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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVIII (1983 / Heft 186 und 187)

Ernst Steiner 
 
Der 1935 in Winterthur in der Schweiz geborene Maler undGra- 
fiker Ernst Steiner lebt seit seinem zwanzigsten Lebensjahr, al- 
so seit 1955, in Österreich und ist hier ein fester Bestandteil der 
Kunstszene geworden. wie zahlreiche Ausstellungen belegen. 
Er wird meistderWienerSchule des phantastischen Realismus 
zugerechnet. hat in diesem Rahmen und über das Etikett hinaus- 
gehend aber ganz eigene Wege eingeschlagen Daß er kein in 
den heute hektischen und mit viel Publicity arbeitenden Kunst- 
betrieb integrierter Ktinstler ist, liegt nicht nur an seinem Wohn- 
sitz aul dem Lande und am Engagement für seine Familie, es hat 
seinen Ursprung sicher vornehmlich in der Persönlichkeit Ernst 
Steiners, der diesen Formen der Kommunikation mit Skepsis ge- 
genübersteht. Die meditativen Themen und Inhalte seiner Wer- 
ke sind ebenfalls nicht geeignet, plakative, rasch wirkende Ein- 
drucke zu vermitteln. Sie wollen eingehend und aufmerksam, 
nachdenklich und mit der Bereitschaft. sich in sie hineinzuver- 
senken, gesehen werden. 
Ernst Steiner arbeitet hauptsächlich mit grafischen Mitteln in 
kleinen Formaten und hat nun seit einigen Jahren liir seine Ar- 
beiten eine kongeniale Form der Umsetzung ins große, ja gera- 
dezu monumentale Formatgetunden, indem er sich ftirdie Wir- 
kerei, turTapisserien zu interessieren begann. Es ist sicher kein 
Zufall, wenn er dabei eine Vorliebe für subtile und handwerklich 
besonders sorgfaltige Weberei entwickelte und Künstlerinnen 
dalur gewinnen konnte, seine Entwurle in Wandbehange umzu- 
setzen. Hilde Absalon, Marga Persson und zuletzt Verna Kaut- 
man haben nach seinen Entwürten und nach von ihm selbst an- 
gefertigten, schwarzweißen, nur die Formen wiedergebenden 
Kartons gewebt. Es ist Ernst Steinerwichtig, den Künstlerinnen, 
die in diesen Werken mit ihm zusammenarbeiten, zuzuschauen, 
mit ihnen den Arbeitsvorgang durchzugehen, Farben und Mate- 
rial auszusuchen und immerwieder den Fortschritt des Werkes 
zu betrachten So entstehen Wendteppiche, die thematisch, in- 
haltlich und von derArt ihrer Herstellung her eine Einheit bilden 
und die ganz und gar autonom sind. 
Reiz und Wirkung der Tapisserien Ernst Steiners gehen von der 
großen Ruhe und Harmonie der lein abgestutten Farbigkeit und 
der Komposition aus. Die zentrierten und streng symmetri- 
schen Bildfelder enthalten Naturformen und kosmische Gebil- 
de. die zu einer ausdrucksstarken Großform zusammengestellt 
werden. Das textile Material unterstützt durch seine Weichheit 
und Warme und durch die unendlich teine, nur beim Weben 
mögliche Differenzierung der Farbabstulungen die Wirkung des 
Dargestellten 
Ernst Steiner hatte bis heute noch nicht sehr viele Gelegenhei- 
ten.derÖIIentlichkeitseineWandteppichevorzustellen.Aufder 
anderen Seite sind in den zwöll Jahren, seitdem er sich diesem 
Medium zugeweridet hat, auch noch nicht sehr viele Stücke ent- 
standen, nämlich genau zwülf. Das hat vor allem wohl finanzielle 
Grunde, denn das Material ist nicht billig und der Arbeits- und 
Zeitautwand beim Weben recht groß. An die Umsetzung eines 
Entwurfes in einen Teppich kann Steiner immer erst denken, 
wenn sein Auftraggeber bereit ist, die Webarbeit auch zu hono- 
rieren Das erfordert auch von dieser Seite einiges an Vorstel- 
lungs- und Einfühlungsvermögen, und es ist verwunderlich, daß 
es bis ietztlast immer nur Privatsammler waren, die den Mutzu 
so einem Auftrag hatten. Dabei wären Thematik und Inhalt der 
Tapisserien Ernst Steiners geradezu dazu prädestiniert, in öf- 
fentlichen Gebäuden zu hängen, um ihre Betrachterzum Schau- 
en und Nachdenken anzuregen. Angela Volker 
i Meditatlnrtstepplch. 1970-71 
Tapisserie, Weberin Marga Persson 
140 X118 Cm: Privatbesitz Winterthur 
2 rMIcrokosmcs-Macrokosrnos-i, 1971-72 
Tapisseiie, Weberin Marga Persscn 
155 x t55 cm; Privatbesitz Zurich 
3 Hans Steiner, Obere Mühle ll'l Arnclzl 
Nieaerosierreich 
4 Atelier Steiner 
s lLübyllnth zwischen Licht und 
Finslernisu, 1975 
Tapisserie, Weberin Marga Fersson 
175 x iw cm, Privaibesitz 
6 wHimmIische Stadt-i. 1978 
Tapissene, weoeriri Marga Persson 
M0 x 125 cm, Pnvaibesitz Winterthur 
7 Karton zu dertapisserie 
iiiiirrrmiiscires JEHJSBIEUM, ieso 
iss x iss cm, Privatbesitz 
e irLebenszeichenir, ieei 
Tapissene, Weberin Verna Kautman 
185 X145 cm, Besitz des Künstlers
	        

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