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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 196 und 197)

}{ Für den Kunstsammler 
Johannes Wieninger 
Zinn nach Silberart 
Der Eintluß der Gold- und Silberschmiedekunst aut die 
Gestaltung von Zinngetäßen, der vor allem im deutsch- 
sprachigen Raum während des 18. Jahrhunderts zu 
beobachten ist, hat eine Tradition, die bis in die Zeit der 
Renaissance zurückreicht. 
Zunächst muß aul sehr ähnliche Umstände in der Her- 
stellung von Objekten aus Edelmetall oder Zinn hin- 
gewiesen werden. Goldschmied und Zinngießer waren 
in städtischen Zünften und lnnungen organisiert; sie 
unterlagensehrstrengen KontrollenöllentlicherBehör- 
den, welche Reinheit und Zusammensetzung der ver- 
wendeten Metalle durch eingeschlagene Marken 
(Stadtzeichen) bestätigten. 
Edelmetalle wie auch Zinn wurden von Großhändlern 
bezogen und in Meisterbetrieben in einander ähnlichen 
Techniken verarbeitet. DerGußwardiegeläutigsteHer- 
stellungstorm, Überarbeitungen und Verzierungen 
durch Treiben, Schleifen, Ziselieren und Gravieren 
üblich. 
Darüber hinaus muß bedacht werden. daß so Gold- und 
Zinngetäße nicht nur Gebrauchsobjekte sondern auch 
Wertanlagen waren; Altgold und -silber konnten ebenso 
wie Altzinn eingeschmolzen und neu verarbeitet wer- 
den. 
Edelzinn aus dem 16. und 17. Jahrhundert, welches ita- 
lienische Gbldschmiedearbeiten nachzuahmen ver- 
sucht, stammt vor allem aus Lyon und Nürnberg, beide 
sehr wichtige Handelsstädte und Kunstzentren. 
Daß ein und dieselbe Formensprache in edlem und 
unedlem Metall Anwendung land, liegt nicht nur im ähn- 
lichen Produktionsvorgang. Die Käuterschicht von 
Edelzinn und Goldarbeiten stammte durchwegs aus 
1 Deckelterrine. Schlaggenwald, um 1760, unbekannter Mei- 
ster GAS Ovale, gedrungene Geläßlorm, Deckel mit Durch- 
bruchsarbeit und Rocaillenornamenten (Hintze Bd. 4. 
Nr. 1448). L: 35.5 crn, B: 21 cm, H: 29,5 cm. lnv. Nr. Zi 626 
2 DasOberederKuplertafelstelltvierProbierarbeitervonwel- 
chemitderProbierungdesjenigenneuenZirinsdasins Reich 
kommt, beschäftigt sind. . Der Erste macht die Probe aul 
dem Steine Unten aul der Kuptertalel kommen die Formen 
und Gestalten von den verschiedenen Zinnstangen vor. die 
man im Handel gewühnlich antrittl MM sind Zinrie aus 
Malaga, N ist zinn ll'l halben runden Stücken in Fässern, so 
wie es aus den Verzinnungs-Manulakturen kommt; 0 ist Zinn 
aus Indien; Pgroße und dicke Zinnstücke aus England; Omitt- 
lere: R kleine (Zinnstücke aus England), S Zinn aus Siam. .. 
Aus dem Werk von Salmon, L'Art du Potier d'Etain, Parts. 
1788 Tab. l, wDie Zinngießerkunstix. 
58 
 
Je ßeeyw M, 
_ . __. 
 

	        

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