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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 196 und 197)

er Respekt. Anerkennung und echte Freundschaft 
tehen konnten und Bernard Leach ebenso wie sein 
nischer Assistent Hamada bei Lucie Rie ein- und 
gehen wurde. 
ersten Anfange sahen anders aus Zu Beginn ihrer 
loner Zeit ging Lucie Rie zu hBlmlDiit. um dort für 
Lampe. der ebenso wie sie emigriert war. in der 
Werkstatt mitzuarbeiten Als die Biminl-Gläser 
iso wie ihre Wiener Keramiken keinen Absatz fana 
kam Lampe aufdie Idee. Schmuck und Knopfe aus 
izu erzeugen und riet LucieFlie.esmitkeramischen 
aten zu versuchen. Nach ein oder zwei Jahren 
alten sie als Auslander keine Arbeitserlaubnis 
r. und die Werkstatt mußte geschlossen werden. 
eRietandArbeitin einerFabrikfürtechnische Meße 
te Als sie nach Kriegsende wieder selbständig 
iten durfte. begann sie wieder mit Keramikknopfen 
hatte einige Jahre lang eine großere Werkstatt mit 
er 6 Mitarbeitern. Auf diese Weise kam auch der 
sche Emigrant und Ingenieur Hans Coper zu ihr. 
es zufallige Zusammentreffen wurde fur beide zur 
cksalhaften Begegnung. LucieRieermutigteCoper 
fopferei. und seine geniale Begabung und starke 
onlichkeit überzeugten und bestarkten sie. gegen 
irsprungliche Ablehnung des Publikums ihre eigee 
Vorstellungen durchzusetzen. 
rend sie gemeinsam Gebrauchsgeschirr erzeug- 
Tee- und Katteeservices, Schüsseln und Kasseroe 
entwickelte ieder separat seine individuelle kun- 
ische Keramik Ein erster bedeutenderer Auftrag 
.ucie Ries Tee- und Kafteegeschirr kam von der 
a Bendicks. einem dergrößten Kaffee-undSchoko- 
nerzeuger. Ihre meist dunkelbraunen oderschwar- 
mit hellen Sgraflitolinien dekorierten Kannen und 
.en fanden langsam Kauter Aber der tägliche 
pf war hart. 1949veranstalteten die rrBerkeley Gal- 
sri zum ersten Mal eine kleine Verkaufsausstellung. 
aintachen Formen von Lucie Ries Gefaßen zeugten 
der intuitiven Sicherhert. mit der sie stets das har- 
ische Gleichgewicht der Proportionen fand. Ihre 
zhaltigung mit Architektur. ihre Vorliebe fur die 
tge. konstruktivistische Formensprache Josef 
manns hattensieschonin ihrerWienerZeitgelehrt. 
Form aus dem Verstandnis des Notwendigen und 
ierfekten BeherrschungderentsprechendenTech- 
u entwicklen. Schon sehr truh hatte sie begonnen, 
wer eigenwilligen Methode mit der Oberflächenbee 
llung zu experimentieren die porose. aulgeraunte 
he wirkt oft wie eine Orangenschale Fur Lucie Rie 
e Oberflache ein einheitlicherTeil des Ganzen. der 
'orm wesentlich erganzt 
iorthodoxer Weise glasiert sie vor dem Brennen. 
mit dem Pinsel oft mehrere Schichten auf. was 
ruhige Hand und große Geschicklichkeit erfordert. 
' ihre eigentumliche Farbgebung befragt. meint sie 
elnddaß ihrGeheimnisdarin liege. daß die Farben 
 
