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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 203)

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in der Vita des Baiblno und in der zeitgleichen Prr 
literatur" wird besonders hervorgehoben. daß Jr 
nes bewuBt, d. h. also voraussehend den tödlichen 
gang des Konfliktes mit König Wenzel, in sein Mart; 
ging. Dieser Zielsetzung und ihrer großflächigen 
stellung an der Decke wollte - so scheint uns - 
Tullner Freskant entsprechen. Er hat deswegen 
wBrückensturza, dem Abschiuß des Martyriums, 
ein anderes ikonographisches Vorbild herangezr 
in dervita (Stich 22)oftnet der Heilige die Arme - 
gefesselt -. das Kreuz vor sich haltend, aktiv hier 
ein wsprechendes-r Zeugnis gebend. In Tulln sche 
beinahe, als würde er seinen Schergen entschwr 
Ertragensgeste und gesammelter Gesichtsausr 
zeigen die konzentrierte. selbst durch brul 
Behandlung unveränderliche innere Ruhe. Gerac 
diesen Gegensatz deutlich herauszustrelchen - 
gibt dies dem Maler aber auch eine bessere Korr 
tionsmüglichkeit im vierpaßahnlichen Freskenfel 
orientierte er sich nach dem Relief von Antonio ( 
dini, das dieser für das Prager Denkmai des Heilig 
Veitsdom geschaffen hatte. Speziell das Modell 
Corradini um 1733 entworfen hatte", dürfte mit s 
VersiondesMartyriumsdenAusschlaggegeben h. 
dort agiert in der Mitte der Brücke ein Henker mit 
langen Stange. mitdererbeinahe unnötig den nac 
ten fallenden Heiligen attackiert. Unser Maler en 
mit Verwendung dieser Verschärfung auch eine 
spürbare Verraumlichung des Geschehens. Wir r 
bereits darauf hingewiesen. daß in der Szene mit 
Anbieten der bischöflichen Würde auch eine Bild; 
lele zum Verhör Christi zu sehen war; eine zeitger 
schePredlgtfühitdieseZweigleisigkeitbishinzun 
tyrium. das beide, Christus und Johannes, w: 
wChristus hat in seinen Leyden geschwigen bis zu 
wunderung Piiati, und Johannes bis zur Erbitti 
Wenceslai . . . Mir redestdu nicht? sagte Wenceslz 
Joannem. was Pilatus zu Christo: weist dann nicht 
dein Leben und Todt in meinen Händen lige I ur 
Gewalt habeldichzu erhöhenIoderin dasWasser 
zen? Gleichwie aber Christus ehe den Creut: 
erwählet I als ihme selber I zum Nachtheii des 
sehen-Geschlechts I das Wort geredet I also hat 
Joannes ehender seine Stürtzung von der Bri 
erwartet I als wider das Gesetz Gottes seinen 
eröffnet!" 
Mit allen Registern der Ausstattung und der sinng 
ßen Inszenierung vollzieht sich sodann die Giori 
Heiligen in und an der Apsis, und bezieht nun au: 
Unterkirche in die Schlußtugierung mit ein. 
Der Flaum derApsis ist nun sehrvieles: glänzende, 
erfüllte Apotheose Johannes von Nepomuk, Zt 
menfügung allerbisher aufgeschienenen Beziehu 
nien; er ist aber mehr: gegenüber dem Fortschrei 
den Takten derArchltektur ist nun ein endgültige 
punkt erreicht. hatdie Erzählung nach historischer 
ten ihr Ende erlangt: die zeitlose, neue Realität r 
den Apsidenraum hinein agierenden Himmels, br 
das unmittelbare Wirken der Trinität (das hii 
Sagende bzw. bereits Gesagte darf aber keines 
bloß Angelegenheit einer Deutung sein). Das Lang 
war bei bester Qualität der Architektur und der S 
arbeiten, bei mittlerer der Malereien, von eine 
fachen Kaikfarbelung bestimmt - die genaue Tt 
wird man wohlerstbeieinereingehenden und dem 
vollen Ensemble entsprechend sorgfältigen Rest. 
rungeriahren können. Mitdem Triumphbogen des 
raums beginnt aber eine Sphäre kostbarster Ma 
lien (wenn auch in Imitation durch Stuccolustrr 
heute immerstarkerwerdende Zerfall läßtleiderd 
sion des Gianzes nicht mehr so recht aufkommen) 
mor in Rot- und Grautönen, strahlende Goldauflagi 
dem sehrguten Bandl- und Blattwerk, ebenso wie 
wesentlichen Architekturteilen - besonders schi 
Kapitelle -. dazu der ganz in Gold gehaltene Alt. 
bau (übrigens mit einem alten Marienbild)"; im Hi 
der Halbkuppel leuchtende Blautöne in vielen Sei 
rungen, daneben Rosa und Weiß. Vor dem Besc
	        

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