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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVIII (1983 / Heft 189)

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6 r-Eigentlicher Abriß der Schlacht bey Belgrad.1r Aus riDes 
grossen Feld-Herrns Eugenii . . . Helden-Thatenir. 
7 iiAccurater Plan von Belgrad samt der Gegend des Kaysrl. 
und Türkischen Lagers . . . Anno 1 717.1 Man beachte die kar- 
tcgraphischenZeichen.diederGlasschneiderz. T. übernom- 
men hat. 
Anmerkungen 4 - 7 
' D25 großen Feldherrns Eugenli . ,. Helderi-Thaten, 5 Teile, Nürnberg. 
Christoph Riegel, Ohne Jahr (Teil V. 17:16,1 VI. 1739). 
l Katalog Pririz-Eugen-Ausstellung 1963. Kai. Nr. 162. Bericntdes Prinzen 
Eugen an Kaiser Karl Vl. . .. 
' S. die Pläne-Eigentlicher rissvonderSchlacritbey Belgrad undAccu- 
rater Plan von Belgrad... Anno 1717. Des grossen Feldherrns Euge- 
nii . . . Helden-Thaten, 5. Teil, 1104. 
' B. Klesse. Sammlung Krug 1. Kai Nr. 22Qzeigteinerr Fußbecher mitdem 
Fielterblldnis König Friedrichs des Großen, gerahmt vori Warrsntropha- 
Bn und aurder Rückseite rrilt einem Prospekt der Eatallle von Striegau 
am 4. Juni 1145. K. darlertdleseArbeit mit IMIKS des 1a Jahrhuridertsir. 
wozu sie wohl der Schlachtentermln hauptsächlich verarilabt hat Auch 
die Kai, Nr. 230 zeigt ein anniiories Heilarbildnis. 
 
Flusses, den er mit seinen Namen vSaua : Save ver- 
sieht. Um diese Stadt ordnet er den doppelten Belage- 
rungsring. die vContravallations- und Circumvallations- 
linienir an und darunter am unteren Ende des Bildfeldes 
wieder eine türkische Zeltstadt. Weitere kleinformatige 
türkische Reitergruppen werden bis unter die Pferdehu- 
fe des großen türkischen Reiters verteilt. 
Ausden Berichten wissen wir.daß derkaiserlichen Artil- 
lerie (106 Geschütze) bei dieser Schlacht und Belage- 
rung eine entscheidende Bedeutung zukam. Auch dies 
beachtet der Glaskünstler; aus den zahlreichen, im Be- 
lagerungsring angeordneten Kanonen läßt er Stadt und 
Festung beschießen. indem er die Bombenbahnen und 
Explosionen mit graphischen Mitteln von Linien und 
strahlenden Sternchen wiedergibt. 
Weitere Gruppierungen von kaiserlichen und osmani- 
schen Kriegerndie alle aufkleine, vereinfachte Figuren 
reduziert sind. füllen den noch freien Platz aus. Solche 
graphische Darstellungen hat das 18. Jahrhundert nur 
auf Schlachtenplänen angewandt. Wir müssen daher 
annehmen, daß der Glaskünstler solche kartographi- 
schen Darstellungen gekannt hat. um sie in seiner Kom- 
position zu verwenden. Diese vereinigtsomitzahlreiche 
graphische Elemente mit solchen von malerisch-drei- 
dimensionaler Art wie sie den beiden Reiterdarstellun- 
gen eigentümlich sind. Hier hat er mit Hilfe eines unge- 
mein sensiblen Mattschnittes eine körperlich-drei- 
dimensionale lllusion erreicht, die auf einen großen 
Könner hinweist, der alle Feinheiten seiner Profession 
beherrschte. Dieses Miteinander von linear-graphi- 
schen und malerisch-plastischen Elementen gibt dem 
Pokal seine einmalige Originalität. 
Man ist versucht. diesem Pokal eine besondere Bedeu- 
tung zu geben. Ohne Zweifel ist er seinerzeit über Aut- 
trag von einem nicht unbekannten Glassohneider in ei- 
ner nicht unbekannten Glashütte Böhmens oder Schle- 
siens gemacht worden. Da solche Arbeiten kaum alltäg- 
lich waren, sondern auch sehr oft als Geschenk an Per- 
sönlichkeltendienten. d. h. in unserem Fallewohl an den 
Prinzen Eugenius selbst. so ergeben sich weitere, das 
Schicksal dieses Kunstwerkes betreffende Fragen. 
Wann und auch wo ist es geschaffen worden, und in 
wessen Besitz hat es die Zeit bis zur Gegenwart über- 
dauert und vor allem. wer war der Künstler der dieses 
Werk geschaffen hat? 
Auf Grund einiger Kriterien wagen wir daher eine Zu- 
schreibung auszusprechen. Viele Eigentümlichkeiten 
dieses Pokales, sowohl in der Form als im Dekor, wei- 
sen auf die Werkstatte des besten schlesischen Glas- 
schneiders Christian Gottfried Schneider(1 710 - 1773) 
in Warmbrunn hin. Im Katalog der Sammlung Krug sind 
mehrere Arbeiten aus dieser Werkstätte behandelt und 
abgebildetÜ Die großligurige Darstellung auf unserem 
Pokal spricht eherfürein früheArbeit. Allein schon vom 
Thema her ist sie doch nurvor 1 740. dem Beginn des er- 
sten Schlesischen Krieges zwischen den Habsburgern 
und den Preußen. möglich. DerPokalwäredemnach um 
1735140 anzusetzen, was bedeuten würde. daß rund 
20 Jahre nach Eugens Sieg von Belgrad dieses Thema 
noch Aktualität besaß. Kommt vielleicht für den Pokal 
ein anderer Künstler in Frage? Wie dem auch sei, was 
bleibt und nicht zu bezweifeln ist: bei diesem Glaspokal 
handelt es sich nicht nur um eine technisch perfekte, 
sondern auch künstlerisch hochwertige Meisterlei- 
stungeines Künstlers ausderersten Halftedes 18.Jahr- 
hunderts. 
Literatur: 
Schlosser, l., Das alle Glas, Klinkhardt und Blermann, Braunschweig. 
l956 
Klesse B Glassammlung Hellried Krug, Teil l. 1965. Teil 2. 1973 
Kresse. .Axai von saiderri. 500 Jahre Glaskunst. ZÜrlCh. 1978 
Heeresgeschicritllches Museum. Prinz Eugerr von Savoysn rasa - 1736. 
Ausstellung zum aoo Geburtstag, Wien. 196a 
Slradal. o . Der andere Prlrll Eugen. Vom Flüchtling zum Munimiiiiorittr. 
osrerreicniscrier Buridesverlag, Wien, 1982 
29
	        

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