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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVIII (1983 / Heft 189)

Hirsch dargestellt. getroffen von Amors Pfeil. iiTela dei 
fugias non tarnen effugiestt - Fiiehst du auch die Waf- 
fen Gottes, entkommst du ihnen dennoch nicht." Über 
Eck zeigtdas nächste Bild Amor unter Sonne, Mond und 
Sternen sitzend. riPulchrae essent aliae tu nisi pulchra 
forestt - Die anderen würden schön sein, sofern nur du 
schon wärest. Dem folgt die Darstellung eines stürzen- 
den Betrunkenen. iiCausa meae mortis saepe fuit bibe- 
rett - Der Grund meines Todes war, oft zu trinken. 
Die beiden letzten Szenen zeigen einen Mann, der ei- 
nemAlten dieZunge herausreißt. iiHaec mala lingua fuit 
quarn quoque ouaeso cavett - Es war eine böse Zunge. 
welchedubitteauch meiden sollst, Und schließlicheine 
brennende Fackel auf einer Säule, Amor daneben. in 
das Licht fliegen Schmetterlinge und Bienen. itSic nobis 
spes est optima causa malitt - So ist uns die Hoffnung 
der beste Grund zum Übel. oder so ist für uns die beste 
Erwartung eine Veranlassung zum Übel. Die Gestaltung 
all der beschriebenen Emblemata geht vom morali- 
schen lmerativ oder Optativ der Subskriptio aus. klassi- 
sche Ausgewogenheit fehlt ihnen. Dagegen aber wir- 
ken sie im Raume der obersten stiftlichen Verwaltung 
und Rechtssprechung als stumme Ratgeber." 
Repräsentativer Höhepunkt der Stiftsanlage des 
17. Jahrhunderts ist zweifellos die unter Abt Benedikt 
Leiss 1657 errichtete und unter Raimund Regondi mit 
Fresken versehene Galerie. Nach Vincenzo Scamozzi 
eine aus der Antike übernommene Anlage, eine Wan- 
delhalle von besonderem Reichtum der Ausstattung, 
denn sie diente allein für Fürsten und große 
Personlichkeiten." Nikolaus Goldmann schreibt in sei- 
ner vollständigen Anweisung zu der Zivil-Baukunst" 
vVon den Spatzier-Sählen oder Galerientt. daß diese 
Raume sehr lange. nicht übrig breite Zimmer sein sol- 
len, mit einandergegenüberliegenden Fenstern an den 
langen Seiten. trefflichen Gemälden. und Türen an den 
beiden schmalen Seiten; wieder einander gegenüber- 
liegend. Dieser Raumvorstellung kommt die Altenbur- 
ger Galerie voll nach. Die Ausstattungsprogramme der 
frühen Galerien Frankreichs und Italiens. zumeist my- 
thologischen Inhaltes, dienten immer nur derVerherrIi- 
chung des Bauherren. Dieser Sinn blieb erhalten, wenn 
auch die lkonographieim Laufe derZeitWandlungen er- 
fuhr. Stets aber mehrte die Galerie den Ruhm des Bau- 
herren und demonstrierte seinen gesellschaftlichen 
Anspruch." Benedikt Leiss, der große Mann der Ge- 
genreformation. der den Protestantismus im Waldvier- 
tel siegreich bekämpfte, errichtete den Bau. Unter Abt 
Raimund Regondi wurde er zu einer Zeit ausgestattet, 
da der Türke, ein neuer Erbfeind des katholischen Chri- 
stentums, endgültig zurückgeschlagen worden war; zu 
einer Zeit aber auch, da gerade Stift Altenburg wegen 
der hohen Abgaben zur Finanzierung der Türkenkriege 
unter erheblichem finanziellen Druck gestanden war. 
Am 30.August 1683 hatte das Stift den vierten Teil eines 
Jahreseinkommens abzuliefern. 1685 war eine ittEÜla 
Ecclesiasticati von 12.566 fi. abzugeben. abgesehen 
von der zu leistenden iiTürkensteuew, Die Hohe des 
Darlehens. das Kaiser Leopold I. 1688 vom Stift erhielt. 
ist nicht bekannt. 1702 erhielt er 10.000 fl.. Joseph I. 
16.000 fi. Außerdem ein iwGeschenkt von 300 Spezies- 
Dukaten, wobei Joseph gelegentlich der Übergabe 
bemerkt haben soll, daß es den anderen Pralaten, die 
das nicht tun wollen, nicht zum besten bekommen 
werde." Vielleicht ist in alledem eine Erklärung enthal- 
ten, warum nicht der Kaiser. sondern der Sieger der 
Schlacht von Nissa, Ludwig von Baden-Baden. der iiTür- 
kenluisti, in den DeckenmedaillonsderGalerie apotheo- 
tisch verherrlicht wird (Abb. 10 - 12). Man zeigte sich 
modern, indem man ein jüngst stattgefundenes politi- 
sches Ereignis von großer Tragweite aufgriff und damit 
auch dem Haus Österreich in gewisser Weise ein Denk- 
mal setzte, zugleich wußte man die eigene Leistung, 
die großen finanziellen Opfer. durch die die Türken- 
kriege siegreich beendet werden konnten, zu betonen. 
