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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVIII (1973 / Heft 130 und 131)

schen Verputz oder eine derartige Färbe- 
1 zu „basteln". 
keiner Zeit war daran gedacht, das Erd- 
:hoß „spätgotisch" umzugestalten oder 
gar wieder Gewölbe einzubauen. 
habe lediglich festgestellt, daß dieser 
komplex früher Grabendächer hatte, aber 
die Wiederherstellung dieser Grabendä- 
' empfohlen. 
gotisierungsvorschläge" habe ich bisher 
er hier noch bei einem anderen Salzbur- 
Altstadthaus gemacht. Wir haben nur den 
xmten Bestand aufgemessen, teilweise Bou- 
lysen gemacht und lediglich überlegt, wie 
I, ohne daß das Stadtbild gestört wird, 
Ltionsfähige, verkrustete und in ihrer Ge- 
tung und technischen Substanz unhaltbare 
ten erneuern, d. h. modernisieren und so- 
für die Zukunft retten kann. 
emerkungen von Herrn Franz Wagner ge- 
lein schon deshalb an der Problemstellung 
, weil dieser mir Dinge unterstellt, die ich 
s gefordert oder vertreten habe und die 
bst sogar für falsch und wenn auch nicht 
ich, so doch anachronistisch und utopisch 
Herr Wagner hat offensichtlich Bauanaly- 
e den früheren Bestand von den späteren 
iten trennen wollten (also eine bauhistori- 
Jntersuchungl), mit einem konkreten Er- 
ingsvorschlag verwechselt. 
meuerungsvorschlag (nicht eine „Rekon- 
an" oder gar eine „Regolisierung") müßte 
onkret folgende Zielvorstellungen haben: 
iden im Erdgeschaß werden modernisiert, 
- wie dies im Salzburger Altstadterhal- 
iesetz vorgeschrieben ist - einige Pfeiler in 
als tragendes Element sichtbar sein müs- 
m diesem Haus wieder eine Basis zu ge- 
3er viel zu große Verputz der oberen 
rerke wird abgeschlagen und dabei unter- 
wo noch alte Fenstergewände unter dem 
orhanden sind. Wenn dabei einige stärker 
idigte Bauteile ausgebessert oder ergänzt 
n müssen, ist dies ein ganz natürlicher 
ng, der an iedem historischen Bauwerk 
einmal, bei der heutigen Luftverschmut- 
iurch Abgase oft schon mehrfach durchge- 
verden mußte. 
ne „Rekonstruktion" von Fenstern, deren 
nde fast gänzlich verschwunden sind, wur- 
gegen nie gedacht. 
iuer Verputz und die Färbelung haben auf 
ruktur und Farbe der Gewände Rücksicht 
lme". 
ie Änderung der Größe oder der Lage der 
ienden Fenster ist nicht gedacht, da höch- 
noch ein vermauertes Fenster zum Vor- 
kommen könnte. Außer den Ladenumbau- 
äre also kein Mieter durch diese Erneue- 
tärker betroffen. 
lsätzlich ist der Verfasser gegen eine reine 
denkosmetik, die den inneren Strukturver- 
emäntelt. Dabei zeigt sich immer wieder, 
weben dem rein technisch bedingten Sub- 
ierfall eine unorganische Verkrustung durch 
nde Um- und Einbauten, Wohnungsteilun- 
md Zusammenlegungen, Nutzungsumwid- 
an, Verlegung von Zugängen und Stiegen- 
rn eingetreten ist, die heute neben man- 
er Pflege und Wartung hauptsächlich zum 
'l und zur Entwertung der Altstadtstruktur 
Jede derartige Sanierung kann aber nur 
nvernehmen mit den Mietern und Haus- 
tümern geschehen und steht hier vorerst 
zur Diskussion, da bei diesem Obiekt eine 
lige innere Umgestaltung kaum Auswir- 
zn auf die Fassadengestaltung hat. 
