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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 178 und 179)

I Aktuelles KunstgeschehenlÖsterreich 
Wien 
Fastwochenausstellung i-Anthropos" auf den Plät- 
zen der Wiener Hofburg 
Es ist sehrerfreulich, so viele moderne Plastiken und Skulp- 
turen mitten in der Stadt vielen Menschen, diesich sonst nie 
mit diesen Werken auseinandersetzen. nahezubringen, ob 
jedoch die Konfrontation mit den historischen Bauwerken 
(etwa von Fischer von Erlach d. J.) und den monumentalen 
Plastiken der Vergangenheit zu einem Verständnis für die 
Moderne beitrug. möchten wir bezweifeln. Nach den Wor- 
ten der für die Ausstellung Verantwortlichen: Eisler, Hrdlic- 
ka, Ronte und Sterk, war k in Vergleich mit den histori- 
schen Kunstwerken beabsichtigt, sondern Kunst sollte wie- 
der in das Alltagsleben gestellt werden. Dazu hätten sich 
freilich viele andere Plätze (etwa die Kärntner Straße) gebo- 
tan, wo die historischen Vergleiche weniger t-störend- ge- 
wesen wären. Hier aber wurde uns bewulit. daß nur absolute 
Qualität sich im historischen Rahmen behaupten kann. 
Diese war leider nur mit sehr wenigen Objekten gegeben. 
Das Verhältnis von Masse und Macht schien überhaupt 
nicht beachtet worden zu sein. Die 60 Objekte zeitgenössi- 
scher Bildhauer aus acht Ländern waren fast durchwegs zu 
dicht aufgestellt, viele recht beiläufig. manche wichtige Ar- 
beit. wie Henry Moores ß-Großer Totemkopf", geradezu ver- 
steckt. Ob die Gruppierung Florian Bodini, Wander Bertoni. 
Fritz Wotruba. Fritz Cremer beim Denkmal des Kaisers 
Franz die Menschen. die hier täglich vorbeigingen. oder die 
Touristen zum Nachdenken über die Bezüge anregte, 
möchten wir bezweifeln. Kritische Objekte, wie sie von der 
Jugend gefordert werden, waren selten. Ein Versuch. der an 
anderem Ort, mit durchdachterem Konzept wiederholt ge- 
hört. 
Wiener Künstlerhaus 
S internationale Fotografen 
Aspekte - Variationen fotografischer Themen 
Die 6 Fotografen waren: aus Holland Prof. Wim Nordhoeck. 
er zeigte Strukturen aus Land und Wasser, aus der CSSR 
Dlpl.-Ing. Jiri Havel. dessen Ausschnitte aus Waldmotiven 
sehr eindrucksvoll waren; aus der BRD hatte Dr. Raimo Ga- 
reis i-Geometrische Collagen" beigesteuert; aus Österreich 
Prof. Hans Mayr Farbexperimente mit Polarisationen; wei- 
tars Gustav Edöcz realistische Porträts von Zigeunern und 
Prof. Willy Hengl sehr stimmungsvolle Fotos von Mykonos 
unter dem Titel -lnsel der Träume". 
Die Ausstellung "Aspekte" stellte allein aus Österreich die 
Bilder von 19 Fotografen vor. Weiters waren noch die BRD. 
