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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 194)

 
ichnungen von DipL-lng. Peter Kramer (Architek- 
iro Schnabel) erfolgte unter Leitung des Herrn Ing. 
:er Polak die Ausführung ab Ende April in der 
trdzeit von nur fünf Monaten. Da das Grundstück 
zler Gemeinde Wien kostenlos überlassen, der Bau 
lierzehn Mönchen und einigen internationalen frei- 
16H Helfern unentgeltlich errichtet wurde und man- 
Iirmen das Rohmaterial zum Selbstkostenpreis lie- 
in, konnten die Gesamtbaukosten (die mit hierzu- 
e üblichen Tarifen über 5 Millionen Schilling betra- 
hätten) auf weniger als die Hälfte eingeschränkt 
len. 
Sonntag, 25. September 1983, wurde ab 13.30 Uhr 
Einweihungszeremonie vorgenommen. 
machst wird mit der Anlage einer Tempelhalle. 
s Japanischen und eines Zen-Gartens begonnen 
len. 
Wiener Friedensstüpa ist 28 Meter hoch (nach 
imaufschüttung werden 6 Meter der Basis verdeckt 
l, davon beträgt die direkt aus Japan geholte Spitze 
5 Meter. Der Basisdurchmesser ist 1 6 Meter, der in 
vtitte der Kuppel neun Meter. An den indischen Kult- 
des Stüpa erinnert nicht nur die weiß gestrichene 
zelform, sondern ebenso die aus insgesamt 116 
ten (thaba) und je drei waagrechten Quersparren 
(ushisha) und einem Deckbalken konstruierte holz- 
architekturreminiszierende Brüstung und die Kielbo- 
gennische (die auch bei chinesischen Pagoden der 
Tangzeig [618 - 901] häufig vorkommt). Die über vier- 
zehn Stuten erreichbare runde Umwandlungsterrasse 
(pradakshinä-patha) und der auf dreistufigem Sockel 
ruhende oben eher abgeflachte Kuppelkörper würden 
einem alten Stüpatyp entsprechen, 
Die - anstelle derbei Pagoden üblichen halbkugeligen 
Bekrönung mit Ehrenschirmmast (: gleichsam ein 
Miniaturstüpa) - kegelstumptartige, quergerillte 
Spitze mit oktogonaler Lotosdeckplatte und oktogona- 
ler Bedachung mit acht (akustisch die Lehre verbreiten- 
den) Windglückchen erinnert an eine tibetanischllama- 
istische Dschorte. 
In der Nische die Statue des in Lehrgeste (dharma- 
cakra-mudra) sitzenden Buddha mit zwei ihn adorieren- 
den Himmelswesen (apsarä) am Nimbus. Am fast ach- 
sial symmetrischen Sockelrelief sechs Jünger (arhat, 
lohan, rakan), ein Kind, zwei Gazellen und ein Rad als 
Hinweis auf die erste Predigt Buddhas im Gazellenpark 
von Benares. wo er das Rad (cakra) der Lehre in Bewe- 
gung setzte. (Typologisch bis in Details einem indischen 
Sandstein-Buddha im Archäologischen Museum von 
Särnäth [5, Jh.] vergleichbar.) 
zehn Transennenmustertateln mit sinisierenden Eck- 
verzierungen llankierten Bronzereliets zeigen im Uhr- 
zeigersinn: 
- die Geburt Prinz Siddhärta Gautamas aus der Seite 
seiner Mutter Mäyä (in die erdurch einen göttlichen Ele- 
fanten eingepllanzt worden war) im Lumbinipark bei 
Kapilavastu (566 vor Christus) 
- die jeweils sieben Schritte des Neugeborenen nach 
jeder Weltrichtung (: Symbol für die Ersteigung des 
Weltgipfels über den sieben Weltenzonen und sieben 
Himmeln),wobeierverkündetenlch werdederWieder- 
geburt, dem Altern, der Krankheit und dem Sterben ein 
Ende machen... Das ist in Wahrheit meine letzte 
Geburt, es wird keine Wiedergeburt mehr für mich 
gebemt 
- die nächtliche Flucht des neunundzwanzigjährigen 
Prinzen von seiner Frau Yasodhara und seinem eben 
geborenen Sohn Rähula( : die Fessel)ausdem luxuriö- 
sen Palast in Kapilavastu mit seinem Stallknecht Chan- 
daha, wobei die Könige der vier Himmelsrichtungen 
(mahäräjikha) den Lärm der Hufe seines Lieblingspfer- 
des Kanthaka dampften 
- die Entledigung von seinen fürstlichen Gewändern 
bzw.die RasurselnesHaupthaares(bevorsichderPrinz 
auch von seinem Knecht und dem Pferdtrennt) - das 
samt seinem weggeworfenen Turban von lndra in die 
Reliquiensammlung des Dreiunddreißiggötterhimmels 
(trayastrinsha) gebracht wird 
-den vergeblichen Versuch des Königs derbösen Göt- 
terldesTeulels,mära)PrinzSiddhärtaGautamavonsei- 
ner vier (oder siebeniö-wdchigen Meditation zur Erlan- 
gung der Erleuchtung (: Buddhaschaft) unter dem 
Feigenbaum in Bodhgayä durch eine Dämonenarmee 
bzw. durch seine verführerischen Töchter Lust (rati), 
Sehnsucht (arati) und Begierde (trsna) abzuhalten bzw. 
Prinz Siddhärtas Anrufung der Erde als Zeugin seiner 
guten Taten in früheren Existenzen (bhümisparsha- 
mudrä) 
- die erste Predigt im Gazellenpark bei Benares (um 
520) 
- seinen Tod (Eingehen ins ninräna : mahäparinir- 
väna). nachdem er seinen Schülern letzte Ratschläge 
mitgab und sich auf die rechte Seite gelegt hat, achtzig- 
jährig im nordwestindischen Kusinagara. 
Auf dem die Reliquien enthaltenden gitterartigen qua- 
dratischen Aufsatz über die Halbkugel des Wiener Frie- 
densstüpas das achtspeichige (: rechtes Denken, 
rechtes Reden, rechtes Handeln, rechtes Streben. 
rechte Ansicht, rechte Wachsamkeit, rechte Samm- 
lung, rechtes Leben) Raddersich friedlich(ohneMissio- 
nierungsimperialismus) über die Welt ausbreitenden 
Lehre Buddhas. 
bhepunkr der Eröffnungsieier am 25. September 1983. 10 BlickvonderFlankedesWienerFriedensstüpasin Richtung 
rddhistische Manche erklenern Kuppel und Bekrönung Nordosten: Über dem Donauuier (Blldmitte) die Silhouene 
es Wiener Friedenssrüpas undwerfen einen Konietiiregen der Wiener nUNO-Ciryu 
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