Am 24. September 1689 hatte die große Schlacht von 
Nissa stattgefunden unter dem Oberbefehl Feldmar- 
schalls Ludwig von Baden-Baden. Dem Bericht des 
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Anmerkungen 20 - 34 (Anm. 20 - 25 s, Text S. 4, 5) 
3" Ein Exemplar der Ausgabe von 1541 befindet sich in der BiblilJtriEk des 
Österreichischen Museums ror angewandte Kunst B. I. 1075 (o I 16). 
rDem Hoch Edlen und Gestrsngßri Herren Joriae von Heyssperg Autt 
Merckenstein. Poiertsteln, etc . . . Unnd Beysitzer Der N.O, Land ..Jd- 
hann Wilhelm Baut lrtvenlor St lecit Viennae Austriae 1641 Siehe auch 
Thieme-Becker, Kunstlerlaxlkbn lll p B9 t. 
11 Picinelli. a. a. 0., pag. 155. 
n Nicoles Rsusner, Emblemata. Franklurt. Feyerabend, 1581. Holz- 
schnitte von Viigll Solis und Josl Arrtrrtari. Österreichisches Museum 
tur angewandte Kunst. Elblldthök und Kunstblattersarnmlung B 1.4261 
(P I 9) Llb lll Embl. Nr. 39. 
1' AndreasAlcialus, Ernblemlta cum commenterlis amplissimis Passau, 
1621,Üsterrelctilsches Museum lurangewaridie Kunst. Bibliothek und 
Kunstblattersarrlmlung E. I tO13Q(D l 13). D59 441 ,Zeigt eine lkon mit 
Amor im rrturripriwsgen. der von zwei Lowen gezogen wird mit dem 
Lemma Potentissimus atfectus amor. Jakob Masen. Speculum imagi- 
num veritatis OCCLIttBE, Köln 1581 . Österreichisches Museum fürange- 
wandte Kunst, Bibliothek und Kunslblatlersammlung E. l.2521 5(D 147). 
pag. 394, beschreibt unter dem LemmaAmor omniavincit eine lkon. in 
der Amor den Löwen beherrscht. 
" Das Bild Plroprreiser von Amor eingesetzt kommt in dem Emblamata- 
Sammelband von Henkel-Schone mehrtactt vor, ledoch mit anderem 
Lemma blw. Epigramm. Vgl. Arthur Henkel, Albrecht Schone (Hsg) 
Emblamata, Handbuch zur Sinnbildkunst des XVI. und XVll Jahrhun- 
derts. Stuttgart 1967. Sp. 158, 169. 
ß Ebenda, Sp. 591, bringt eine übereinstimmende Darstellung mit der B8- 
deutung Gefangenschaft der Liebe. 
1' Ebenda, So. 472 So flieht der Gotiiose von seinem Gewissen verfolgt 
" Zum belehrenden Charakter der Emblemala Vgl Gregor Lechner, Em- 
biamata Zur barocken Symboiaprache Stilt Gdttweig 1977. S 9. 
1' PrlnZ, a 3.0.. S. 10 
1' NlkOlaUS Goldmann. VollständigeAnweisung lu der Zivil-Baukunst etc, 
hg von Leonhard Christoph Sturm. Braunschweig, 1699. Österreichi- 
sches Museum tllir angewandte Kunst. Bibliothek und Kunstbiätter- 
sammlung, lnv. Nr, B,t 1004 (G lll 3). 
1" Prinz. a. 10,. S. 60 
" Sctiweigriofe a. a.0.. S. 30 
l! Oswatd Redlich. Welimactit des Barock, Wien 1961, S. 442. 
" Ernst Petrasch. DerTüikenluis. Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden - 
in: Die Türken vor Wien 1683. Salzburg-Wien 1982, S 226 t. 
u Folgende Arbeiten der Autorin zur lkbnographie des Stiftes Altenburg 
sind bereits erschienen: 
Hanna Egger. Bemerkungen zur lkonographie der Fresken von siiit 
Qitäiouäg. in Katalog i-Grotaskss Bsrockn. stirt Altenburg uns. 
Die Biidsrwait des Stiftes Altenburg. stirt Altenburg und seine Kunst- 
scriatze, st. Poliert 196i 
Die nbesonders rneublierre und gezierie TodtenCapelle-r des Stiftes 
Altenburg. iri' alte und moderne Kunst. 25. Jg. H. 172, S. 8- 15 
Die Frage nach dem Inventur des Eildprngrarnms von Stift Altenburg 
und die lkonographle der Sakristei. in: alte und moderne Kunst, 26. Jg. 
