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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVIII (1973 / Heft 130 und 131)

 
Alle abgebildeten Obiekte befinden sich in Wiener Privat- 
besitz. Abb. Nr. 4- Entwurf Jutta Sika, Abb. Nr. 6 und 8: 
Entwurf Kala Moser. 
Kalo Moser und seine Schüler Robert Holubetz, 
Antoinefte Krasnik, Jutta Sika u. a. schufen 
Entwürfe für Gläser, die im Zusammenklang mit 
kühnen Montierungen Aufsehen erregten. Diese 
Gläser wurden in verschiedenen Farben und 
Dekoren erzeugt: vom hellgrünen, undekorierten 
Glas bis zum reichen Cobalt-Papillon wurden die 
Oberflächen iedem Geschmack gerecht. Loetz' 
Witwe erzeugte ia nicht nur lris- und Lüsterglas, 
sondern auch Farben- und Kristallglas. Zu den 
eigenwilligsten Loetz-Gläsern gehören die - oft 
irisierenden - Glasschöpfungen einer Maria 
Kirschner, deren Farbengläser von hellen Tönen bis 
ins dunkelste Blau changieren. Daneben entstanden 
Blumenhalter nach Entwürfen von Leopold Bauer, 
die den Effekt des Kristollglases mit gesponnener 
Fadenauflage kombinierten. Bauer hatte 1903 die 
Innendekoration der Spaunschen Villa geschaffen 
und hier das Glas in allen nur erdenklichen 
Formen und Anwendungsmöglichkeiten in den Raum 
komponiert. 
Die Weltausstellung St. Louis 1904 brachte erneut 
einen Grand Prix. Als im Jahre 1908 Max Freiherr 
von Spaun die Manufaktur seinem Sohn übergab, 
war die große Zeit des irisierenden und lüstrierten 
Glases vorbei. In Anlehnung an die wahlbekannten 
Aventuringläser verwendete die Manufaktur Silber- 
und Goldflitter im Glas; die entsprechenden 
Patente wurden 1908 angemeldet. Der von 1909 bis 
1911 in Klostermühle tätige Adolf Beckert brachte 
aus München eine ganz spezifische Art des Über- 
fanges und zugleich iapanisierende Dekorationen 
mit. 
Eine Krise, die die Manufaktur im Jahre 1911 an 
den Rand des Konkurses brachte, konnte über- 
wunden werden; 1913 wurde sie in eine GmbH um- 
gewandelt. Die Kölner Werkbundausstellung des 
Jahres 1914 zeigte eine neue Kollektion aus 
Klostermühle nach Entwürfen berühmter Wiener 
Künstler (vor allem Hoffmann und Powolny, 
Nechansky, Weltmann und Peche]: geätzte Über- 
fanggläser, Ziersaumdekore, Golddekore, Email- 
malereien und andere Dekortechniken. Nach dem 
ersten Weltkrieg wurde die Firma in eine AG 
umgewandelt, Von den späteren Fabrikaten sind 
außer Gläsern von Prutscher nur wenige gesicherte 
Obiekte bekannt. Die Firma nahm 1925 noch an der 
Kunstgewerbeausstellung in Paris teil, bevor sie im 
zweiten Weltkrieg nach einem Brand geschlossen 
werden mußte. 
Signaturen 
Wir kennen bisher drei Signaturgruppen, die gering- 
fügig variiert werden können: 
1. Die eingravierte Schriftsignatur „Loetz Austria" 
2. Die eingravierte Pfeilsignatur (ab 11396 nachweis- 
bar) 
a) alleinstehend 
b) hinzugefügt: Loetz oder Lötz 
c) hinzugefügt: Austria 
d) hinzugefügt: Spaun (eine erst anläßlich der Aus- 
stellung des Usterreichischen Museums auf 
Gläsern des Linzer Landesmuseums entdeckte, 
bisher vollkommen unbekannte Signatur) 
3. Die aus dem Uberfang geätzte Schriftsignatur 
„Loetz" 
Bis heute wissen wir nicht, welche Gläser und warum 
sie gekennzeichnet wurden, ob die Pfeilsignatur 
oder die Schriftsignatur zuerst verwendet wurde 
oder ob man sie nicht gleichzeitig angebracht hat. 
Waltraud Neuwirth 
Eine Ausstellungr die den Gesamtbestand der 
Sammlung des Osterreichischen Museums an 
Jugendstilglas {über 200 Stück) präsentiert, findet 
vum November 7973 bis Janner 1974 statt, Dazu 
erschien eine Publikation gemeinsam mit dem 
Prestel- Verlag, die sich vor allem auf das 
österreichische Glas konzentriert, wobei die Firma 
Laetz' Witwe allein 50 Katalognummern umfaßt. 
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