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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVIII (1983 / Heft 186 und 187)

iein Emilie Flöge 
ahilferstraße 1B 
Ansichtskarte, Schwarz- 
weißfoto, irLigne Ostende - 
l VI. Douvresr, undatiert, 
rreich Poststempel vom 30.4.1906, 
2 grüne belgische 
5-Cent-Marken 
ine einen tüchtigen Schnupfen mein eigen anson- 
wolauf Bereits auf hoher See Herzlichst Gustavrr 
,. 
iein Emilie Flöge 
ahilferstraße 1B 
l VI. 
rreich 
Ansichtskarte, Schwarz- 
weißfoto. wView from Pier, 
Dover-r. undatiert, 
Poststempelvom 30.4.1906. 
1 rote britische 
1-Penny-Marke 
itag. Prachtvolle Fahrt V2 3 Uhr gelandet Beste 
ie GUStQVu 
r: 
lein Emilie Flöge 
ahilferstraße 1B 
lVi. 
rreich 
Ansichtskarte. Schwarz- 
weißfoto. wThe Albert Me- 
morial, Londonk. undatiert. 
Poststempel vom 1.5. 1906, 
1 rote britische 
1-Penny-Marke 
nstag. Gestern angekommen - etwas müd' - 
.t wol nachts endlich gut geschlafen Brief folgt Be- 
Gruß GUSIGVor 
L. 
ilein Emilie Flöge 
ahilferstraße 1B 
iVI. 
irreich 
Ansichtskarte, Schwarz- 
weißfoto, i-Covent Garden, 
Londonu, undatiert, 
Poststempel vom 2.5. 1906, 
1 rote britische 
1-Penny-Marke 
tselte: "Das Wetter ist sehr kühl und regnerisch - 
iSchnupfen trotzdem in Heilung begriffen. Die Aus- 
ung scheint elend zu werdenv 
lerseite: nherzlichste Grüße Gustavr 
a! 
ilein Emilie Flöge 
ahilferstraße 1B 
1 VI. 
rrreich 
Ansichtskarte, Schwarz- 
weißfoto, irPiccadiliy Circus. 
Londonii, undatiert, 
Poststempel vom 2. 5. 1906, 
nicht frankiert 
(Seite: ß-habe allerhand Sammlungen durchstöbert, 
iso die Stadt vielfach abgeschaut - es geht hier 
lebendig zu - die Karte giebt kein rechtes Bild 
in" 
lerseite: nHerzlichsten Gruß an Alle GLISIEVk 
I. 
ilein Emilie Flöge 
ahilferstraße 1B 
1 VI. 
erreich 
Ansichtskarte, Schwarz- 
weißfoto, wSir Rob. Peel's 
Statue, Cheap(s)ide. 
London". undatiert, 
Poststempel vom 4.5.1906. 
1 rote britische 
1-Penny-Marke 
(seife: nFreitag Früh. Gestern warArbeitstag in der 
atellung -WW sehr gut - morgen kommt Mackin- 
nach London. Unter den ßTheaterabenden haben 
ichon 2 Nieten gezogenu 
lerseite: wHerzlichsten Gruß Gustav: 
ie Abb. Nr. 14) 
7. 
ilein Emilie Flöge 
iahilferstraße 1B 
1 VI. 
zrreich 
Ansichtskarte, Schwarz- 
weißfoto, nLudgate Circus. 
Londoner, undatiert, 
Poststempel vom 5.5. 1906, 
1 rote britische 
t-Penny-Marke 
kseite: vSamstag Früh. Heute wie es scheint der er- 
ianz schöne Tag - zugleich Eröffnungstag der Aus- 
ung - wir gehen nicht - obwol das englische dar- 
icht uninteressantwäre. Morgen hoff ich zum Brief- 
"eiben zu kommen. Derenglische Sonntag dürfte die 
ge Ruhe bringenß 
lerseite: hHeimfahrt wahrscheinlich Dienstag auf 
vegen über Brüssel und Dresden. Herzlichste Grü- 
iustavu 
9: 
