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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 178 und 179)

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reichen vorziehen, deren ieuriges iiiinrnerndes Licht wohl den festlichen 
Eindruck {einer (Cathedrale oder eines Pnlinksaavles erhöht, im Wohnzimmer 
aber bald die hettern im Buche _und die Stiche auf dem Nähwerlt der 
Frau zum Vllleigentanze zwänge. 
Dass, der sorgfältigen Aufnahmsjury zum Trotzye, das ganz Geschmack- 
lose sich eyinzudriingen versteht, wird der aufmerksame ßeobachter kaum 
bedauern, dem sonst die Gelegenheit gänzlich fehlen würde, zu sehen, 
was in gewissen Schichten noch für originell nnd vornehm gilt. Doch 
müssen wir constatiren, dass nur ein einzelner Aussteller etwas zu bieten 
wagte, eine Einrichtung aus lichtem Eschenhoiz in Vltlobigeni Empirestil 
(esist e_ine wahre Kunst Empirmöbel sehwerfällig zu machen) mit himmel- 
blauen Medaillons auf rother Polsterung, dazu eine Portiere  rosigen 
Blumenguirjlanden, Qder bei einem zweiten Ameublement _ein Ueberzug 
von bedrucktem blumigen Sammt mit Pierre de Strasse-Knöpfgn. ' 
Wie glückliche Wirkungen sich im Empirestile, dem wir ieädoch nicht 
das Wort reden möchten, erzielen lassen, zeigt die Exposition von Leist, 
der mehrere derartige Stühle in zarten hellen Farben bringt, aber {auch 
eine edle Purtiere im Stile des 17. Jahrhunderts, Henri-deui-Sessel, Sessel 
im Stile Louis XiYI, alle in ihrer Art gut, das einzelne hier nur durch 
die bunte Mischung beeinträchtigt. 
Eines möchten wir noch besprechen, die allzuweitgehende Anwendung 
des Plüsdhes. Dieser weiche glänzende. Stoß" bedeckt nicht nur fast alle 
Stühle, hängt nicht nur vor allen Thüren und Fenstern, wir sehen  
auch einen cannelirten Tischfuß umwiniden, die Platten der Tische be- 
decken und endlich, noch dazu in saphirblauer Farbe, die Tuchbespan- 
nung eines Schreibtisches ersetzen; darauf darf wohl nicht viel geschrieben 
werden? Es wäre an der Zeit, von diesem Uebermabße zurücirzulrommen. 
Fanden wir bei vielem Schönen auch Einiges zu tadelri, so wird 
sich doch ein Fortsqhritt an Geschmack und Technik nicht leugnen lassen, 
ein Fortschritt vielleicht sogar gegenüber der vorigjährigen Beriiner Aus- 
stellung. Denn ist bei uns auch manches zu gehäuft und zu färbig, so 
entspricht das süddeutscher Art, und starreres Vordrängen des Architek- 
tonilschen, das ein Zimmer gewiss nicht heimlich macht, ist dadurch glück- 
lich vermieden, ' 
 Einen schwer wiegenden Tadel lrtönnen wir nicht verhehlen, wir 
wissen nur nicht, ob er das Publicum trifft oder die Fabrikanten. Alles 
was ausgestellt ist, Zimmer oder einzelnes Möbelstück, ist für Lebens- und 
Vermögensverhältnisse berechnet, die weit über die des bürgerlichen 
Mittelstandes hineusragen. ist nun auf diesen breiten Boden das Bedürf- 
niss nach stilvoller Einrichtung noch nicht gedrungen? Wir glauben, es 
ist guten Theiles da, nur lasst es sich schwer befiiedigen, weil die Fa- 
bricatign stiliyoll nur für jene hßher begüterkteri Kreise arbeitet, die 
heute nicht mehr wie in vergangenen Zeiten mit Bildung identisch sind, 
sondern meist gar ferne von Bxildungscentren zu wachsen und zu wohnen
	        
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