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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVIII (1983 / Heft 189)

K hstlerprofile 
 
Ofl GUQQ Komm, so komm. 
Zeit, in der ich brenne , .. 
ÜSt Len nirnoaua, Une saison eri enler 
tler seines Schlages fordern zu widersprüchlicher Reak- 
ieraus Bewunderung und Reserve stehen einem maßlo- 
Ausdruckswillen gegenüber, der rationale Barrieren bei 
Jrid anderen rücksichtslos überrennt. der die Belastungs- 
keit von nichts und niemandem verschmäht. um daraus 
rial für eine entfesselte, ekstatische Kunstsprache zu bre- 
. Die Person des Künstlers und das lebende Fleisch seiner 
enossen, die Kunst der Gegenwart und die vergangener 
sind die Energiequellen lur das private Kraftwerk, dessen 
nstoße doch nur wiederum dazu dienen, das Allgemeine 
igroßen Kontinuums zwischen den Zeiten den Bewohnern 
hren Künsten zu stiften 
iLen,der l 946 geborene Maler, istein fanatischerArbeiter 
enste der Erzeugung ienes energetischen Kurzschlusses, 
l der heißflüssrgen Verschmelzung von Vergangenheit und 
inwart das tiAbsolute Gefühl-r freisetzt. Unentwegt erfindet 
instellationen. die Hochspannung zwischen Gewesenem 
äegenwärtigem aufbauen Daher ist ihm alles wichtig und 
tbehrlich, was gealtert ist und als Potential von erduldetem 
zksai ausgeschlachtet werden kann.waswarm istvon Leid 
Zeichen. Für Len ist die ihm wertvoll scheinende Welt ein 
rge aus sedimentiertern Gefühl, tabu und als solches ge- 
slos undstumm. Es ist Lens Mission als Künstler, das unbe- 
t Gewordene. sprachlos Verharrende wieder zu erwei- 
. seine Züge wieder kenntlich zu machen Len ist der Er- 
zerdes Schreis der Geschichte, der Masseur ihrer gelähm- 
idern und Nervenstrange. Er betreibt es mit unerhortem 
idruck, unsere emotionale Indifferenz, den engen Ge- 
skreis unseres Herzens mit einem Schock derwahren. um- 
inden, sich substantialisierenden Empfindung zu fulien. 
st das Programm Ernst Lens. seine Vision von einer heilsa- 
versöhnenden Kunst 
iohe sittliche Instanz, die Len den verkannten, asketisch 
den Moralisten der äußeren sinnlichen Ausschweifung zu- 
llt, hat ihre üppige. verschwenderisch ausgestattete 
useite. Sie poetisiert Abscheuliches, Entsetzliches, ist oft 
s Makabre, Morbide verliebt Verstärkend auf den lustvoll- 
ierzvoll praktizierten Exhibitionismus wirkt sich die Belan- 
eit Lens aus in zeremonieile Entfaltung, in alles, was Spiri- 
zs sinrilichwahrriehrribar macht. Mehrere Facetten in Lens 
ität funkeln hier auf. feiern diesen Aspekt der Katholizitat 
llem malerisch verfügbaren Prunk. Der umfangreiche Zy- 
hervorgegangen aus einer paroxystischen Konfrontation 
N. Gnt weidet alle bildlichen Verknüpfungen zwischen phy- 
tem Martyrium, Reliquienkult und derqualvollen Reinigung 
befleckten Seele im Purgatorium aus. Die Bildorganisa- 
irientiert sich haufig an formalen Anklängen an Monstrari- 
Dstensorien, Schautafeln und Schausärgen für Heilige auf 
ch geschrnuckten Altaren. Ein weiterer ausuternder Zy- 
iimmt direkten Bezug aufdie sakrale Sphäre. Deraus alten 
nten real entnommene Text bleibt imaginar und doch un- 
lbar gegenwärtig als Fond von gestisch-leidenschaftlich 
amrnenden Propheterikopten. 
-utsam für dieAsthetlk Lens ist das Kultische und in Fortset- 
uavon das Theatralische Durch alle schichten des Schaf- 
geht das Verhaftetsein in derbarocken Dialektik von höch- 
Realität, deren Repräsentation und Schauspiel. von bluti- 
Ernst und effektvoll drapiertern Kostüm. Die Verkleidung, 
'andiose Pose ist vielleicht ein Moment, das Kleinglaubige. 
ger Hochgespannte Len vorwerfen konnten Aber für den 
r. der gleichzeitig lebt und inszeniert, besteht kein Zweifel 
an derAllianz zwischen der Bühne, ihren Kulissen und dem.was 
sich darin abspielt. 
Die ldentitat de Gefühls ist für Len Rechtfertigung jeder ent- 
