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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 203)

d. 5 Matthäus Günther. xMartyrium des hl. Marinusr. 
Ausschnine. Augsburg, Deutsche Barockgalerie 
her Vorgang, der auch im übrigen Werk Günthers 
r Zeit zu erkennen ist. Die Biiderzähiung wird 
ft zugunsten der Konzentration auf ein einziges 
tthema, die anderen Handlungen werden ihr als 
tzeitige Randereignisse untergeordnet. Jetzt gilt 
iesetz der Einheit von Zeit, Ort und Handlung. An 
eile wrauschhalter Unsicherheit im optischen Ein- 
m, wie sie der Günther-Biograph Hermann Gun- 
leimer dem Judithfresko von 1754 in der Pfarrkir- 
von Wiiten attestierf und wie sie noch der 
burgerÖlskizze eigen ist. tritt die Forderung nach 
netrie und Harmonie, Linearität und Plastizifät. 
ikeit und Klarheit, oder - um das Kind beim 
an zu nennen - nach wAufklt-lrungw. Nicht mehr 
raschung und Verzauberung ist das Ziel. sondern 
rrung und Andacht. Verschwunden sind die 
imnisvolien Bildraume mit den daherbrausenden 
dahinwehenden Wolkenbänken, den schattigen 
ilzen, den besonnfen Fluren. verschwunden aber 
die scheinbaren Ungereimtheiten wie die haltlose 
age des Leichnams auf dem Scheiterhaufen oder 
nmotivierte Dialog des zu groß geratenen Stutzers 
em steifbeinigen Türken. im Fresko herrscht Ord- 
. Genauigkeit. Logik. Natürlich besitzt auch die 
e ihre Logik, aber eine künstlerische, die auf die 
iiiung der Akzente auf der kreisrunden Malfläche 
Bewegungen und Schwingungen aufeinander 
mmt, Nebenmofiven eine Hauptrolle zuweisf. weil 
ompositlcn ihrer an dieser Stelle bedarf, die das 
Gerüst desAufbaus eherüberspielt und verschlei- 
ert als betont. den Farbensinn des Betrachters zum 
Genießen verführt und die Abenteuer eines Pinsel- 
strichs zum spannenden Erlebnis macht. 
Dieser Bruch geht mitten durch Günthers Schaffen um 
1760. Die Fresken in Stuttgart von 1757 oder indersdorf 
von 1758 lassen den neuen Willen nach logischer Klar- 
heit noch wenig ahnen. doch schon in Oberammergau. 
Schongau oder Sünching ist er 1761 am Werk. 1762. in 
Fieberbrunn und noch mehr im Hauptkuppeifresko von 
Rott am lnn, ist der Wandel endgültig vollzogen." Ver- 
gieichtmandie MünchnerÖiskizze.die bekanntlich Hol- 
zers einstigem Kuppelfresko in Münsterschwarzach 
bzw. seiner Ölskizze dafür verpflichtet ist. mit der Aus- 
führung in Flott. so stellen sich dieselben Beobachtun- 
gen ein. in derSkizze hatte Güntherdas Rundder Malfiä- 
che an mehreren Stellen gesprengt, indem er die 
Wolkenbänke mit den Heiligen über den Rand hinaus- 
quellen ließ. Dadurch behielt er im Innern des Kreises 
Flaum genug. um die Gruppen auseinanderzuziehen. 
aus der Tiefe emporsteigen oder gegeneinander agie- 
ren zu lassen. Kurvenzüge aus bunten Wolken- und 
Figurenbändern, aus Licht und Schatten, aus Gewän- 
dern. Schwingen. Gesten schoben sich ineinander. 
stürzten ins Leere oderverengfen sich der Mitte zu. bis 
sie in den Kreisformen der himmlischen Giorie und der 
Weltkugel zum Stillstand gelangten, um daraus sofort 
mit neuer Kraft wieder hervorzubrechen. im Fresko 
wird alles hinterden Kuppelrand zurückgewiesen. dicht 
aneinandergedrängt, gleichmäßig deutlich durchge- 
formt. Weicher Schimmer wird heile Fläche, Licht zum 
Strahl. Wolke zum Kissen. Traum zum Theater. 
Zum Abschiuß sei auf ein kunsthistorisches Detail 
biem hingewiesen, dessen Losung vielleicht einfai 
ist als vermutet. Der farbenprächtige Stutzer, der 
auf der Skizze auffällig in Position setzt, ohne etwas 
dem Scheiterhaufenbrand zu tun zu haben (Abb 
erscheint wenige Jahre später in gleicher Haltung 
Tracht auf einem Fresko in der Heiliggeistkapelie 
Grazer Domherrenhofes wieder? Das Fresko, 
1770171 von dem akademischen Maler Kaspar Joh 
Fiebich ausgeführt wurde. stellt die Taufe Christi 
Das Bayerische Nationaimuseum besitzt eine 
gemalte Ölskizze aus der Sammlung Wilhelm ROUSi 
(Abb. 6), die. bis auf geringfügige Änderungen. mit r 
Grazer Fresko bis in die Farben hinein übereinstin 
Beidesmai steht der Stutzer am rechten Biidrand, 
dem Fresko wendet er sich einer nur teilweise sich 
ren Gestalt zu. Während Fresko und Skizze zum gröi 
Teil auf FranzAnton Mauibertschs Fresko gleichen" 
mas im Theologiesaal der Alten Wiener Universität 
etwa 1766 zurückgehen. fehlt dort ausgerechnet 
Gestalt des Stutzers. Der Auffassung und Hall 
zufolge könnte sie zwar sehr wohl eine Erfindung N 
bertschs sein. doch laßfsie sich in keinem seinerwr 
nachweisen. Sie könnte also mit guten Argumenter 
Zitat nach Günther bezeichnet und als Beweis d 
bewertet werden. welche Vorbildlichkeit seinen E 
dungenzugestandenwurde.hättedieseErkiärungr 
einen Haken. 
Bei Fiebich stützt sich der Stutzer mit dem reci
	        

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