ilein Emilie Flöge 
iahiiferstraße 1B 
1 VI. 
arreich 
Brief 
Kuvert. weiß, mit Aufdruck 
vCarlton Hotelr, 
ohne Absender 
1 blaue britische ZVz-Penny- 
Marke; 1 Bogen weißes 
Briefpapier. mit Briefkopf 
i-Carlton Hotelrf, Pall Mali, 
London, gefaltet; schwarze 
Tinte. Datiert 7.5.1906, 
Poststempel 7.5.1906 
Seite 1: rLiebe Emilie! Habe nun auch den Sonntag ver- 
säumt für meinen Brief, sltze hier in aller Früh um zu 
schreiben, weiß nicht wo anfangen, so vielfältig sind die 
Eindrücke, etwas verworren der Kopf und so lange, lan- 
ge her,v 
Seite 2: ndünkt mirdieAbfahrtvon Wien. daßsich dieAn- 
fangseindrücke der Reise leise zu .verwischen' begin- 
nen. Die Fahrt gieng glatt, Orient-Express vorzüglich, 
Köln in der Nacht durchfahren - Brüssel, Holland am 
Tag - Ostende menschenleer - Seefahrt glatt und 
schon - fast langweilig - circa zwanzig Wiener an 
Bord, dltto langweilig, sehr schon der erste Eindruck der 
englischen Küste im Nebel - trotzig und ernst - An- 
kunft in Doversehrkleinlich und komisch -Zollrevision 
- sehr UDSTIQQTIETIFTW 
Seite 3: wbei der Verladung platschte ein großer Koffer 
eines Mitreisenden ins Meer und war zwischen Schiff 
und Landungsplatz eingezwickt, ziemlich tief unten zu 
sehen. UnsereAnkunft warderglatten Fahrtwegen eine 
Stunde zu früh, das Schiff von Calais hatte schlechte 
Fahrt und kam ebenso spät. wir hatten bei der kleinen 
Bahn die nach London fährt fast zwei Stunden zu war- 
ten. wir brauchten zur Fahrt Dover London also doppelt 
lange Zeit als vorausberechnet war. London is sehr in- 
teressant besonders das Leben der Stadt selbst - es 
hat den stärksten Eindruck gemacht - die Sammlun- 
gen- 
Seite-t: rweniger oder hatte ich selberzu wenig ,Samm- 
lung' um alles aufzunehmen - odersind die Dinge in ih- 
rer Überltllle in den trotz ihrer Größe zu kleinen Gebäu- 
den schlecht untergebracht - oder hatte ich zu wenig 
Ruhe und Zeit - ich weiß es nicht - kurzum der Ein- 
druck war kein voller. - Anders die Stadt. Das Groß- 
stadtleben betäubend. DerGeruch der Luft ist wol nicht 
gut besonders anfangs. es ist als rauchte ein kohlenge- 
heizterOIen - so ein wenig - aufderStraße, im Hotel, 
überall - nach einiger Zeit gewöhnt man dieses und 
merkt den Geruch nimmer. Schon sind die Wagenfahr- 
ten Omnibus undzweiräderlge Einspänner- einen Ein- 
spänner sah ich -- seine Nummerwar über 18.000. - 
Die Wagen fahren schnell - alles ander erzähle ich dir 
bessermiindlich - eben pocht .Peppo' an die Thür-die 
Wochewarsehr interessanttrotzdemtreue ich mich auf 
die Heimfahrt, auf unseren Frühling - ich hoffe Sams- 
tag daheim zu sein. allerherzlichste Grüße Gustavß 
Nr. 9: 
Fräulein Emilie Flöge 
Mariahilferstraße 1B 
Wien VI. 
Österreich 
Ansichtskarte, Schwarz- 
weißfoto, wA London Double- 
decker Busr, undatiert, 
Poststempel vom 7. 5. 1906, 
1 rote britische 
1-Penny-Marke 
nAbfahrtvon London Dienstag Früh 9 Uhr.Abends Brüs- 
sel. Es geht heimwärts allerbeste Grüße Gustavk 
Nr. 10: 
Fräulein Emilie Flöge Ansichtskarte, Schwarz- 
Mariahilferstraße 1B weißfoto. wOId Hauses, 
Wien VI. Holborn, Londonu, undatiert. 
Österreich Poststempel vorn 8.5.1906, 
1 rote belgische 
toßent-Marke 
nDienstag Mittag auf der Rückfahrt nach Ostende am 
wackeligen Bord sende die allerherzllchsten Grüße Gu- 
stavu 
Nr. 11: 
Fräulein Emilie Flöge Ansichtskarte, Schwarz- 
Mariahllferstraße 1B weißfoto, wBruxelles - 
Wien VI. Grand' Place. Maison des 
Österreich Cdrpdfationscr, 
datiert 9. 5.1906. 
Poststempel vom 9.5.1906. 
