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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 178 und 179)

S. l'AlIemands "Hoftafel anlaßlich des Jubiläums 
des Maria-Theresien-Ordenstt erweist (Abb. 6) - 
und die die Damenmode verblassen läßt. Glückli- 
cherweise haben sich viele dieser Uniformen und 
auch Livreen, die zum Teil 1918 beim Zusammen- 
bruch der Monarchie in der Hofburg zurückgelas- 
sen wurden und seither nie gezeigt worden waren, 
in erstaunlich gutem Zustand erhalten (Abb. 7, 8). 
Sie sind alle von höchster qualitativer Ausfüh- 
rung, und der Wollstoff der Kutschermantel ist so 
fein, daß sie am Saum nur abzuschneiden waren, 
weil sie nicht umgenäht zu werden brauchten. 
Man konnte daher annehmen, daß diese recht exo- 
tisch wirkenden Objekte, besonders die ungari- 
schen Militärkleider mit reicher Stickerei und Ver- 
schnürungen (Abb. 8), den Modeschöpfern New 
Yorks in die Augen springen würden, und genau 
das taten sie auch. 
vW0men's Wear Daily-i, die Tageszeitung der New 
Yorker Modeindustrie, brachte schon vor Eröff- 
nung der Ausstellung einen Bericht mit Anregun- 
gen zur Umsetzung der Habsburger-Mode für un- 
sere Zeit (Abb. 9). Interessant ist der Vergleich mit 
den Originalobjekten (Abb. 7). Die Silhouette wird 
der heutigen Mode angepaßt, die Details etwas 
vereinfacht und die Uniform ins Feminine ge- 
bracht. Nur ganz nebenbei sei darauf hingewie- 
sen, daß auch schon im frühen Biedermeier, kurz 
nach dem Wiener Kongreß, Uniformen ihren Ein- 
fluß auf die Damenmode ausübten, ganz ähnlich 
wie heute (vgl. Abb. 10, 12). Die Mode greift immer 
wieder auf sich selbst zurück, ein wCopy-rightu 
gibt es und gab es in der Mode nie. 
Besonders der Reiz der Passementrien und Ver- 
schnürungen inspirierte einige namhafte Coutu- 
riers, Mode a Ia Habsburg zu schaffen. Bei Oscar 
de la Renta zum Beispiel fanden sich einige Krea- 
tionen dieser Art in seiner Kollektion von 1980 
(Abb. 12, 13). Für Abend- wie Tagestoiletten die- 
nen Jet- und Soutachestickereien als hauptsächli- 
che Verzierungen. De la Renta, der das Luxuriöse 
kreiert, befand sich bei den "Habsburgernu ganz 
in seinem Element. Er entwarf unter anderem ein 
Abendkleid (Abb. 14), das dem Trauerkleid der Kai- 
serin Elisabeth (Abb. 4) nachempfunden ist. Aber 
an 
 
14m}. . KLM, 
x rxxm . M 
m7] 
11 
11 Modekupfer aus der "Wiener Mode-Zeitung-i. 1817: 
wWlener-Modenv I XXXXIII; 85.1817 
12 Oscar de la Flenta, wAbendkleidu, 1980 
13 Oscar de la Flenta, iiTageskostüm-i, 1980 
14 Oscar de la Renla, "Abendkleid", 1980 
15 Perri Ellis, "Capesu, 1980 
auch der weniger traditionelle Perri Ellis fan 
regungen in der Ausstellung. Seine Capes rn 
gelkragen (Abb. 15) wurden von den Kutsr 
vreen des Kaiserhofes (Abb. 8) inspiriert. 
Wie stark die Impulse dieser glänzenden a 
hungarischen Demonstration wirklich ware 
wies, daß sie nicht nur auf die Schöpfer der n 
ccuture-i einwirkten, sondern auch in der 
nannten iiready-towear-Modeu ihren Nieders 
fanden. Die Schaufenster des exklusiver 
schäfts "Saks Fifth Avenueu z.B. waren ku 
Ausstellungsschluß voll mit Konfektionsmoc 
Habsburg. Sogar bis nach Japan ist der Ein 
zu verfolgen. So brachte Nipon, ein japani 
Modeschöpfer, der viel in den USA verkaut 
ßerst originelle, leuchtendrote Ftegenmänt 
Damen heraus, die mit ihren Schulterpasse 
durchgehenden Falten ganz den Mänteli 
Edelknaben des österreichischen Hofes en 
chen, von denen vier im Costume Institute a 
stellt waren. 
Auch Accessoires, wie die reich beschlag 
Kartuschen der Paradeunlformen oder die 
zückenden, aus getriebenem Silber oder Silt 
gran gearbeiteten nBehalteri: der Biedermei 
(Abb. 1), wurden mit Begeisterung von Tas 
herstellern als Vorbilder neuer Modelle aufg 
fen. Andererseits ist es erstaunlich, daB die 
"modernem: phantasievollen Entwürfe der 
ner Werkstätten ohne beeinflussende Wi 
waren (Abb. 16, 17). Man hätte annehmen kö 
daß ein in unseren Augen zeitlos schönes 
wie das aus schwarzem Georgette mit n 
scher" Goldstickerei verziert - nach Er 
Eduard Wimmer-Wisgrills - oder auch die 
künstlerischen Stcffentwürfe der DW.W.(t d 
signer von heute anregen wurde. Denn Möb 
"Wiener Werkstätten erzielten zu der Zeit, al 
se Ausstellung stattfand, phänomenale Prei 
New Yorker Kunsthandel, so daß man auch 
zug auf die Mode dieser Zeit mit einem gute 
kommen beim Publikum rechnen konnte. D01 
hiesigen Modeschöpfer huldigten eher der 
mantischen, also jenem Flair, das der no: 
schen amerikanischen Vorstellung der K 

	        

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