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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 203)

idee vor sich gegangen sein; darauf weisen die 
hbruchsdffnung hinter dem Hochaltar und auch 
nge Verzahnung von Unfer- und Oberkirche hin.'5 
iusstattung von Kirche und Gruft zeigt nun. daß die 
itekturgrundierung durch jene vervollkommnet 
e, dieArchitekturwaraufdieseVollendung hinaus- 
htet. oder: die Ausstattung war der Architektur 
anent. Den inneren Zusammenhang deutet auch 
ileiheurkunde an, indem sich hierin offenbar der 
eweg des Bischofs wiederspiegelt": die Weihe 
int mit dem Hochaltar zu Ehren des hl. Johannes 
lmuk. wurde dann an der Nordseite fortgesetzt mit 
Altaren zu Ehren des hl. Franziskus und des hl. 
ph; anschließend stieg der Bischof in die Unterkir- 
wo der vierte Altar wieder zu Ehren des hl. Johann 
imuk geweihtwurde. begab sich dann indie Loreto- 
lle(ii5tum in honorem Bmae Virginis Lauretanaew). 
lann abschließend in die Kirche, in der an der Süd- 
zuerst der Altar zum hl. Florian und dann der zu 
n des hl. Antonius von Padua ihre Weihe erhielten. 
Zusammenhang, besser die innere, notwendige 
mmensicht von Architektur und Ausstattungsidee 
lun beginnend mit der südwestlichen Eingangs- 
hin zur Apsis und zur Unterkirche dargelegt 
en. 
neue Palrozinium war ein sehr modernes. es kam 
auch aus ikonologischen Möglichkeiten, die klug 
schätzt und ausgewähltwurden, den Anliegen des 
er Konvents außerordentlich entgegen. Die finan- 
in Unterstützungen von Wiener und ortsansässi- 
gen Bürgern tanden u. a. ihre Begründung darin, daß die 
Minoriten sehr geschätzte Beichtvater waren." Diese 
praktisch-seelsorgerische Komponente wurde aus der 
Vita des Heiligen sogleich herausgegriffen? Zuerst 
jedoch einmal beginnt der Zyklus der Malereien in der 
Turmhalle, an deren Platzelgewölbe zwei Engel vor 
einem tiefblauen Himmel das lnschriftband: rtDominus 
custodiat introitumtuum etexitumtuumit(Pst20. 8) hal- 
ten. (Die Funktion der himmlischen Gestalten - schüt- 
zend und verkündigend - ist durch das Bemühen, das 
Schriftband nach unten sichtbar zu halten, sehr 
geschickt kompositionell und räumlich inder Gegenbe- 
wegung begründet worden). 
Zwei Ovalmedaillons begleiten sodann die eigentlich 
hierbeginnende Hauptszenerie: die Beichte der böhmi- 
schen Königin Johanna bei dem damaligen General- 
vikar des Prager Erzbischofs Johann von Jenzenstein. 
Wie auch noch bei den folgenden Fresken zu zeigen 
sein wird, kannte unserFreskantohne Zweifel Bildvorla- 
gen und hier wieder besonders die Stichfolgen, die 
Johann Andreas Pfeffel für die Vila B. Joannis Nepomu- 
ceni Martyris von Bohuslav Balbino geschaffen hatte. 
Diese sehr klugen und in sich überaus wohlüberlegten 
Stiche sind sowohl in ihrer künstlerischen Qualität als 
auch in ihrer inneren, sehr dichten Verflechtung der 
Themen sicher ein Ergebnis engster Zusammenarbeit 
von Autor und Illustrator; auch in dieser Hinsicht nicht 
ohne Wirkung. Pfeffel hat in seinen Stichen einige Male 
ilBild im Bildti verwendet, diese Bildzitate hatten grund- 
sätzlich zum dargestellten Hauptinhalt einen Bezug. 
