MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XVIII (1973 / Heft 130 und 131)

Charlotte Blauensteiner 
Andrea Palladio 
(1508-1580) - 15 Jahre 
„Centro lnternazionale 
d'Architettura A. Palladia"- 
Ausstellung Vicenza 
Ein Ereignis gab diesem Sommer in Venetien ein 
besonderes Gepräge: die Palladia-Ausstellung in 
Vicenza. Architektur, aus dieser Landschaft ent- 
standen und sie bis heute formend, macht offen- 
bar, was der so oft mißverstandene und miß- 
brauchte Begriff „Stil" ursprünglich meinte. Es 
ist Geist, Haltung,Denken und Tun nicht eines ein- 
zelnen - obgleich es ein einzelner vollkommen 
zum Ausdruck bringen konnte -, sondern der 
Menschen in einer bestimmten Zeit, einer Epoche, 
die damit hineirtgenommen wird in Geschichtli- 
ches und Gelebtes. Anlaß der Ausstellung, die 
bis Anfang November geöffnet war, ist der 
fünfzehnte Jahrestag des „Centro lnternazionale 
dY-Xrchitettura A. Palladia". Dieses Centro ist 
nicht für ein Einzelereignis geschaffen, es be- 
steht permanent, hier wird immerfort im Geiste 
Palladios an seinem Werk gearbeitet, geformt, 
gedeutet, und diese Vertrautheit läßt dann eine 
Souveränität der Uberschau zu, die sich nach 
außen klar und verständlich, selbstverständlich, 
mitteilt. 
Der Stab des Centra unter der Leitung von 
Prof. Dr. Renato Cevese, seinem Mitarbeiter Dr. 
Rigan und vielen anderen, die ihre Begeisterung 
und ihre Kenntnisse beisteuerten, hat eine unge- 
heure Menge Material gesichtet, geordnet und 
ausgebreitet: Palladios Werk in (zum Teil als 
Leihgaben vor allem aus England beschafften) 
Plänen, in den für die gesamte Weiterentwick- 
lung der Architektur so wichtigen Zeichnungen 
und Schriften (Quattro libri); illustriert durch her- 
vorragende Fotos und durch Holzmodelle (Bal- 
lico, Schio), die allein für sich handwerkliche 
Meisterstücke sind. 
Zum vollen Verständnis ist die Vorgeschichte, 
die Entwicklung bis zu jenem Punkt, als Palladia 
all das in einer genialen Vision zusamrnenfaßte, 
dargestellt, die Einflüsse des Altertums und sei- 
ner Studien in Rom; dann Palladia und seine 
Zeit, die weit über das 16. Jahrhundert hinaus 
ausstrahlte, und die Fortsetzung bei seinen un- 
mittelbaren Nachfolgern; und eine eigene ge- 
schlossene und an sich ebenso vollkommene Aus- 
stellung über lnigo Jones, die den Einfluß 
Palladios am deutlichsten darstellt. 
Ausstellungsort ist die Basilika, iener gotische 
Bau, den Palladia auf Grund eines Wettbewer- 
bes im Geiste seiner Zeit neu faßte. Der riesige, 
ungemein eindrucksvolle Raum wurde mit 
rostroten Teppichen ausgelegt, eine blaue Me- 
tollkonstruktion trägt von der Mitte her auf- 
steigende Stufen, die Tafeln, Vitrinen und Ma- 
delle aufnehmen und einen Rhythmus in der 
Vertikale der Halle setzen, der erst im Durch- 
gehen spürbar wird. Die Architekten Franco 
Albini und Franca Held haben zusammen mit 
Antonio Piva einen Rahmen geschaffen, der in 
durchaus modernem Geist sich dennoch dem 
gezeigten Werk völlig unterordnet. und die 
Halle und vor allem die großartige Holzkon- 
struktion des Daches zur vollen Wirkung kom- 
men läßt. Ergänzt wurde die Ausstellung durch 
eine umfassende Sammlung von Literatur, durch 
einige Beispiele von Details e Kapitelle e sowie 
durch einige Bilder: Canaletto, die Palladio- 
Phantasien in iener Landschaft von Farbe und 
Licht zeigen, in die Palladia seine Villen gebaut 
hat; und die „Cena di S. Gregorio Magno" von 
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