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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVIII (1973 / Heft 130 und 131)

Aktuelles Kunstgeschehen l Bundesländer 
Salzburg 
Salzburg, Kunstverein 
Werner Otte und Wolfgang Zeiszner 
lm Pavillon des Kunstvereines im unteren (ehemali- 
gen) Zwerglgarten stellten zwei Mitglieder des 
Lehrkörpers der Internationalen Sommerakademie 
für bildende Kunst aus: Der Salzburger Werner 
Otte ist seit Jahren Mitarbeiter Slavi Souceks in 
dessen Klasse für Lithographie; der 1942 geborene 
Berliner Maler war Schüler, später Assistent von 
Professor Trökes und nun Mitarbeiter von Otto 
Eglau in dessen Klasse für Radierung. Ottes Inter- 
esse, auch in seinen neuen Acrylgemälden, gilt 
starken, sich einem kalligraphischen lnformel 
nähernden Abstraktionen. Zeiszner betreibt Zeit- 
und Gesellschaftskritik mit dem schnadderigen, 
treffenden Humor seiner Heimat in „kindlich"- 
realistischer Sprache (25. 7.-26. 8. 1973). 
Wander Bertoni 
Bertoni, der die Bildhauerklasse der Sommerakade- 
mie leitete, zeigte mit „Musica in Sculptura" im 
Hof und in den Ausstellungsräurnen des Kunstver- 
eins im Trakl-Haus am Waagplatz eine eindrucks- 
volle Auswahl aus seinen Arbeiten seit 1949 
(30. 7.-30. 8. 1973) - (Abb. 11). 
Salzburg, Bankhaus Daghafer 
Heinrich Hagemann 
Der in Hamburg lebende Architekt und Maler 
präparierte seine Malgründe immer selbst (was ia 
heute gar nicht mehr so selbstverständlich ist) und 
kam durch das Aufziehen grober und gröbster 
Jutegewebe und deren mehrschichtiger Behandlung 
mit Kunstharzdispersionen zu „Gemälde-Reliefs". 
Diese erfüllen zwar die Funktion des gerahmten 
Tafelbildes, entbehren aber als ehrliche, ungegen- 
stündliche Arbeiten eines ieden Titels. Zwar spielt 
hier viel von den Collagen der Kubisten herein, 
zwar findet sich manches „obiet trouve" im Sinne 
des Surrealismus, man wird aber doch diese Tafeln 
als Materialbilder bezeichnen können 
(25. 7.-31. 8. 1973). 
Salzburg, Gesellschaft für moderne Kunst 
Ursula Schuh 
Die Frau des Regisseurs Oscar Fritz Schuh, seit 
ihrem Studium bei Kandinsky am Bauhaus Malerin 
aus Passion und Beruf, ist mit Leib und Seele dem 
Theater verschrieben. Seit Rolf Liebermann es 1964 
verstanden hatte, sie zu Bühnenbildentwürfen für 
Strawinskys „Feuervogel" in der Hamburger 
Staatsoper zu überreden, reicht der weite Bogen 
der Arbeiten von Molieres „Herr aus der Provinz" 
(Schwetzingen 1964) über Kafkas „Prozeß" und 
Camus' „Belagerungszustand" (Schauspielhaus 
Hamburg) bis zum Salzburger Straßentheater dieses 
Sommers (1. 8-30. B. 1973). 
Salzbur , Galerie in der Goldgasse 13 
Elisabet Bauerstein-Wildbolz 
Die „Phantastischen Landschaften, Sonnen und 
Blüten" entstanden aus der Verbindung des sd1on 
von früher bekannten Malstiles der lnnsbruckerin 
mit der Verarbeitung neuer Eindrücke aus der Welt 
der brasilianischen Tropen und der Karibischen 
See. Die „figurativen" Darstellungen verdeutlichen 
viele Auseinandersetzungen mit informellen Tenden- 
zen der Malerei; Formen zerflattern in manchmal 
virtuos hingesetzten Farbfetzen, Grundelemente 
aus Wirbeln, Spiralen und „Rocaillen" drängen zur 
Oberfläche (31. 7.-1. 9. 1973) - (Abb. 12). 
