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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 196 und 197)

3 SalzburgehemaligerFischmarkibrunnen,FigurdesWilden 
Marines, um 1620 
4 Marmorrellefauf derWestseite des Klausentors in Salzburg 
mit Stadtwappen und Wildrnannern (1612) 
5 Salzburg, Residenz, Brunnenbecken mit Steinbocken vom 
Herkulesbrunneri, zwischen 1612 und 1619 
6 Detail des Felsenberges im Salzburger Residenzbrunnen 
Anmerkungen lB - 2B (Anm 29 A 34 s S 20! 
" l_a Motte Fouque weist in den Ellnnßrungen aut soind gr-rridn lur saiz 
ourg bedeutsarneQuelle selbst hin ldazu allgemein der Aiirkel wndineii 
in kindlers Liieraiur rexikonMunchen l9l4 Bd a2 S 971i ll E. St 
das HLIDEY de nyrnpnis, sylphis. pygrnaeis et salarnandris er de caeieris 
sprritibus-r des Paracelsus. des naturgrublerischen Mannes einer Zelt. 
die lnSallburgsgeblrglger Flußlandschali noch ein neidn von rilaiingdi 
slern erkennen konnte Zur allgemeinen gelSllgtrn siriiaiiaii urn 
l524l25 WQllgangStelnllZ Salzburg zur Zeildd. Paiaci . 
celsus Werk und Wirkung. l-s r Kurt Goldarnrner ziini so 18b , hrsg v 
Sepp Dornandl, Wien l975 Beispiele lUl Naiuige-isrergiaiioen iri Salz 
burg Franz Valentln Zlllner, Die Untcrsberg Sagen, in MGSLK. Jg 
l850l6l La Motte Fouque. vorphlsctren Ahnimgeli und pylhago- 
relscnen Traurnen zugeneigiii, wie er selbst schieiol, träumte sich mit 
Undinen zu einer naturmystlschen Paracelsus-Zeit zuruck Deren vita- 
ler siriri allerdings hing nlCht deni Schauerschönerl. ins Phariiasiege- 
lilde Entschwuhdenen nach. sondern wollte die unmittelbaren, 
ursprungllChen Natureleniente in der schoplirng Gottes ergrilridcn 
Zum Nachwirken der Elernentargeistervorstollurig in der Rdriiaiiiik 
Kurt Goldamrrier, Paracelsus in der deutschen Romantik, Wicn lElRG 
Doch zeigt SlCh gerade in dieser rdrnantlstrien wiihivriiwaridrseiiiiii, 
wie sehr die Wirksamkeit sagenhall-poolischcr Metaphern des Natur- 
dämonischen rn der BllQQOYlSClICH Signatur von Kuricilschoplungen zu 
völlig polaren wWlrkllchkellenlr luhren kann, in denen die gewandelte 
Weltsicnt sich anschaulich ausdruckt SCnOn die harsche Gegenubcr- 
stellurig, mit der Paracelsusirn iPrologusi sein ILlberÜE nyrriphisii ein 
leitet. wurde den Fiornantikern in iniern riaurn vom Mittelalter zu ernsr 
thematischen verscnwisrerung Paracelsus wili die Betrachtung des 
Naturwesenlllchen von iidei Welt und Art" scheiden i-suligei lSl es die 
Nymphen Zu beschreiben, als die Ürdcn Zu beschreiben seliger ist es. 
den Ursprung der Friesen zu beschreiben denn div Hotluchl i- Ganz 
eXplllll Will Paracelsus nicht iieollch von llObllEnUn Dingen schreiben. 
sondern von den wuberrialurllchen" Erscheinungen iii der Schcplung. 
die des Wohlredens I'lICl'll bedurlen (Theuphiaslus Paracelsus Werke. 
rirsg.v WIll-ErlCll Feuckert Bd 3. Basel-Stuttgart 1961i, S 464 ll 
i! Heule steht der rwiide-Mann-Brunncn- vor dcrn Furiwangiei Park 
gegenubei dem Festspielhaus, wohin er 1937 iransleireil wurde Vor- 
rierrseil ißr2isianderin der l-ldlsialigasseridcniianeioeider ehemali- 
gen Sonirnerreilscnule lvgi OKT Bd i3. Stadtplan von Hellwei l9l3 
undS 225l , Hans Tietzeßalzburger BrunnerLWien l9t4 S 51 Bav- 
lziara Kuischera, Alte und neue Brunnen in Salzburg Salzburg V38!) 
S ZZSB-WIeAnm l -S r55l uridS l57l Seinenursprungiichen 
Platz am Fischmarkt in der Nahe der Salzacn bezeugt die Siadlansichi 
Philipp Harplts von 1643 (abgebildet bel Fuhirriariri - WIE Anm a i 
Tf, idraisiruriesie Ansicht des BrtIrlnCnS ÜIC oaiieiung der Figur lSl urn 
162D anlusetlerl 
2D von einem entsprechend i-wildrnannrschdnr Charakter lSl beispiels- 
weise die stimmungsvolle Ansicht des Fiederik vari Valckenborch. der 
vom Inneren Stein aus 1595 die Flußianoscriart Salzburgs wie ern wald- 
