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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 196 und 197)

. der Eliminierung naturalistischer Details. datiert 
. letzte Werk Rossos aus dem Jahr 1906. zweiund- 
inzigJahre vorseinem Tode. Erst kürzlich. vorallem 
er FrankturterAusstellung.wurdedasauch nochbis 
iezwanzigerJahrefortgefuhrtezeichnerischeWerk 
umentiert. welches nicht mehr als hundert Zeich- 
igen umfaßt. Zum anderen stand Rosso im Schatten 
tins, den er selbst in der Konzeption seines irBalzacii 
ieregthatteundin seinerantiakademischen und vor 
im antiklassischen Attitüde gegen den Zeitgeist der 
schenkriegszeitwelcher sich stärker an den klassi- 
ien Idealen orientierte. Am Beginn der Moderne in 
ien stehend. von den Futuristen entdeckt und 
ichätzt. betritt er die Geschichte des französischen 
iressionismus durch eine Seitentüre. beeinflußt 
tin. dessen auch quantitativ gewaltige Produktion, 
1h in den jeweiligen Dimensionen monumentalere 
ilptur. die Sicht auf das kleine intime und lyrische 
rk Rossos. diese Übersetzung Eduard Vuillards ins 
iidimensionale. verstellt 
8 gibt Guilleaume Apollinaire sein Urteil über den 
stiker ab und nennt ihn vor Bourdelle und Maillol. 
ir auch seinen eigenen Generationskollegen. den 
)isten Archipenko. Duchamp-Villon. Lipchitz. Lau- 
s. Picasso. Brancusi und Modigliani. den großten 
enden Bildhauer seiner Zeit. Die Lebensumstande 
rKünstlerstragendie klassischen Züge eines Avant- 
dekünstlers des 19. Jahrhunderts. Aus der Akade- 
l geworfen (im Thieme-Becker als Autodidakt 
Lennzeichnet). arbeitete er unter schwierigsten Ver- 
tnissen in Paris. bis er in Etha Fies. seiner Forderin. 
e unermüdliche Propagandistin seines Ruhms und 
rts undinseinem Sohn FrancescoeineStützeseines 
zrs findet; Francesco. der den lebensfrernden Vater 
inziell unterstützt. durch Schenkungen das Werk in 
ienische Museen einbringt und in Barzio in einer aul- 
assenen Kirche in der Nähe des Sommersitzes im 
sassina ein kleines Rosso-Museum einrichtet. 
dardo Rossowurde in Turin als Sohn eines Stations- 
slehers geboren, inskribierte an der Akademie von 
in nach einem auch durch den Zwang zu Ordnung 
t Disziplin unerfreulichen und durch Auflehnung 
zennzeichneten Militärdienst und verließ die Akade- 
isehr baldwieder. da ihn die an der klassischen Tra- 
on sich schulende Ausbildung abstieß. Wichtiger 
rdefürihndieinTurin praktizierte MalereiderirScapi- 
ituraii. einer Bewegung, die sich im Zeichen der Ein- 
tder Künste gebildet hatte. iiln den bildenden Kün- 
n waren es die Maler Tranquillo Cremona (1837 bis 
'8) und Daniele Ranzoni (1843-1894). welche im 
terstreit mit derAkademie und ihren Richtlinien eine 
dernisierung der Darstellung mittels der Vibration 
: Lichts. des bewegten Farbaultrags und der llüssi- 
 
