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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 194)

ria, Buchbesprechung 
 
erie Sailer in Salzburg _ 
1er Standort, neue Akzente 
Anspruchsvolle 
ourg istindergroßen Begegnung internationaler Besucher- 
leoft randvollmit MenschenSiesuchen dleältestenWinkel 
tlzburgs ebenso auf, wie sie im Eigentiichen. im Festspiel- 
'k. zusammenströmen, wo der wahre Puls der Stadt 
ägt. Franz Sailer hat sich mit seiner neuen prächtigen Gale- 
ewußt mitten hineingeschoben in dieses fluktuierendeTrei- 
nBekannte Güte und Exklusivität. hervorragende Werte in 
in, schönen. ,alten' Räurnenm So mlißtees wohl heißen. um 
teuen Situation der Galerie Sailer in Salzburg. Wiener Phil- 
ionikergasse, gerecht zu werden. Sailer hat mit seinem 
lrieprogramm t-Antike Teppiche und Textilkunstu im Kern 
:estspielbezirkeseinenweit größeren, individuelleren Rah- 
. L. A. Praun, die Architektin. hat nach ihrer vorzüglichen 
Jtierung der Wiener Sailer-Galerie, Dorotheergasse 7. nun 
t in Salzburg eine Meisterleistung vollbracht. Hler einzutre- 
- es riecht förmlich noch nach neu - heißt. eine vollkom- 
harmonische Symbiose von Occident und Orient zu erle- 
So etwas wie ein neues Gefühl der Kunstbetrachtung und 
Animos keimt auf. Was euphorisch klingt. ist realistisch, 
:ht angesichts der properen elegant-noblen lneinanderar- 
ing eines modernen Gestaltungskonzeptes in alte Architek- 
Jr sich. Das auf altem Salzburger Grund errichtete Palais. 
sog. Langenhof, heute Kuohlerhof, ist nicht zuletzt durch 
Sailefschen Galerieeinbau in einen Akt gesunder Teil- 
talisierung im Sinne der Erhaltung wertvoller Altbausub- 
zen in Salzburg mit einbezogen, Aus diesem Palais. Sailers 
in Domizil, weht angenehme Kühle, und das satte Farben- 
r seiner antikorientalischen Objekte, einfach gefaßl. 
nt wirkungsvoll von heilen Wänden. Die neuen Galerie- 
insionen erlauben. daß Franz und Ingrid Sailer ihre exquisi- 
)bjekte weit besser präsentieren können. Objekte etwa von 
Große des Seidenen Jagdteppichs im Österreichischen 
eum für angewandte Kunst kann man hier gefahrlos entroi- 
tnd in guter Distanz betrachten. Daß Franz Sailer es ver- 
t nur besondere Objekte zu erwerben. ist nicht zuletzt sei- 
;lücklichen Hand zuzuschreiben, Er erkennt Werte rasch 
sicher. und ebenso ist er es im Zugriff. Seine Verbissenheit. 
lererden bestenStücken nachjagt, ist bekannt. Wie aus die- 
Heft ersichtlich. statten sich die Orientalen nicht von unge- 
mit prunkvollen Teppichen aus. Wir sollten uns in Erinne- 
rufen. daß über antike Textilien und Teppiche erst im 
ahrhundert berichtet, sie ab da erst exakt und methodisch 
ät wurden. Längst waren sie ein Jahrtausend und früher 
schon äußerst begehrte Objekte. Herrscher, Fürsten und 
r Persönlichkeiten schätzten sie als Ausdruck des Prunkes 
1er Macht. Siestatteten mit ihnen mit Vorliebe ihreSitze und 
össer aus. in Kirchen und Klöstern sammelte man sie. Der 
zzianerMarco Polo,derersteWeItenfahrer,warim f3.Jahr- 
fert schon hingerissen von der Schönheit antiker Textilien 
Teppiche. Er sprach von den rbesten und schönstem, als 
is Reich derSeldschuken bereiste. Die Städte Konya. Kay- 
und Sivas galten als Hochburgen, Noch weiter zurück: 
in Homer äußerte sich über die Pracht antiker Teppiche 
auch Xenophon, der griechische Feldherr, begegnete 
I. Chr. einemTimasion. den er als einen der ersten Teppich- 
mier bezeichnete. 
ist hat der antike orientalischeTeppich die Welt erobert, ist 
ehrtes Ausstattungsobjekt geworden. Nichts verbindet 
nein-sachliche moderne Innenarchitektur in kontrastrei- 
Harmonie besser als antike Teppiche oder feines seidenes 
iiwerk zur Wohnatmospäre. 
