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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVIII (1983 / Heft 189)

Notizen 
 
Amsterdam 7 Galerie Frans Leidelmeijer 
riArt Nouveau en Art Deco in Nederlandii, von Meulen- 
hotllLandshotl, eine hier aufgelegte Publikation, wird von einer 
Ausstellung begleitet, die die neue Richtung der holländischen 
dekorativen Kunst von 1890 bis 1 940 aulzeigt. DerGlaskünstler 
A. D. Copier übernahm Präsentation und Eröffnung. 
Baden-Baden 7 Staatliche Kunsthalle 
Alexej Jawlensky starb Anfang des Zweiten Weltkrieges 1941. 
Er zahlt mit seinem Werk zu jenen Künstlern, die von erfrischen- 
der Aktualität sind. Der gebürtige Flüsse kam über Moskau, wo 
er ll'l Jugendjahren von den Meisterwerken der Malerei in der 
Tretjakow-Galerie am meisten beeindruckt war, nach Lenin- 
grad.1889 schrieb er sich dort in dieAkademie ein. Seine auttäl- 
lige Begabung laßt ihn bei lll'ja Fiepin Schüler werden. Er uber- 
siedelte in der Folge nach München und lernt 1897 Wassily Kan- 
dinsky kennen In Frankreich begegnet er Matisse, Cezanne. 
Van Gogh, Toulouse-Lautrec 1909 entfacht er einen wahren 
Proteststurm, ja Skandal, als er mit Kandinsky seine Werks aus- 
stellt. Zu revolutionar für das Püblikuml Später, 1933, muB er 
Deutschland verlassen und geht in die Schweiz. Aus den politi- 
schen Unruhen heraus blüht sein Werk in charakteristischer 
Farbigkeit aul. Aus persönlichen Porträts werden immer mehr 
mystischere. werden Engels- und Heilandsgestalten. 1918 
stehterin derAbstraktion. Erbegegnet Klee, Feininger und wie- 
der Kandinsky, setn Pinsel wird skeptischer, rauher und stärker. 
In seiner letzten Lebensphase, wieder aus Deutschland vertrie- 
ben, steht sein Werk unter religiösen Grundaspekten. Abstrak- 
tion ünd Geometrisches verbinden sich in vielen kleinen Forma- 
ten. Er personitiziert sich darin in seinem Emigrantentüm. das 
von innen heraus wirkt. Hier schließt sich ein Kreis zu den alten 
Zeugnissen religiöser Malweise Bußlands 
Basel 7 Art 14 '83 
Unter nahezu 300 Ausstellern 22 Galerien aus Österreich. Die 
Galerie Gabriel stellt neue Plastiken von Marianne Maderna vor. 
Werke mitTiteln wie llMDSkaUKl, tlFamllle", ilDarstelleri, die the- 
matisch eine neue Richtung aufzeigen und eine deutliche Stral- 
tung in formaler Hinsicht erkennen lassen. Objektformen aul 
dünnen Stelen Archaische Wesenhaltlgkeit verstärkt sich zu 
dinghatter Abstraktlon. Die Galerie Zentrum zeigt den Salzbur- 
ger Gottfried Hollwarth mit seinen Art-Projekten. Dieser, seit 
1978 Universitatslektor für Projektrealisierüng im urbanen 
Raum an der Hochschule für Gestaltung in Linz, kommt mit sei- 
nen Kunstaußerungen an Ohristosohe Philosophien heran. Sein 
Projekt vclty" rnit austahrbarer Skulptur eroftnet neue Gestal- 
tüngsdimensionen. 
Die Galerie Ferdinand Maler, Kitzbühel, zeigt neben gut bekann- 
ten 3 junge osterreichische Künstler: Florian lnfeld, Norbert 
Pümpel und Franz Vana. E. K. Nicolaus iiZahlenbilderii passen 
ins Computerzeitalter. 
Belgrad 7 Art Pavillon C.Z. 