man eine Erneuerung der Fassaden dieses 
durch seine städtebauliche Stellung und bau- 
liche Gestaltung wertvollsten Salzburger Bürger- 
hauses erreichen könnte, so wäre dies ein gro- 
ßer Gewinn für das Salzburger Stadtbild. Da 
eine derartige Maßnahme ohne Zweifel im 
öffentlichen Interesse liegt, müßte die Erneue- 
rung weitgehend durch Mittel aus dem Altstadt- 
erhaltungsfonds finanziert werden, was statuten- 
gemäß durchaus möglich erscheint, falls der 
Umgestaltung des Erdgeschosses durch die Haus- 
eigentümer zugestimmt wird. 
Falls aber nun durch diesen durchaus praktika- 
blen und in kurzer Zeit mit relativ geringen Mit- 
teln zu verwirklichenden Erneuerungsvorschlag 
wieder hyperkritische Einwände ausgelöst wer- 
den, die iede Reparatur beschädigter Bauteile 
und einen Ersatz als Kopie ablehnen, so seien 
diese weniger auf die weitgehenden Rekonstruk- 
tionen des Theaters von Sabratha, des römischen 
Vestatempels, des römischen Monumentes von 
La Turbie, des Titusbogens, des Amphitheaters 
van Nimes, der Grabmonumente von Aquileia 
und zahlloser anderer weltbekannter Baudenk- 
mäler hingewiesen, als allein auf zwei Beispiele 
der österreichischen Denkmalpflege: Die „Gozzo- 
burg" und den Kreuzgang des Dominikaner- 
klosters in Krems. Bei der „Gozzoburg" war die 
illustre Fassade eines alten Patrizierpalastes 
unter tristen späteren Umbauten verborgen. Aus 
den erhaltenen Spuren konnten aber die goti- 
schen Fenster und Arkaden fast zur Gänze er- 
schlossen werden". Ohne weitgehende Ergän- 
zungen ging es dabei aber nicht ab. In Krems 
gab es damals allerdings keine Hyperkritiker, 
die dies damals als Störung des - auch dort 
sicher nicht mehr „gotischen" - Stadtbildes be- 
klagten. 
Noch schwieriger lagen die Verhältnisse beim 
Kreuzgang des dortigen Dominikanerklosters, 
wo 1970 im Ostflügel des Kreuzganges beim 
Abschlagen des Verputzes gotische Arkaden 
freigelegt wurden, die allerdings nur sehr frag- 
mentarisch (von 27 Öffnungen sieben!) erhalten 
waren. Zudem war dieser Kreuzgangteil barock 
aufgestockt worden, so daß die Freilegung al- 
lein schon aus technischen Gründen kaum reali- 
sierbar war". 
Trotz aller Bedenken entschloß man sich hier, 
zunächst das Obergeschoß durch ein Traggerüst 
aus Stahlbeton konstruktiv abzufangen und den 
Kreuzgangflügel in alter Form wieder zu errich- 
ten, nachdem man noch weitere Architekturfrag- 
mente an anderen Stellen vermauert aufgefun- 
den hatte. Fraglos war dies eine sehr weitge- 
hende „Rekonstruktion". 