verwobenes Naturstuck schildert (Fuhrmarin - wie Anm B - S 295, 
Abo iol Deren iinomaniilnr zeichnet die geheimnisvollen Kratte einer 
Landschaft ohne senrirnenlalitai nach - wiidleule genoren dem 
EerelCh des fruchtbaren Vegetationszaubers an wie uorigensder Flsch 
auch Eine Therrlenausbrellung speziell zu den schwor laßbaren, Vlülz 
deullgen Aspekten dieser peisoriilizisiren Naturmachte am Randbe- 
reich der Menscherrwelt bietet der Katalog eirierAussieiiiirig irri Metro- 
Dolitan Museum New York 1980l8l hThe Wild Man, Medrßval Myth and 
Symbolismii, bearbeitet von Timoihy Husoand und Gloria Gilrviore- 
Hause 
2' Die Umgebung des Brunnens um l7Q2 schildert Lorenz Hubner. 
Beschreibung der hochturstlich I erzbischdiiichen Hauot ; und Resi- 
derizstadt Salzburg, Salzburg W92, Bd l, S l39 l 
11 Vgl die wissenschalisgeschicnriich unubertroflenen Ausluhrurigen 
von Ernst Kris, Der Stil iirusiloueir. in JD d Kunsthlstor Sammlungen 
inWlen, N F, l. l926, vor allem S l997 205 
7' Zum Klausentorvgl OKT Ed l3. S 239, Hubnerlwie Anrrl 21], S 13! 
l , bei Fuiirrnann (wie Anm s) vor aliern rl 3 rnil Ansicht von lSEiS, aui 
der bereits die SXlreVVlE Slllllelurlg des isos abgebrannten Vßrgartgßr 
baues zwischen Weiter Flußbiegung und Felsriegel als strateglsch 
genutzte Enge rur den Siadizugang deutlich wird Die siadlabgewandle 
Westseite leigt am T01 die massive oidhurig tlülllger Arcnirekiiir- 
stärke gequaderie loskanische Halosaulen unter ausladenden Gesim- 
sen mitlriglyphenkorisolen oie lnseririii widniei das rdi der SlChErnell 
(securitatii. Die lugenorige reiche Fielleltalel zeigt unter dem Wappen 
des Erzmschois das der Stadt 
14 UmsomehrdartmaridieserCharakferistlkvnrderengen Torklausetbei 
derdamalsperrrranenthedrohlichen allgemeinen Reicnsiageigewaiiig 
sein. die zwischen Feiswanden und salzachliuien die sladr sichern 
sollte unerdies war elne Sicherung des Gemeinwesens nicht aui den 
energischen Zugrilt bei Feindesschlangen beschränkt. lur Sallburg 
genoile die Wassern-Schlangen daszersioreiisch eindringende Hoch- 
wasser. zu den vornehniiichen Ndlen zum Schlangensyrnbol vgl Guy 
deTervzrent.AtlrlhutselSyrnboles iJansrAii Prorane Geht 1958. i-Sei 
pentinHarrs Egli. Das SCTIIBHQGHSYMDOLFICIDUIQI a l982 Vgl auch 
die emblematisch ambivalenten sinhdeurungen DE! Henkel-Schone. 
Emblernaia. Stuttgart l967 
15 Johann Bernhard Flsttler von Erlach. Entwurf! km8! Historischen 
ArchllectuLWien 172i. 2 BucrLTl 1A Vgl dazu EUChUiE oben zitierte 
damit uoereinsiirnniende Meinung Naurnanns noch Ende 09518 Jahr- 
hunderts lWlE Arirn 14) Das Steinerne Theater, zwischen 1613 und 
16t9ausgeDaut, isl talsachlicn iedodh ein aller Steinbruch Aiois Kies- 
linger, Die nutzbaren Gesteine SElZburgS. Salzburg-Stuttgart W64. 
S, ii4i 
1' Zlt nach Text Stelnhausers iri OKT Bd l l. S 175 Näheres zur Buhne 
des Felsenlneaters vgl Artul Kutscher Vom Salzburger Barocklheaier 
zu den Salzburger Festspielen. Dusseldort 1939. S 34 - 37 Kutscher 
betOntaucn den Reiz desGegensatzes. die rikorrtrollierbare Theaterma- 
schinerieiidei riunbeherrschleh, wildgewachserien Natur entgegenw- 
stelleni. 
1' Vgl Ludwig Welli, Grat Kasparvori Hohenerris, lrinsbruck l 963, S l27. 
mit Schilderung des Festverlaufes S l76- lBO Zu den Saizourger 
Festlichkeiten speziell Wollgang StClrlllI, Ehrenßlürlßlt, Foslgertlste 
undTriOnll, in' Barockrri Salzburg, FSl Hans Sedlrriayr. Salzburg 19H 
Zu den stilbilderrden Florenliner Festaurzugen A M Nagler, Theatre 
Festivals ot rne Medici New l-laven London 1964 
1' Bei denselben Feidrlienkeiieii wurde auch aiir einem Wagen ein Modell 
der HellbrurtrlerÄrrlagegelelgl,WUlllllel drldErHlrl die rsoliiniiirdhi. die 
Tugendder Errislgkeit, als eine der oegruiideiiiiiieii lieiiuiuiiiis Der soni- 
iizieri wurde Vgl so lwie Aiirn r). s 12? 
 