Eliza C. Wong, Creative Photographer, Wien. setzt im weiten 
FeldhistorischerundexperirnentellerTendenzen derPhotogra- 
phie autonome Zyklen Ihre Aufenthalte in Griechenland mit Le- 
os Thalageos haben sie in einem symbiosen Langzeitverhaltnis 
zum Element dem Meer gleichfalls schöpferische Wurzeln 
schlagen lassen. In einer ubersensiblen Doppelkreativitat. ma- 
gisch beteuert von der Urkraft des Elements, zieht E.O Wong 
rnit ihren Fotoschüplungen kraftvoll nach Sie setzt in einer Art 
Prozeßkunst in Phasen durch Aktion und Gestik wie Mimikry des 
Darstellers, Leos T., Historisches und Literarisches um ihre 
klare Artikulierung bildrierischer Absichten endet am Hohe- 
pünktmitdem Auslösen der Kamera Wichtigste unter ihren Fu- 
lowerken, die im Louvre, Paris, sowie im Centre G. Pompidou 
ebenso wie in den Stadten Europasund nichtzuletztim Museum 
des 20. Jahrhunderts Aufnahme gelunden haben, sind Arbeiten 
über Francis Bacon (105 Piecenl, "Hommage a Picasso und de 
CtlltiCOM. iiKoptreliquiareii, die tMartyrerr 
Lausanne 7 Müsee des arts de la Ville 
llLe Papier - un noüveau langage artistiqueirigrande salle) und 
iiRecherches autoürdü paplerdetibres vegetalesirlpetile salle) 
eine interessante Doppelausstellung. Quintessenz: die Mog- 
lichkeit. der besonderen Substanz Papier äußerst kreative 
Aspekte abzulocken. irFlecherchenu. die zutage brachten, daß 
über die sinngemaße praktische Verwendung des Papiers als 
Emballage eine Vielzahl von Künstlern wie spielerisch damit zu 
künstlerischem Ausdruck fand. Unter deutschen, amerikani- 
schen und tranzdsischen Künstlern das österreichische Paar 
Josef und Miroslawa Symon. Sie präsentierten ihr gemeinsa- 
mes Objekt wllalbkreiselii aus handgeschöpttern Papier mit 
Bronze Damit eröffnen sie eine neue Variante ihrer künstleri- 
schen Entwicklung. 
München 7 Galerie Seitert 
Linde Waber stellt sich otten der Landschaltsbedrohüng entge- 
gen. Sietieihra Ausstellung r-Bestandsautnanme GUHGUDIUHUM. 
Sie schreibt Tagebuch, übt dokumenterlsch unter dem Aspekt 
xHistorisches, natürliches, bedrohtes Orts- und Landschafts- 
bildti sinnvolle Kritik am Fehlverhalten einer gleichgültig abge- 
sturnptten Gesellschalt in Sachen Landschaftsschutz. Dyna- 
mischwischt sieaüsdem Dunkel den Kern einerAnsiedlung, um 
die sich der Fraß des Zerlalls und Verbaus entwickelt. (K) ein 
 
schöner Platz, wiesieanderswo im Tagebuch positlvvermerkt, 
Kürzlich stellte Otto Breicha, der neue Leiter des Salzbürger 
Ftupertinums, den Münchnern Linde Wabers neueste Zeich- 
nungenserie vor. hMGlh Garten-i, Zeichnungen (Sommer und 
Herbst). 1982. Plötzlich entdeckt die Künstlerin in der zeitweili- 
genStilledie Nähe,dasAltvertraute KunstlerischesAtemholen 
nach großen Themen? Sie setzt sich in die Idylle der Kindheit, 
zeichnet aus Angst vor Veränderungen, vor dem endgültigen 
Verlust iiihresii. eigentlich aber Mutters Garten. Will lesthalten, 
wassiemitdleserlruhenZeitverbindet.ZeichnungeninPastell, 
Kohle. Bleistift, alles ist weicher, schummriger, atmosphäri- 
scher, weiles von innen kommt. StegStraucher, dergroße, die 
Komposition bestimmende Baum, Blumen. Ein Sessel steht in 
einem Winkel ihres Gartens, liebenswertes, übriggebliebenes 
Flelikt Erinnerung an verspielte Kindertage. nun retlekilert am 
eigenen Kind, schließt sie hier künstlerisch einen ersten Kreis 
in der Mitte ihres Lebens. Übrigens, der Sessel ist wie ein Sym- 
bolderRuhe, die sie kaum hat, autdem sie nichtsitzen kann und 
nicht sitzen will. 
Auch aul diese Weise schenkt uns Linde Waber, sonst dyna- 
misch.aufmerksamundvollengagiert,nunverinnerlicht immer 
wieder Blätter, die so und so wertvoll sind. 
Osnabrück 7 Külturgeschichtliches Museum 
iiResonanzenii zeigt Lore l-teuermann in ihrer Heimat Nichts 
scheint ihrem Wesen entgegengesetzter als der Titel Synony- 
ma tür Anklang, Verständnis. Eher schon daraus das Mittonen. 