die Schweiz. Polen, Ungarn und die UdSSR mit verschiede- 
nen Beispielen vertreten. Besonders zu nennen wären 
Friedrich Horacek und Erich Miedler. die bei aller Realität 
Hintergründigkeit erzielten, ebenso Josef Samuel mit seiner 
an den Holzschnitt erinnernden Technik. Alle Ästhetik. alles 
technische Können und alle Hintergründigkeit werden frei- 
lich durch die erschütternde Reportage aus dem Vietnam- 
Krieg ins Abseits gedrängt. Diese nüchternen, ja brutalen, 
kunstlosen und technisch schlechten Bilderfolgen trafen 
den humanen Kern im Betrachter und werden uns nicht so 
schnell loslassen. (16. 5-8. 6. 1981) - (Abb. 1) 
Moderne Vergangenheit 1800-1900 
Eine interessante Zusammenstellung von Einrichtungs- 
und Gebrauchsgegenständen, für die schon sehr früh 
künstlerisch durchgeformte, zeitlos schöne und einfache 
Formen gefunden wurden. Besonders schön waren die ver- 
schiedenen EB- und Tischgeräte aus Silber. die bereits 1810 
eine erstaunlich nüchterne Klarheit zeigten. Gut waren 
auch die Hinweise auf die verschiedenen Einflüsse der ein- 
zelnen Schulen. Im Zentrum der Ausstellung standen kom- 
plett eingerichtete Zimmer von Otto Wagner. Kolo Moser, 
Josef Hoffmann und Adolf Loos und wiesen letzte Entwick- 
lungen jenes Jahrhunderts und damit auch schon auf den 
Jugendstil und die Moderne. Zeitgenössische Aquarelle 
und Gouachen gaben lnterieurs jener Zeit wieder und er- 
gänzten die umfangreiche Schau. (20. 5.-9. 8. 1981) - 
(Abb. 2) 
Galerie Würthle 
Egon Haug 
Mit 56 Exponaten wurde ein umfassender Überblick über 
die verschiedenen Schaffensgebiete dieses sehrzu Unrecht 
etwas ins Abseits gedrängten Künstlers geboten. Mengen- 
mäßig waren zwar die Bleistift- und Olkraidezeichnungen 
vorherrschend. die großen Acrylbilder beherrschten jedoch 
den Raum. Haug zeigte durchwegs Landschaften. ein Sujet. 
mit dem er sich schon jahrelang auseinandersetzt. Die Far- 
ben werden pastos aufgetragen. geben ganz unvermittelt 
und ungebrochen Weite und Raum. Die Graphiken. beson- 
ders die einfachen Bleistiftzeichnungen, haben eine sehr 
flüssige Linienführung und si d, bei aller Ruhe der Motive, 
sehr bewegt. Immer wieder können wir feststellen. daB dort. 
wo Haug spontan arbeitet. ganz gleich. ob direkt vor der Na- 
tur oder im Atelier. die besten Resultate erzielt werden. Es 
ist zu hoffen, daß mit dieser Ausstellung in der angesehenen 
Galerie Haug ein großer lnteressenkreis erschlossen wurde 
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und weitere internationale Beachtung folgt. (27. 5-13. 6. 
1981) - (Abb. 3) 
Peter Kubovsky 
Der Linzer Graphiker zeigte durchwegs Federzeichnungen 
von verschiedenen Städten. Hier ist der Strich vorherr- 
schend, der Strich in seiner Härte und nervösen Spannung, 
der Strich in immer neuen Ansätzen, Verdichtungen und 
Sprüngen. Die sichere Erfassung architektonischer Struk- 
turen mit ganz wenigen, oft unzusammenhängend hinge- 
strichelten Konturen ist erstaunlich und zeugt von einer Si- 
cherheit und großer Könnerschaft. Kubovsky ist sich auch 
durchaus bewußt, wo und in welchem Zusammenhang 
seine Technik besonders zum Tragen kommt. Das Flimmern 
der Atmosphäre in südlichen Städten. über freien Plätzen 
oder über Wasserlaufen zieht ihn folgerichtig immer wieder 
an. Durch Strichbündelungen erreicht der Graphiker eine 
gewisse Düsternis. die immer wieder auch in seinen Blät- 
tern anzutreffen ist. Mühelos entwickelt er eine Geschlos- 
senheit der Komposition, die vom Betrachter fraglos aufge- 
nommen wird. Eine allzu gewisse Konstante im Oeuvre des 
Graphikers gibt manchmal zu bedenken. (17. 6-4. 7. 1981) 
- (Abb. 4) 
Neue Galerie 
Mario Decleva 
Der 1930 in Jugoslawien geborene Maler, der die meiste Zeit 
seines Lebens in Wien lebte, arbeitete und auch auf der 
Hochschule für angewandte Kunst unterrichtete, hat sich 
nie vom Figurativen gänzlich entfernt. Ausschnitte. Gegen- 
überstellungen. Einbeziehungen, Neuformulierungen so- 
wohl der Landschaft, aber auch und Immer wieder der 
menschlichen Erscheinung können wir zu jeder Zeit in dem 
Werk Declevas beobachten. Die große Gedächtnisschau für 
den 1979 leider viel zu früh in aller Stille dahingegangenen 
Künstler brachte einen Überblick der Entwicklung bis hin zu 
den wichtigen Werken der letzten Jahre. Auch daß die 
Zeichnung und Radierung sehr wichtige und entschei- 
dende Richtungen in dem Schaffen des Malers waren, 
wurde hier ersichtlich. Viele der farbkräftigen Bilder haben 
geradezu etwas Mystisches. Bei der Vernissage wurde eine 
Monographie über den Künstler. von K. Sotriffer herausge- 
geben und mit Beiträgen von Prof. DDr. W. Skreiner und 
Dr. R. Rubinig, vorgestellt. (4. 6-30. 7. 1981) - (Abb. 5) 
Galerie Spectrum 
Fred Nowak 
Auch hier handelte es sich um eine Retrospektive. Der 1919 
in Wien geborene und auch immer hier arbeitende Künstler 
war eine im Kunstbetrieb der Stadt gegebene Konstante. 