3 Ehem. Minoritenkirche Tulln, lnnenansicht gegen We: 
4 Ehem. Minoritenkirche Tulln, lnnenansicht gegen Ost 
Anmerkungen 7 - 20 (Anm. 7 4 s. Text S. ii) 
Die einzelnen Kapellen Nordseite Ost: wOrdinis minorurn luni 
von Engelngehaitenes Bild deshl. Franziskus, llnksder hl. Judas 
däus. mit dem ivVera efrigies Christi-i (man beachte den zusai 
hang mit dem Bild des hl Franziskus, das ausdrucklich als W 
Franziscl errlgies-r unterschrieben ist), rechts der hl. Mauritius. 
nakeiltir hl. Paschalis Eaylon und sein Hund, das Altarsakr 
anbetendwest vFiiiideinutrrtou;dasAitarbildzeigtdenhLJose 
dem Jesuskiridkniend, rechts die hl Anna, liriksder hlJoachiml 
nimmt durch den Blick direkt Bezug zum Altarbild). Nisch 
hl. Franz Xaver aut dem Sterbelager, Biack. dem wir in der Bei 
bung der Allarnischen gefolgt sind, meint. es wäre der hl. Franz 
was sicher falsch ist (Zit, Anm. 1, 464). Südseite. Ost: wRerum p 
rum inventor-i, Bild des hl. Antonius von Padua, von Engeln gel 
links der hl. Erasmus, rechts der hl Eiasius; Tabernakeltur d! 
des Harelikers kniet vordemAllerheiligsten. West. i-Aedium con 
torl. Altarbild hl. Florian. Itnksderhl. Sebastian, rechisder hl Ri 
inder Niscrtedie sterbende hl. Flosaliateilweisewurde also eini 
tumliches: Programm verwirklicht. 
Das Versehen der Kapellennischeri mit einem Titel, Vergleich: 
einer Station. wurde schon im 17. Jh. in der Architektur angew 
siehedazu elwasehrtreltenddieiiStationemin derGarstenerSi 
ohe, um 1680; dort sind die Bezüge von Motto und Kapeiieni 
nicht ohne weiiers zu durchschauen. Vielleicht hat dieses ElldC 
einen Ursprung auch In der rrühbarocken. theologisch ausri 
begründeten Andachlsliteratur. so etwa in den Bildseiien des v 
Mariano-benedlctinus sive Saricti illustres ordinis D Benedicti, 
gulos dies cum suis tccnibus, et vilae elogiis distributi . . . Sali 
1668- 72 (Vert Josephus Mezger). Bei den Altären sehen wi 
wieder - wie es auch bei den Fresken festzustellen sein wird 
tür sich Eigenwert besitzendes Bild, das in einen größeren Bi 
Gedankenkonnexeingeordnet wurde. S. dazu auch alseventueli 
zel P. P Rubens, seine beiden Versionen des Gnadenbildes M! 
della Valllcella In Rom und Grenoble. 
' An den Fronttltichen Engelschore rriit Musikinstrumenten. 
' Die uberaus zahlreichen Aspekte bezüglich Leben, Heillgsprei 
Verbreitung im Kult, lkonographie, Beliebtheit des Heiligen in B4 
und Österreich. seine kulturpolitische Rolle. der historische ( 
darüber kann sehr austuhrllch nachgelesen werden in den l 
Katalogen: Johannes von Nepomuk. Ausstellung Katalog 
Franz Matsche. - Passau 19712 250 Jahre hl. Johannes von 
muk Katalog d. IV Sonderschau Dommuseum Salzburg, - Sa 
1975 
1" Balbinus. Bohuslaus. Vita B. Joannis Nepomuceni martyris. .. 
denuo edita, et iconismis praecipua beati acta exhibentibus illu 
Scalpro et sumptibus JoannlsAridreae Pfeffel. - Augustae Vini 
ium 1725(hintorl als Vita zitiert). Herrn Dr A Hahnl von der Bib 
des Stilles St. Peter in Salzburg sei herzlich gedankt für seine se 
gegenkommende Haltungbei Benutzung derBibliothek,ein Dan 
an Herrn Peter Pomper fur immer gleichbleibenoe Freundlich! 