Franz Sailer über seinem normalen Galerieleben ein 
zrzter Patriot ist, steht außer Frage. Gilt es nämlich. ein 
ergewöhnliches Stück für Österreich zu erhalten. hält er 
e die Hand darauf, auch wenn er dabei daraufzahlt. Das 
e man einmalfesthaiten. Ein prominenter Mann hierzulande 
te beim Durchblättern eines dieser Hefte angesichts eines 
zrischen Objektes trocken fest: nDer Sailer hat die schön- 
Teppichex. Diese Stimme von berufener Seite stellt fest. 
man weiß. Sailer ist zu den wenigen zu zahlen. die mit ihren 
ken leben -quasi SammleraufZeit-, diese nursorgfäitig 
üft und ausgewählt aus der Hand geben. Daß die Sailers 
entschlossen haben, in Salzburg nur umzuziehen, um nun 
iner und sachgerechter ihr exquisites Warengut präsentie- 
zu können, wirdweite Kreise, die sieschätzen. mit Genugtu- 
erfüllen. Daß die Sailers alles daransetzen werden, in ihrer 
an Galerie noch stärker im Dienste ihrer Freunde, Kunden 
Sammler zu stehen. ist mit Sicherheit anzunehmen, da es 
an höchste Verpflichtung ist, Apropos - die schöne Eröff- 
jsschau der neuen Galerie Sailer in Salzburg läuft noch. Für 
iestspieizeit hat Sailer eine besonders exquisite Präsenta- 
seiner antiken Textil- und Teppichschätze vor (31. Juli bis 
tugust 1984). I. netopii 
Große Boeckl-Flepräsentative in der 
Wiener Galerie Würthle 
Mit einer großartigen Ausstellung wird hier der 90. Geburtstag 
Herbert Boeckls gewürdigt. Was sonst einer musealen institu- 
tion vorbehalten wäre. hat man hier realisiert. 
Mit 32 Ölbildern und 48 Aquarellen, darunter sehr bedeutenden 
Objekten, wirdman Boecki alseinem derhervorragendsten Ver- 
treterderösterreichischen Moderne gerecht. Zum 70. Geburts- 
tag Herbert Boeckls 1964 war der Künstler auf der 32. Biennale 
in Venedig mit Alfred Hrdliöka Vertreter Österreichs. Wilhelm 
Mrazek, der Biennale-Kommissär, über Boeckl: Seine Kunst ist 
eine bodenständige. österreichische Antwort auf jene Pro- 
bleme, die seit dem Aufbruch zur Moderne die Künstler bewe- 
gen. Sein Werk istein ungetrübter Spiegel österreichischen We- 
sens,  redil. n. 
Hamburg - Museum für Kunst und Gewerbe 
Derzeit noch in London die nSchätze aus Koreac. Ab 14. Junl 
1984 (bis 16. September 1984) hier zu sehen. in London 30.000 
Besucher vor 5000 Jahren ununterbrochener Entwicklung der 
Kunst Koreas. Korea, neben China und Japan, ist der dritte 
Hauptkunstbereich des fernen Ostens. Großartige Häufung von 
Schätzen: Rituaigeräte aus den Dolmengräbern. aufregend 
prächtiger Goldschmuck aus Gräbern der Zeit der 1:3 Königrei- 
cheu, Plastik nach chinesischem Vorbild. u. a. der Buddha der 
Zukunft, Maitreya und Buddhas der hochklassischen Tang-Zeit 
Chinas. Weiters herrliche meergrüne Seladone. als schönste 
der Weit bezeichnet. rein koreanischen Ursprungs, Steinzeug, 
Porzellan. Malerei und Kalligraphie runden die reicheSchau ab. 
Hannover - Galerie Ludwig 
nKeramik aus Bremenl: 11 Künstler: D. Odiberg-Tjadens. 
Gottschalk-Meer. U. Hillers, K. HirschgängenR. Klein,W. Meer. 
B. Sauermann-Weber. U. Schindler, E. Schmidt, B. Tauchert. 
I. Wendler. Alle kommen aus der Hochschule für gestaltende 
Kunst und Musik der Hansestadt. Ein erfrischender Chorus 
keramischer Kreativität. Nur ein kleiner Bereich, diese bremi- 
sohe Keramik. im Zusammenhang mit der Keramikszene der 
Bundesrepublik aberdurchaus alsechte Bereicherung anzuse- 
hen. 
Köln - Museen der Stadt 
in der Reihe r-Museen zu Gastl holte sich fürs erste das Wallraf- 
Flichartz-Museum das Centraaimuseum Utrecht. Als Premiere: 
wDie Utrechter Malerschute - Oaravaggisti des Nordens-r. 
