 1 asb cm, Kaffeekanne: H 24,9 cm 
Go 101a (erwarben am 4. z. 1597 um 52: 
Dietrich aus den Mitteln des Hoftiteltaxfonds] 
Armband. Entwurf: Emanuel .1, Margold. V: 
Silber, Malachlte, Saphire. Punzierung: OD, [ 
in Sechseck, A. L 18,8 cm. lma-Nr. W. l. 1087 l 
am 15. 7. 1912 um 117 Kronen van Dietrich) 

	        

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