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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVIII (1973 / Heft 130 und 131)

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Emailgläser des l6. und 'l7.Jahrhunderts 
Zu den begehrtesten gläsernen Sammlungsstücken 
gehören alle iene Erzeugnisse, die van Glasmalern 
mit Emailfarben dekoriert wurden. Diese Technik, 
die ihren Ursprung im Orient hatte (s. Wilhelm 
Hein, „Gläser aus der islamischen Blütezeit des 
"I8. Jahrhunderts", Alte und moderne Kunst 129, 
S. 55) fand über Venedig, den Umschlagplatz für 
den Orienthandel, auch Eingang in die Muraneser 
Fabrikation. Von hier aus verbreitete sie sich in die 
Glaszentren nördlich der Alpen und wurde eine der 
bevorzugtesten und beliebtesten Dekorationsweisen 
des deutschen und böhmischen Glases im 16. und 
17. Jahrhundert. 
Während in den österreichischen Hütten desl6.Jahr- 
hunderts (Hall in Tirol, Innsbruck, Wien) die 
künstlerische Entwicklung ganz und gar von der 
Bewunderung für die facon de venise bedingt war, 
blieben für die meisten böhmischen Hütten der 
lokale Geschmack und seine Weiterbildung auf den 
traditionellen Wegen maßgeblich. Die deutschen 
Trinksitten verlangten nach Formen, die in krassem 
Gegensatz zu den eleganten, zartwandigen Ge- 
fäßen standen, mit denen das vornehme Patriziat 
und die stolze Aristokratie der Lagunenstadt ihre 
Exklusivität demonstrierten. Die nordische Maß- 
losigkeit brauchte Gefäße, die allein schon durch 
ihre Größe die Freude am Trinken erweckten und 
das Vertrauen des Trinkers nicht enttäuschten. Hier- 
für eigneten sich die Stangen und die großen 
Humpen am allerbesten, Als walzenförmiger 
Willkomm, dessen Inhalt „in ainem trunkh" geleert 
werden mußte, dienten sie dazu, den Gast des 
Hauses freundschaftlich zu empfangen. „Welcher 
aber solches in ainem trunkh nit endet, sondern 
absetzet, dem soll es widerumb voll eingeschenkt 
werden bis er solchen trunkh vollendet", heißt es in 
einem der Trinkbücher des Schlosses Ambras. 
Zu solchen Sitten paßte es auch, daß man der 
Abwechslung wegen aus dem Paßglas trank, dessen 
Reifen das Ausmaß des Schluckes festlegten, sowie 
aus allen Arten von Scherz- und Vexiergläsern, „aus 
Schiffen, Windmühlen, Büchsen, Stiefeln, Krumm- 
hörnern, Affen, Nonnen, Hirschen, Schweinen und 
anderen ungewöhnlichen Trinkgeschirren, die der 
Teufel erdacht hat". 
Die Unscheinbarkeit des in der Masse grünlich bis 
bräunlich gefärbten „Wald-Glases" entsprach aber 
nicht mehr ganz den Vorstellungen der Zeit. Die 
deutschen und böhmischen Hütten bevorzugten da- 
her eine Bemalung der Trinkgeföße mit barbarisch 
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