Salzburg, Galerie Academia 
Heinrich Heuer 
Heuers Bilder bieten kaum Anlaß zu Diskussionen 
über „abstrakt oder gegenständlich", die beiden 
Begriffe gehen hier ineinander über und ver- 
wischen sich gegenseitig. So zeigt etwa die Farb- 
radierung „Registrierter Fund" eine durchdachte 
„Abbildung" von archäologisch gelagerten 
„obiets trouves", so ist auch die tarbtonreiche 
Gauache „Stilleben" voller skurriler Feinheiten 
(22. 8.-11. 9. 1973). 
Franz Wagner 
70 
Kärnten 
Villach - Galerie an der Stadtmauer 
Gertrud Weiss-Richter 
Acrylmalerei. Reine geometrische Formen in per- 
spektivischen Variationen, oft mit bausteinartigen 
Einpaßelementen, einer gewissen nüchternen Magie 
nicht entbehrend (28. 7.-11. 8. 1973). 
Ernst Zdrahal 
Farbcollagen, die 1972173 entstanden sind. Gesell- 
schafts- und kansumkritisch, mit Pop verwandt und 
gegenüber den Arbeiten der Voriahre dem allge- 
meinen Zeitstrom näher (18. 8.-6. 9. 1973) - (Abb. 13). 
Helmut Krumpel 
Malerei und Grafik, in deren Zentrum der Mensch 
steht, auch dann oder besonders dann, wenn er aus- 
gespart ist, gleichsam eine Lücke hinterläßt, durch 
seine Abwesenheit einen Fixpunkt setzt 
(12. 9.-29. 9. 1973). 
Bad Kleinkirchheim - Kurhotel 
trene Ressmann 
Die 24 Ulbilder und Gouachen zeigten ein Her- 
kommen vom deutschen Expressionismus. Besonders 
die sparsamen Arbeiten weisen eine echte Kon- 
zentration auf (B. 9.-16. 9. 1973) - (Abb. 14). 
Oberösterreich 
Linz - Neue Galerie 
60 Jahre MAERZ 
Eine sehr repräsentative, gute Schau, 171 Bilder und 
Grafiken. 48 Plastiken und verschiedene Architektur- 
beispiele in Wiedergaben von Dias. Eine Dokumen- 
tation, die beweist, daß dieser oberösterreichischen 
Vereinigung Spitzenkräfte Österreichs angehörten 
und angehören und daß in diesem, allen künstleri- 
schen Richtungen und allen Kunstzweigen offen- 
stehenden Kulturboden auch sehr viele junge 
Kräfte wachsen, die zu größten Hoffnungen Anlaß 
geben. Ein umfangreicher und gut gemachter Kata- 
log ergänzte die Ausstellung, die im Herbst in 
Wien zu sehen war (30. 8.-26. 9. 1973) - (Abb. 15, 16). 
Steiermark 
Graz - Ganggalerie im Rathaus 
Bernhard Hollemann 
Hier hat die Zukunft schon begonnen. Ein Grafiker, 
der an einen modernen Hieronymus Bosch denken 
läßt, schafft technisierte Monsterwesen, die „irgend- 
was, irgendwo, irgendwann" agieren. Er sdiafft 
Ausschnitte eines größeren Raumes, wie unsere Welt 
Teil einer größeren Welt ist 
(20. 6.-29. 8. 1973) - (Abb. 17). 
Niederösterreich 
Baden - Kleine Galerie am Hauptplatz 
ln den Sommermonaten waren Drud(grafiken und 
Mappenwerke dieser ambitionierten Edition zu 
sehen. Blätter von Bischof, Frohner, Moldovan, 
Flora, Korab u. a. konnte man preiswert erwerben 
(8. 8.-30. 9. 1973). 
Galerie Baden 
Curt Stenvert 
Unweit des Josephsplatzes wurde mit dieser Aus- 
stellung eine neue Galerie eröffnet. Die Anlage 
und Voraussetzung scheinen gut zu sein. Auch der 
Hafraum könnte bei Skulpturen in die Schau ein- 
bezogen werden. Das weitere Programm wird nun 
entscheidend sein. Die Eröffnungsschau zeigte 
iedenfolls einen Querschnitt durch Stenverts 
grafische Aussage, wobei ein beachtlicher Teil und 
damit ein Schwerpunkt auf die futuristische Phase 
des Künstlers gelegt war. Von der vom Künstler 
geforderten funktionellen Kunst war nichts zu 
sehen (14. 9.- ? ). 
