MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVIII (1983 / Heft 186 und 187)

 
 
8 Seidenlampas lanciert, italienisch oder orientalisch. 
14.115. Jh. 
9 Brokalell lanciert, Ph. Haas 8 Söhne, Wien, um 1873 
etzten Viertel des 14. Jahrhunderts (Abb. 2).1"Das 
al ist ein charakteristisches Beispiel für spatmit- 
irliche italienische Seiden, die eigene mit fernöst- 
, vor allem chinesischer, Motivikverbinden und zu 
llen, harmonischen Mustern zusammenfügen, 
end die Kostbarkeit des Vorbildes vor allem durch 
äutchengoldfaden entsteht, der zusammen mit 
:h abgesetzter Seide das Muster bildet, zeigt die 
eine bezeichnende Vereinfachung: Die Goldfa- 
nd durch hellgelbe Seide ersetzt. Das macht den 
Stoff einerseits materiell weniger kostbar. 
taber andererseits seiner neuen Funktion als De- 
iff für Möbel und Vorhänge oderWandbespannun- 
einemgutbürgerlichen lnterieurderzweiten Half- 
19. Jahrhunderts entgegen. Daß der Rapport des 
Stoffes etwas größer ist, die Farbigkeit verändert 
antrastreicher wird, dient dem Effekt und nimmt 
icht auf den Gebrauchszusammenhang. Hier 
nan den Abstand, der im vierten Viertel des Jahr- 
rts vom Kirchen- bzw. Paramentenstoff gewon- 
ird. gut beobachten. denn bei diesen wird weiter- 
hr viel mit Metallbroschierung gearbeitet." Les- 
egründet die neueArt derVerwendung historisch: 
2 Stoffe waren ihrerzeit auch keineswegs zum 
hließlichen Gebrauch in der Kirche bestimmt: es 
ebendie Prachtstoffeder Periode, welchelüralle 
re ... angewendet wurdenxru 
odeutlich wird diezweckbedingteVereinfachung 
r Kopie nach einem lancierten und broschierten 
Lampas aus etwa der gleichen Zeit (Abb. 11)." Die Pre- 
ziositat des trühen Gewebes unterstreicht der sehr 
dicht gewickelte Lahngoldladen (Abb, 10)? Er wird in 
der Kopie wieder durch heile Seide ersetzt. Der gegen- 
über dem Vorbild etwas vergrößerte Musterrapport 
zeigt eine vereinfachte Motivik: Alternieren in der italie- 
nischen Seide eine Krone und ein Flechtband zwischen 
den Tieren, so zeigt das Haas'sche Stück nur das 
Flechtmotiv. 
Die Gegenüberstellung des vierten Paares schließlich 
macht die von Lessing so gelobte iistrahlende Prachtk 
der Farben im historistischen Stoff besonders deutlich. 
Das zurückhaltende, wohl auch ein wenig verblaßte Ko- 
lorit des Originals (Abb. Gfsist im neuen Stoff so aufge- 
trischt, daß eine ganz andere, piastischere und sehr 
kontrastreiche Wirkung entsteht (Abb. 7)? obwohl die 
Farben - allerdings nicht die Farbnuancen 7 annä- 
hernd übereinstimmen. 
Eine interessante Veränderung hat der lancierte und 
broschierte Lampas der Zeit um 1400 (Abb. 12)"in sei- 
ner Kopie erfahren (Abb. 13)": Erwurde-wieenuähnt 
- zu einer Borte umgeformt. Dahingesteilt bleiben 
muß, ob der Kopist das Original für eine Borte gehalten 
hat oderobdie Umwandlungseineeigeneldeewar, Die- 
se Bordüre wurde - ähnlich den sog. Florentiner Bor- 
ten des 15. Jahrhunderts z. B. - nebeneinander in der 
Webbreite des Stoffes gewebt und erst nachträglich zu 
Streifen auseinandergeschnitten. Die Kette läuft des- 
halb horizontal zum Muster. Die Tiere - Wiedehople 
und Löwen - sowie die Ornamente des unteren 
tens sind auch in der Kopie mit einem Metalltade 
schiert. Während man aber bei dem mittelalter 
FragmenteinenSilberlahndichlumdieSeidensei 
wickelt hat, ist man um 1873 mit viel weniger Au 
zufrieden; hier ist ein ganz schmaler Metallahn m 
locker um eine Hanfseele gedreht. Die Seitenvi 
rung des Musters, die man auch beim nächsten 
beobachtet, mag durch das Urnzeichnen oder 
das Weben mit der Rückseite nach oben entsti 
sein. 
