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Full text: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 196 und 197)

 
Diese: Beitrag erscheint anlaßlrclr erneräonderausstellung des 
Osterrerchrschen Museums lur angewandte Kunst m serner 
Außenstelle "Schloßmuseum RIEQGISDUIQ" l Waldvierlel. Unter 
dem Thema "Zrnn des Barock" werden hrslvrrsche Zmnobjekte 
des 17. und 18 Jahrhunderts aus der Sammlung des Museums 
prasentrerl. Ern Katalog halt dre ausgeslelllen Objekte vollsten- 
drg fest 1985 wrrduZinn nach Silberarlw 1m Stammhaus am Stu- 
benrrng 5 zu sehen sem. 
Adel und prunksüchtigem Großbürgertum, Die Produk- 
tion von wZinn nach Silberartu während des 18. Jahrhun- 
derts hatte jedoch auch noch andere Gründe. 
Die von Herrscherhölen geförderten Fayence- und Por- 
zellanmanufakturen stellten eine überstarke Konkur- 
renz tür die noch in mittelalterlichen Zünlten gebunde- 
nen Zinngießerdar. Noch dazu überwanden die großen 
Manufakturen sehr bald den ostasiatischen Einfluß und 
bedienten sich sowohl in Gestaltwie Dekorder Formen- 
sprache europäischer Goldschmiedekunst. 
Zinn nach Silberart wurde vor allem in deutschsprachi- 
gen Ländern hergestellt. Von Augsburg ausgehend 
glaubten immer mehr Zinngießer in der Nachahmung 
von Goldarbeit ihrem Handwerk neuen Aufschwung 
geben zu können. Nicht nur Teller und Platten mit reich 
geschwungenem und profiliertem Rand wurden mit 
barocken Motiven reich verziert, sondern auch Deckel- 
terrinen mit Rocaillemotiven. Es entstanden zinnerne 
Tafelaulsätze und Obstkörbe im Stil des Rokoko. wie sie 
nicht jedermann aul seinem Tisch stehen hatte. ' 
Birnentörmige Tee- und Katteekannen - in ihnen 
mischt sich ostasiatisches und europäisches Formen- 
gut - tanden vor allem während der zweiten Jahrhun- 
derthältte weite Verbreitung. 
vZinn nach Silberartit wurde noch bis zur Mitte des 
19. Jahrhunderts erzeugt; große Zinnhersteller, vor 
allem in Deutschland und England, bedienten sich der 
neobarocken Sprache des Historismus. 
Die Tradition des Zinngießerhandwerks land jedoch im 
19.JahrhundertihrEnde. Diefabriksmäßige Produktion 
stellte eine noch stärkere Konkurrenz dar als die Kera- 
mikmanutakturen des 18. Jahrhunderts. 
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