larvbaren Polari Eine frühe Erfahrung mag für ihn die "Edu- 
cation sentimentale-t. die Erziehung des Herzens. geleistet ha- 
ben lnderrömischenCinecitta alsgekreuzigterStatistdazuste- 
hen, das mag das Pathos der Verschwisterung von Spiel und 
Wirklichkeit auf dem wirklichen Boden des Spiels eingebrannt 
haben als Überschrift seines zukünftigen Programms. Die fie- 
bernde, knisternde Spannung diesesfundamentalen Einsehens 
in die ldentitat allen Geschehens bricht an derselben Thematik 
noch einmal auflndemZyklusuberGrabmonumentederViaAp- 
pia. Die verfallenen Mauernglühen in einem Feuerwerk der Lei- 
densmystik auf. speien ihr gespeichertes, flüssig gewordenes 
Schicksal als rote Garben aus, hocken erregt in der schwärzli- 
chen Brunst der Nacht, Auf einem besonders eindrucksvollen 
Blatt ragteinbrennendes. irgendwie behangenes Kreuzeinsam 
am Straßenrand. 
Len läßt die stumm schreienden Relikte der Menschen- und Na- 
turgeschichte unerträglich dicht an sich heran, er entzündet 
sich gleichsam an ihnen Ober eine Nacht lang heimlich im Ver- 
brennungsofen eines Konzentrationslagers liegt DdeLWlEChfl- 
stus in der Wüste, vierzig Tage lang in der Bergeinsamkett fa- 
stet, ob er dem fremden Grusel venezianischer Karnevaismas- 
ken auf der Spur ist oder einem älplerischen Naturereignis, es 
sindalierriprovokantenAnscheinnach keinekokettenAktionenr 
keine anzüglichen Begegnungen mit dem Entsetzen. dem Er- 
schauerri. 
Es sind hungrige Griffe aus dem Käfig der Gleichgültigkeit. der 
Historisierung kühler Objektivität, der Erstarrung. Len drängt 
sich immerschonungsloser an die Hitze des Seins, er bezweckt 
nichts Geringeres als die Autlosung der zeitlichen Kategorien 
von Vergangenheit und Gegenwart. Abgestorbensein und Le- 
bendigkeit mögen in einem Punkt, in einem sledend heißen Au- 
genblick des allseitig anteilnehmenden Bewußtseins zusam- 
menfließen, Die romantische Allverbundenheit reicht allem Wi- 
dersohein entgegen bis in unsere Tage. 
Die Methoden hiezu sind von einem bemerkenswert genauen 
Zuschnitt. Sie sind skrupellos und von unterschwelliger Pra '- 
sion. IhrMaterialstammtausallen möglichen SchichtenderGe- 
staltung. die Kunst bis in die unmittelbare Gegenwart herauf 
ausgebildet hat.Sieorganisierenunterdem Primat dersublekti- 
ven Überwaltigung die Spolien aus Stilen und Tendenzen zu vor- 
bildlosen eigenbrötlerischen Technologien. 
Da ist das alte. von Len zu voliiger malerischer Freiheit ent- 
wickelte Verfahren der Monotypie Vielleicht hat der Künslter 
gerade in diesem merkwurdig lluktuierenden. ungreifbaren Me- 
dium flüssig-tester Gestaltung sein Erstaunlichstes geleistet. 
Len hat die nicht genau bestimmbare Ästhetik der Monotypie 
aus flachem Druck und modellierter Plastizitat zum irritierend 
vielgestaltigen Erlebnis gesteigert, zu einem dramatischen 
Hell-Dunkel von Raum und Farbe. Die ästhetische Dramaturgie 
dieser Technik ist von Len auf eine irisierende Mitielebene von 
Zufall und Absicht gestellt worden Improvisation und Kalkül 
paktieren miteinander, vollziehen bis tief in die technische Ver- 
fahrensweise die inhaltliche Dialektik nach. nach der es eine 
magmaartige. vulkanisch eruotive Zentralstelle des Offenen 
gibt, genau dort, wo sich geschichtliche Fakten (überlieferte 
Technik) und individueller Ausdruckswille (expressive Hand- 
schritt) treffen, um sich gegenseitig zum großen Staunen der 
einzigen Weltseele aufzuheben 
Natürlich ist Len intelligentgenugdiesen Punkt selbst nichtdar- 
stellen zu wollen. Diese Vermessenheit wäre das Ende der 
Kunst und der Beginn von Religion. Was dieses ttEsrt ist, das be- 
antwortet Len konzeptuell-diskret, nicht konkret Der existen- 
tialistische Schrei der Expressionisten wird bei ihm nur approxi- 
mativ umkreist, zyklisch umringt. in Prozessen langsam um- 
 

	        

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