 
6 Vase. 1 982. Steingut - hohe bauchige Kragenvase mit rosa. 
grun und grauen Spiralen. Hohe 31.5 cm 
7 Schale. 1984. Steingut e turkisblau mit Brorizebandrand. 
Dm 20.3 cm. Hohe 10.8 cm 
8 Schale. 1984 Porzellan 7 agyptisches Blau mit braunem 
Rand. Dm 20.3 cm. Hohe 10.8 cm 
9 Schale. 1984 Porzellan 7 außen weiß. innen braun. durch 
gehend schralliert. Dm 23.5 cm. Hohe 9 cm 
nicht aufgetragen werden, sie sind im Ton. entstehen 
durch die Oxyde in der Masse. dann kommt eine weiße 
Glasur darüber Das erste und einzige Brennen IFIIS- 
griert die verschiedenen Schichten Dieses hohe tech- 
nische Kennen verbunden mit ihrer nie ermudeten Lust 
zu experimentieren brachte ihr. wenn anfangs auch 
langsam. die heute unbestrittene Anerkennung als ein- 
zigartige Virtuosin der Oberflache und Farbe. 
Ein kurzer Uberblick über die wichtigsten Etappen ihrer 
Laufbahn soll zeigen. wie sie zu ihrem internationalen 
Ruhm gelangte. 
1953 nahm sieerstmalsan einerAusstellungenglischer 
Keramik im Stedeliik Museum inAmsterdam teil. imdare 
aulfolgenden Jahr an der Triennale in Mailand. Es folge 
ten eine Verkaufsausstellung in New York. Museums 
ausstellungen in Goteborg und Minneapolis und 1964 
in Tokyo. 1967 zeigte das Boymans van Beuningen 
Museum in Rotterdam rrLucie Rie 7 Hans Coperrr und 
im selben Jahr organisierte das Arts Council in London 
die Ausstellung IJLUCIG Rie retrospective exhibition 
1926e1967ri. Kurz danach erhielt sie die Auszeich- 
nung des OBE (Order ot the British Empire) und das 
Ehrendoktoratdes LondonerFtoyalCollegeofArt. lnden 
70er Jahren stellte sie in Hamburg aus im Museum fur 
Kunst und Gewerbe. in Monchengaldbach und in Dus- 
seldorf. 1981 wurde sie mit dem CBE ausgezeichnet 
(Commander ot the British Empire). und 1982 wurdigte 
sie das Victoria and Albert Museum in London mit der 
bisher umfangreichsten Retrospektive mit über 230 
Objekten aus der Zeit von 1926 bis 1982 
Nach den Jahren der braunen. schwarzen und weißen 
Oberflächen einfacherZylinder und Schalen. Libereine 
Phase kykladischer Formensprache angeregt durch 
Frühgriechisches, die sie gemeinsam mit Coper erar- 
beitete. kam sie dann zu spiralenförmig ansteigender 
Zweitonigkeitwiez. Bgrau-rosain schmalen Flaschen- 
vasen mitlangendünnen Hälsen undbreiten Öffnungen 
und wandte sich in den letzten Jahren Kelchschüssein 
in hellen zarten Farbenzuizitronengelb. ägyptischblau. 
smaragdgrün mit bronzeschimmernden verlließenden 
Rändern. 
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Studio-Keramik 
in bisherniedagewesener lntensitätzur Hochblüte ent- 
wickelt. und die meisten Keramiker versuchen heute. 
sich zu Bildhauern emporzustilisieren. Dabei verlassen 
sie die solide Basis klassischer Töpferei Lucie Rie hin- 
gegen bleibt unbeirrbar bei ihrer Ansicht. daß jedes 
Obiekt aus einer funktionellen Grundform entstehen 
rriuß. In ihrerbescheideneri und praktischen Art spricht 
sie immer nur von irTbpfenri. Das Urteil über Perfektion 
und künstlerischen Wert überläßt sie den anderen. in 
deren Bewertung sieaberbereitsWeltruhmerlangthat. 
Es w'are zu hoffen. daß auch ihre Geburtsstadt Wien 
durcheineAussteiIungGelegenheitbekäme. andiesem 
Ruhm teilzuhaben. 
 

	        

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