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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 203)

Das ehemalige Minoritenkloster in Tulln mit seiner Kir- 
che läßl in seinem heutigen, nicht sehr guten Bauzu- 
stand sofort die Vermutung entstehen, daß wie bei vie- 
len anderen österreichischen Klöstern KaiserJoseph ll. 
auch hierdas Schicksal des Konvents durchAufhebung 
besiegelt habe, Es waren aber andere Faktoren, die zu 
einemgutenTeilausderTullnerKommunitätselbslsich 
ergaben, die dazu führten, daß das Haus der Minoriten 
in Tulln von der Wiener Regierung 1807 geschlossen 
wurde. Das Kloster wurde 1225 nach der Ordenstradi- 
tion gegründet - es war das älteste in der Stadt - und 
dürfte sich von ieher eines guten Verhältnisses zu den 
Bürgern der Stadt erfreut haben. 1543 waren Kloster 
und Kirche iiöde und baulälligrr. Nach der dunklen 
Periode des 16. Jh.s begannen aber die Mönche des 
Minoritenordens1635mitder Neuordnung ihres Besitz- 
Bautätigkeit ergab, ein Hauptgrund dafür wurde, daß 
Kloster und Mönche ihre Lebenssubstanz verloren. Die 
Reputation. der innere Zusammenhalt mit der Stadtge- 
meinde gingen verloren. Die Schließung von 1807 
führte dazu, daß die Klosterräume für anderweitige 
Zwecke adaptiert (heute befinden sich Wohnungen 
darin), Kirche und unmittelbar anschließende Raum- 
lichkeiten weiterhin religiös verwendet wurden (Loreto- 
kapelle, Eremitage, Sakristei und Gruft); das Archiv und 
die sicher einmal vorhandene Bibliothek sind bis auf 
geringe Reste zerrissen und zerstreut? 
ln einer Abschrift im Wiener Minoritenkonvent, in des- 
sen Archiv sich ein Teil des Tullner Bestandes erhalten 
hat, ist uns die Weiheurkunde der Kirche vom 13. Juni 
1739 überliefert. P. Engelbert Feil berichtet in seiner 
handgeschriebenen Chronik des Minoritenordens in 
Anmerkungen 1 M6 (Anm. 7 -14 s. S. 12) 
i Die Daten sind entnommen aus Biack, Otto. Antcn Kerschbaumer, 
GeschictttederStadtTulln -Tulin 19665 451 e 455. zurkunsthtstd- 
rischert sicht s. Reclams Kunstlührer Österreich Bd. 1. wien, Nieder- 
österreich. Oberüslelreich, Burgenland 4. A - Stuttgart 1974. 
499 - 474. zurhistcrischen Lage derstadtrultn s Handbuch derhistd- 
rischen statten Osterreich. Ed 1 Dnnauldnder und Burgenland 7 
Stuttgart is7o, see - sas Als Stadt ist Tulln demnach seit ca. 1255 
oder 1262 bezeugt. 
1 Kldster und Kirche sind heute im Besitz der Stadtgemeinde; diese hat 
in itingster Zeit mit der Renovierung der Kirche und der Gruft begcn- 
nen,imSorrlmer 19B5warerl dieAußenmauernliisch verputzt Eskann 
gar nicht genug hervorgehoben werden, diaß man sich der sehr kcst- 
spieligert Restaurierung gewidmet hal ich möchte hier sehr herzlich 
demDtrektordesTuiinerBauamteslng Jcseteirschikdanken.hiltsbe- 
reitwar auch lng walter slama vom selben Amt. sehr lreundlich war 
immer die tur die Sakristei der Kirche zustandige Frau Anna Kubu. sie 
hat mir einige Male den Zutritt zu Kirche und Gruit ermöglicht. 
Das Archiv rrerle der laiblicthekv) beiindet sich heute im Archiv des 
Wiener Minciiitsnkcniients, hier war es wieder Bruder Karl Lustenber- 
ger, der mir die Benutzung großzugig gestattete. Fiir den t. Teil der 
Arbeit ergab allerdings das Archiv nur eine sehr geringe Ausbeute. 
1 Wien,MirloritenklostenArctltv.TuiinerArchtwKarton1,Tulinll1(mit 
der umschrirt: Acta Conventus Tulnensis ad Histciiam prdvinciae per- 
tineritiai. Die weihe iinllzcg der Plarrherr von Tulln Anton Josef Grat 
Lamberg, zugleich Passauer weihbischcr, Biack (Zil. Anm. 1) 45a, 
Feil.Engelberheeschichtedas Mlrlorlterl-OrdensirtÖsterreich. -Um 
rate (Wien, Mincrttenklcster Archiv, MS Nr lIIl: zu Tulln157 e tai) 
Nach dem Baualtatsplan vcn Adaibert Klaar, abgedruckt Biack, zit 
Anm. 1 .. Bildbeilagen.stammtdteLorelckapellevomEndedes17.Jh.s, 
im Plan der Kirche, der dem verl vcm Bauamt der siadtzurverrügung 
gestellt wurde, heißt es nur wÄltere Lcrettckapelte-i: beidesrrial ohne 
Angabe von Gründen. in die weihe von 1739 wurde iedehialls die 
Kapelle einbezogen. Feil berichtet auch, dala 1154 erst der weiterbau 
erlolgte, ohne genaue Angaben. wo und wcrin diese Bauarbeitert 
bestanden haben Derrurmwutdeviel spater71819-aulseirte tteu- 
tige Hdhe gebracht, das unteigeschcß stammt sicher ausderZeit des 
Kirchenbaus 
l Es hat allerdings den Anschein. alswarsn diese steintateln erst spater 
angebracht worden sie beinhalten ieweils eine Kurziassung der 
lnschrilien der beiden Holzkartuschen. die tiber den Doppeltüren 
rechtsundlinksvdrdem chcrangebrachtsind (Settrschbneteilweise 
beschädigte Rahmen) Datiert gletchlalls1751 und 175a Da im Laule 
dieses Aursstzes irn Zusammenhang mit dem Altarraum und dessen 
Figuren noch Kurz daraut hingewiesen wird, bringen wir die lnschritt 
der linken Tafel. bemerkenswert die ausdruckliche Hervorhebung des 
Aliarsakrarrientes iiMatus Altare hcc cmnipctenti deo in ttonorem 
sssacramenti erectum privilegib quotidiarld perpeluo ac liberd crc 
dmnibusdelunctisadqucscurriguesacerddtes vigcre brevis Berledictl 
papae XIV die 1v. bctcbris MDOCLI insrgnitiim atqua minisirc generali 
ordirtis die x mensis mari MDCCLHI designaturn-r. Die rechte Schritt- 
urnrahmung zeigt als Bekrbnung ein Motiv,das scwie eine Heiheande- 
rer die Räume durchzieht und zu einer Erlebniseinheit verbindet: zwei 
gekreuzte, in den l-tandtlachen durchtidhne Arme, mit einem Kreuz- 
eine Kurzlcimel lur die Wunden Christi und die Stigmatisierung des 
hl. Franziskus Das Motiv erscheint über der Eingangstiir. an einer 
wand der Sakristei und am scckel des Kreuzes vcir der Kirche. (Alle 
hier behandelten tnschrilten in Kapitale) 
l ln dlesergeplanterl Fortsetzung sollen beharldeitwerderl. Mßiälerlla- 
gen stilistischerZusammenhangs von Architektur, Stuckarbeiteri, Pia- 
stiken und Malerei, weiters, wie weit das recht komplexe Programm 
vdri Ausstattung und Architektur im Bildungsrllveau und im ldeerlpro-
	        

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