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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 178 und 179)

 
 
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Eine weitere, aus Fiaumgründen leider beschrank- 
te Möglichkeit ist die Ausstellung von Werken 
österreichischer Künstler direkt im Kulturinstitut 
in der Viale Bruno Buozzl. Zu nennen sind die klei- 
nen Einblicke in das bildnerische Schaffen von 
Fritz von Herzmanovsky-Orlando und des in Rom 
lebenden österreichischen Malers Josef Franz 
Strachota. Den räumlichen Gegebenheiten ent- 
sprechend wurden hauptsächlich Graphiken und 
Aquarelle gezeigt. 
Eine sehr beachtliche Schau war jene, die Wotru- 
ba als Gestalter sakraler Schöpfungen präsentier- 
te. in einem Saal des Centro Disperimentazione 
Artistica waren Bronzen des Wiener Meisters auf- 
gestellt. Der sakrale Bezug war freilich nur in we- 
' nigen Arbeiten gegeben, es sei denn, man be- 
zeichnet jene humane Dokumentation aller Figu- 
ren Wotrubas schon als sakrale Manifestation. 
Sehr zu Recht war der großartige Bau der Kirche 
am Georgenberg in Wien-Maur mit verschiedenen 
Beispielen dokumentiert. 
Eine der schönsten und erfolgreichsten Ausstei- 
lungen war aber der Auseinandersetzung mit der 
österreichischen Architektur gewidmet. Unter 
dem Titel Architettura Austriaca 1860-1930 im 
Istituto Nazionale di Architetlura waren von Theo- 
phil Hansen bis zu den Wagnerschülern fast alle 
wichtigen Architekten Jener Zeit mit Beispielen 
vertreten. Das Schwergewicht lag dabei auf Otto 
Wagner und seiner Schule. Von 102 ausgestellten 
Objekten waren nur etwa 15 dem Historismus zu- 
zuordnen, alle anderen der Secession und im wei- 
teren den immer strengeren Formen Wagners bis 
hin zu Adolf Loos, Josef Hoffmann, Josef Frank 
und Oswald Haertl. 
in diesem Zusammenhang erschien auch ein 272 
Seiten starkes Buch von Marco Pozzetto mit dem 
Titel La Scuola di Wagner 1894- 1912. Ein starker 
Bildteil brachte mit 285 Abbildungen unter ande- 
ren auch bis ietzt noch selten veröffentlichte Pro- 
jekte. Zeitgenössische Stellungnahmen sowie ein 
umfassendes Verzeichnis von Wagners Schülern 
und Freunden, 190 Namen, mit dazugehörigen Da- 
ten und Kurzinformationen ergänzen den Text. 
Auch Literaturhinweise sind hier zu finden, so daß 
man auf Grund des Studiums dieses Werkes auch 
die Arbeit der einzelnen Architekten weiterverfol- 
gen kann. 
Wie diese Ausstellung Anregung und Anstoß zur 
Beschäftigung mit der österreichischen Kunst ge- 
geben hat, so wird auch durch einen nach der 1974 
in Rom verstorbenen österreichischen Malerin Si- 
naide Ghi (geb. Brence) benannten Aquarellwett- 
. bewerb immer wieder auch eine österreichische 
Beteiligung angeregt. S. Ghi studierte an der Aka- 
demie der bildenden Künste in Wien. Die von ih- 
rem Gatten ins Leben gerufene Stiftung verlieh 
1981 den 2. Preis in der Höhe von 600.000 Lire dem 
Österreicher Herbert Kerschbaumer. Der 4. Preis 
ging an die Österreicherin Christine Gmeiner. Wei- 
tere 5 Österreicher wurden mit Anerkennungsde- 
kreten ausgezeichnet. Die Arbeiten aller wurden 
im Palazzo Pignafelli in Fiorn ausgestellt. Auch 
hier wurden die österreichischen Teilnehmer vom 
Österreichischen Kulturinstitut betreut. 
Aus all den genannten Aktivitäten ist ersichtlich, 
wie sehr und mit welcher Qualität die zeitgenössi- 
sche österreichische bildende Kunst im Kulturle- 
ben der italienischen Hauptstadt verflochten ist 
und wie sehr sie von den dafur in Frage kommen- 
den Stellen oder Personen immer beachtet und in- 
teressiert aufgenommen wird. Wir können nur hof- t 
fen, daB die Zusammenarbeit der italienischen 
und österreichischen Stellen weiterhin so gut an- 
hält und sowohl die Präsentation, die Qualität als 
auch die Streuung nach Schulen bzw. Richtungen 
den Römern nach wie vor einen umfassenden Ein- 
blick in das österreichische Kunstschaffen geben.
	        

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