MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVIII (1983 / Heft 190 und 191)

t und Gustav Klimi: 
ie Flöge, Zwickelbild. 
(enfresko, Burgtheaier 
i, 188671888. Gustav 
r nahm die jugendliche 
ie zum Modell eines 
rohen Wiener Mäd- 
IS. das in der Menge 
i und dem Auftritt des 
swurs1 au! der offenen 
marktsbühne zusiehi. 
iserem Zusammen, 
3 isl die Tatsache 
iÜQ. daß er sie in der 
rohen Wiener fin-der 
ie-Mode der Makartzeit 
teilt: im gebiümten 
imit der großen Taft- 
che am Ausschnitt. 
usinderNußwaldgasseganzimJugendstileinge- 
t hatte, ich glaube auch, daß es von Hoffmann ge- 
vorden war. Darin war noch eine Frau Pollack in 
ersnerstraße, die Damen Gomperz, mehr aber 
ch mich nicht mehr erinnern. 
FlögefuhrjedesJahrzweimal zum Einkauf nach 
und verkehrte dort in den bekannten Modehäu- 
iie Worth für Mäntel und Kostüme, Violet für Klei- 
miefgeschnittene Kleider, dann Coco Chanel. die 
s gerade anfing und Schiaparelli, Das waren die 
er, die damals besonders schöne Mode machten. 
bezogen wir auch aus Paris, es wurde wenig in 
'eich gekauft. Die Stoffe wurden von der Firma 
a, Rodler und Bianchini gekauft, auch Gürtel und 
e kamen aus Paris, teilweise wurden sie hier 
emacht von der Firma Vogue in der Tuchlauben. 
ilze bezogen wirausWien, Lieferantwardie Firma 
tann auf der Mariahilfer Straße, diese Firma aber 
rrt nicht mehr. 
iochte ich ein Bild meiner sehr verehrten Chefin 
ien, Emilie Flöge. die ich in meiner iugendlichen 
sterung angebetet habe wie eine Königin. Denn 
rwirklich königlich. Nichtnurvon derStatunsone 
uchvom Profil her,daswunderbarwar,einezarte 
ein kleines Munderl,wunderschöneblaueAugen. 
i sie kennenlernte, hatte sie schon ganz weiße 
. Sie hat auch immer ihre Kleidung abgestimmt, 
gsehrgerne Faltenröcke(Abb. 13)_lange.lumper, 
die Hüften reichend, und als einziges Schmuck- 
eine lange Kette und eine schöne emailgetriebe- 
ener-Werkstätten-Arbeit als Anhänger. Beson- 
aszlnierte mich an ihr ihre Betriebsamkeit, der 
riitdemsieinder Früh alseinedererstenihreAn- 
wgen zum Zuschneiden gab, und dann arbeitete 
e eine Künstlerin. wie eine Bildhauerin auf der 
dem Zuschnitt hat sie die Kleider auf der Puppe 
zkt. die Puppe war immer auf die Kundin abge- 
t, es wurden eigene Musterleibe gemacht, die 
ruf die Figur der Kundin ausgestopft wurden, so- 
e wirklich eine wahrheitsgetreue Nachbildung 
irpers der Kundin hatte. So wurde das Kleid abge- 
, und es machte ihr sichtlich Spaß, wenn das 
modelliert auf der Puppe war. Dann wurde das 
12 Porträt Ella Gallia von Otto Friedrich, geb. 1862 in Gyor 
(Flaab), gest. 1937 in Wien, ca, l9t O (Privatbesitz England). 
Otto Friedrich war eines der Gründungsmitglieder der Wie- 
nerSezession und istautdem Bild von Hudoll Bacher irFranz 
Joseph besichtigt die Sezessionssausstellung 15. 4. 189m, 
Wien. Historisches Museum, zu sehen. Otto Friedrich hat 
den Sprung vom Zeitstil zum revolutionären sezessionisti- 
schert Stil im Sinne Klimts nicht geschafft. sein Porträt der 
Ella Gallia ist also ganz im semimodernen Stil der zweiten 
GarniturderSezessionisten steckengeblieben undzeigt da- 
her besonders deutlich im Gegensatz zum Portratfoto mit 
dem revolutionären Kleiderstil aus dem Salon der Schwe- 
stern Flöge wie scrilelfend die Übergänge zwischen gerade 
angedeuteter. aber noch eher lauer Moderne und echter 
Avantgarde im BewußtseindesfortschriltlichenWienerBur- 
gertums gewesen ist. 
13 Emilie Flöge am Attersee, 18. 8. 1935 (Privatbesitz) 
 
abgenommen, abgezeichnet, übertragen und z 
mengeheftet. 
Ich hab sie immerzu aus den Augenwinkeln betr 
und habmirdaverschiedenes abgespicktwasdr 
meine spätere Schneidertätigkeit sehrwichtig w 
hatte auch die große Auszeichnung, ich weiß ni 
die Sympathie nicht auch auf ihrerSeitewar, in ih 
heiligstes, in das Klimtzimmer, des öfteren mitg 
men zu werden, und da durfte ich abstauben. Or 
machen usw. Sie hat währenddessen den Kasten 
net, hat die schönen seidenen Gewänder, die cl 
schen oderiapanischen Gewänder, gelüftet, ausg 
telt, ich durfte dann die Zeichenmappen abstaut 
den Laden waren nämlich Handzeichnungen vr 
stav Klimt. die sie sehr mit Achtsamkeit dann i 
dort hineingegeben hat, damit ja nichts passier 
hat sie mich einmal gefragt: nJa. interessieren S 
für Kunstfhi Da hab ich gesagt: "Ja, ich gehe sel- 
ins Museum, ins Kunsthistorische Museum sehrr 
dannauchindieGaleriedes19.Jahrhunderts.(rAl 
dermodernen Kunst von Gustav Klimtwar ich eigr 
noch nicht konfrontiert. Und so mußte ich mich e 
dem Stil anfreunden, mit dem dekorativen Juge 
aber ich rnuß schon sagen, daß mich seine Bilde 
schon sehrfasziniert haben. Erstenseinmal habe 
kunsthistorischen Museum anhand der Skizze 
Zwickelbilder, die meine Chefin noch als Skizze i 
bekannten Klimtzimmer gehabt hat, hab ich sofo 
der meine Chefinnen erkannt, wie sie in den Zwic 
dern dargestellt sind. 
Es war besonders Emilie Flöge, die den Modesz 
Schuß hielt. Nur ihrer Initiative ist es zu verdanke 
die Firma zu so einer Hochblüte gekommen is 
Schwester, Helene Klimt, hatja leidereinsehrtra 
Eheleben gehabt,siewarjanur2Jahreverheirati 
aus dieser Ehe entstammte Frau Helene Donni 
war die Empfangsdame, sie empfing die Kunden, 
sie in der Auswahl und hat sich nicht so intensiv 
giert wie Emilie Flöge, Aber sie hat auch dazu bei 
gen. sieging in Gesellschaften. sie ging zu ihren E 
nachmittagen und da kam sie oft rnit sehr guten 
gungen, die dann wieder im Modesalon verwerte 
den. Das war ihr Beitrag zu dem Image dieser F 
Frau Donner war mit den Bestellungen beschäfti
	        

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