Mitschwingen. Lore l-teuermann kamptt weiter ihren stillen 
Kampl gegen die phantasielose, egoistische Frustriertheit ge- 
wisser kunstnaherSociety-Kreise Ihre menschllchen Alphabe- 
tetransponierenunssogutwiebedeutungsloseAblauleund Be- 
gebnisse unseres Daseins aul eine höhere. sinngebende Ebe- 
ne. Zeichen in fließender Bewegung. Figurationen, dicht und 
spannungsreich ilFtesonanzenrr 7 Überschau eines viel- 
schichtigen Werkes, das Lore l-teuermanns Verhältnis zu ihrer 
Umwelt deutlich macht. Das die gegen Überkomrnenes, ungut 
Traditionelles autbegehrende Künstlerin sehr verinnerlicht ist. 
geben ihre Niederschreibungen preis Sie registriert Ll a Pha- 
seneines Sonnenaul-oder-ünterganges,dasentsetzlicheinsa- 
meSterbeneinesvom NestgelallenenVogeljüngen in einerPra- 
lerau. hierin ottenbart sich lür sie summarisch die schmerzhal- 
te Tragodie der Natur dieser Welt So leidet sie mit allem und 
uns, ohne aber mit uns Mitleid zu haben 
Westerwald 7 Keramikmuseum 
Seit Ende vorigen Oktobers, 1982, existiert hier in Hohr-Grenz- 
hausen eine neue museale Institution. Sie setzt bereits bedeu- 
tende Aktivitäten, voraus die Präsentation rrDeutsche Keramik 
82 7 WGStSTWEIG-PTSlSK Anschließend mit riPeter Dümlerii ei- 
ne HommageaüldasrenommierteHaüsdesKannenbackerlan- 
des Dümler, ein exzellenter Keramikkünstler, schüttreie Plasti- 
ken nach biblischen, mythischen und historischen Motiven. Sei- 
ne Ausdrucksskala in wahrhaft meisterlicher Manier reichte 
vom Edlen, rein Ästhetischen bis zum Satanisch-Grausamen. 
Aus der Privatsammlung von Dietrich SchaferlBonn 7 er 
schenkte dem Westerwaldmuseüm 800 Objekte 7 erstellte 
man die Ausstellung "Japanische Gebrauchskeramik der Ge- 
genwart" Sie bot überaus fruchtbare Anregungen als konzen- 
trierte Ansammlung hervorragenden Gebrauchsgerates aus 
dem japanischen Alltag von heute Somit stellte das Wester- 
waldmuseüm gleich zu Beginn. über lokal-regionale Belange 
hinaus, die Weichen, um sich international einzugliedern Der- 
zeit lauft die Ausstellung wObjekte BSii Hier hat sich dle sog 
Objekt-Kerngruppe mit dem hiesigen Werk Ftastal zusammen- 
getan. um, künstlerisch allen Gestaltüngsrichtungen otten, zu 
kooperieren Diese 8. Kunstschau 7 die erste wurde 1971 ver- 
anstaltet 7 stellte bewußt kein Thema Man konnte so lraglos 
die Grenze zwischen lreier bildender und angewandter Kunst 
wieder verwischen. Neben traditionell-konventionellen Arbei- 
ten die Viellalt einer reichen schoplerischen Szene lnge 
BluniIBildhaüerin, Otto BuhrlMater, Else l-larneylKerarnikerin. 
Eugen KellerlMaler und Bildhauer sowie Axel Schmidt-Wal- 
günylMaler und Bildhauer huldigen sichtlich Tendenzen moder- 
ner Künststromungen. Weitere saubere Arbeiten nach her- 
kömmlichen Gesichtspunkten sind in derSümme vom Publikum 
gut angenommen worden Das neue Westerwaldmuseüm und 
das Werk Rastal in einer sachlich-praxisnahen Weise verbun- 
den. versprechen zur kulturell bestimmenden Dominanz im 
rheinlandisch-lränkischen Kunst- und Kultürbereich beizutra- 
gen leopold netopil 
i Alexej Jawlensky, llWelBB Federii, l909. Staatsgalerie Stuttgart 
2 Art Noüveau im Art Deco H1 Nederland 
s Marianne Maderna. Art 14 '22 Basel l Galerie Gabriel. Plastik "Mos- 
kahl, Hohe iso cm 
4 Gottlried Hollwarth, Art Projekt, -ciiy-, rriri austahrbarer SkulDtul 
5 Elizza c WOHQ, llsolleftel SCTNEHI aus der riHommage a Francis Ba- 
crw. Originatiotogratie lfl Farbe, 30x40 cm. Wien. Museum des 
2a Jahrhunderts 
6 Objekt auS der Ausstellung iiLB papier _ url ndüveaü Iangageri. Lau- 
sirlrle artlstlque. sowie Objekt lunten). Josel und Miroslawa Syrrtori, 
iiHalbktotSelir Haridgeschopttes Papier und Kupfer. 40 X 20 Cm 
7 Hans Fronius, Kunst zu Kafka Gratik aus "Das Schloßit 
B Linde Waber. Zeichnung, "Mßtfl Gartens, l983 Ausstellung Murichert, 
Galerie Seitert 
s Lurel-ieüelmarin,rMenschlicheAlphabeteit, 1976 Ausstellung r-Reso- 
rtaftlerin, Osnabrück, isaa 
10 Otto Ellttl. Ohne Titel Ausstellung -Obiekte aar. Kunslausstellung im 
Westerwald-Museum 
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