Die Entscheidung war hier ohne Zweifel viel 
schwerwiegender und weit problematischer als 
bei dem vorliegenden Fall in Salzburg. Der be- 
kannte Denkmalpfleger Franz Eppel schreibt 
über diese Problematik"; 
„Zwischen den anläßlich der Barockisierung aus- 
gebrochenen Stichbogenöffnungen wären nach 
Freilegung sieben dieser Arkaturen, bestehend 
aus ie einem Säulchenpaar mit Kleeblattbogen 
und Giebelfragment, als archäologische Präpa- 
rate sichtbar geblieben: als ,pars pro toto', als 
abgebautes Fragment. lm Gegensatz zum Non- 
finito-Fragment, zum unfertigen Torso, bei wel- 
chem potentiell noch die in nuce vorhandenen 
Kräfte des Noch-Unvollendeten stecken, sind 
solche Fragmente Reste eines Abbaues, eines 
Verfalles von einstmals Vollendetem. lm beson- 
derem Falle waren diese restlichen Teile eines 
ehedem Ganzen überdies an sich fragmentarisch, 
weil bei der seinerzeit sehr groben Vermauerung 
viele Profile an Basen, Kapitellen und am 
,Zackenarchitrav' beschädigt, wenn nicht zum 
Teil abgeschlagen worden waren. Auch eine 
archäologisch einwandfreie Darstellung der rest- 
lichen In-situ-Fragmente hätte zudem folgende 
Problematik aufgeworfen: 
1. Der Bestand an kräftigen spätbarocken 
Mauerpfeilern wäre optisch aufgelöst, und 
zwar perforiert worden. 
2. Die als archäologische Präparate aufgefaßten 
Arkaturen hätten infolge der regelmäßigen 
Unterbrechung durch die Fehlstellen eine 
neue Rhythmik für sich ergeben, die einen 
falschen Sekundareffekt erzeugt hätte. 
3. Aus einem ursprünglich zusammenhängenden 
Ganzen wären nämlich in sich abgeschlossene 
Abschnitte entstanden, die den Zusammen- 
hang untereinander nicht mehr hätten erken- 
nen lassen. Aus einer ursprünglich rhythmi- 
schen Reihe wären vereinzelte Aedikulen, aus 
dem ursprünglich gleichartig durchlaufenden 
Zackenband mit den Kleeblattbogen balda- 
chinähnliche Einzelgiebel entstanden. 
Diese Teile hätten keine Vision des Ganzen mehr 
geboten, weil die Fehlstellen zwischen den ein- 
zelnen Kompartimenten viel zu groß sind . . ." 
Fast genau dieselben Feststellungen könnte man 
grundsätzlich auch bei dem zur Debatte stehen- 
den Salzburger Obiekt machen. Nur ist hier 
eine Lösung glücklicherweise viel leichter zu fin- 
den, wenn nicht manche Kreise in Salzburg eine 
Problematik konstruieren würden, die, genauer 
analysiert, keine ist. 
Anmerkungen 10-17 
" (Aktenzeichen) V12 A 
30. Juli 197tJ. 
" Protokoll der Sitzung vom B. Juni 1970. 
" Salzburger Nachrictiten, 10. Mai 1973. 
t" Jg. 241Nr. 10 vom 15. Mai 1973. 
"Schreiben von Herrn Landesbaudirektor Hofrat Wille- 
mitzer vom B. Juni 1973: . Veröffentliohung des 
Kunsthistorikers Franz Wag hinzuweisen, die dem 
Standpunkt der Sadwerständigenkammissian sehr nahe 
kommt und iede Entgegnung unsererseits in der Presse 
erübrigt. .  
"Denkmalpflege in Usterreidi 1945-1970, Bundesdenkmal- 
aml, Abb. 17 und 18. Kaepf Hans, Bildwörterbucti der 
Architektur, Abbildungen S. 313. 
"' Die Anregungen zur Wiederherstellung des Ostflügel: im 
Kreuzgang des Kremser Dominikanerklosters gehen auf 
den Organisator der bekannten Kunstausstellungen von 
Krems und Stein, Herrn Archivdirektor Dozent Dr. Harry 
Kühne! zurück. 
"Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege 
1971 - XXV - H. 314, S. 167. 
248711970 - ev, 121131111970, 
 
Ü Unser Autor: 
o. Prof. Dr. Ing. Oberbaurat a. D. Hans Koepf 
Vorstand des Instituts für 
Baukunst und Bauaufnahmen der 
Technischen Hochschule Wien 
A-1040 Wien, Karlsplatz 13 
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