1 rote belgische 
10-Cent-Marke 
Rückseite: nMiltWOCh 9.V. 1906. ,Frisch weht der Wind 
der Heimat zu' mußte ich anblicks der europäischen 
Festlandküste denken. Die Rückfahrt war schöner fri- 
scher. Heute abends Abfahrt von Brüssel nach Dres- 
den. Allerherzlichste Grüßeu 
Vorderseite: vBin Donnerstag und eventuell Freitag in 
Dresden Hotel Bellevue Gustavk 
(siehe Abb. Nr. 15) 
Nr. 12.' 
Fräulein Emilie Flöge 
Mariahilferstraße 1B 
Wien VI. 
Österreich 
Ansichtskarte. Schwarz- 
weißfoto. rDresden. Frauen- 
kirchew. datiert 11.5.1906, 
Poststempel vom 1 1 . 5. 1906, 
1 grüne deutsche 
5-Pfennig-Marke 
Rückseite: vGestern einen Tag in Berlin Aufenthalt ge- 
habt Abends Dresden hoffe längstens Samstag Abend 
abfahren zu können Sonntag früh eventuell in Wienu 
Vorderseite: uallerherzlichste Grüße Gustaw 
(siehe Abb. Nr. 16) 
Nr. 13: 
Fräulein Emilie Flöge 
Mariahilferstraße 1B 
Wien VI. 
Österreich 
vlch komme sonntag 7 uhr 35 früh nordwestbahnhof 9 
uhr meidling bitte mutter verstaendigen gruß gustavw 
Telegramm aus Dresden 
datiert 12.5.1906 
n 
Zusammenfassend wäre zu sagen, daß die olt lakoni- 
schen Texte als eine Bestätigung mehrzu Gustav Klimts 
Selbsteinschätzung dem geschriebenen Wort gegen- 
über angeführt werden könnte. sagt er doch von sich 
selbst: wDas gesprochene wie das geschriebene Wort 
ist mir nicht geläufig. schon gar nicht dann, wenn ich 
über mich oder meine Arbeit etwas äußern soll. Schon 
wenn ich einen einfachen Brief schreiben soll, wird mir 
Angstund bangwievordrohenderSeekrankheit.Aufein 
artistisches oder literarisches Selbstporträt von mir 
wird man aus diesem Grund verzichten müssen. Was 
nichtzu bedauern ist.Werübermich-als Künstler, der 
allein beachtenswert ist - etwas wissen will, der soll 
meine Bilder aufmerksam betrachten und daraus zu er- 
kennen suchen, was ich bin und was ich willß Seine 
Schreibscheu nahm olt groteske Formen an, man weiß, 
daß er die Post oft wochenlang ungeöffnet in seinem 
Atelier zu Stapeln anwachsen ließ und sich dann den 
vorwurfsvollen Anblick durch eine plötzliche rPostkre- 
mationk vom Halse schaffte." DieGänsehautdesHisto- 
rikers bei der Vorstellung dieses postalischen Scheiter- 
haufens ist verständlich. wenn man sich vorstellt. daß in 
diesen Poststapeln auch Briefe von Emilie Floge unge- 
öffnet in Asche und Rauch aufgegangen sein mußten. 
Trotzdem ist das Jahr 1906 in Kiimts Biographie histo- 
risch sehr wichtig. vor allem im Sinne einer Einflußnah- 
me auf und durch die angelsächsische Welt. die hier be- 
legte Reise nach London über Brüssel. wohin er wohl in 
Zusammenhang mit dem Stocletfries gereist war. das 
Zusammentreffen mit Mackintosh und die Publikation 
einer österreichischen Sondernummer der angesehe- 
nen englischen Kunstzeitschrift wThe Studio-r, welche 
die angelsächsische Welt zum ersten Mal mit den Na- 
men Josef Hoffmann, Kolo Moser. Michael Powolny und 
Otto Prutscher bekanntmacht. In dieser i-Studior- 
Nummer sind auch zwei Bilder von Klimt abgebildet: 
wDie große Pappeln (Dobai Nr. 135, heute Privatbesitz) 
und das wPorträt von Frau Margaret Stonborough-Witt- 
gensteinu(D0bai Nr. 142, heute München, Neue Pinako- 
thek), beide damals noch im Besitz der Wiener Kunst- 
handlung Miethke. 
Anmerkungen 9. 10 
' Gustav Klimt wWas ich bin und was ich will-(zu einem nicht SXISIISIBH- 
den Selbstporträt) in Otto Breicha. a. a. 0., S. 33. 
I" Emil Plrchan wKiimt Privater in Dtto Ereicha, a. a. 0.. S. 36.
	        

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