' Gavroche (Schelm). Bronze. Privatbesitz (Österreich). vor 
1883 Ein Beispiel tur das fruhe. naturalistisch noch stark in 
der Skulptur des sparen 19. Jahrhunderts stehende Fruh- 
werk Flossos 
1 Bambino rnalato (Krankes Kind). um 1889. Wachs, 30x 
18 x 17 cm Kusnacht. Galerie Bischofberger. Das Obiekt 
wurde von Flosso anlaßlich einer Wiener Ausstellung des 
Künstlers an den Philosophen Ludwig Wittgenstein verkauft 
2 Skizze zu iilmpression domnibusi, 1883-84 Mit hand- 
schriltlicher Bezeichnung Ftossos 
3 "IIUPIGSSIOH de Boulevard. Paris la (IUIN. zeitgenossiscrie 
Aufnahme des im Ersten Weltkrieg zerstörten Werkes 
lehem. Sammlung Noblet) 
4 Medardo Rosso in seinem Studio in Paris. o J. 
Anmerkungen f -3 
' Barr-Scoiari. Margaret Medardo Fiosso. Trio Museum Of Modern All. 
New York 
1 Vergleiche Luciuiro Caramei. Medardo Rdsso, in Katalog der Ausstel- 
lung Medardo Flosse Frankfurter Kunstverein 1984 
1 Vgl Abbildungen bei Barr-Scolari s o. 
gen Modellierung anstrebten in der Absich 
Gemälde eine innige Kohärenz zwischen Figur uni 
tergrund. in der Skulptur zwischen innerem und 
rern Raum zu erzielenxi Ftosso überträgt diese Vc 
lungen. er hatte während seiner Militärzeit noch gi 
und einige wenige Bilder sind bekannt, in die Sku 
Seine frühen Skulpturen, noch stark dem geniet- 
Thema verpflichtet und nicht ohne Sentimentalität 
zwar noch nicht aus einem Blickpunkt heraus gest 
also verzichten noch nicht auf die Vollptastik. ze 
Jedoch vom Versuch. Formen aus einem schnelle 
druck herauszu gestalten, tragen bereitsden Chai 
des iiBozettiii-haften und Unlertigen. der auch dies 
ren Werke auszeichnet. Rosso ist der erste in 
durch die Tradition der Antike und der Renaiss 
belasteten Italien. derdie Verbindung zur Traditio 
kündigt. undweißsichmiiden Fuluristen.die in ihn 
Vorläulerfigur sehen (sein erster Monograph ist 
auch der Futurist Solticüeiner Meinung. daß dieS 
tur die Umgebung des Objekts. Licht. Farbe mit 
einbinden müsse. Er stellt die Behauptung auf iir 
sei materiell im Raums und erhebt die Forderung 
die Skulptur nicht wie in der Tradition von allen E 
aus gesehen werden sollte. sondern lediglich von 
ganz bestimmten Sichtseite aus. Der Weg von de 
hen. noch genrehaften Skulpturen bis zu den radil 
die abstrakte Verdichtung eines Brancusi vorwe- 
menden späten Köpfen zeigtden weiten Bogen. de 
ses Werk durchschreitet1884 erfolgt der erste B: 
in Paris. die Bekanntschaft mit Fiodin. die erster 
stellungen. in denen sein Werk neben den Arbeite 
Toulouse-Lautrec und dem von ihm sehr geschä 
Eugene Carriere gezeigt wird. 1885 kehrt er nact 
land zurück und heiratet Giuditta Pozzi. die ihm ir 
ben Jahr ein Kindgebärt. 1886 werden Arbeiten vc 
im Salon des lndependents und auf der Venezianis 
Biennale gezeigt. das South Kensington Museun 
spätere Victoria 8 Albert Museum. kauft Werke. 
kehrt Ftosso seiner Familie den Rücken in der Holt 
in Paris allein seinen Weg machen zu können un 
erhofften Ruhm nach ltalien zurückzubringen. Äu 
Anlal} der Rückkehr nach Paris ist die Beteiligung: 
Weltausstellung. auf der er sechs Werke zeig 
Jahre 1889 und 1895 werden zu den fruchtbarste 
nes Lebens. Die Bekanntschaft mit dem Sammler 
Flouart otlnet ihm den Zugang zu zahlreichen P. 
Kunstfreurtdert Über Vorschlag von Degas. di 
Ausspruch. Rossos Werk sei Malerei. überliefe 
realisierte Rosso das Porträt des Sammlers sov 
später das Porträt der Sammlerin Noblet schuf ur 
dem iiEcce Puerii das Porträt Alfred Monds. In d 
Jahren entstehen seine Frauen- und Kinderdarst 
gen. lachende Frauen. die in der Schwebe zwis 

	        

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