Die letzte Gegenüberstellung zeigt noch einma 
deutlichdievorallemmaterielIvereinfachendeAc 
rung eines spätmittelalterlichen Vorbildes (Abb. i 
die neue Funktion (Abb. 9)." Auch hier werden 
chengoldbroschierungen durch Seidenlancien 
ersetztund derStottwirdmitanderOberllächeur 
baren Grundschüssen effektvoller und schweri 
macht. In diesem Fall ist auch wieder die Farbei 
dert,dieGrundfarbewechseltvonTieiblau zu Flot. 
Freiheit gegenüber der originalen Farbigkeit kam 
auch in den Zeichnungen und Tafeln Fischbachs 
achten. 
Die Gegenüberstellung spätmittelalterlicher Vor 
und ihrer historistischen Kopien macht zusammi 
den dazugehörigen Quellen deutlich, daß dieser 
produktion ein bestimmtes Programm zugrunde l 
dem das Museum für Kunst und Industrie als Vort 
sammlung im Semperschen Sinne eine wichtige 
mus des Museumsvnvenlars. 
U T 25081 H. 35, E1. 59 Cm: Muster hellgeib und {O53 au! dunkel- 
wm Gvund Fßchbach, a. a. 0.. 1884. S. 190. Tal. 96b. B. Mundt, 
3., WSEMADD 135 
lv. T B3B; H 31, Br. 23 cm: Muster aus Häulchenguld und grüner 
ä 3M VISIIVIOWBIXEM Glühd. Fragmente des gleichen Stoffes, VON 
erworben, befinden sich In London und in LyUrL 
He Literatur In Anm. 9. 
ng.a.a.0.,S.157. 
Ir T2515 H. ss, Br. 57 cm. 
n T1495, H 29. Bv.34,5cm;Mustenn LahnguMLHellblauWeß 
irün au! rotem e und. Das Fragment wurde ersl1869 - mcm von 
-elw01ben;esls!in der, mAnm. 1QZHIGHEH. Festschlmvum Mai 
u 
u 
a1 
1873 HBOh S. 24 abgetmdei. 
lnv Nr TBIZH 40,31 Zäcwgvuneaweßßesundrosa Mustevauiblau- 
em Gvund. Fvagmente des gmichen SloNes, von Bock gekauft, befinden 
sich m London und m Lyon 1m Vlctcrla üAlben Museum gib! es außer- 
dem eine vuüständxge KaseL die so wie das Stollragmem nach Eocks 
Bemerkung von1B83 aus der Marienkuche in Danzwg slammt Aus dier 
serüuelle durfte auch das Wiener Fvagment stammen. W Mannuwsky. 
Der Danziger Paramentenschatz. Ber}ln(1931-1933). Bd, ll, 2, be- 
schreibt umev N1. 137 eine Swla aus dem gleichen S10", die In Danzig 
verblieb. 
Xnv. Nr. TZSUSI H. 25, Br 58 cm 
lnv. NL T B02, H. 19.5, Br 24,5 cm. Muster in SIIDSIISNH und weiß auf 
blauem, umsvschiedlkih verblaßlen Grund. Fragmeme des gtelchen 
SKUHGS aus Ankäulen von BOCK befinden M071 In Lyon und Lnr 
-" Änv. Nr. T 2605. H. 50, B1. 19,5 cm, Fischbach. a. a. 0., 1854 
Tal, 29. Das Victoria 8. Amen Museum bewahrt eine hlstovlslrs 
italienisch bezemhnete Kopae des glebchen Mustevs a1s lortia 
Seidengewebe (lnv. Nr 9974901), 
" lnv Nr. T820. aus kleineren Fragmenten zusammengesetzt, H 
Muster in Häuxchengold au! xieimauem Grund, Fvagmem desg 
Slolles, von Bock gekauft, in Lyon Das Vlmoüa 8 Albert Mus! 
wahrteine Dalmalrca ausdem gleichen SH)", die von Bock gSkE 
de.O v. Falkei Kurlslgestihlchle derseldenweberel Berlin 191 
s. 59, schreibt, daß diese zu einer Kess! im Blschrsmchen Mu 
Münster gehürle. 
"1 Vnv Nr. T 2607, H 28,51 53 Cm, gelbes MUSIS! au! rotem Gn
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.