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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 196 und 197)

tha Vennersten-Reinhardt 
r Spätnazarener 
mz Anton Stecher - 
Tiroler Künstlerschicksal 
Die dankenswerte Ausstellung des Tiroler Landesmu- 
seums Ferdinandeum iiKlassizisten - Nazarener. 
Kunst im Oberland 1800 -1850ir des Sommers 1982 
zeigte erstmalig eine Überschau der Kunst dieses 
Gebietes in jener Zeitspanne. Sie trug damit in vorbild- 
licher Weise dazu bei, das auf internationaler Ebene 
erwachende Interesse an der stillen. dem Ideal- 
Schönen zugewandten Kunstauffassung der Nazare- 
nerauchirn heimatlichenBereichzuwecken undzuverr 
tiefen. 
Eine der interessantesten Künstlerpersönlichkeiien, 
die vorgestellt wurden, ist zweifellos Franz Anton Ster 
cher. von dem ein aquarelliertes Selbstbildnis, ein in Öl 
gemaltes Porträt seines früh erblindeten Onkels, des 
Bildschnitzers Joseph Barthlmä Kleinhans. die großen 
herrlichen Bilder der Seitenaltäre der Plarrkirche von 
Nauders und sechs Zeichnungen zu sehen waren. In 
Stechers Kunst fließt der nazarenischen Kunstaullas- 
sung einegemüthalte Ausdruc kstiele zu, deren N 
und zuweilen ekstatische Innerlichkeit seine Bilc 
dem Abgleiten in diezuweilen etwas blutleere Frö 
keit der Kunst gleichgesinnter Zeitgenossen be 
In seinen Arbeiten verbindet sich die hochgest 
Sicht nazarenischen Kunststrebens mit den V 
unmittelbaren Ergriffenseins und Ergreilenwoller 
sie die alpenlandische Bildtradition seit ihrer 
Blüte im späten Mittelalter und besonders auch 
Epoche des Barock auszeichnet. Stechers hor 
sibles Naturell. dessen Empfindsamkeit sich zu 
zu krankhaften Störungen steigerte, war von Ha 
geeignet, die höfische Kühle und poetische Wel 
die viele Werke besonders der späten Nazareni 
weisen. durch ein Moment radikalen Ergrittensei 
realistischer Unmittelbarkeit aufzubrechen. Das 
gen der Nazarenerwar, nicht nur durch eine NeL 
nung auf die Reinheit von Linie und Farbe einen 
nzAntonStecher. wDiesiebenTodsünden-r, um 1852. Blei- 
t. 33.5 x 49 cm, Innsbruck. Tiroler Landesmuseum Ferdi- 
ideum 
em llachbogigen, dunklen Hollenraum ist im Flammen. 
höllischen Feuers ein Zittemlalt (Zeit) angeordnet, das 
TotenkopfumschließtunddessenäußerenRandeinesich 
iSctiwanzende beißende Schlange (Ewigkeit) bildet. Mit 
(oplnachurilen(Umkehrungdergölllichen Ordnung)liegt 
sterhalte Mensch über dem Totenschädel ausgespannt. 
e Kieteröllnet, um ihn zu verschlingen Rechts unten sitzt 
nem Hocker aus Stielelbeinen mit hohen Absätzen und 
annung mit Plauenaugenmuster (Eitelkeit), um den Hals 
andern Spiegel, kostbarem Stollstück und Emblem mit 
Ptauenaugen das plauenköplige Laster der Hollart, auch 
Sunde der Augenlust genannt, und pickt nach dem Auge des 
Verdammten. Aul ihmundauteinemSchildmitKriegssymbolen 
stehenddas LasterdesZcrnesmildergerlernden Schlangedes 
Hasses. deren Schwanzende die Hände des Delinquenten hin- 
lerdessen Rücken lesselt. Uber ihm ziehtdas schweinekopfige 
LasterderVöllereimiteinerdreizinkigenGabeldem Sunderdas 
Gedärm aus dem Leib. Als Gegenstück sitzt links im Vorder- 
grund aui einem Geldsack (Aulschritt 50000) der Geiz und 
schüttet mit der Linken aus einer Schaufel Geldstücke in einen 
mit den Zeichen der Veränderlichkeit und Vergänglichkeit 
(Krücken. Wanderstab und Schwert) geschmückten Kessel, 
unter dem Feuer brennt. Mit der Rechten gießt er das llussige 
Gold dem Verdammten in den Mund. Als Gegenstück ZL 
hockt aul dem Rücken des Geizes das eselsköplige La: 
Trägheit, das mit einer Kette ebentalls die Hände des Ge 
ten aul dessen Rucken lesselt. Mit dem rechten hochg 
nen Beinauldern Hals derTrägheit und mildem linken au 
querovalen Schild steht die Ohrenbläserei und bläst in ei 
um das sich der Gewissenswurm (Reue) windet, der d: 
der am Herzen nagt. lm Oueroval ist der Kopl einer hä 
alten Frau (Geschwätzigkelt) sichtbar. die in ein Ohr spri 
mit den Fingern eine verspottende Geste (Schaden 
macht. Zwischen den Beinen des Verdammten liegt bau 
das bocksküplige Laster der Wollust mit Brustbild einer r 
Frau (Schamlosigkeit) und Skorpion (Unlruchtbarkeit).
	        

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