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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVIII (1983 / Heft 186 und 187)

 
rlen, wenn es etwa darum geht, dem Jung- und 
isein aus der Retorte als Ideologie zu folgen. 
nahm Frohner früh eine entgegengesetzte Posi- 
n, indem erden Müll aufseineArtzu verherrlichen 
in und der Sterilität des Mannequins später das 
zh aiternder Frauen entgegenstellte. Frohner foto- 
rte - und nun muß gezeigt werden, was er alles 
nmenführte, woraufvor ihm natürlich schon ande- 
igewiesen hatten i Mauerzeichnungen, soge- 
e Sgraffiti, im Maßstab 1:1 und baute sie unverän- 
1 Bildkompositionen ein. Er entdeckte. was sich 
am Durchstoßen und Aufreißen von Matratzen ge- 
in ließ, sah deren Inhalte aufquellen, den Rahmen 
ierre, die Auflösung des Materials als Öffnung in 
che verwendend, die seine Art des Zeichnens, Li- 
aphierens und Radierens entscheidend mitbe- 
ien sollte. 
auch dies trat hinzu: Das neugierige, aufgeregte, 
ailisiene Untersuchen aller Möglichkeiten, wobei 
mgang mit der Radierung und der Lithographie 
irzeit im Keller der Spengergasse 35 in Wien- 
arethen unter tätigem Beistand Christoph Donins 
bt) rückwirkend auch die Machart von Zeichnun- 
nd Bildern beeinflußte. Damals entwickelte Froh- 
n großes Geschick in derfleißigen Erprobung von 
tsch, Ätzvorgängen und anderen technischen 
duren. Als er 1963 sein nMonument für Henry Mil- 
zhuf, ließ er entsprechende, im wWendekreis des 
JOOKSK wie als Parallele zu eigenen Vorgangs- und 
indungsweisen beschriebene Erfahrungen einflie- 
:las Objekt verfolgt mich, das Abgetrennte. losge- 
nichtssagende Dinge. Es konnte ein menschli- 
(orperteil oder eine Treppe vom Kulissenhaus ei- 
arietebühne sein, ein Rauchkamin oder ein Knopf, 
2h im Rinnstein gefunden hatte. Was es auch war, 
ndglichte mir, mich aufzuschließen, mich hinzuge- 
Tieine Unterschrift zu erteilen. Dem mich umge- 
an Leben. den Menschen, aus dem die Welt ich ge- 
, bestand, konnte ich nicht meine Unterschrift er- 
, Es stand so vollkommen außerhalb ihrer Welt, 
in Kannibale außerhalb der Schranken der zivili- 
in Gesellschaft ist. Ich war von einer verschrobe- 
iebe zum Ding an sich erfüllt, nicht aus einer philo- 
sohen Neigung, sondern aus einem leidenschaftli- 
Verlangen heraus, so als ob in dem abgelegten, 
asen Ding,dasjedermannungeachletließnasße- 
iis meiner Wiederbelebung enthalten sem 
Frohnerdie Mittel dazu besessen, wäre erdamals 
nur ans Fotografieren, sondern auch ans Filmen 
198D, wäre es ihm möglich gewesen, spätere iiln- 
tioneniivorwegzunehmen,wäreeralsMultimedia- 
Künstler, ständig experimentierend und erprobend, in 
Hallen eingezogen 4 denn tendenziell forderte, was er 
an Materialien aufgriff, ein Totales. So aber mußte er 
sich damit zufriedengeben, quasi apercuartig in Bilder 
und Objekte einfließen zu lassen, was ihn bewegte, wo- 
von ersich bewegen ließ, und das war viel. Zwischen in- 
formel und Destruktion handelte es sich um eine Art Eh- 
renrettung alles Verworfenen, verdrängten, Verstoße- 
nen, Abgelegten. Was durch Zivilisationsprozesse in 
Randsituafionen abgedrängt wurde, interessierte ihn 
ebenso, wie er verachtete, was an Akademien gelehrt 
(oder nicht geleh rt)wurde, die weiße Leinwand einbezo- 
gen, denn von ihr, so meinte er 1961, lasse man besser 
die Finger, wenn man sie nicht wbeschmutzen und besu- 
delnii konne. Nun unterlag das iiBeschmutzen und Besu- 
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delnrl bei Frohner natürlich keinem Selbstzweck 
schuf sich mit der Zeit vielmehr das Reservoir iür ei 
neuerlichen Absprung und eine Konsolidierung se 
unruhigen Geistes. Was zuvor Tachismus (und Ar 
Rainer als der anders vorgehende Destrukteur), Al 
nismus, Material- und Objektletischismus im Zus 
menhang auch mit dem, was bei den lranzösisc 
wNouveaux Realistesli geschah - was die ganze Pi 
te dessen bewirkte. womitsich Zeitgenossen auf un. 
demischen Pfaden damals bis zu Rauschenberg 
bald auch den Pop-Künstlern beschäftigten, münl 
schließlich im Neofigurativen - ganz im Sinne e 
neuen Entwicklung und sich rechtzeitig auf sie V0lbl 
tend. Es löste sich bei Frohner zunächst nahezu a 
matisch aus dem Gewebe seiner anarchischen Ze 
nungen in Form von Köpfen heraus, amorphen G- 
den, die zur Entscheidung zwangen, aus ihnen et 
Determinierteres entstehen zu lassen. 
Da war es nun Jean Dubuffet und sein iiArt Brut" 
Frohner weiterhallen und seinen Weg legitimiei 
1966 sind noch relativ unsichere. Zeichnung, Ans. 
von Malerei, Materialeinschlüsse und Collageeleml 
aufeinerFläche zusammenschließende, experimei 
Ie Bilder (DDST Mannu, iGroßes Familienbildl) ents 
den, im selben Jahr wurde aber auch wDie Fluchtl 
gonnen, eine großformatige wHornmage a Jean Dl. 
letu, eineArtSchlüsselwerk,das sowohlzurückalse 
nach vorn deutete. Wieder ein Jahr später wurde l 
wand schon gar nicht mehr nbeschmutzt und besud 
sondern regelrecht bemalt, obwohl die Zeichnung, 
graphische Element, nach wie vor dominierten 
auch die Vorliebe für eingebaute Versatzeleme 
fremdartige Strukturen, ein Vermeiden alles Glal 
beibehaltenwurde.ErstnachdenErfolgenvon197i 
nach dem Aufmerksamwerden vorallem von dazu g 
de disponierten Italienern, ersann Frohner eine Me 
de, das Wilde, Ungezügelte seines Herkommens dl 
die der deformierten Figur in einem dialektischen 
genüber eingesetzte linear-konstruktive, perspel 
sche Zeichnung zu egalisieren. 
Von nun an drängte sich in seine Bilder (nicht in s 
Objekte, die nach wie vorzwischen einer Vorliebe Zl 
temistischem und ursprünglicher Freude an Male 
funden oder daraus gezogenen Anregungen eine 1 
derstellung beanspruchen, was zuletzt die in einer' 
ner Galerie gezeigten wMasken. Büsten, Bilder 198i 
1982u bewiesen) ein Zwischenelement, Seine Fra 
darstellungen zeigen Verwüstetes in quasi elega 
Aufbereitung, wodurch ein Bruch entstand, wie er 
auch schon in den wiBindungenu und der Einführung 
fizieller, vielleicht sogar (unbewußt) spekulativer 
mente breit machte.
	        

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