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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 194)

3 Gusiav Klimi, nDanae-q um 1907108, D. 151. ÖlILeinwand, 
77 x 83 cm. Graz, Privatbesitz 
'os, Eros Austriae. 
edle Stadt, von Englein überladen. vom Himmelvater 
2h so oft geküßt, wo man sein Gwand verkauft, um 
ichzutahren, weinlaubbekränzt und himmelwärts. 
Jotheose! Süaßer Eros Wiens. Lercherl! 
1 Eros Wiens ertaßten brausend die Walzer Johann 
rauß' die ganze Erde, der Freude schöner Gdttertun- 
m loderte von Österreichs Eros aus über die Welt. Fi- 
zlios Getangenenchore mögen welterlösend klingen 
)8i der UNO-City. Träume der Brunos, 
oher Eros. 
ie schönsten, teuersten Träume träumt die Politik des 
men kleinen Volkes, schuldzinsbeladen. beamten- 
tersät, museenüberwuchert, sendungsbewußt, be- 
eutungsschwanger. War es einst Montezumas Feder- 
boa, die Austria aus Mexiko geraubt, wendet das 
Liebeswerben sich nun ins Morgenland. Nicht um wie 
einst der große Markgrat Leopold den Turm von Akron 
blutig zu erobern, nein, der Eros Austriae zieht liebend 
aus, Kalifen, Sultane und Scheiche nun küssend zu ge- 
winnen, die ihrGold dann bringen und die Dollarmyrrhe 
aus dem Morgenland. 
So träumen das Land und seine Lenker, unschuldig lie- 
bend, doch verschuldet, ihren hohen Traum, errichten 
glanzvoll dieses Schloß der Völker, ein Groß-Kannit- 
verstan, die wiederum Moscheen dort errichten und in 
Pagoden goldne Buddhas stellen, die vom Himmel tal- 
len, dort draußen aut der Gstetten am grauen Donau- 
strom. O Herrlichkeit des Eros Austriae! 
ich sehe eine schöne rosa Wolke am Himmel Wiens. 
ist sie die Morgenwoike, die sich heben wird an einem 
lichten Tag für Österreich als Weltgeliebte? Oder die 
Abendwolke, die, wenn sie vergeht, einmündet in die 
lange. dunkle Nacht? 
Ist dieser Traum Vision humanitatis eines Österreich, 
liebend zwischen Ost und West, Morgenland und 
Abendland, friedenbringend, oder ist es nur die Buhl- 
schalt dieser Welt? 
Oder istes Potemkins Kulisse, dem Rost bestimmt, bald 
schon als malerische Ruine eieuüberwuchert kündend 
hohe Träume? Ich glaub es nicht, träum doch auch ich 
vom Eros, Eros Austriae. 
Scherze pateticodolce ma non troppo secco ironico ma 
COH BITIOI. 
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