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Full text: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 203)

Aug ust Bernhard Rave 
Segna di Bonaventura oder 
Niccolö di Segna? 
Ein sienesisches Tafelbild aus der Sammlung Freiherr 
von Preuschens. 
Der vorliegende Artikel Ist Baronin von Preuschen zum diesjährigen 
Geburtstag zugeeignet. 
Anmerkungen 1 -8 
' Der Sammlung italienischer Tafelbllder der Gdtlk in der Staetsgalerie 
Stuttgart mit ausgewählten Tatein aus dem Vermächtnis von Freu- 
scherrs wird der Verfasser in Kürze eine eigene Veröffentlichung 
Widmen. 
I Die Zuschreibung an Segna u: Bonaventura geht laut lnventareintrag 
auf Freiherrn vorr Preuschen selbst zurück und wurde von Robert 0er- 
tel bestätigt. Unier diesem Namen wurde es noch 1982 von Miklos Bos- 
kovlts mit dem Hinweis auf dle ehemalige Provenienl aus römischem 
Privetbesitz veröffentlicht. allerdings mil ' korrekten Maßangaben. 
VgLTheArt Hulletin,54,19825t7i,Ahb. 12,5U2,deslnTempereeufPep- 
peiholz gemalte Tätelchen mlßi mit dem engearbelteten Drlginalrah- 
man 117x323 cm. Es gelangte 1954 aus dem Kunsthandel in die 
Sammlung Richard von Klihlmenn. 
' Fur die heilige Margarethe spricht hier ihr häufiges gemeirrsamesAul- 
treten mit der heiligen Katharina von Alexandrien. 
' Dem Restaurator Friedrich Schmld von der Steetsgaierle Stuttgart 
danke ich lül die eingehende Untersuchungdes Emilturtgslusiirrdes. 
' Dokumente, welche sich sowohl du! entsprechende Werke des Künst- 
iers als auch auf private Begebenheiten beziehen, umfassen eine Zeit- 
spanne von 1298 bis 1331. Vgl. James H. Stubblebine. Duccio di 
Buonlnsegna and Hls Schont, I. Text. Princetun 1979. 130 und den 
Dokumentenanharrg zoe - 211. 
I Vgl. Hayderr Er..r. Maglnnis, The Liierature ei Slenese Trecerrio Peinting 
1945-1975.in'Ziechr.f. ., XL, r977. 2st 7 232. 
1 Vgl. Stubblebrne, r, 1979, rau. 
' Vgl. Herrdrik W. van Os, Possible Addillons to the Wßlk Of NlOOOIÖ di 
Segna, in" The Bulletin Of the Ctevelend Museum Ol Art. LVlV. 1972, 
79 7 B0. 
 
 
Unter den altitaiienischen Tafelbildern der Sammlung 
Gerhard Freiherr von Preuschens. die der langjährige 
Vorsitzende des Stuttgarter Galerievereins und Förde- 
rer 1972 der Staatsgalerie Stuttgart als Stiftung ver- 
macht hat', findet sich ein kleinformatiges, hochrecht- 
eckiges Bild von erlesener Qualität mit der Darstellung 
dreier weiblicher Heiliger (Abb. 1). in den entsprechen- 
den lnventaren wird es geführt unter dem Namen des 
bedeutenden Duccio-Schülers Segna di Bonaventura? 
Die drei heiligen Jungfrauen, in der Abfolge von links 
nach rechts, sind durch Ihre Attribute zu benennen: die 
heilige Katharina von Alexandrien mit Krone und Palm- 
zweig, die heilige Maria Magdalena mit der Salbdose 
und wohl die heilige Margaretha mit Kreuz und Buch? 
Von seiner äußeren Umrandung stuft sich der angear- 
beitete Originalrahmen in einem dreifachen Profil zur 
Bildfläche hin ab. Das untere Viertel der inneren Bild- 
fläche nimmt eine farblich changierende Marmoriläche 
ein, welche in ihrer Struktur diagonal nach rechts ver- 
läuft und die räumliche Disposition der Figuren angibt. 
Auf der Mitte der Raum konstituierenden Fläche bewe- 
gen sich in fast gleichem Abstand zueinander die drei 
Heiligen. Ein schmales, punziertes Band mit geometri- 
schen Vierpaßlormen umläuft von der marmorierten 
Fläche ausgehend die innere Bildgrenze. Es wird links 
und rechts von den jeweils äußeren Heiligen optisch 
überdeckt. Alle drei Figuren beanspruchen in ihren 
länglichen Ausmaßen drei Viertel der inneren Bildhöhe. 
Die Bewegung von rechts nach links der in seitlichem 
Dreiviertelprofil wiedergegebenen beiden Heiligen, 
Maria Magdalena und Margaretha, und die streng sche- 
1 Segnedi Bonaventura (7), Drei heilige Jungfrauen. Tafeibild, 
Siena. Staatsgalerie StuttgertlSemmlung Gerhard Freiherr 
von Preuschen (siehe Farbbild I S. 8) 
2 Rückseite des Tafelbildes, Drei heilige Jungfrauen (Abb. 1) 
matische lsokephalie wird rhythmisch aufgefangen 
durchdiefrontalstehendeheilige KatharinavonAlexan- 
drien. Der Betrachter erfährt jedoch diese bildkompo- 
sitorische Akzentuierung nicht als eine plötzlich auf- 
tretende Veränderung einer gewohnten Reihung. Das 
zinnoberrotleuchtende Obergewand der heiligen Maria 
Magdalena in der Bildmitte zieht zunächst die Aufmerk- 
samkeit auf sich. Der Künstler versteht in bezeichnen- 
der Weise, Bewegungsfluß und Rhythmik der Darstel- 
lung sowohl durch bildkompositorische als auch 
farbliche Akzente auszugleichen. Das Kolorit der gold- 
bestickten Gewänder der beiden äußeren Heiligen ist 
gegenüber dem ins Auge fallenden Zinnoberrot von 
einer eher zurückhaltenden Tonigkeit. Das Rot des 
Untergewandes und des von den Schultern fallenden 
Umhanges der heiligen Katharina tendiert ins Bräun- 
liche. die Farbe des Obergewandes der heiligen Marga- 
retha ins Olivgrünliohe. Jeweils wechselseitig bei 
Umhang und Untergewand der heiligen Maria Magda- 
lena und der heiligen Margaretha kontrastieren blau- 
grüne bzw. olivgriine Töne mit dem Rot, während die 
weiße Unterseite des Umhanges der heiligen Katharina 
in einertließend fallenden Lineatur hervorscheini. Fein- 
strichelnd modelliert, in ocker- und fleischiarbenen 
Tönen bis zu den Lichtfläohen abgestuft, ist das Inkar- 
rrat. in dessen Schattenpartien das wVerdaccio-r der 
Untermalung durchschimmert. In den Gesichtern 
gehendiestärkerkonturierten,geschwungenenAugen- 
brauen in die feinen Linienbegrenzungen der läng- 
lichen, schmalen Lichthöhenflächen der Nasenrücken 
über. Nurwenig breiterjeweils sinddie Unter- und Ober-
	        

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