terstand der Sonne paradox zusammeritreten. ' Von 
ähnlich elegant formulierterWidersprüchlichkeitzeugt 
es, wenn die den Brunnen flankierenden Marmor-Stein- 
böcke, in ihrer Erdnatur Felsentiere schlechthin. unter 
dem Wasserspiegel zu fischleibigen Meeresbocken 
irverschwirnmenii, Umgekehrt aber durchwächst das 
Horn der Bockmaske den Marmorrarid des Brunnen- 
beckens, so daß wortwörtlich der iiStein-Bockli vorge- 
stelltwird. ein Zwitterwesen. wodie Kunst mit der Natur 
ScherztrelbuAbb 5). Unterdem scharfen Wasserstrahl 
ausden Tiermäulerh quellen iiförmlichlr der glatte Brun- 
nenmarmor und die Steinvase darunter hochgespannt 
auf. Dadurch tritt ein besonderes Kalkül oaradoxer Ele- 
rrientarwirkung hervor. wie im Kontrast dazu die ange- 
strengte Schlagbewegung des Herakles vor dem amor- 
phen Tullgestein der Grottenwand uhgelost "Slelrlerrilt 
verharrt, während das vor Wasser pralle Marmor- 
becken voller angespannt-vitaler Qualität istf 
Nicht wenig von diesen Eigenheiten ist vier Dezerinieri 
später am Residenzbruhnen weitergeführt worden und 
dort in eine großartlge Synthese eingegangen. S0 steht 
dleserlrel räumliche Brunnen auch in dieser Hinsicht in 
6 
 
konsequenter Achse mit dem verschatteten G 
grund des Herkulesbrunnerls im Residenzhorii 
großen romrschen Brunnen dieser Zeit soll de 
denzbrunnen elne öffentliche Zierde sein, die 
schof Guidobald Graf Thun zwischen 1656 uni 
errichten ließ. Guidobald, ein hochambitionier 
rockfürst, war gleichermaßen Liebhaber von Bi 
wie des Ruhmes. Daher Wlll der Brunnen als v 
abundanterAusdruckfürstlichgesteigerteriimui 
trau verstanden sein", zumal Guidobald nicht r 
iiornamentum urbisrr im Auge hatte, sondern al 
Komrrioditai der Wasserversorgung. Er beabsir 
nach Plänen des HollandersAndre Vanderwaltzl 
surrg des Brunnens und der Bürger die besond- 
nen Quellen des irFürstehbrunnerisrr am Untersl 
erschließen." Das ist gerade bei dieser Br 
Schöpfung entscheidend, weil dadurch das Thei 
Kunst und Natur dem Inhalt und der Forrri nach 
programmatisch vorgetragen werden sollte, d: 
aus die elementar korizeritrierteste Form der sal 
schenWeltlandschafterwuchs DielnschrifLdie 
bald an der Untersberger Quellableitung in li. 

	        

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