H, 177, S. 7- 10, 
Markgrafenentsprechend,solldieSchlachtden K 
lichen kaum 300 Mann. den Türken bei 10.000 gei 
haben}? 
Seinen endgültigengroßen Sieg errang Ludwig-W 
in der Schlacht von Slankamen, nordwestlich vo 
grad, im Jahre 1691 . In tagelangen Dank- und Fre 
testen wurde der glorreiche Sieg des Türkenluts 
ert. Der König von Spanien verlieh dem Markgraft 
Goldene Vlies, der Kaiser ernannte ihn zum Ge 
leutnant, die höchste militärische Ehre, die das 
Habsburg zu vergeben hatte}: Wahrscheinlich i 
es diese Triumphfeiern sowie der triumphale Einz 
seph l. inWien nachseinerKrönungzumi-iomisch- 
nig im Jahre 1693. die den Anlaß zu den Allent 
Fresken gaben und die auch die historische Unge 
keit hinsichtlich der Datumsangabe der Schlaci 
Nissa auf dem bereits erwähnten Cartellino eri 
würden. 
in den Deckenmalereien wurden die dem 17. Jal 
derf eigenen neuhumanislischen Strömungen n 
Rückführung der herrschaftlichen Repräsentat 
die Zeit der Antike wirksam. im ersten Ovalmer 
übergibt Alexander der Große, möglicherweise 
KonstantinderGroßederin Nissageboren worde 
dem vor ihm knienden Ludwig Wilhelm den Mars 
stab. Ein Krieger halt die Reichsfahne. Die Darst 
erhebt keinerlei Anspruch auf Realismus. Gesic 
ge, Kostüme, Harnische und Helme entstammer 
rtrömischent Phantasiewelt (Abb. 10). 
Auf Wolken thronen Jupiter und Juno im Mitteln 
Ion. Merkur überbringt ihnen die Botschaft vom Si 
Nissa (Abb. 11). Zuletzt empfängt Jupiter selb: 
siegreichen Feldherrn, über dem ein Putto mit Lo 
kranz und Friedenspalme schwebt. Rächend vt 
sich der Adler Jupiters mit dem Blitzbündel dem 
dem Wolkenthron sich krümmenden. geschla 
Türken zu, auf den der Feldherr mit seiner Recht 
umphierend weist (Abb. 12). in den Kartuschene 
Deckenenden des Saales sind Mars dargestei 
sich von Vulkan die Waffen schmieden läßt(Abb. 1 
Pax. die der weisen Minerva einen Ölzweig bringt 
renddem sie mit ihrer rechten Hand auf den voi 
ter empfangenen triumphierenden Feldherrn 
(Abb. 14). In Scheinarchitekturnischen an den W 
der Schmalseiten des Raumes sind Kaiser Leot 
derwiederum hinaufweist aufden Triumph seine: 
herrn (Abb. 15), und König Joseph I, dargestellt 
der lorbeerbekränzte Raimund Graf Montecucct 
der auf sich weisende Ludwig Wilhelm von Bade 
gerdes Goldenen Vlieses, wodurch neuerdings e 
tierungshinweis auf nach 1691 bzw. 1693 gegebi 
DieZwickel indenSegmenten überdenjeweilsvie 
stern an jeder Langseite der Galerie sind mit Emb 
geschmückt. Jedes der Embleme besteht aus de 
und dem Lemma. Betritt man die Galerie von dt 
sprünglichen, repräsentativen Treppenhaus ai 
lautetdaserste Lemma zur linken Seite iiinvitum d 
vat idem facit occidentitt - wer unwillig dient. s 
für den Untergang (bereitet den Untergang vor 
Bild zeigt einen auf einem Sockel knienden Krieg 
blößten Hauptes, der das Schwert ins Feuer häl 
folgende Emblem steht unterdem Motto iihistoria 
fit splendidiortt. - lrn Laufe der Geschichte Wi 
Tapferkeit noch glanzvoller und zeigt einen, üb- 
nem aufWaffen ruhenden Schreibpult. sitzenden 
riker. iiPrudentertemporeetlocott.weisedurch Zr 
Ort. zeigt eine auf ihrgealtertes Gesicht blickend 
inRuinenlandschaft,eineSchlangein ihrerRechti 
tend. Zunächst der Minerva findet sich das Emblt 
dem Lemma ripraemium virtutis honostt - Ehre 
PreisderTapferkeit-miteinerDarsfellungderT 
mit Posaune und Lorbeerkranz. 
Dem gegenüber stehen folgende Emblemata i 
rechten Seite: itNemo fortis nisi et iustusu - Kei 
tapfer. wenn er nicht auch gerecht ist - mit eint 
StellungeinesaufeinemSockel ruhendentriumpl 
den Kriegers (Abb. 16). Das Lemma nstudio et i 
tiart. durch Fleiß und Wachsamkeit steht über eint
	        

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