Von Beruf Drucker und Graphiker, beherrschte eralle tech- 
nischen Raffinessen und gab sein Wissen an viele seiner 
Kollegen weiter. Eine stattliche Anzahl der "Phantastischen 
Realisten-r. aber auch manch andere Maler erwarben bei 
Nowak ihr drucktechnisches Können. Er selbst bevorzugte 
den von ihm erfundenen Einzeldruck, eine Art Monotypie in 
vielen Farben, von dem auch hier in den für den Künstler 
charakteristischen Farben Rot. Blau und Braun Beispielezu 
sehen waren. Gerade die letzten Arbeiten Nowaks zeigten, 
daß der immer lebendige, trotz seiner Gehbehinderung be- 
wegliche Fred Nowak wieder zu Neuem unterwegs war und 
uns, würde ihn nicht ein schmerzhaftes Leiden 1974 dahin- 
gerafft haben, noch manch Interessantes beschert hätte. 
(14. 5-30. S. 1981) - (Abb. 6) 
Akademie der bildenden Künste 
Wolfgang Hollegha 
Der 1929 in Klagenfurt geborene. s 't 1972 als Hochschul- 
professor an derWiener Akademie tätige Maler gehörte seit 
den Nachkriegsjahren dem Kreis um die Galerie St. Stefan 
und Otto Mauer an. Ererhielt 1957 den Guggenheim-Preis 
und 1960, nach erfolgreichen Ausstellungen in den USA. 
den Garnegie-Preis. Holleghas Bilder wurden und werden 
von den meisten Betrachtern als abstrakt. als Farbkomposi- 
tionen und frei jeden Bezuges zur Natur gesehen. Dem ist 
jedoch nicht so. Seine Arbeiten sind. wie gerade diese 
Schau zeigte. durchaus Gestaltungen von Gesehenem. Ge- 
schautem. Sowohl das Kleine, im Ausschnitt, als auch das 
Große. in der Zusammenfassung, ist gegeben. Alles aber 
wird bei Hollegha durch die Farbe gestaltet. durch das lok- 
kere Gefüge des reinen Farbauftrages. der aus einer unge- 
zwungenen, schwungvollen Geste kommt. (7. 5.-14. 6. 
1981) - (Abb. 7) 
Galerie am Graben 
Rosemarie Benedikt 
Unter dem Titel Steinzeug in Mal- und Ritztechnik waren 
neue Arbeiten der als Assistentin auf der Hochschule für 
angewandte Kunst in Wien tätigen Künstlerin zu sehen. Das 
ungemein Sympathische an dem Schaffen dieser Keramike- 
rin ist. daB sie bisher in allen ihren Ausstellungen zeigte. daß 
es auch ohne besondere Mätzchen und ausgefallene Extra- 
vaganzen möglich ist. qualitätsvolle. formgerechte und 
doch immer wieder frisch und neu erscheinende Keramiken 
zu schaffen. Gerade die hier gebotenen Arbeiten mit ihrem 
einfachen und doch sc wirkungsvollen Dekorbestätij 
Haltung der Rosemarie Benedikt. (1B.5.-13.6. 1 
(Abb. a) 
Schmuckgestalter aus Padua 
Den fünf Künstlern ist die strenge. einfache Form 
meinsames Anliegen. Sicher ist Schmuck ein Luxus 
stand, eine Zierde, soll zur Erhöhung des Ansehens 
Trägers beitragen. In einer Zeit der strengen Linienfi 
bei der Kleidung haben sich auch die wenigen Scl 
stücke. die sich noch als Glanzpunkte meist der E 
mode erhalten haben. einem fast technischen Fori 
non genähert. Renzo Pasquale, Francesco Pavan. 