Diese wichtige. äußerst belebende Aktion zwischen Museen 
zeigte 15 bedeutende Gemälde, der 1. Hälfte des 17. Jahrhun- 
derts. Diese zeigen ElnfluB. Wechsel und Austausch zwischen 
dem Süden und dem Norden. wie auch den Übergang vom 
Manierismus zum Barock. am Beispiel des sog. i-Caraveggis- 
mus-tauf. Diese Kunstrichtung pragteslch in Utrechteinzigartig 
aus. geht auf Michelangelo da Marisi gen.Ca_ravaggio(1573 bis 
1610)zurück, Ein Bildheft behandelt diese kunstgeschichtliche 
Besonderheit mit ihren vielfältigen topographischen und chro 
nologischen Verbindungen, 
Kopenhagen - Det Danske Selskab 
Scandinavian Summer Seminars 1984: 
Museums in DenmarkI4. - 13. Juli 
Architecture and Urban Planning I 16. März - 30. August. Reise- 
seminar durch Skandinavien: Finnland. Schweden. Norwegen, 
Dänemark. Stationen: Aalborg. Arhus. Kopenhagen und Nord- 
seeland_. 
Design in Skandinavien! 19. - 31 .August. Arts8tCrafts Seminar 
für Kunsthandwerk und industriai Design. 
München - Bayerisches Nationalmuseum 
Die neueröffnete fränkische Galerie. Zweigstelle des BNM. 
lockte bereits viele Besucher an. Genau 12.500 kamen nach 
Kronau. Das gute Raumklima auf der Veste Rosenberg fügte 
den Objekten keinerlei Schädigungen zu. Die fränkische Gale- 
rie, bereichert um einige Objekte, Skulpturen: Ein i-Handtuch- 
halten, Hans Peisser (1526 - 1559 in Nürnberg tätig). Pendant 
zu diesem,ein nMßefmiftfl mit Wappenhalterc, Relief eines ano- 
nymen Biidschnltzers, Nürnberg, um 1530. frei nach Dürers 
Kupferstich nMeerwunderc. Krönung. von besonders hohem 
künstlerischen Rang, Adam Krafts wChristophorus-Torson. um 
1490. Als Werk die einzige bisher bekannte Holzskulptur des 
berühmten Nürnberger Bildhauers. 
im Stammhaus München wird die 1983 begonnene Gesamtsa- 
nierungderSammlungdasBNMheuerfortgesetzt.Zielzeinefür 
die Besucher verbesserte Situation, Umgestaltungen in Hin- 
sicht auf Minderung von Brandgefahren. 
Neapel - Museo Pignatelii Cortes 
Nach den USAlCleveiand Museum, nun, seit 24. April 1984, in 
der Museo e Galierie Nazionali di Capodimonte ivBernardo 
Cavallino cf Naples- (1616-1656). Weich eine rätselhafte 
Figur der Kunstgeschichte. Einsamer Genius, der alle mögli- 
chen Einflüsse seiner Zeit aufnimmt, brillant verarbeitet. zu 
eigenem Stilvon großerOrlginaiitat assimiliert. Meistkleine For- 
mate für private Kapellen und Sammlungen. Caveilinos Vorbil- 
derund Motive: Zeichnungen der Bibel. klassische Literatur. ita-O 
lienische, epische Poesie. Aus aller Welt beschickt, die 
HöhepunktederAusstaliung.MeisterwerkewiexJudithmitdem 
Kopf des Holofernesn, StockholmlNationalmuseum - wDavid 
und Abigaili. Braunschweigll-ierzog Anton Ulrich Museum. 
Die zündende vStudioglasideei 
1964 USAlNew York 7 unter Littleton und Labino konfi 
man erstmals über Situation und Zukunft der Glas: 
erkannte was not tat: sich zusammenschließen, sich gr 
sam über Grundforderungen auseinandersetzen und vor 
zu propagieren. daß man aktiv willens ist. der Glaskunst 
Glanz und irische Impulse zu verleihen. 
1974 ÖsterreichlWien - bei Lobmeyr mobilisiert man Sl 
jungen Glaskünstlern. um den so wichtigen Anfang eine 
orientierung zu i-neuem Glas" zu setzen. Man will inten 
Aufbau einer Plattform arbeiten und den Studiogedanken 
vervollkommnen. 20 Jahre einer Entwicklung seither, r 
Folge den Aufbruch zu einer neuzeitigen Glaskunst bed 
international zur Festigung einer klaren Linie finden lass 
auch in der Praxis Erfolge bringt. 