Perchtoldsdorf - Galerie Romanum 
Erhard Bail 
Olbilder und Grafiken (22. 8.-11. 9. 1973). 
Fred Nowak 
32 Farbgrafiken in der von Nowak kreierten Technil- 
eines einmaligen Druckes. Neben schon bekannten 
Motiven waren auch sehr intensive vielfigurige 
Blätter zu sehen, die an die magischen Beschwö- 
rungsriten der eiszeitlichen Malereien erinnern. 
Einschlüsse von Materialabdrucken stellen Bezie- 
hungen zum Umraum her (12. 9.-2. 10. 1973) - 
(Abb. 1a). 
Wiener Neustadt - St. Peter an der Sperr 
Kunst konkret, Wien, Niederösterreich, 
Burgenland 
Eine Schau von hoher Qualität, wie sie Wiener 
Neustadt schon lange nicht mehr hatte. lnternationa 
bestens bekannte Namen, wie Bertoni, Bottoli, 
Frohner, Fronius, Hrdlicka, Kedl, Korab, Richly, 
Rotterdam u. a. m. waren mit beispielhaften und 
repräsentativen, oft auch sehr großen Werken 
vertreten. Die Gruppierung war übersichtlich und 
klar. Eine Zusammenstellung von Format, die noct 
in Wien und Eisenstadt gezeigt wird und die Gott- 
hard Fellerer, Hans Muhr und Feri Zatter zu ver- 
danken ist, wobei für Wiener Neustadt besonders 
Gotthard Fellerer verantwortlich zeichnet 
(3.-27. 8. 1973) - (Abb. 19, 20). 
Wr. Neustädter Künstlervereinigung und 
Kollektive Michael Haas 
Neben braven Lokalgrößen waren die subtilen Bil- 
der Franz Erntls, die kräftigen Holzschnitte 
Hammerstiels, die dichten Blätter Franz Reiters zu 
sehen. Kurt lngerl und Gotthard Fellerer steuerten, 
ieder auf seiner Art, die zeitgenössischsten Ar- 
beiten bei. Die Kollektive Michael Haas brachte 
einen Einblick in ein Schaffen, das, von Dobrovsky 
herkommend, sich in aller Stille eigenständig ent- 
wickelte, im Schatten der vielen Schreier leider aber 
zuwenig beachtet wird (1 .-16. 9. 1973). 
Tulln - Volkshochschule 
Fritz Laderer 
Die Ulbilder und Grafiken wiesen deutlich auf die 
Entwicklung des Künstlers in der letzten Zeit hin. Die 
Materungen und technischen Assoziationen treten 
zugunsten eines Signals zurück, der Mensch rückt 
mehr auf. Die Palette zeigt eine größere Farb- 
skala (31. 8.-3. 9. 1973) - (Abb. 21). 
Rossatz - Atelier Kellerhaus 
Jörg Hitzgem und Elfi Riess 
Neue Lithographien und Holzschnitte von Hitzgern 
zeigen seine mit lronie und kraftvollen Verdichtun- 
gen varangetriebene Entwicklung. Von der Riess 
war ein schöner Gobelin „Erinnerung an einen 
Vogelflug" zu sehen (18. 13.-31. 9. 1973). 
Zwettl-Galerie im Stüberl 
Henri Johann Radloff 
Eine reizvolle, lockere Pinselführung zeichnet die 
vom Zen und anderen ostasiatischen Einflüssen ge- 
prägten Arbeiten aus, die in freigestolteten 
Blättern eine Synthese von iapanischer Tusche- 
technik und westlicher Aktionsmalerei herstellt 
(15. 7.-3. 8. 1973) - (Abb. 22). 
Burgenland 
Breitenbrunn - Werkstatt elfe und wil 
frenken de witte werkplatts 
Eine holländische Gruppe, der es vor allem um die 
Verbindung von Kreativität und handwerklicher 
Realisierung auf der Basis eines Kollektivs geht, 
demonstriert an Hand von Dias und Filmen, 
wie durch eine neue Form der Kontaktnahme und 
Zusammenarbeit zwischen Gruppe und Auftrags- 
geber der Mensch in einer Zeit, da ihm die 
Anonymisierung der Architektur die Entpersönli- 
diung droht, zumindest seinen unmittelbaren Um- 
raum in den Griff bekommen könnte. 
Alois Vogel
	        

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