" DieLoretokapeIIe haltstchstreng undinallen Detailsanden Kan 
Ser Bauten, s dazu Potzi. Walter, Santa-Casa-Kult in Lorelo 
Bayern - in: Wallfahrt kennt keirieGrenzen. Themen zu einem 
lung. Bayrisches Nationalrriuseum Münsohen, - München. 
1984. 368 - 382. 
" Uml74dI5o.elnHlriweis,daßdieKabelieiedenrallsinunsererA 
zeit eine grundsätzliche Neueinschätzung erhielt, 
" Die Raumgllederung der Unterkirche wurde von Beginn an aul l 
tung angelegt: die Joche sind abwechselnd seichter (ca t, 
1,58 m) und tleler (ca 2,54 m), in den seichteren Jochen wurde 
die Kolumbarien der Ordensmitglieder eingeordnet, jeweils 6 ii 
Einheit. Die tieferen Joche sind trel begehbar. 
" Die frühesten Bestattungen laut Inschrift landen 1750 statt, i 
auch Doppelbelegungeri, mit 1780 hören sie auf. Die lnschr 
Name. Funktion im Orden und Alter an. 
15 Durch die anläßlich der Restaurierung abgeschlagenen Maueri 
möglich lolgendes zu sagen (was mehr aut eine vollständige 
ricriiung hlndeutsti Ptelier und Mauern sind sorglaltig durchg 
aus Ziegeln auigemauen (das Gewölbe lSt noch mtt Stuck bede 
den vorderen Pletlern wurden teilweise schön bearbeitete San 
quaoem wiederverwendet. In den Seitenwänden der fielen 
schächle -die Unterkirchewirdvon Fenstern hinreichenderle 
-,ebensusoweltsichtbaranderApsis undamStiegeriabgangt 
Kirchelaßtsich alteresunregelmaßiges Bruchsteinmauerwerk 
nen, Dies konnte man so deuten, daß der Barockbau in Tellenl 
Zugeeineslforgangersbenullte(romanisoh?) derährillche oiir 
nen hatte Uber die innere Gliederung der Unterkirche kann C 
aber nichts gesagt werden. sie selbst bleibt auch im unsicheri 
" s. Anm. 3 
"' Eiack (Anm 1), 460 berichtet von einer Frau von Thaan. die 
Beichtvater aus dem Minoritenorden sogar nach Tulln liiigie ur 
Klosterein bedeutendes Vermbgen hinterließ. Sie durtte identlsl 
mit der Frau von Ekhardt, von der Feil (Anm. 3), 159 berichtet. 
" Gemeint ist vor allem die Beichte der Königin Vita (Anm, 10) n. 8 
" Stiche 3, 4. 17, 19. 
x" Rosenberg. Adoil. Rarlaei Des Meisters Gemälde iri 275 Abbild 
4 A. hISQ. v. Georg Gronau. 7 Stuttgart, Leipzig 1909 (Klassil 
Kunst. 1 iAou ButS 206, Anm dazu autS. 250. Das Vorbild! 
wurde jedoch nichtwortgetreu uberriommen, Veränderungen g 
nen ortenbar ELICÜ aus Grunden der Gesamtkomposition. Die 
nahrne ist auch in dem Slnn zu verstehen, dar-l ollenbar ein 
gruppe-i bevorzugt wurde. die diese klassischen. bert 
Qualitäten autwelst, Es karne also auch die Version des Thema: 
ArlvonCl-Jrlo Maralli in Frage. (Als Beispiel. Mariamitdem schla 
Kind und Engeln, Paris, Louvre;Abb autS. 351 bei Voss, Hermai 
Malerei des Barock in Rom, - Berlin 1924). 

	        

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