Piazza, Piergiuliano Reveane und Graziano Visintin. 
außerordentlich exakte Arbeiten, die entsprechende 
und Trägerinnen erfordern und dann gerade in ihrer 
dringlichen Schlichtheit ihren Wert besiegeln. (15. 6. 
1981) - (Abb. 9. 10) 
Salzburg 
Salzburg I Galerie Academia 
Jean Miro 
Die gezeigten Lithographien und großformatigen l 
dierungen erwiesen nicht nur erneut die technisct 
vour der Arbeiten dieses großen Alten der Modern 
dern auch die Richtigkeit des ihnen zugedachte 
spruchs von Patrick Waldberg: -Choreographie in d 
ten. die jenem Axiom vollen Nachdruck verleiht: ver 
Horizont - wiedergeiundenes Paradies." (2.-31. 8. 
Fritz Fröhlich 
Die Aufzeichnungen Katharina de Stradas über Kai 
dolf ll. waren für den Linzer Professor Ausgangspi. 
einen siebenteiligan Zyklus von Pastellen, in dene 
schnitthaft. wie von Bühnenscheinwerfern angestra 
vBiidBYK und die Ängste des künstlerisch so bedeu 
Habsburgers ihren Ausdruck in der Sprache unsei 
finden. Einige Ölbilder und die Erinnerung an die A 
lung von Aquarellen Fröhlichs vor drei Jahren am sel 
ergänzten den positiven Eindruck von diesen eigen 
gen Arbeiten. (15. 9.-7. 10. 1981) - (Abb. 11) 
Salzburg f Galerie Brodil 
Oscar Bottoli 
Ausdrucksstarke Zeichnungen sowie einige Sku 
Elottolis kennzeichneten mit ihrer Sensibilität, ihre 
delbarkeit (im positiven Sinne) und dem aus ihnen: 
ren stetigen Interesse an der Körperlichkeit und Kör 
tigkeit des Menschen die wichtige Position dieses E 
ers innerhalb der österreichischen Plastik unsen 
(11. 9.710. 10, 1981) - (Abb. 12) 
Salzburg l Galerie Armstorfer 
Werner Otte 
Nach einer anregenden Ausstellung von Objekte: 
gang Zeiszners (dazu Abb. 13) wurde dieser aufstrel 
Salzburger Galerie mit der Präsentation neuer A 
Werner Ottes abermals ein beachtlicher Erfolg zutei 
ungegenständliche. wenn auch mit Titeln versehen 
lithographien und Aquarelle verströmen in ihren kalli 
sohen Elementen und in ihrer Farbgebung eine tief 
kalitat. Wenn musikalische Notationen der histo 
("Contra Clementi") und der neuen Musik (-Ein Abi 
Klaus Ager") alsfreie Bildzeichen Verwendung finde 
dies nicht nur äußere Formgebung. vielmehr gelingt 
seinen Bildern überzeugend. Klangstrukturen ins i 
zu transportieren und so die geistige Einheit der Kür 
ter Beweis zu stellen. (25. 8.-13.9. 1981) 
Salzburg I Galerie Welz 
Henry Moore 
1952 hatte Friedrich Welz in einer umfangreichen un 
tigen Ausstellung auf das Schaffen von Moore, Mai 
Wotruba hingewiesen. Heute ist die Position von jed 
ser Bildhauer weltweit unumstritten - nach wie vorf: 
ren ihre Arbeiten und alle ihre Werke. alle ihre -ldet 
und über Skulptur heben sich hoch über die Sch. 
Epigonen und Nachäffer. Moores Leitmotiv der i-Re 
Figuren war nun hier in einem von 1922 bis 1980 reic 
Bogen auserlesener Beispiele zu studieren. (29. 7. 
1981) - (Abb. 14) 
Tirol 
Innsbruck l Tiroler Kunstpavillon 
Gerhardt Moswitzer 
Der Bildhauer - wir berichteten ausführlich in Nr. 
seiner großen Ausstellung in der Wiener Secession 
hier neun seiner umfangreichen Arbeiten aufgestl 
schöner Katalog mit dem Referat, das Arch. Günther 
stein anläßlich der Verleihung des Würdigungsprei 
Bundesministeriums für Unterricht und Kunst 1978 
Künstler gehalten Ihat. begleitet die Schau. (27. 5 
1981)
	        

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