1954 ÖsterreichIBaden - seit Stocb. wo der erste GI: 
brannte. wird neuerdings die Auseinandersetzung um d 
dioglasidee intensiv weiterverfolgt. Heuer als Thema r 
hochwichtigen Fragestellung i-Gebrauchsgias aus den 
studioih 
Die einladende Glasgruppe ßadenlGörny. Holländer. Lo 
will versuchen. drei interessante und ergebnisreiche Ta 
allen teilnehmendenGlaskünstiern Österreichs undderir 
tionaien Glasszene zu veranstalten. Anmeldungen für 
16. internationale Seminar Franzensbad 1984 vom I 
29. Juli bei I 
J. St L. Lobmeyr I Peter Rath, Kärntner Straße 26.A-10'1l 
Telefon 022217347 71 + 732145 
Anmeldungen unbedingt bis 2. Juli 1984 
i. l 
Venedig. Ein Bildband von Adolf Sickert, Text: Ut 
Heinz Mackowitz. Tyroiia-Verlag. Innsbruck - 
Echter-Verlag, Würzburg 1984. 144 Seiten, davo 
Farbfotos. 
Kunstwerke und Legenden üben eine magische Kraft a 
uns oft jegliche unvoreingenommene Realitätswahrnel 
unmöglich macht. Welcher Besucher Venedigs vermag 
zu vergessen, daß erdie Stadt bereits vonCanaletto, Lorc 
oder Thomas Mann kennt? Venedig ist jedoch Realit 
Kunstwerk gleichzeitig und als lnspirationsquelie (hoffe: 
unverwüstlich. Deja-vu-Erlebnisse können unskaum von 
wiederholten Besuch in der Lagunenstadt abbringen. 
Der soeben erschienene Bildband Venedig von Adolf Sicl 
mit dem Text von Uta und Heinz Mackowitz - ist bere 
dritte gelungene Versuch des lnnsbrucker Fotokünstler 
lichtbildnerisch mit dem kaum definierbaren Phänomen 
dig zu messen. 104 Farbfotos, viele davon ganzseitig, 
sich zu einem bunten Puzzle zusammen, wo sich das G 
nisvolle mit dem Alltäglichen in ein prächtiges Fest verw. 
Fest des Lichtes. der Farbe. Fest der Arbeit, des Müßigg. 
Sonnenfest mit tanzenden Wolken, Fest der aufbrecf 
Nacht, des Nebels oder des warmen Regens. 
Eine Hochzeit in der Kirche dei Frari. Geschichte. Gegr 
oder ein Mysterium der göttlichen Liebe vor Tizians As 
Hler wird einem verständlich. mit welcher Überzeugung 
und Selbstverständlichkeit dürfen nebeneinander Götte 
lige. Staatsmänner und Patrizier in den Meisterwerkr 
venezianischen Malerei auftreten, ohne daßjemanddasl 
dringen des Transzendentalen und des Historischen m 
Zeltgenössischenfürunwirklich unddaherfürunzulässig 
würde. Venedig war und ist immer noch ein Ort, wo täglicl 
der geschehen. 
Wäscheleinen. Hinterhöfe. Hinterkanäle. Sickert zeig 
Venedig auch im Negiige. Verträumt und in warmes d 
Licht versunken. enthülitsichvor uns die ewige Kurtisans 
ste, Kirchen, S. Marco. RialtdBrücke. Mosaiken und Ge 
werden dem prosaischen Stadtleben gegenübergestellt 
dig zu sehen, wie es seine Maler. Mosaikkünstler oder G 
ser taten, dort liegt die große Meisterschaft des Fotokül 
Adolf Sickert. 
Auf nicht einmal 45 Druckseiten fassen die Autoren des ' 
- Uta und Heinz Mackowitz - ihre Eindrücke aus der Lag 
stadt, Kunst und Geschichte, den alltäglichen und immi 
renden Zauber der Stadt zu einer frisch und unterh. 
geschriebenen Liebeserklärung an Venedig zusamme 
Aufgabe war nicht die leichteste. Einen begleitenden 1 
den Bildern von Adolf Sickert zu schreiben, bedeutet n. 
nicht von ihnen umgeben am Schreibtisch zu sitzen. sr 
den Bildern nachzugehen. nachzufahren, nachzufühien 
zudenken und nachzutraurnen. Ohne kompaktes Wisst 
inbrünstlge Beziehung zum Thema hättedas Buch nichtr 
hart können. Mit Liebezum historischen Detail, jedoch oh 
großen geschichtlichen Zusammenhang aus den Augen 
Iieren, führen uns die Verfasser Schritt für Schritt - o: 
man hierorts passenderweise sagen sollte - Rudersch 
Fiuderschlag durch die verwinkelten Gäßchen und Kan. 
den Palästen und Kirchen vorbei. Ein schönes Geschenk 
Liebhaber Venedigs.
	        

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